400 Jahre Fellbacher Schulen


Über 400 Jahre sind vergangen, seitdem in Fellbach - damals ein Dorf mit etwa 1000 Einwohnern eine Schule eingerichtet worden war. Für die damalige Zeit war das durchaus keine Selbstverständlichkeit. Wohl bestanden lateinische Schulen bei den Klöstern und Städten, aber eine Pflicht zum Besuch einer Schule gab es für die Bevölkerung nicht.

Erst die großen geistigen, religiösen und politischen Strömungen und Auseinandersetzungen im 15. und 16. Jahrhundert brachten hier einen Wandel. Das humanistische Bildungsideal fand seinen Widerhall bei den Reformatoren und gipfelte in der Forderung Luthers, die Obrigkeit habe die Pflicht, für ihre Untertanen Schulen einzurichten.

In Württemberg war für das Schulwesen die "Große Kirchenordnung" entscheidend, die Herzog Christoph im Jahre 1559 erlassen hatte. Dieses Gesetzeswerk enthielt auch eine Schulordnung. Sie bestimmte, daß bei allen Mesnereien "teutsche Schulen" eingerichtet und Knaben und Mädchen zur Schule geschickt werden sollten. Damit wurde in Württemberg zuerst der Gedanke einer für das ganze Volk bestimmten Schule verwirklicht, und zwar in einer Weise, die für ganz Deutschland vorbildlich war.

Fellbach hatte schon vorher, im Jahre 1534, eine Schule. Als der damalige Schulmeister Johann Böhem als Helfer nach Münsingen und später als Pfarrer nach Hundersingen kam, übernahm Johannes Schuhmacher 1545 die Nachfolge. Er hat aber offenbar in den unruhigen Zeiten, in denen durch das Interim die katholische Kirchenordnung wieder eingeführt werden sollte, die Schule im Stich gelassen. Als er einige Jahre darauf
wiederkam, wollte man ihm in Fellbach nicht verzeihen, daß er "um des Bauches willen" das Interimsbekenntnis angenommen hatte. Der damalige evangelische Pfarrer Kilian Lilienfein, der während des Interims sein Pfarramt nicht versehen durfte, hatte inzwischen die Schule übernommen.

Durch die neue Schulordnung war das württembergische Schulwesen mit der Landeskirche aufs engste verknüpft. Der "Schulmeister" versah gleichzeitig den Mesnerdienst, der bis zum Jahr 1888 mit dem Lehramt verbunden war. Außerdem "traktierte er die Orgel und sang dabei den Choral".

Unterrichtsfächer waren Lesen, Schreiben, Katechismus und Gebet. Im Mittelpunkt stand die religiöse Unterweisung der Jugend. Sprüche, Lieder und Psalmen mußten auswendig gelernt .und memoriert werden. Lesen lernten die Kinder nach der damals geltenden Buchstabiermethode. Es war ein langer, mühseliger und oft auch tränenreicher Weg zum Ziel, bis die Kleinen die Buchstaben zu Silben und nach zwei bis drei Jahren die Silben zu Wörtern "zusammenschlagen" konnten. Schönschreiben stand in hohem Wert. Nicht zu unrecht, wenn man die erzieherische Seite berücksichtigt! Erziehung zu Gottesfurcht, zu christlichem Sinn und rechtschaffenem Wandel fand ihre besondere Pflege in den damaligen Schulen.

Rechnen stand anfangs nicht auf dem Stundenplan. Aber die Fellbacher scheinen schon vor der pflichtmäßigen Einführung dieses Unterrichtsfachs durch die "Erneuerte Schulordnung" des Jahres 1729 großen Wert auf die Erteilung des Rechnens gelegt zu haben. Beim Schulmeister Eberhard Lenz (16961709) beanstandete ein Bürger bei der Visitation, daß es dem Schulmeister an nichts fehle als am Rechnen. Er "lehre die Jugend wohl im Beten, Lesen und Schreiben und man habe nie einen besseren und frömmeren Schulmeister gehabt. Das Rechnen werde jedoch fleißig durch den Provisor ersetzt."

Die Lehrer standen in jener Zeit stark unter dem Urteil der Öffentlichkeit. Zwar übte der Ortspfarrer die unmittelbare Aufsicht über Schule und Lehrer aus, indem er mindestens einmal in der Woche einen Schulbesuch machte. Außerdem beurteilte bei den meist jährlich vorgenommenen Kirchenvisitationen der Spezial (Dekan) von Cannstatt das Schulwesen. Auf diese Weise erhalten wir aus den Visitationsberichten heute ein klares und lebendiges Bild über die Verhältnisse jener Zeit. Zu allen Zeiten wird die Schule sehr wesentlich von der Persönlichkeit der Lehrer geprägt. Christoph Wegmann war von 1709 bis 1739, also 30 Jahre lang, Schulmeister in Fellbach. Es wird ihm immer wieder bescheinigt, er sei wohl qualifiziert, habe gute Eigenschaften zu einem Schulmann, wende sie auch fleißig an und man könne wegen seines Amts keine Klage führen. Er sei jedoch etwas saumselig und man sei wegen seiner Aufführung nicht zum besten mit ihm zufrieden. Seine häufige Krankheit sei auf sein manchmal unordentliches Leben zurückzuführen. Im Rausch habe er einmal den Schultheißen "grob geschmähet", wofür er vom Oberamt gestraft worden sei. In seiner Familie solle er manche Unordnung nicht dulden; er müsse besser haushalten und ein eingezogenes Leben führen. Um "seiner liederlichen oeconomie willen" könne kein rechtschaffener Provisor bei ihm bleiben. (Die Provisoren waren Lehrgehilfen, die vom Schulmeister in die Unterrichtspraxis eingeführt, entlohnt und meist auch von ihm verköstigt wurden. Besondere Lehrerbildungsanstalten gab es noch nicht.)

Für den Schulmeister waren das harte Urteile und Vorwürfe. Offenbar hingen mit dieser seiner persönlichen Haltung auch die vielen Schulversäumnisse und der überaus schlechte Besuch der Sommerschule zusammen.

Als der Mann 1739 starb, holte die Gemeinde den Schulmeister Matthäus Zaiser von Rommelshausen nach Fellbach, der wegen seines Fleißes und seiner guten Qualitäten bekannt war. Schon nach zwei Jahren hatte er durch seine Tüchtigkeit und seine vorbildliche Lebensführung die Schule wieder in einen recht guten Stand gebracht. Er wurde durch zwei Provisoren in seiner Arbeit unterstützt, die das ganze Jahr über dablieben, während sein Vorgänger sich nur winters einen Lehrgehilfen halten konnte. Jetzt besuchten etwa 250 Kinder die Schule, und der Unterschied zwischen der Zahl der Sommerschüler gegenüber der Zahl der Winterschüler war nicht mehr groß.

Nie waren in den vorausgegangenen Jahrzehnten die Klagen über den "unfleißigen Besuch der Schule" verstummt. Wohl bestand seit 1649 für alle Kinder vom 6. Lebensjahr ab die Pflicht zum Schulbesuch. Aber die Eltern scheinen dies nicht immer beachtet zu haben. Nach einem Synodalrundschreiben an die Pfarrer vom Jahr 1660 sollten "fahrlässige Eltern erinnert und mit Strafe genötigt werden, ihre Kinder fleißig in die
Predigten und zur Schule zu schicken". Der schlechte Besuch der Schule im Sommer wurde damit begründet, daß die Kinder zur Feldarbeit gebraucht würden. Selbst der Dekan mußte bei einer Visitation in Fellbach 1736 zugeben, "bey den gegenwärtig schweren und nahrungslosen Zeiten müssen alt und jung mit Grasen und Distelnsuchen dem Vieh hinlänglich Fütterung schaffen. Der genannte Mißstand könne daher nicht leicht abgeändert werden."

Wahrscheinlich wurde in den Anfangsjahren nach der Errichtung der Schulen vielfach im Sommer überhaupt kein Unterricht gehalten. Dem Schulmeister Georg Thusnit (1572-1591) bedeutete man, er müsse, weil Fellbach "eine große Gemein und der Jugend viel nit nur den Winter, wie sonst gemeinlich in geringen Flecken, sondern auch den Sommer Schuol halten".

Offenbar sahen sich viele Schulmeister noch nach anderen Einnahmequellen um, denn von ihrem Einkommen als Lehrer konnten sie nicht leben. Von Johann Kayser, der 1557 die Schule übernommen hatte, wissen wir, daß er für sein Lehramt nur das Schulgeld erhielt, das jeder Schüler an ihn bezahlte und das vierteljährlich fünf Schillinge betrug, Als Mesner hatte er noch eine Wiesennutzung und freie Wohnung. Von jedem Bürger erhielt er dazu jährlich ein Brot, den sogenannten "Mesnerlaib".

Georg Thusnit, dessen Sohn am Anfang des 17. Jahrhunderts Schultheiß in Fellbach war, versah neben seiner Schularbeit noch die Gerichtsschreiberei. Ums Jahr 1591 scheint dies seine Hauptbeschäftigung gewesen zu sein, denn er übergab sein Amt als Schulmeister seinem bisherigen Lehrgehilfen Georg Lilienfein, einem Sohn des Pfarrers Kilian Lilienfein.

Später scheinen sich die Einkommensverhältnisse etwas gebessert zu haben, aber immer noch gab es Beschwerden wegen der Besoldung. Der bereits erwähnte Schulmeister Lenz wandte sich an den Vogt in Cannstatt und brachte vor, man habe ihm neben seiner Besoldung zwei Eimer Wein zugesagt. Der Rat habe ihm jedoch nur einen Eimer genehmigt. Er brauche den Wein dringend, schon infolge des starken Singens, des
Schulstaubs und anderer Ungelegenheiten, die er einnehmen müsse, und außerdem sei er ohne den Wein ein blöder Mann. Der Schultheiß von Fellbach gab darauf an den Vogt folgende Aufstellung über die Bezüge des Schulmeisters:

Vom Schultheißenamt Fellbach 5 Gulden (jährlich)
Vom Heiligen (Kirchenpflege) 5 Gulden

An Stelle von Mesnerlaiben erhält er 15 Scheffel Dinkel, dazu einen Eimer Wein, Brennholz sowie Holzgeld von 6 Gulden. Er nutzt 3 Viertel Wiesen und 2 Viertel Land. Die Schulmeisterwohnung wird ihm unentgeltlich überlassen. Schulgeld erhält er im Sommerhalbjahr von jedem Schulkind 16 Kreuzer, im Winterhalbjahr 24 Kreuzer. Außerdem bezog er für Hochzeiten, Kindtaufen und Leichenbegängnisse noch Sänger- und Läutelohn. (Siehe Heimatbuch Seite 149.)

Johann Justinus Ulßheimer, der 1596 das Schulmeisteramt übernahm, war Schulmeister und Gerichtsschreiber. Es wurde ihm bescheinigt, daß er auch im Sommer Schule gehalten habe und fleißig sei. Ulßheimer endete auf tragische Weise. Um das Jahr 1621 scheint er sein Schulmeisteramt seinem seitherigen Provisor und Schwiegersohn Melchior Hohl übergeben zu haben, um sich selbst nur noch der Gerichtsschreiberei zu widmen.

Inzwischen war über Deutschland das Unglück des Dreißigjährigen Krieges hereingebrochen. Die Pestzeit 1626/27 scheinen die beiden Männer glücklich überstanden zu haben. Aber Jahre darauf, als nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 kaiserliche und schwedische Heere unser Land durchzogen, wurde auch Fellbach schwer heimgesucht. Pfarrer Maickler mußte über 30 von den Soldaten Gemordete ins Totenregister eintragen, darunter: "Der Gerichtsschreiber Johann Justinus Ulßheimer seines Alters 64 Jahr ist in seiner Stube tot gefunden worden." Er war schändlich verstümmelt. "Sein Schwiegersohn Melchior Hohl ist gefangen weggeführt und zu Hochberg in des Pfarrers Studierstube erschossen worden."

Daß in jenen Kriegszeiten kaum Schule gehalten werden konnte, ist nicht verwunderlich. Die Zahl der Einwohner und damit auch die Zahl der Schulkinder war stark zurückgegangen. Hatte Fellbach im Jahre 1621 noch gegen 2000 Einwohner, so zählte man nach überstandenen Pestzeiten und Verheerungen durch die Soldaten 20 Jahre später nur 350 bis 400 Dorfbewohner. Um so bemerkenswerter ist es, daß der Schulunterricht wieder aufgenommen wurde. Im Jahre 1637 wurde Hans Lipp als Schulmeister bestätigt. Allerdings konnte er nur 40 Kinder, darunter 10 Mädchen, unterrichten.

Nach Kriegsende erholte sich das schwer heimgesuchte Land langsam wieder. Auch in Fellbach regte sich neues Leben. Die Einwohnerzahl stieg von 556 im Jahre 1654 auf 947 im Jahre 1678. Der Schulmeister Nikolaus Werter war in die Schule eingezogen und blieb 37 Jahre in Fellbach. In den friedlicheren Jahren nach dem Krieg wuchsen Lebensmut und Lebensfreude auch in unserem Ort. Kinderfeste wurden sogar abgehalten. Der damalige Pfarrer Ketterlin schilderte den Verlauf eines solchen Festes, das am 1. Mai 1681 stattfand:

"Vor her ist gegangen der Provisor Joh. Seb. Wittich, der in 70 junge Mägdlein gefürt, die Kinder ir 2 und 2 miteinander, auf ihn gefolgt Nikolaus Wertter, Schulmeister, der in die 80 Knaben 2 und 2 gefürt. Die Kinder insgesamt seind sauber gekleidt hervorgegangen und haben von der Kirch an (allwo sie sich versammelt) gesungen: Komm heiliger Geist und anderer Gesang mehr, biß auff den bestimmten Platz, die Kühegert genannt. Dort haben sie sich in der Ordnung gestellt. Darauf ist umbgewexelterweiß je ein paar Mägdlein und da ein par Knaben von einem bestimmten Zihl biß zu dem gesetzten Tisch, allwo obgemeldete Herren gesessen, geloffen, da ist dann jedem 1 Ledern Nestell und denen, so Schreiben können, nach proportion 4, 3, 2 Bogen Papier verehrt worden. Seind damalen auffgewandt worden 6 Duzet Nestel und 5 Buch Papier. Wie solches voryber, haben sie sich wieder in Ordnung gestellt, grüne Maylein in den Händen getragen, daran ihre Nestell und Papyr gebunden und zusammen gesungen Nun lob mein Seel und darauf wiederumb durch den Flecken, singend in den Kirch- und Schulhof gegangen, all wo ihnen Frau Agatha, Michael Aldingers seel. gewesenen Burgermeisters allhier hinterbliebene Wittib, einem jeglichen ein Trünkhlein Weinß aus ihrem reichen Keller geben lassen, zum Andenken dieses Fests. Den ledigen Söhnen und Töchtern ist inzwischen ein ehrendanz erlaubt worden uff gemeltem Plaz." (In den Kühgärten beim heutigen Freibadgelände.)



Wie einfach und bescheiden ist es doch damals zugegangen, und ohne Zweifel hatten alle Beteiligten eine große Freude an dem Fest. Auch in den Jahren 1682 und 1683 sind solche Kinderfeste noch abgehalten worden. Leider wurden sie "in den folgenden Jahren wegen der Türken- und Franzosengefahr verbotten".

Die Furcht und Besorgnis war nicht unbegründet, denn wieder kamen unruhige Zeiten. Die Franzosen waren ins Land eingefallen. Im August 1693 überfielen sie auch Fellbach und steckten 178 Gebäude in Brand. Der Zerstörung fiel auch das Schulhaus zum Opfer. Doch nach zwei Jahren war es wieder aufgebaut. Die Notzeiten wurden Überwunden. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Gemeinde auf über 2000 Einwohner an und damit vergrößerte sich auch die Zahl der Schüler.

Tüchtige Lehrer kamen im 18. Jahrhundert. Auf den bereits erwähnten Matthäus Zaiser folgten über ein Jahrhundert lang die Schulmeister aus der Familie Auberlen.

Der erste war Georg Daniel Auberlen (s. Seite 37). Ihn wählte Fellbach 1756 zum Schulmeister und Mesner, das Organistenamt versah noch Matth. Friedr. Ebensperger. Nach dem Kirchenbericht von 1763 besuchten 110 Knaben und 180 Mädchen die Winterschule, im Sommer waren es nur 84 Knaben und 142 Mädchen gewesen. Die Schule war in drei Klassen eingeteilt. Bemängelt wurde, daß die Schüler die vornehmlichsten Fragen und Hauptsprüche aus der Kinderlehre nicht können, sondern nur lauter Gesänge. Nach der Übernahme des Organistendienstes wird er als ausgezeichneter Organist gelobt.

"Hat kein Handwerk und auch kein Nebenämtle", schrieb der Ortspfarrer M. Joh. Georg Müller, der in seiner 35jährigen Amtszeit in Fellbach sich immer bemühte, das Schulwesen zu heben. Im Sommer mußte Auberlen mit einem Provisor auskommen. Wegen des schlechten Schulbesuches in den Sommermonaten und den Mängeln im Auswendiglernen wehrte sich Auberlen mit dem Hinweis auf die vielen Feldarbeiten, zu denen die Kinder herangezogen wurden, ferner wollten die armen Bürger ihre Kinder durch Handarbeiten einen Kreuzer verdienen lassen; manche schickten auch ihre Kinder auf den Bettel. Besonders vormittags muß der Schulbesuch schlecht gewesen sein. Deshalb ermahnte der Pfarrer immer wieder die Eltern in seiner Sonntagspredigt. ,,13 und 14 Jährige können höchstens 40 Gesänge und 10-12 Psalmen, haben aber 80 - 90 - 112 Schulversäumnisse." 1773 führte neben dem Provisor Joh. Jak. Deininger (23 J. alt) sein Sohn Samuel Gottlob (15 J.) eine Klasse. Ihm fehlte es nicht an Tüchtigkeit, beanstandet wurde aber, daß er viel mit seinen einstigen Schulkameraden auf der Gasse spiele und Kindereien treibe; so fehle ihm die nötige Autorität. 1779 führte Nikolaus Ferdinand, der Neffe von Georg Daniel und spätere Amtsnachfolger die zweite Klasse. Georg Daniel konnte im Juni 1784 am Durchgang bei der Prüfung nicht teilnehmen, er lag todkrank im Bett. Er erhielt nochmals das einmütige Zeugnis, daß er sein Amt mit schuldigem Fleiß versehen und seine vorzüglichen Gaben zum Nutzen der Schule angewandt und es an der nötigen Zucht nicht habe fehlen lassen. Zu seiner Aushilfe hatte man den Provisor von Schmiden herangezogen. Am 30. Juni 1784 starb Georg Daniel Auberlen.

Nachfolger wurde sein Neffe Nikolaus Ferdinand Auberlen (s. Seite 40). Noch 17 Jahre, bis 1801, mußte er in dem baufälligen engen Schulhause aushalten (s. Anhang). "In der einzigen Schulstube sitzen die Kinder so dicht aufeinandergedrängt, daß nicht nur der Unterricht, sondern auch die Gesundheit der Kinder darunter leidet", heißt es im herzog!. Synodalbefehl vom 19. 10. 1790.

Während des Abbruches und des Aufbaues der Schule unterrichtete Nik. Ferd. in der Kirche. "Um das Schulwesen zu verbessern, legte man zu der bisherigen Holzgabe wegen des Neubaues und der vermehrten Öfen jährlich zwei Klafter Holz und 100 Reisach und zum Unterhalt der Provisoren 60 Gulden in der Hoffnung, daß der Schulmeister künftig desto bessere Provisoren anstelle."

Nik. Ferd. erhielt immer das beste Lob für seine Schularbeit. Auf dem Rathaus gab man ihm 1793 das Zeugnis: "Wir gratulieren uns, daß wir einen Schulmeister haben, der so geschickt ,ist und die Gabe hat, mit Kindern liebreich umzugehen." Ein Jahr später bezeichnete ihn der Dekan als "den besten Schulmeister der Diözese". Wiederholt wurde er für seinen Fleiß und seine Geschicklichkeit mit Prämien bedacht (1794, 1799, 1801, 1805 je mit 4 Gulden, 1810 mit 2 Gulden 45 Kreuzer), immer wieder werden auch mehrere seiner Schüler ausgezeichnet (s. Anhang).

Im Sommer unterrichtete er von 6 bis 8 Uhr die Großen, von 8 bis 10 Uhr die Kleinen, nachmittags von 1 bis 3 Uhr alle zusammen. Im Winter kamen die Großen von 8 bis 11 Uhr, nachmittags waren alle von 1 bis 4 Uhr beisammen. Weil er sommers immer eine Stunde mehr gab, konnte er mit zwei Provisoren auskommen. Unter den vielen Provisoren, die er wissenschaftlich und praktisch auf den Lehrerberuf vorzubereiten hatte, seien hervorgehoben seine Söhne Imanuel Friedrich (1797), Daniel David (1804) und Wilhelm Amandus, ferner Friedrich Silcher.

Im neuen Schulhaus zeigten sich bald die Früchte an den Fortschritten der Kinder. Wohl äußerte der Dekan 1803, "es werden noch etliche Jahre erforderlich werden, bis die aus der elenden Beschaffenheit des alten Schulhauses entstandenen Mängel getilgt sein werden." Die Schulversäumnisse nahmen wesentlich ab. Mit der maßvollen Zucht war man nicht immer einverstanden. 1804 hieß es, "fleißige, gehorsame und ordentliche Schüler sind öffentlich zu beloben und zu belohnen, unfleißige, ungehorsame und unordentliche aber an die öffentliche Tafel zu schreiben, abzulesen, zu beschämen und zu bestrafen; mutwillige, unfleißige von der Konfirmation auszuschließen". Das Verdingen der Kinder während des Schuljahres versuchte man zu verhindern.

Aus einem ausführlichen Prüfungsbericht vom Jahre 1799 können wir etwas über die Anforderungen an die Schüler in jener Zeit ersehen. "Auswendig buchstabieren, deutlich abgesetzt und mit dem gehörigen Akzent lesen, diktiert - auswendig - korrekt schreiben, das Erzählte oder Vorgelesene von moralischen Geschichten, guten oder schlimmen Beispielen oder auch lehrreiche Fabeln selbst zu Papier bringen, Rechnen auf dem Papier und Kopfrechnen, Memorieren der vornehmsten Sprüche, des Katechismus, der neuen Gesänge, Vorbereitung auf die nächste Katechisation sind in Übung. Das Vorgegebene wird erklärt, über die Heilswahrheiten katechisiert, die ältesten Kinder zum Nachschreiben der Predigten in der Kirche angehalten und in der Kinderlehre examiniert, auch zum Gebete aus dem Herzen angeleitet; die wider das richtige lesen und Schreiben gemachten Fehler werden korrigiert. Die Kinder werden gleich nach zurückgelegtem sechsten Jahre zur Schule geschickt und nicht eher herausgenommen, als bis der Pfarrer sie freispricht." Zu der am 2. Juni 1800 gehaltenen Kirchenvisitation der Schuljugend über die vom Pfarrer gehaltene Predigt wurde eine vierseitige Aufstellung der Fragen und Antworten vorgelegt.

An Schulbüchern benutzten die Schüler das vorgeschriebene neue Gesangbuch, die neue Kinderlehre, das neue Spruch- und Konfirmandenbüchlein, das Abc-Büchlein aus der herzogl. Akademie.

Von dem Erlös der anläßlich der Einführung der Schulkinder in das neue Schulhaus am 8. 11. 1801 in öffentlicher Kirche gehaltenen und gedruckten Schulrede des Pfarrers M. Kohler kaufte man 24 Stück des Braunschweigischen Katechismus, die in die Schulbücherei eingestellt wurden.

Pfarrer M. Kohler war wie zuvor in Birkach sehr darauf bedacht, die Schule, wo irgend möglich, tatkräftig zu fördern. Er erntete von den Fellbachern wenig Dank für diesen Einsatz (s. Seite 24).

Im Jahre 1786 hatte ein vermöglicher Bürger 225 Gulden zum Bau einer Lateinschule gestiftet. Zum Bau kam es aber nicht. Um den Fleiß der Schüler anzuspornen, wurde ein "Fundus" für Prämien errichtet. Der Chirurgus Ulrich Friedrich Wolf stiftete 1799 200 Gulden Kapital. Aus den Zinsen sollten jährlich bei der Frühjahrsvisitation fleißige Schulkinder teils mit Schreibheften und Papier, teils mit Geld belohnt werden. Besonders willfährig ließ sich Philipp Jakob Ebensperger, ein "reicher 20jähriger Jüngling", finden, der auf Anraten von Pfarrer Kohler im Jahre 1803
,,500 Gulden dergestalt stiftete, daß der Zins jährlich zur Unterstützung armer Schulkinder vorzüglich zur Anschaffung benötigter Schulbücher, Rechenblätter usw. verwendet werden soll. Besonders berücksichtigt sollen werden arme Kinder, die sich durch fleißige Besuchung der Schulen und Kinderlehren vor anderen rühmlich auszeichnen." Pfarrer Kohler vermerkte dann: "Gerne vergesse ich die feindselige Behandlung, welche ich als Testamentszeuge dieser Stiftung halber erdulden mußte, nachdem ,ich die Freude erlebt habe, die ersten Früchte dieser Stiftung in Verbindung mit den ältesten Bücherstiftungen bei der Martinivisitation 1804 auszuteilen."

Nachfolger von Nikolaus Ferdinand, der am 10. März 1828 nach 44jähriger Tätigkeit im Schuldienst starb, wurde sein Sohn Wilhelm Amandus. Er war bei seinem Vater in der besten lehre gewesen und führte seit 1821 als Amtsverweser die Schule (s. Seite 42)" Hieß es schon zu Beginn seiner Lehrtätigkeit im Visitationsbericht, "die Schule gehört zu den guten im Bezirk", so änderte sich an dieser Tatsache während seines langen Wirkens nichts. Für seine drei Provisoren erhielt er 1828 150 Gulden aus der Gemeindekasse, für den vierten Schulgehilfen von der Hofkammerverwaltung Stetten ein jährliches Gratial von fünf Scheffel Dinkel und einem Scheffel Roggen. Was für den Lehrgehilfen sonst aufzuwenden war, mußte er vom Schulgeld bestreiten.

Nach den neuen Bestimmungen wurden die Schulmeisterstellen nicht mehr von der Gemeinde besetzt, nachdem das Konsistorium die Wahl bestätigt hatte, sondern das Konsistorium besetzte nun die Stelle nach eingegangenem Vorschlag der Gemeinde. Jeder neuangestellte Schulmeister hatte im ersten Anstellungsjahr der Schultabelle, die dem Pfarrbericht beigefügt war, einen Aufsatz über seine Lehrmethode beizulegen. Der Dekan hatte den Aufsatz "unter Anzeichnung der etwa vorkommenden neueren oder ausführbaren guten Ideen" an den kgl. Synodus einzuschicken. Wilhelm Amandus verdankte seine großen Erfolge in der Schule und in der Ausbildung seiner Provisoren vor allem seiner fachmännisch und methodisch gut gegründeten Lehrweise, an der er unermüdlich weiterarbeitete.

Für die Schultabellen (s. Anhang) kamen in jener Zeit auch neue Bestimmungen heraus: "Wer im Lesen, Schreiben, Rechnen, Religionskenntnisse, Sitten am besten ist, wird hinfüro Erster. - Erster nicht der oder die, welche bloß einzeln am schönsten geschrieben oder besten gelesen. Denn wie bekannt, schreibt ein Kind oft sehr schön und ist doch im Rechnen, Religion, Aufsätze machen, Sitten zurück." "Weiter sollte kein Kind aus der zweiten Klasse in die erste versetzt werden, es sei denn, daß es zuvor das Einmaleins fertig könne."

Die Sonntagsschule wurde im Sommer mit beiden Geschlechtern vor der Kinderlehre gehalten. Den Lehrstoff entnahm der Schulmeister den religiösen Fächern. Die Sonntagsschüler mußten eine Schönschrift mitbringen, bei der das Evangelium des Tages oder das in der Predigt gesungene Lied geschrieben war. Gleichzeitig wurde für die sonntagsschulpflichtigen Jünglinge eine Zeichenstunde gehalten. Sie wurde meist von den Handwerkslehrlingen besucht; diese waren von der Sonntagsschule befreit. Aber auch sie mußten die Schönschrift mitbringen und die Lieder wiederholen. Die große Schülerzahl erforderte schon lange mehr Schulräume und einen zweiten Schulmeister (s. Schulhaus in der Neugasse, s. Seite 25). Als zweiter Schulmeister übernahm Joh. Jos. Carl Wilhelm Frey die Elementarklasse. Im gleichen Jahr lehnte das Konsistorium das Gesuch ab, statt eines Unterlehrers einen dritten Gehilfen anzustellen. Frey unterrichtete 100 Kinder, im Sommer täglich 4 Stunden, im Winter 5 Stunden. Die Gemeinde wünschte von ihm, daß er eine strengere Schulzucht übe. Ihm war der Lehrgehilfe Pfisterer beigegeben (21 Jahre alt), er hatte 99 Kinder in der dritten Klasse. Unterlehrer war Eckstein (24 Jahre). Der Lehrgehilfe Schneider betreute 101 Kinder, er war Auberlen zugeteilt.

Beispiel einer Schönschrift, wie sie von jedem Schüler auf Georgi und Martini in der Schule gefertigt werden mußte. (Philipp Adam Heß, *15.03.1841). Archiv Fellbach

In einer im März 1846 in Fellbach und Münster abgehaltenen Schulkonferenz wurde ober einen allgemeinen Lektionsplan für die Schulen des Dekanats Cannstatt verhandelt. Als Lehrgegenstände erscheinen: Anschauungsunterricht, Lesen, Schreiben, Sprachunterricht, Memorieren, biblische Geschichte, Rechnen, Singen und erstmals Realien (Sachunterricht). Beim Realunterricht, dem eine Wochenstunde zugewiesen wurde, sollten die Kinder des 10.-12. Lebensjahres mit der Vaterlandskunde überhaupt nach ihren wichtigeren Beziehungen vertraut gemacht werden. Für die Älteren war Geographie (nach Völter), Weltgeschichte (nach der neuesten Calwerschen Ausgabe) und Naturgeschichte (nach Anleitung der Schreiberschen Bilder) vorbehalten; und das alles bei insgesamt einer Wochenstunde. Für Schönschreiben setzte man auch in den oberen Klassen noch wöchentlich zwei Stunden fest. Für das Rechnen bestimmte die Schulkonferenz: erstes Schuljahr zählen von 1-100 aufwärts, innerhalb des ersten Zehners zuzählen und abziehen. Im zweiten Jahr auf- und abwärtszählen von 1-100 mit 1 und 2. Multiplikations- und Divisionsübungen innerhalb des ersten Zehners, Zahlenschreiben 1-100. Im dritten Jahr: Addieren und Subtrahieren vollständig, numerieren viersteiliger Zahlen. Im vierten Jahr: Multiplizieren wenigstens mit 2 Zahlen, Dividieren wenigstens mit einer Zahl gründlich, das Einmaleins, 7stellige Zahlen schreiben. Im fünften Jahr: Rechnen mit benannten und unbenannten Zahlen, Vorbegriffe der Bruchrechnung. Die Älteren waren im Bruchrechnen weiterzuführen, neben dem Schlußrechnen hatten sie sich im Lösen praktischer Aufgaben zu üben. In allen Klassen waren wöchentlich vier Stunden einzusetzen.

Nachdem der Norddeutsche Bund durch Gesetz vom 17. August 1868 das metrische Maß und Gewicht vorgeschrieben hatte, sollte dies nach einem den Landständen in Stuttgart vorgelegten Entwurf vom 1. Januar 1872 ab auch in Württemberg geschehen. Vorsorglich wurden deshalb am 6. Dezember 1869 die Dekanatsämter aufgefordert, die Vorarbeiten für die Einführung des Dezimalrechnens in den Schulkonferenzen zu treffen.

1854 empfahl das Konsistorium das bei Hallberger erschienene Lesebuch zum Gebrauche für die Volksschüler von 10-14 Jahren. Das Konsistorium fügte hinzu, daß dadurch der Bibel und dem Lesen in der Bibel die Stelle, die sie als Hauptbuch in jedem Lektionsplan einer evang. Schule einzunehmen habe, nichts genommen werden dürfe.

Im Jahre 1877 trennte man nach der Elementarklasse die Kinder nach Geschlechtern. Über 50 Jahre war das Für und Wider erwogen worden. Wilhelm Amandus Auberlen, auch Dölker, sein Nachfolger, waren gegen die Trennung gewesen. Bereits zwei Jahre später wünschte der Bezirksschulinspektor wieder die Änderung. Jetzt lehnten die Lehrer aber einmütig ab, "weil sonst zuviel Unruhe in die Schule und Gemeinde komme".

Während der Amtszeit von Wilhelm Amandus änderte sich auch einiges im Organisten- und Mesnerdienst des Schulmeisters. 1850 wurden die Mesnerlaibe abgeschafft. Beim Organistendienst wurde das Nachmittagsspiel jeweils dem Schulmeister zugebilligt, dem vormittags die Aufsicht zugefallen war.

Ferdinand Wilhelm Auberlen, der zweite Sohn von Wilh. Amandus, wirft in seinen Jugenderinnerungen ein treffendes Bild auf die Zeit und den Organisten- und Mesnerdienst seines Vaters. "Mein Vater war Schulmeister, Organist und Mesner. Brot mußte die Gemeinde steuern. Für den Dienst als Mesner mußte jeder Fellbacher Bürger einen Laib Brot geben. Es war also von meinem Vater ein Mesnerlaibregister angelegt, in welchem die Bürger auf die 12 Monate des Jahres verteilt waren, und da mußten dann bei ihnen die ,Mesnerlaibe' abgeholt werden. Das war jahrelang meine Aufgabe. Hartes oder schimmeliges Brot wollten die Leute nicht geben. und da sie gewöhnlich nur alle 14 Tage backen, so mußte ich oft zwei- bis dreimal gehen, bis ich meinen Laib hatte. Die Einwohnerschaft war immer sehr freigebig gegen das Schul- und Pfarrhaus, und Eier, Butter, Mehl und Früchte aller Art wurden jahraus, jahrein gebracht. - Im Beruf war ich meinem Vater als Mesnergehilfe dienstbar. Ich schloß die Kirche auf, deckte den Altar, Taufstein und die Kanzel, holte von Herrn Pfarrer Stockmayer oder dem Vikar Herrn Höfer ,das Lied', das im Gottesdienst gesungen werden sollte, oder den Aufschrieb, das Quantum Wein und die Hostie, die zum Heiligen Abendmahl nötig waren, wovon der Wein durch die Provisoren im Rathauskeller in Kannen geholt wurde. Was davon übrig blieb, ließ mein Vater gewöhnlich armen
Kranken zukommen. Ich sorgte auch für rechtzeitiges Glockenläuten, Aufstecken der Lieder, Aufstellen der Opferbüchsen, Beschaffung des Taufwassers usw. mit den diensttuenden Provisoren. Besonders was die Kirchenmusik betraf, war ich Adjutant meines Vaters. Ich hatte die Männlein und Fräulein zur Probe zu bestellen, die im Schullokal stattfand, bei Festtagen das Blasen vom Turm zu veranlassen, zu sorgen, daß auch sonntags keiner der vier Posaunisten fehlte, bei Aufführungen die Noten auszuteilen und allenthalben nach dem Rechten zu sehen. - Unsere Kirchenmusik an Festtagen war berühmt, ca. 40 Stimmen gemischter Chor, vier Violinen, zwei Hörner, vier Posaunen, zwei Klarinetten, Cello oder Baßgeige, auch war eine Viola und eine Oboe vorhanden. Einmal wurde nachmittags der Halleluja-Chor aus Händels ,Messias' aufgeführt unter großem Zulauf auch von auswärtigen Musikkennern, zum Beweis, wie weit man es mit Volksschülern, die nach Zahlen, nicht nach Noten singen, bringen kann. Es ging flott."

Auf Wilhelm Amandus Auberlen folgte als Schulleiter Bernhard Dölker (1873-1888), neben ihm waren die Schullehrer J. F. Roller (von 1888-1895 Oberlehrer), Johann Martin Schmid (von 1895-1900 Schulleiter), J. Fr. Baisch, Gottl. Gutbrodt, Gotth. Schmidhuber, der Leiter des CVJM. Alle bekamen für die mustergültige Führung ihrer Klassen das uneingeschränkte Lob des prüfenden Dekans. Nach dem Ausscheiden von Joh. Martin Schmid, der weiterhin die Hahnsche Gemeinschaft führte, "erlaubte sich der Ortsschulrat, den bisherigen zweiten Lehrer Eppinger auf dessen schriftlich eingereichte Bitte für die ausgeschriebene erste Lehrstelle zu empfehlen, da er schon 20 Jahr hier als ständiger Lehrer angestellt ist und seine Schule stets in gutem Stand erhalten hat. Dabei setzen wir voraus, daß er auch als erster Lehrer seine Knabenoberklasse behält, die er von Anfang an gehabt und für die er besonders geeignet ist." Für die Besoldung des ersten Lehrers wurde in dieser Eingabe festgesetzt:
Grundgehalt 1200 M, Ortszulage 150 M, Organistendienst 150 M, für Taufen, Hochzeiten und Leichen 240 M (nach dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre). Auf den Wunsch des Evg. Konsistoriums hatten die bürgerlichen Kollegien am 1. September 1900 beschlossen, den ständigen Lehrern eine Ortszulage von 150 M und den unständigen eine von 50 M zu bewilligen. Am 12. Oktober 1900 wurde dann Eppinger die erste Schulstelle übertragen, die vier übrigen Lehrer rückten jeweils um eine Stelle vor. Eppinger ,ist der Verfasser der 1908 erschienenen Heimatkunde von Fellbach, die wir jetzt noch bei alten Fellbacher Familien finden können.

Im Jahre 1889 verteilte man den sogenannten Realunterricht neu. Er hielt sich im wesentlichen an das Lesebuch. Hier nur einige wenige Beispiele: In der Geschichte war vorgeschrieben, u. a. für die Oberklasse, die Lesebuchnummer jeweils in Klammer, die Ägypter (117), Alexander der Gr. (122), die Römer (123), Zerstörung Jerusalems (126), Napoleon (196), deutsch-franz. Krieg (215). Auch Naturkunde und Naturlehre waren auf das Lesebuch abgestellt, z. B. der Elefant (49), das Gold (2), die Pflanzen Deutschlands (30), etwas vom menschlichen Körper (57 a), der elektrische Telegraph (76 a).

Im Herbst 1895 führte Fellbach den Handarbeitsunterricht für die Mädchen ein (Industrieschule). Als Lehrerin gewann die Gemeinde Frl. Meidert, die über 20 Jahre mit viel Liebe und Fleiß diese Aufgabe meisterte. Den anfänglich großen und erbitterten Widerstand sehr vieler Eltern verstand sie allmählich zu brechen und fand dann allgemeine und begeisterte Zustimmung. 1911, nachdem das Konsistorium wiederholt und dringend die sofortige Anstellung einer zweiten Lehrerin für die Handarbeit gefordert hatte, wurde die zweite Stelle ausgeschrieben. Der Gemeinderat wählte einstimmig Frl. Rosa Sommer, Tochter des Oberlehrers Sommer, und stellte sie privatrechtlich an.

Im gleichen Jahr wurde neben der schon länger bestehenden gewerblichen Fortbildungsschule für die Söhne des 15. und 16. Lebensjahres die allgemeine Fortbildungsschule eingeführt. Damit fiel die Sonntagsschule für die Knaben weg. 1900 folgte die Fortbildungsschule auch für die Töchter bis zum 17. Lebensjahr. Die vorgeschriebenen 80 Stunden sollten im Winter erteilt werden. Meist waren es 4 oder 5 Klassen für die Mädchen und 2 Klassen für die Jungen. Ab 1921/22 wurde dieser Unterricht auf das ganze Jahr verteilt. Während des Krieges kürzte man die Stundenzahl auf 50. Wie in der Sonntagsschule zuvor wurde auch in den Jungenklassen der Fortbildungsschule immer wieder über unbotmäßiges Verhalten einzelner Schüler geklagt, der Ortsschulrat zögerte aber nie, Arreststrafen von 4-10 Stunden zu verhängen. Vielleicht war die Strafe für die Jungen noch größer, wenn sie zur Unterschrift im Ortsschulratsprotokollbuch auf dem Rathaus erscheinen mußten.

Auf 15. Mai 1911 wurde in Fellbach eine Gewerbeschule mit einem unständigen Lehrer errichtet, der im ersten Jahr noch sechs Wochenstunden Zeichnen an der Volksschule zu übernehmen hatte. Im folgenden Jahr übernahm Schulrat K. Schneider die Schule. Nach dem Kriege stieg die Schülerzahl so an, daß trotz vielen Abteilungsunterrichtes die eine Lehrkraft die Aufgabe nicht mehr bewältigen konnte. Im November 1921 mußten deshalb 3 Lehrer der Volksschule (Bader, Haberey und Rapp) mit je 4 Stunden einspringen. Dies änderte sich erst, als 1925 ein zweiter Lehrer zugewiesen werden konnte.

Durch den vermehrten Zuzug katholischer Familien hatte sich die Zahl der katholischen Schüler stark erhöht, so daß sich Fellbach entschloß, auf 1. Mai 1914 eine freiwillige katholische Schule zu errichten. Sie wurde bis 1919 von einem unständigen Amtsverweser versehen. Dann zog Hauptlehrer Alfred Miller als ständiger Lehrer auf. Auf 1. November 1920 wurde bei den 75 Schülern eine zweite Stelle und im Mai 1933 eine dritte Stelle errichtet.

Auch in der evg. Volksschule waren neue Stellen notwendig geworden. Am 1. Mai 1910 hatte Karl Gottlob Eckstein die Oberlehrersteile übernommen, auf 1. Oktober 1913 wurde er Rektor. Da wiederholt die sehr dürftige Lehrmittelausstattung gerügt worden war, beschloß man 1911, die fehlenden Lehrmittel innerhalb der nächsten vier Jahre anzuschaffen.

Durch den Ersten Weltkrieg kam die weitere Entwicklung der Schule sehr ins Stocken. Die Hauptlehrer Rieger und Leins mußten wiederholt, allerdings ,immer nur für kurze Zeit, zur Wehrmacht. Unterlehrer Knöll, am 24. August 1914 bei Longuyon schwer verwundet, erlag am 30. August seinen Verwundungen. Die Klassen der Einberufenen mußten von den anderen Lehrern versehen werden. Ein Erlaß vom September 1914 legte den Lehrern nahe, sich bei den zu bildenden Jugendwehren tatkräftig einzusetzen. Lehrer Allgaier und Gewerbeschulrat Schneider
unterzogen sich dieser Aufgabe. Lange nach dem Kriege zeugten die ausgeworfenen Gräben auf der Ebene noch von dem Einsatz der Jugendwehr.

In den Wintermonaten mußte der Unterricht gekürzt, teilweise auch ganz eingestellt werden, um Brennstoff zu sparen. Die Schüler sammelten wie allerorts Altpapier, Laubheu und Steinobstkerne. Die Bucheckern sollten zugunsten der Einwohner ohne eigenen Grundbesitz verwendet werden.

1917 waren nur noch 17 Lehrer an den 24 Klassen, 1918 mußte nochmals eine Lehrkraft an eine kleinere Schule abgegeben werden.

Nur langsam erholte sich die Schule. Rektor Eckstein trat auf 1. Juli 1919 in den Ruhestand. Nachfolger wurde Rektor Fischer, der seit 1898 an der Fellbacher Schule wirkte. Neben den ergrauten älteren Herren waren im Lehrkörper jüngere unständige Lehrer vertreten. Durch einen Erlaß des Oberschulrates wurden auf Ende Mai 1924 Rektor Fischer, Oberlehrer Ocker und Mergenthaler in den zeitlichen Ruhestand versetzt. Sie mußten den jungen Lehrern Platz schaffen, die schon Jahre auf eine Anstellung warteten. Im Oktober 1924 wurde das Rektorat in Fellbach Rektor Moser übertragen.

Abgesehen von der Raumnot (s. Seite 29) besserte sich auch im Schulhaus manches. Die Oberklassen bekamen Gaslicht, nachdem die Gewerbeschule auf elektrische Beleuchtung umgestellt worden war. Jetzt brauchte Hausmeister Retter wenigstens nicht mehr im Frühjahr die Gaslampen aus den bisherigen Entlaßklassen zu holen und für ein Jahr in die künftigen Entlaßklassen zu montieren. Noch 1930 war wegen der hohen Kosten die Beleuchtung der Klassen im Schulhaus bei der Kirche abgelehnt worden.

Bereits 1921 hatte Schulrat Schnizer die Einführung eines hauswirtschaftlichen Unterrichtes angeregt. Im April 1925 wurde dann Fräulein v. Ziegesar als Hauswirtschaftslehrerin nach Fellbach ernannt. Aber zuerst mußte der Raum geschaffen werden. Die Küche im Evg. Vereinshaus wollte man mieten, sie erwies sich aber als nicht vorteilhaft. Inzwischen war im Untergeschoß der "Neuen Schule" die Küche eingerichtet. Die
Mädchenfortbildungsschule hörte auf, die Schülerinnen gingen in die Hauswirtschaftsschule. Bereits im Mai 1926 konnte Fräulein Roman, Nachfolgerin von Fräulein v. Ziegesar, nicht mehr alle Abteilungen übernehmen, Fräulein Sommer mußte mit 8 Stunden einspringen.

Die Einführung der Hilfsschule ging etwas schneller und reibungsloser. Auch sie wurde 1921 von Schulrat Schnizer dringend empfohlen. Zwei Jahre später konnte sie mit einer Klasse anfangen. In Oberlehrer Haberey hatte Fellbach schon seit 1919 den erfahrenen Schulmann, er hatte bereits im Elsaß eine Hilfsschule geführt. 1925 konnte eine zweite Stelle eingerichtet werden, die allerdings später zeitweise wieder ruhte.

Im langen Kampf um die Einführung des achten Schuljahres schien es wiederholt 50, daß die Hilfsschule dafür geopfert werden sollte. Nachdem aber Stuttgart dem freiwilligen Besuch Fellbacher Schüler in ihren Achterklassen Schwierigkeiten machte, und andererseits Stuttgarter Familien durch einen Umzug oder eine Ummeldung für ihre Kinder das achte Schuljahr zu umgehen versuchten, führte Fellbach dann im Frühjahr 1928 das achte Schuljahr vorerst mit je einer Knaben- und einer Mädchenklasse ein.

Mit der Einführung der zweiten Hilfsschulklasse kam auch die der Förderklassen. In ihnen sollten die weniger begabten Kinder zusammengefaßt sein, bei geringerer Schülerzahl konnte ihnen wesentlich mehr geholfen werden. In allen übrigen Klassen wurden Stunden für Nachhilfeunterricht vorgesehen. Um den vielen Haltungsfehlern, die bei .den schulärztlichen Untersuchungen immer festzustellen waren, einigermaßen entgegenzuwirken, wurde das orthopädische Turnen eingeführt. Wandertage und Spielnachmittage halfen mit, die gesundheitlichen Bestrebungen zu unterstützen.

Im Jahre 1933 wurden die Förderklassen wieder aufgehoben; einige Eltern konnten sich mit der Auslese ihrer Kinder für diese Klassen nicht abfinden. Sie beschwerten sich in einer Elternversammlung und erhielten dann recht.

Die Volksschule war sich aber auch bewußt, was sie in Fellbach dem Andenken der Auberlen schuldig war. Wohl konnten die Lehrer keine "Ländliche Musikhochschule" wie einst Auberlen einrichten, aber seit 1926 bestand ein ausgelesener Schülerchor unter Leitung von Oberlehrer Lallatin. Am 16. März 1932 zeigte der Chor bei einem Volksliederabend sein Können. Aus den kleinen Flötern der Grundschule entwickelte sich allmählich eine ansehnliche Gruppe, zu der sich dann noch verschiedene Geiger gesellten, die in einem freiwilligen Unterricht in der Schule gefördert wurden. Unsere Schule konnte sich bei ihren mannigfaltigen Veranstaltungen jederzeit hören lassen, wenn diese Schülergruppen mit dem Lehrerorchester musizierten.

Am 18. Mai 1936 wurden die beiden Konfessionsschulen aufgehoben und in die Gemeinschaftsschule, die "Deutsche Volksschule", übergeführt. Jetzt konnte die Hilfsschule wieder zweiklassig geführt werden.

Im November 1936 kam Rektor Moser als kommissarischer Schulrat nach Bad Mergentheim, kommissarisch - also konnte seine Stelle vorerst nicht besetzt werden. Oberlehrer Krauß übernahm bis zu seiner Pensionierung die Stellvertretung (1938), dann Hauptlehrer Rapp. Ende April 1939 trat Rektor Haug hier ein, ihm war auftragsweise die Schulleitung übertragen worden. Als er nach drei Jahren die Stelle bekam, war er schon ein Jahr wieder "auftragsweise" nach Ochsenhausen an die dortige Lehrerbildungsanstalt abgestellt. Oberlehrer Scheytt von Neustadt versah nun "auftragsweise" die Schulleitung hier.

Wir standen bereits im dritten Kriegsjahr. So mancher Plan für den inneren Ausbau der Schule hatte zurückgestellt werden müssen. Zu Beginn des Krieges belegte die Wehrmacht verschiedene Klassenräume. Die Klassen mußten ausweichen in die Ländliche Berufsschule in der Schmerstraße, in die Schwabstraße 34 und in das Hahnsche Gemeinschaftshaus. Für die Einberufenen sprangen pensionierte Lehrer ein (Oberlehrer Krauß, Haberey, Gaul und Grün). Schon im Oktober 1939 mußte eine Lehrkraft nach Oeffingen abgetreten werden. Wenn auch nach Rückkehr einiger Teilnehmer des Ersten Weltkrieges die Pensionäre in ihren Ruhestand zurückkehren konnten, 50 folgten dafür weitere Abordnungen von Lehrern an kleinere Orte, die ohne Lehrer waren.

Das Jahr 1942 brachte Fellbach die erste weiterführende Schule, die "Hauptschule". Die erste Klasse mit 45 schwergeprüften und ausgelesenen Knaben und Mädchen wurde Oberlehrer Scheytt übertragen. Bis zum Kriegsende besuchten diese Hauptschule je eine Klasse des 1., 2. und 3. Jahrganges. Nach dem Kriege wurde sie in die Mittelschule umgewandelt, verblieb aber noch im Verbande der Volksschule unter Leitung von Rektor Tripps. An den 5 Klassen im Jahre 1947 (211 Schüler und Schülerinnen) unterrichteten zwei Mittel- und zwei Volksschullehrer. Am 1. September 1947 löste sich die Mittelschule ab, sie erhielt mit Rektor Lumpp ein eigenes Rektorat. Sie ist jetzt 1964/65 auf 17 Klassen angestiegen. Die Leitung hat seit 1959 Rektor Kubalek.

1942 hatte das Kultusministerium angeordnet, daß in Fellbach eine erste Klasse der Oberschule eingerichtet wird. Cannstatt, das bisher die Fellbacher Schüler aufgenommen hatte, mußte wegen Oberfüllung der Klassen weitere auswärtige Schüler abweisen. Mit 43 Knaben und Mädchen übernahm Oberschullehrer K. Maurer die erste Klasse im Saal der Hahnschen Gemeinschaft in der Lutherstraße. Als im Jahre 1943 die Schulen von Groß-Stuttgart wegen der vielen Fliegerangriffe geschlossen und die einzelnen Klassen in weniger gefährdete Gegenden des
Landes verlegt wurden, kamen zu den bei den Klassen 1 und 2 noch eine Klasse 3 und 4. Beim Fliegerangriff am 1. März 1944 brannte das Haus in der Lutherstraße vollständig ab, Schulmobiliar, Bücher und die Lehrmittelsammlung, die aus Cannstatter Schulbeständen stammten, wurden vollständig vernichtet. In zwei Räumen der Lutherschule mußte die Oberschule wieder behelfsmäßig von vorne anfangen.

Die Verlegung der Schulklassen aus Groß-Stuttgart brachte auch für die Volksschule hier einen ungeahnten Zuwachs. Wenn es in den ersten Tagen nach den Herbstferien nur einzelne Eltern waren, die ihre Kinder in Fellbach anmeldeten, 50 ging dies in den nächsten Tagen in die Hunderte. In Schlangen standen die Eltern, deren Kinder vielfach nur auf dem Papier bei Verwandten oder Bekannten in Fellbach wohnten. Fellbacher Eltern dagegen meldeten ihre Kinder hier ab und schickten sie in weniger gefährdete Gegenden. Von einem geregelten Schulbetrieb konnte nicht mehr gesprochen werden, ganz abgesehen von den vielen Fliegeralarmen. Erfolgten diese während der Unterrichtszeit, so mußten die
Luftschutzkeller, die zum Teil in der Vorderen Straße, in der Waiblinger Straße und in der Cannstatter Straße lagen, aufgesucht werden. Im November 1944 belegte die Krankenkasse der Oberpostdirektion mehrere Räume des neuen Schulgebäudes. Der Schulbetrieb kam in den letzten Kriegsmonaten vollständig zum Erliegen. Auf die zurückflutenden Truppenteile, die im Schulhaus Quartier machten, folgten die Amerikaner.

Im Spätherbst 1945 genehmigte die amerikanische Besatzungsmacht wieder die Aufnahme des Schulunterrichts.

Es war ein schwerer Anfang. Die Amerikaner hatten viele Lehrer entlassen. Die Schulräume boten mit ihren fehlenden Fensterscheiben und Türen ein trostloses Bild. Lehr- und Lernmittel waren zum größten Teil vernichtet oder durften nicht mehr gebraucht werden. Zu den wenigen ausgebildeten Lehrern, die die Amerikaner zugelassen hatten, traten Schulhelfer und Schulhelferinnen, die neben ihrem Unterricht noch in Arbeitsgemeinschaften ausgebildet werden mußten. Die Kinder wurden zuerst neu erfaßt. Neben der steigenden Zahl der Flüchtlingskinder tauchten langsam wieder die evakuierten Fellbacher auf. In den wenigen Klassenräumen schichteten die einzelnen Klassen mit 100 bis 150 Kindern in 3 Abteilungen. Auf jede Klasse fiel täglich eine Unterrichtszeit von 2 Stunden. Erst allmählich standen für die Schüler wieder Schreibmaterial und Schulbücher bereit. Zu all diesen Schwierigkeiten trat ein starker Lehrerwechsel; z. B. hatte eine Klasse in 2 Jahren nicht weniger als 12 Lehrer. Wenn wir dabei daran denken, daß in vielen Familien der Vater fehlte und die Mutter berufstätig war, so rundet sich das Bild der außerordentlichen Schwierigkeiten eines geordneten Schulbetriebes ab. Auf 23. Januar 1947 wurde Rektor Lallatin zum ersten Schulleiter bestellt. Er führte sämtliche Grundschulklassen in der Stauffenberg- und Lutherschule. Rektor Tripps übernahm die Mittel- und Oberklassen. Mit Beginn des Schuljahres 1948/49 wurden die Schulklassen in einen Knaben- und einen Mädchenkomplex aufgeteilt. Zu den Flüchtlingslehrern kamen allmählich auch wieder die von der Besatzungsmacht anfänglich nicht zugelassenen Lehrer. Langsam besserten sich die Verhältnisse der Schule. Die Schülerzahlen waren inzwischen auf über 2000 angewachsen und auch die Zahl der Lehrkräfte hatte sich bis zum Jahre 1953 an den Volksschulen auf 43 erhöht. Nach der Zurruhesetzung der beiden Rektoren Lallatin und Tripps im Dezember 1952 wurde das Knabenrektorat durch Rektor Aicher und das der Mädchen durch Rektor Rapp besetzt.

Im Frühjahr 1957 führte Fellbach als erste und einzige Gemeinde des Kreises ein freiwilliges 9. Schuljahr für Knaben ein, das auch von Schülern anderer Kreisgemeinden fleißig besucht wird. Die Stadt Fellbach hat damit in dankenswerter Weise einem dringenden Bedürfnis entsprochen.

Um den Eltern und deren Kinder, die nördlich der Stuttgarter Straße wohnen, entgegenzukommen, entschloß sich die Stadtverwaltung, das Gebäude in der heutigen Theodor-Heuss-Straße umzubauen.

Es wurde im September 1952 als "Maicklerschule" bezogen und war von Anfang an als Provisorium gedacht. Die Leitung dieses Schulkörpers, der im wesentlichen aus Grundschulklassen bestand, erhielt Rektor Franz Dürr. Die Klassen der Maicklerschule beziehen nunmehr das neue, schmucke und musterhafte Volksschulgebäude im Nordosten unserer Stadt. In ihrem bisherigen Gebäude soll in Zukunft die Kaufmännische Berufsschule Unterkunft finden. Neuer Schulleiter an der Maicklerschule ist seit Frühjahr 1964 Rektor Müller. Auch in den übrigen Volksschulen hatten die Schulleiter gewechselt: An der Stauffenbergschule folgte auf Herrn Aicher Rektor Klauß bis zum Frühjahr 1964; und an der Silcherschule auf Herrn Rapp Rektor Feustet. Die Wichernschule leitet Rektor Mall.

Mit dem am 1. April 1965 in Kraft tretenden Schulverwaltungsgesetz tritt eine einschneidende Änderung im Aufbau des Schulwesens durch Einführung der Hauptschule als neue Schulart ein. "Die Hauptschule baut auf der Grundschule auf und vermittelt eine allgemeine Bildung als Grundlage für eine erfolgreiche Berufsausbildung. Sie umfaßt mindestens 5 Schuljahre." Die steigenden Geburtenziffern und damit das weitere Anwachsen der Schülerzahlen werden auch in Zukunft die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung erfordern. Fellbach, seit Jahrzehnten als schulfreundliche Stadt bekannt, gibt uns die sichere Gewähr, daß sie diesen guten Ruf auch zu bewahren weiß und ihre Aufgaben einer glücklichen Lösung zuführen wird.