Schulhäuser in Fellbach

Obwohl in Fellbach schon seit Beginn des 16. Jahrhunderts Schule gehalten wurde, wissen wir bis jetzt noch nicht genau, wo die Kinder unterrichtet wurden. Man kann nur vermuten, daß die Schulmeister, die ja zugleich auch Mesner waren, die Schüler zuerst in einem Raum ihrer Mesnerwohnung versammelten. Ein Schulhaus wird erstmals in einem Bericht des Pfarrers Ketterlin erwähnt, als er im Jahre 1693 ein neues Totenregister beginnen mußte. Die Franzosen waren ins Land eingefallen. Als sie vor den Toren Schorndorfs abgewiesen worden waren, zogen sie das Remstal herunter und "legten auch in diesem Flecken Fellbach 178 Häuser und Scheuren in die Aschen unter denen auch das Schulhaus". Das Schulhaus war in jener Zeit in die Ringmauer eingebaut, mit der die Kirche (heutige Lutherkirche) umgeben war. Die Fellbacher hatten zwischen 1423 und 1471 diese zu einer Wehrkirche ausgebaut mit Ringmauer, Ecktürmen und Wassergraben. Wahrscheinlich war dann im Lauf des 16. Jahrhunderts - vor die südliche Ringmauer vortretend - ein Gebäude eingefügt worden, das wohl die Mesnerwohnung und die Schule enthielt (siehe Bild). Zwei Jahre nach der Zerstörung war das Schulhaus wieder aufgebaut. Im Visitationsbericht des Dekans von 1702 heißt es: "Schulhaus völlig aufgebaut und bezahlt." Die Akten berichten im Jahr 1731 ferner, das Pfarr- und Schulhaus sei in gutem Stand. Aber schon in den folgenden Jahrzehnten wird bei jeder Visitation die Forderung nach einer Erweiterung erhoben "um der wachsenden Schuljugend willen". Dieser Notwendigkeit scheint man im Jahre 1771 stattgegeben zu haben. Das Haus wurde erweitert.

Die Fellbacher Wehrkirche. Nach einem Ölgemälde von Maisch (1778). Im Besitz der Stadtverwaltung Fellbach. Über dem Tor rechts die Schule.


Aber schon von 1783 an kehrt die alte Klage wieder, die Schulstube sei für die vielen Kinder (es waren über 300) viel zu eng. Der Wunsch nach Verbesserung konnte jedoch nicht verwirklicht werden. Man hoffte auf bessere Zeiten. Die Gemeindeverwaltung, insbesondere der Ortsvorsteher, der Amtmann und Gerichtsschreiber Ditting, ein Freund der Schule, sah die Notwendigkeit einer Abhilfe völlig ein. Die Ortsbehörden stellten einen Antrag beim Gemeinschaftlichen Oberamt auf Vergrößerung der Schulstube, wiesen aber gleichzeitig darauf hin, daß ein Umbau beträchtliche Kosten verursache. Die Schulstube und die daran angebaute Lehrerwohnung müsse abgebrochen und ganz neu aufgebaut werden. Man könne jedoch die "Kosten nicht prestieren", denn die Gemeinde sei "bei den Weinfehljahren und der Fruchtteure gänzlich entkräftet". Schulden zu machen könne dem Heiligen (Kirchenpflege) nicht zugemutet werden, weil noch vom letzten Kirchenbau her Schulden zu tilgen und Zinsen zu bezahlen seien. Man bitte also um Aufschub.

Aber an dem großen Notstand der Schule konnte dies nichts ändern. Die Mahnungen des Dekans wurden dringender. Der Schulhausbau wäre so notwendig gewesen wie der Kirchenumbau, bemerkte er. Das Haus müsse abgebrochen werden, denn der Giebel drohe einzufallen. Die Gesundheit der Lehrer und Schüler, ihr Fleiß und ihre Munterkeit leide not. So warnte er 1792 noch einmal eindringlich. In der Tat! Die Zustände in der Schule wurden immer unerträglicher. Während des Unterrichts mußten meist 30-40 Kinder stehen. Sitzplätze gab es nicht so viele.
Der Schulmeister Nikolaus Ferdinand Auberlen tat, was er konnte, um Erleichterung zu schaffen. Er gab sogar täglich eine Stunde mehr als er verpflichtet gewesen wäre, um auf diese Weise die große Schülerzahl in Abteilungen unterrichten zu können und der Enge Herr zu werden. Wie die 3 leerer in einer engen Schulstube sommers mit 364 und winters mit 378 Kindern einen einigermaßen erfolgreichen Unterricht zu geben vermochten, können wir heute kaum verstehen und begreifen. Trotzdem sei der Bau wegen der Finanzlage der Gemeinde, des Heiligen und der "derzeitigen Kriegsunruhenwegen" nicht möglich, bemerkte der Dekan.

Im Jahre 1798 kam Pfarrer Kahler nach Fellbach. Ober seine ersten Eindrücke schrieb er später ins Kirchenbuch: "Den traurigsten Anblick gewährte dem Pfarrer bei seinem ersten Hiersein der Anblick des über alle Beschreibung elenden und engräumigen Schulhauses."

Nach seinem Amtsantritt betrieb nun Pfarrer Kahler mit aller Energie den Bau eines neuen Schulhauses, zumal die Sprieße, mit denen das alte baufällige gesichert war, durchgefault waren und nach und nach umfielen. Er sorgte dafür, daß Pläne fertiggestellt und genehmigt wurden, daß Kapital angespart wurde. Außerdem erbat er von verschiedenen Seiten Beiträge zum Bau. Aber er hatte noch viele Hindernisse und
Widerstände zu überwinden, bis mit dem Neubau begonnen werden konnte. Unendliche Schwierigkeiten machten einige Gegner des Bauplans. Proteste gab es seitens vieler Bürger wegen des teilweisen Abbruchs der Ringmauer. Drohungen mußte der Pfarrer entgegennehmen. Nach mancherlei Kämpfen konnte dann im Sommer 1801 begonnen werden. Die Schule wurde in der Kirche abgehalten. Das alte Schulhaus und ein Teil der Ringmauer wurde abgebrochen und aus den Steinen das neue Gebäude errichtet. Aber noch eine gefährliche Stockung galt es zu überwinden: Das Bargeld des Heiligen war erschöpft, und die Handwerker forderten Geld. Bargeld mußte beschafft werden ! Da verkaufte der Pfarrherr seinen Besoldungswein und konnte so dem Heiligen bares Geld vorschießen.

Am 10. November 1801 war es soweit. Der Neubau wurde eingeweiht.

Ein neues Schulhaus! Welche Freude für Lehrer, Schüler und zweifellos auch für die Gemeinde! Der Tatkraft und dem entschlossenen Willen aller Beteiligten war es zu verdanken, daß das Werk gelang. Pfarrer Kohler aber schrieb: "Gott bewahre nun das Erbaute in allen Gnaden vor Unglück - mich aber vor jedem ähnlichen Bauwesen."

Jede der 3 Schulklassen hatte nun ihr eigenes Zimmer. Dasjenige des Schulmeisters befand sich in der Mitte; an den beiden Seiten anstoßend - und durch Türen mit dem mittleren Zimmer verbunden die beiden andern. Der Schulmeister konnte so jederzeit den Unterricht seiner Provisoren überwachen. Er selbst hatte im neuen Haus eine geräumige und bequeme Wohnung. Auch für die Lehrgehilfen war Wohnraum vorhanden. Jetzt waren die äußeren Voraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht gegeben. Voll Freude schrieb deshalb der Dekan in seinen Visitationsbericht im Jahre 1802: "Das neue Fellbacher Schulhaus wird wohl im lande wenig seinesgleichen haben."

Dazu hatte Fellbach in Nikolaus Ferdinand Auberlen "den besten Schulmeister der Diözese". Bei seiner Arbeit und mit Hilfe seiner Provisoren zeigten sich auch bald die Früchte der neuen Verhältnisse an den Fortschritten der Kinder im lernen. Nach Erweiterungsbauten in den Jahren 1825 und 1875 hatte das Haus 5 Schullokale und 4 Lehrerwohnungen. Diese wurden nach dem 2. Weltkrieg allmählich geräumt und als Büroräume für die Stadtverwaltung verwendet. Als im Herbst 1957 die schönen und neuen Gebäude des Friedrich-Schiller-Gymnasiums bezogen werden konnten, fielen auch die letzten 3 Schulzimmer in der "Lutherschule" weg. Seitdem dient das ganze Gebäude der Verwaltung als Rathaus II.

Die "Neue Schule" in der Neugasse
(Auberlenschule ab 9. September 1946)


Bereits im Jahre 1813 bemängelt der prüfende Dekan den großen Fehler, daß statt vier Klassenzimmern im Schulhaus nur drei vorhanden sind.

Auf einen Erlaß des Kgl. Konsistoriums vom 6. November 1843, in dem die Anstellung eines zweiten Schulmeisters, einer Wohnung für diesen und ein weiteres Schulzimmer gefordert werden, legt das Amt in Fellbach am 30. August 1844 einen Riß vor, der ein weiteres Klassenzimmer über den gegenwärtigen bei der Kirche zeigt. "Wegen der schlechten ökonomischen Lage aber wollen sie die Wohnung und die Besoldungsfrage für den zweiten Schulmeister im Anstand lassen."

Auf ein erneutes dringendes Mahnen des Konsistoriums, um den Unterricht nicht notleiden zu lassen, wollen die Gemeindekollegien einen entsprechenden Raum sofort mieten. Der Bau eines Schulzimmers sei aber bei der vorgeschrittenen Jahreszeit in diesem Jahre nicht mehr auszuführen. Gleichzeitig bitten sie, in gnädigster Bälde einen Lehrgehilfen oder Unterlehrer auf die fünfte Schulstelle zu überlassen. "Die Gemeinde habe wohl 600 Morgen Wald und weitere der Kultur sonst unzulängliche Allmendstücke, aber kein Kapitalvermögen, dagegen 5000 Gulden Schulden. Das Stiftungsvermögen sei durch das nötige Kirchen- und Schulhausbauwesen in den Jahren 1770-1800 aufgegangen, das jährliche Defizit der Gemeinde von 500-700 Gulden steige nun auf 900 Gulden jährlich an durch den Bau eines Armenhauses, einer neuen Straße nach Schmiden bei den wenig bemittelten Bürgern und armen Bewohnern des Ortes können weitere Lasten nicht übernommen werden."

Das Evg. Konsistorium und das Gemeinschaftliche Amt in Cannstatt wollen aber keinesfalls von der Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung zur Anstellung eines zweiten Schulmeisters freisprechen, noch einen Aufschub bewilligen, doch anheimgeben, bei einer gehörigen Begründung zu den Kosten des Bauwesens und zur Besoldung des zweiten Schulmeisters um einen Staatsbeitrag zu bitten, binnen vier Wochen aber einen Plan zur
Wohnung vorzulegen nebst gemeinderätlichem Beschluß über die Besoldung des zweiten Schulmeisters mit mindestens 300 Gulden. Inzwischen soll ein weiterer Unterlehrer kommen (Stuttgart, den 6.9.1844).

Erst am 25. Februar 1845 beschließt der Stiftungsrat und der Bürgerausschuß gemeinsam, das Gehalt auf 300 Gulden festzusetzen (je hälftig von der Gemeinde und der Stiftungskasse zu zahlen), wegen der hohen "Tariffe" der Baumaterialien aber von dem Wohnungsbau Abstand zu nehmen, dem Lehrer dafür eine Mietwohnung zu besorgen (75 Gulden, für eine kleinere Wohnung noch billiger).

Das Konsistorium hatte den Plan für den Schulraum über dem Schulhaus an der Kirche bereits genehmigt und verlangte auf Georgi 1846 einen Bericht über die Fortschritte des Baues.

Da ringt sich Gemeinderat und Bürgerausschuß in einer Sitzung doch noch zu einem Neubau durch. Einstimmig wird der Kauf des Gartens von Georg Holzz, Maurer, mit den zum Zwecke eines Privathauses bereits aufgeführten Kellerstockmauern um 1600 Gulden beschlossen. "In der vollen Überzeugung, daß dem Interesse der Gemeinde auf diesem Platz für ewige Zeiten die zuträglichste Handlung und Einrichtung geschehe."
Baumeister de Say heißt den Bauplatz und die Einteilung gut, hinter dem Gebäude sei noch Platz für ein Gärtchen oder einen Tummelplatz für die Jugend. Die Schulräume seien genügend groß, für die Lehrerwohnung eher zu viel Platz. Die Entfernung bis zur Kirche sei aber beträchtlich.

Am 7. Juni 1845 empfiehlt dann das Gem. Oberamt den Bau der zwei großen Schulräume für je 100 Kinder und im Obergeschoß die Wohnung des zweiten Schulmeisters mit vier geräumigen Zimmern. Der Bau muß nun doch zügig vorgeschritten sein. Am 6. September war Richtfest. Schulmeister Wilh. Amandus Auberlen hielt die Rede an die verehrten Herrn Ortsvorsteher und Gemeinderäte, Mitglieder der ehrsamen
Steinhauer- und Zimmergewerbe, Meister und Gesellen und die wertgeschätzten Bauarbeiter und Mitbürger. Der Schluß seiner Rede sei hier wiedergegeben: "Im Vertrauen auf Gottes Hilfe bauet fort bis das Werk vollendet ist. Und es ist kein gewöhnliches Werk, denn ihr bauet ein
Haus, in welche~ junge Christen mit Gottes Hilfe tüchtig gemacht werden, ihren irdischen und himmlischen Beruf kennen und lieben zu lernen; ihr bauet ein Haus, in welchem die Lämmer eines guten Hirten geweidet werden sollen auf den grünen Auen seines seligmachenden Wortes; ihr bauet ein Haus, in welchem ein irdischer Unterhirte und Diener jenes himmlischen Oberhirten seine einstweilige Wohnung haben soll..

Nach vollendetem Ausbau konnte der Unterricht im "Neuen Schulhaus. aufgenommen werden. Die zwei Schulräume im Erdgeschoß waren ca. 10 m lang und 8 m breit. In dem einen unterrichtete der auf Jakobi 1846 ernannte zweite Schulmeister J. C. Wilh. Frey, im zweiten der Provisor Pfisterer. Jeder hatte 100 Kinder zu schulen.

Nach dem Gesetz vom Jahre 1858 durfte keine Klasse über 90 Schüler zählen. Im Jahre 1888 konnten aber nicht weniger als 55 Schüler nicht in die Oberklassen aufgenommen werden, alles war besetzt. Im Frühjahr darauf war es noch schlimmer. Die zweiten Klassen hatten 125 Knaben und 129 Mädchen, weil 37 Knaben und 42 Mädchen in der dritten Klasse nicht unterkommen konnten. Es fehlte also wieder an Schulraum.

In der Neugasse mußte angebaut werden. Es wurde geplant und wieder verworfen. Zuletzt einigte sich die Behörde doch noch mit der Gemeinde, um die rechtzeitige Erstellung nicht zu gefährden. An der Westseite baute man einen weiteren Schulraum an, darüber eine weitere Lehrerwohnung.

Ende Oktober 1889 beschloß man, am 11. oder 12. November mit einer kleinen Feier einzuweihen.

In der langen Geschichte dieses Schulhauses diente es anfänglich den Mädchenklassen, dann belebten mehrere Jahre Knaben und Mädchen der Unterklassen die Räume. Vor dem ersten Krieg zog die erste Klasse der kath. Volksschule ein, später auch eine zweite. Die Einführung der "Deutschen Volksschule" bedingte das Ende der Konfessionsschulen. Jetzt kamen wieder Grundschüler in die Zimmer, zeitweise belegte die Hilfsschule zwei Räume.

Als im Sommer 1948 die Schulen in zwei Rektorate aufgeteilt wurden, kamen die drei Räume zur Mädchenvolksschule. Die jüngsten Mädchen aus dem "Oberdorf" durften dort ihre ersten Schuljahre verbringen. Die drei Klassen übersiedelten im Herbst 1963 in die Silcherschule.

Leer stehen deshalb die Zimmer nicht; jeden Abend sammeln sich dort verschiedene Jugendgruppen. Sie haben sich freundlich eingerichtet und sind froh, endlich eine Bleibe zu haben.


Das dritte Schulhaus
Seit 1946 Stauffenbergschule


Um die Jahrhundertwende herrschte schon wieder größte Raumnot. In den 8 vorhandenen Schulzimmern saßen je 100 und mehr Kinder. Die düsteren Klassen des unteren Schulhauses waren vollgepfropft. Wenn die Sitzgelegenheiten nicht ausreichten, half man sich, indem man Brettchen über Holzklötze legte. Es mußte Raum geschaffen werden. .

In einer gemeinsamen Sitzung des Gemeinderates und des Ortsschulrates kämpfte Pfarrer Bengel (seit 1902 in Fellbach) um ein Schulhaus wie hundert Jahre zuvor Pfarrer Kohler. Er wies darauf hin, daß Fellbach es in langen Jahren an der Versorgung seiner Schule habe fehlen lassen, er sei erstaunt gewesen, wie er bei seiner Ankunft hier die Schulverhältnisse gefunden habe. Der Abteilungsunterricht sei nur ein Notbehelf, um der
Gemeinde eine größere Belastung zu ersparen, er bedeute nur ein Hinausschieben. "Nirgends dürfte ein Kapital besser angelegt sein, als wenn man es an die wende, die in den künftigen Jahren die geistige und ökonomische Bedeutung der hiesigen Gemeinde zu repräsentieren haben. Die
zukünftige Entwicklung der Gemeinde und die Tüchtigkeit ihrer Glieder im Auge behalten und in Rechnung ziehen, darin zeigt sich die rechte Sparsamkeit, weil sie in die Zukunft schauend die Dinge der Gegenwart mit den künftigen Möglichkeiten verbindet."

Man erwog einen Anbau im Schulhaus in der Neugasse, einen Umbau des Gemeindehauses in der Schmerstraße, die Aufstellung von Schulbaracken, drei neue Schulräume an Stelle der zwei Lehrerwohnungen im Schulhaus Neuestraße, dann einen Neubau im Schweglerschen Garten (wohl Schmerstraße), doch der Platz war zu schmal und der Besitzer wechselte. Inzwischen mehrten sich die Stimmen, die im Blick auf die Vergrößerung des Ortes nach Norden einen Bau im unteren Ortsteil verlangten. Lange lag nun der Platz in der Cannstatter Straße südlich des damaligen Postgebäudes - jetzt Kirchenpflege - im Blickfeld, dort sollten zwei oder vier Lokale entstehen.

In einer gemeinsamen Sitzung verwarf aber dann der Oberamtsbaumeister auch diesen Plan. Die Kirche dürfe auf keinen Fall eingebaut werden. Fellbach müsse ein Schulhaus bauen, in dem für die Bedürfnisse der Zukunft ausgiebig gesorgt sei. Er schlage den Saylerschen Garten beim Kirchhof vor.

Der Gemeinderat beauftragte nun den Ortsbaumeister, nach dem Schulhausneubau in Münster einen Plan zu fertigen. Diesem stimmte aber niemand zu, die Zimmer seien viel zu groß. Vorgelegte Baupläne neuer Schulhäuser in Hedelfingen und Calmbach wurden ebenfalls abgelehnt. Nach einem neuen Plan sollten in einem Teilbau sechs Klassenzimmer erstehen, von denen allerdings vorerst nur zwei auszubauen wären. Es reichte aber nicht, wie vorgesehen, diese zwei Räume auf 1. November 1906 fertigzustellen.

Im Frühjahr 1907 waren aber die Arbeiten doch soweit vorgeschritten, daß von der Einweihungsfeier gesprochen werden konnte. Die bürgerlichen Kollegien lehnten eine Feier ab. So wurde am 25. Juni 1907 in engstem Rahmen eingeweiht. Im November mußte aber der Unterricht wieder eingestellt werden, weil die Heizung noch nicht fertig  war.

Im Oktober 1910 meldete sich wieder das Oberschulamt und forderte neben der Errichtung weiterer Schulstellen den notwendigen Ausbau des Schulhauses. Der Gemeinderat aber verwies auf den dringenderen Ausbau des viel zu kleinen Rathauses und andere vordringliche Arbeiten. Er erbat, den Ausbau bis 1912 verschieben zu dürfen. Nach längerem Verhandeln billigte das Oberschulamt dieses Ansuchen, verlangte aber bis 1. Dezember 1911 einen Bericht über das Geschehene. In diesem Jahr mietete die Gemeinde ein Lokal im Bahnhofhotel, um dort eine Klasse unterzubringen.

Am 6. September 1912 stimmte der Ortsschulrat einstimmig dem von Architekt Moser, Fellbach, vorgelegten Plan zu. Der Erweiterungsbau sah im Obergeschoß, ersten und zweiten Stock je vier weitere Lokale vor, außerdem im Untergeschoß Räumlichkeiten für Kochkurse und Handfertigkeitsunterricht.

Von diesen Zimmern wurden aber nicht alle sofort ausgebaut. Noch 1922 waren im Obergeschoß Räume, in denen z. B. die Lehrmittel behelfsmäßig untergebracht waren, die Fußböden aber fehlten noch.

Nach dem Ausbau dieser Räume erwog man längere Zeit, die Abortanlagen in den drei Stockwerken herauszunehmen und in einer besonderen Anlage in der Nordostecke des Schulhofes entlang der Kirchhofstraße zu beiden Seiten des einstigen Leichenhauses unterzubringen. Dadurch wäre wohl in jedem Stock ein weiterer Schulraum und ein kleines Zimmer gewonnen worden. Der Gemeinderat stimmte aber nicht zu. Ortsbaumeister Ulmer fertigte nun einen neuen Plan (August 1929) für den Ausbau des ganzen Geländes (auf der Ostseite war der Bauhof der Gemeinde). Der Plan sah im Süden entlang der Schillerstraße einen Querbau, im Osten wieder einen Längsbau bis zur Kirchhofstraße vor, in diesem Flügel war die Turn- und Festhalle eingeplant (30 x 15 m).

Es kam nicht so weit. Die Frauenarbeitsschule zog in das Anwesen Steichele in der Ludwigsburger Straße (jetzt Theodor-Heuss-Straße). Wieder waren zwei Räume frei, im übrigen half man sich mit fliegenden Klassen.

1933 wurde aber doch gebaut. Der Südflügel bekam einen abschließenden Anbau mit je zwei schönen Schulzimmern und einem kleineren Raum in den beiden Obergeschossen. Im Untergeschoß erstand endlich die längst nötige Turnhalle.

Am 20. November 1933, nachmittags vier Uhr, fanden sich in der Turnhalle die Gäste zur Feierstunde ein. Das Männerdoppelquartett und der Schülerchor umrahmten die Reden.

Seit 1946 heißt dieses Gebäude "Stauffenbergschule", erinnernd an Graf Stauffenberg, den Widerstandskämpferdes 20.Juli 1944.

In der Stauffenbergschule sind zur Zeit die Knabenvolksschule, die Sonderschule und die Hauswirtschaftliche Berufsschule.

Das vierte Schulhaus
"Die Silcherschule"


Die Einwohnerzahl von Fellbach stieg weiter sprunghaft an. Nur kurze Zeit verstummte die Klage um weiteren Schulraum. Draußen im "Lindle" und im Nordwesten der Stadt waren neue Straßen erstanden, und die Häuserreihen schossen wie die Pilze heraus. (1932 wurden in Fellbach 160 Geburten eingetragen, 1938343.) Die Schulraumnot rückte wieder in den Vordergrund. Die beiden Hilfsschulklassen waren mietweise in der Schulstraße beim CVJM untergeschlupft.

Die Stadtverwaltung sah beizeiten ein, daß hier geholfen werden mußte. Bürgermeister Dr. Graser hatte bereits 1934 erklärt: "Die Sorge um das Schulwesen darf nie aufhören und muß in einer aufstrebenden Gemeinde im Vordergrund stehen.,"

Die Schwierigkeiten lagen diesmal in Stuttgart. Trotz des Mangels an Baustoffen und an Arbeitskräften (Westwall) genehmigte die Regierung das Bauvorhaben. Stadtverwaltung und Gemeinderat wählten als Bauplatz das Gelände Ecke Zeppelin- und Eßlinger Straße. Mit den Bauarbeiten konnte im April 1939 begonnen werden. Geplant war ein Gebäude mit 18 Klassenzimmern, 4 Lehrsälen, Werkräumen usw. In unmittelbare Nähe sollte dann die Turnhalle kommen, ein Kindergarten und das Sportzentrum.

Am 13. August 1939 war feierliche Grundsteinlegung. Der Zweite Weltkrieg stellte dann alles in Frage. Wohl konnte der erste Bauabschnitt im Rohbau fertiggestellt werden, er diente dann als Unterkunft für die Fremdarbeiter und Gefangenen, die im Arbeitseinsatz waren.

Erst am 18. Januar 1947 konnte dieser erste Teil dann eingeweiht werden. Bei der Feier erhielt die Schule auch den Namen "Silcherschule". Silcherschule, weil Friedrich Silcher drei Jahre bei Nikolaus Ferdinand Auberlen in Fellbach Provisor gewesen war.

In dem eingeweihten ersten Bauteil war aber nur der erste Stock für den Unterricht freigegeben. In dem Erdgeschoß blieb noch einige Zeit ein Holzverarbeitungsbetrieb. Kurze Zeit sichtete dort auch H. Ruthardt die für die Städt. Bücherei gespendeten Bücher. In den ersten Stock teilten sich die Oberund die Volksschule. Nach dem Ausbau des Erdgeschosses übernahm die Oberschule den ersten Stock ganz, die Volksschule das Erdgeschoß. Um zwei weitere Räume zu gewinnen, opferte man die beiden Lichthöfe. Oberschule und Volksschule aber schichteten weiter. Meist waren es drei Klassen, die sich mit zwei Räumen begnügen mußten.

1951 konnte der nördliche Anbau fertiggestellt werden. Im Erdgeschoß und ersten Stock waren je 5 Schullokale erstanden, im zweiten Stock neben einem großen Unterrichtsraum die kleineren Räume für die Lehr- und Lernmittel und für das Filmen, im Untergeschoß das Duschbad und die Küche der Hauswirtschaftsschule. Die Schülerzahlen aber stiegen weiter an, die Klassen schichteten, bis 1957 der Neubau des FriedrichSchiller-Gymnasiums bezogen werden konnte.

Jetzt bekam die Mittelschule mit damals 11 Klassen den Nordflügel des Hauses, die Mädchenvolksschule den Südflügel. Die Stadt baute dann noch 1963 im Nordflügel des Dachstockes und im Untergeschoß weitere Behelfsräume aus, so konnte in der Mittel- und in der Volksschule der Schichtunterricht in einem erträglichen Rahmen gehalten werden. Waren doch zu gleicher Zeit im nahen Schulkindergarten vier Räume fertig geworden.

Längst war die Stadt auf der Suche, die Schulraumnot bis zur Erstellung der neuen Gebäude im Nordosten zu überbrücken. Dank der Tatkraft des Herrn Oberbürgermeisters entschloß sich Stadtverwaltung und Gemeinderat, die wohl für später vorgesehene Errichtung eines Schulkindergartens vorzuziehen und beschleunigt durchzuführen. Es reichte zwar nicht bis zum Beginn des Schuljahres 1963, der lange strenge Winter hatte eine Ruhepause geboten. In den bei den Sälen im Erdgeschoß und den künftigen Werkräumen im Untergeschoß verfügte die Volksschule über vier weitere große und schöne Räume.

Nach dem Umzug der Klassen in die neue Maicklerschule werden die beiden Erdgeschoßzimmer die Kinder aufnehmen, die vom Schulbesuch zurückgestellt werden müssen. Fellbach ist mit diesem Schulkindergarten beispielhaft vorangeschritten.

Diesem schmucken Bau gegenüber, an der Südseite des Schulhofes, war im laufe des Jahres 1960/61 die Turnhalle mit einem geräumigen Gymnastikraum und einem Turn- und Spielplatz erstanden. Der Turnunterricht für die Volks- und die Mittelschule, der immer Not gelitten hatte, konnte jetzt unter den günstigen Voraussetzungen wesentlich gefördert werden.