DER "FELLBACHER HERBST"


Zu allen Zeiten haben die Menschen Feste gefeiert. Unterbrechen Sonn- und Feiertage den 
rüstigen Fortgang der Arbeit, so bilden Feste den Anlaß zu Dank und Erhebung, Sammlung 
und Besinnung, Spiel und Freude. So begehen die Kirchen ihre hohen Festtage, so auch die 
Völker und die Staaten, die Gemeinden und die einzelnen. Sie alle kennen Tage, an denen die 
Menschen sich über den Alltag erheben. Viele dieser Feste gehen auf eine lange Überlieferung 
zurück, andere wieder werden mehr durch den Zufall als durch eine traditionsgebundene 
Notwendigkeit bestimmt. Wenn immer aber Feste neu begangen werden, so sollte man nicht 
vergessen, daß jede Überlieferung einmal begründet wurde, daß jede Tradition sich bewähren 
muß in Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten.
Als Fellbach im Jahre 1948, noch im Schatten der Nachkriegszeit, zum erstenmal das Fest 
feierte, das inzwischen unter dem Namen "Fellbacher Herbst" zu einem festen Begriff 
geworden ist, war es nicht sogleich gewiß, ob sich aus dem, was hier so mutig und entschlossen 
angebahnt wurde, auch eine Tradition werde bilden lassen. Der "Fellbacher Herbst" war 
zunächst nichts anderes als eine eigene Form des Erntedankfestes. Weingärtner, Landwirte und 
Gärtner waren seine Träger und Gestalter, die Berufsstände also, die durch viele Jahrzehnte 
Fellbach seinen Charakter als Gemeinwesen gegeben hatten. Sie alle wollten danken für das, 
was ihnen durch den Segen des Himmels und die eigene Mühe und Arbeit geschenkt worden 
war. Der Versuch, aus dem einmaligen Feste eine Tradition zu schaffen, ist — das darf man mit 
gutem Gewissen feststellen — aufs glücklichste gelungen. Der "Fellbacher Herbst" hat längst die 
Bewährungsprobe bestanden. Trotz seiner "Jugend" gebührt ihm ein ehrenvoller Platz unter 
seinesgleichen; er war und ist ein Volks-Fest im besten Sinne des Wortes, gestaltet und erfüllt 
von einem neuen Brauchtum, das aus den Tiefen bodenständiger Eigenart heranwächst.
Feste Formen der Begehung des Festes haben sich gefunden. Ein Glied der Festgestaltung 
schließt sich in das andere. Der Herbstwagen wird eingeholt, Verse, gesprochen vom 
Oberbürgermeister, begleiten diesen Akt. Der Festakt an der Stadthalle schließt sich an. Wie es 
gut und recht ist, wird von denen, die das Fest feiern, Männern und Frauen, die mitten im 
Leben stehen, derer gedacht, die nicht herbeieilen können, an der Festesfreude teilzunehmen, 
der Alten und Ältesten. Zu den Grußworten der weltlichen Verwaltungsträger gesellen sich 
mahnende und dankende Worte der Geistlichkeit.
So klingt vieles zusammen, um einen Brauch zu schaffen, der sich durch zehn Jahre 
bewährt hat. Das Besondere aber scheint nun darin zu liegen, daß die ganze Stadt an diesem 
Feste teilnimmt, also nicht nur alle jene, die gewissermaßen von Berufs wegen in diesen 
Festtagen ihre Feiertage sehen, sondern auch alle jene, die in ganz anderen Bezirken des 
modernen Lebens tätig sind. So ist dieser "Fellbacher Herbst" zu einem echten Fest der neuen 
Stadtgemeinschaft geworden, das aus dem Jahresablauf nicht mehr wegzudenken ist.
Das Fest ist lebendig gewachsen; zwar waren seine Formen bestimmt durch einen festen 
Ritus, aber innerhalb dieser festen Formen ist Raum genug für lebendiges Leben. Es lohnt sich 
wohl, sich dieser schönen Tatsache bewußt zu werden, denn es ist wahrhaftig nicht alltäglich, 
daß in dieser raschlebenden Epoche sich in einer vor den Toren einer Großstadt liegenden 
Stadtgemeinde eine solche Überlieferung bilden kann. Da das Fest "Fellbacher Herbst" in die 
Geschichte der Stadt gehört, ziemt es sich wohl auch, daß in diesem Buche die traditionellen 
Verse und Lieder, die das Fest begleiten, festgehalten werden. Es handelt sich um die Verse 
und Trinksprüche beim Einholen des Herbstwagens bei der Genossenschaftskelter und beim 
Festakt in der Stadthalle sowie um das "Fellbach-Lied" und um "Fellbacher Schnurren", die 
nicht nur bei dieser Gelegenheit, sondern auch bei anderen Anlässen gern gesungen werden.



Die traditionellen Verse beim "Fellbacher Herbst"

1. Einholen des Herbstwagens bei der Genossenschaftskelter

Der Oberbürgermeister:
Nun bringt den Wagen in die Stadt, 
der Wein und Frucht geladen hat —
wir woll'n zum Zug uns schließen:
Und Fellbach sei des Segens wert, 
der da durch seine Straßen fährt —
Laßt uns den Herbst begrüßen!



2. Festakt bei der Stadthalle

a) Altenehrung durch den Oberbürgermeister

Und nun laßt uns zum Beginn des "Fellbacher Herbstes"
all denen, deren Leben Mühe und Arbeit war, 
und die heute nicht hier mit uns feiern können, 
Festesfreude bereiten!
Heute, da sie selbst im Herbst des Lebens stehen,
sei ihnen Dank und Gruß.
Und nun:
ihr Buben und Mädel seid hurtig und eilt,
die Ältesten Fellbachs zu ehren —
wir wollen beim ,,Herbst", der uns fröhlich vereint, 
auch Ahne und Ähne bescheren.
So geht denn und sagt ihnen freundlichen Gruß, 
vom "Fellbacher Herbst", der begonnen —
und sind sie auch selber nicht mehr dabei, 
wir sind ihnen dankbar gesonnen.

b) Trinksprüche

Erste Winzerin zum Oberbürgermeister:

Den ersten Trunk des süßen Neuen, 
reich ich dem Oberhaupt der Stadt:
Wollt ihn mit einem Trinkspruch weihen, 
der's — wie der Wein — wohl in sich hat

Der Oberbürgermeister:

"Willkommen !" wie in alter Zeit 
ihr Bauern und ihr Winzerleut' !
"Willkommen!" unsern Gästen 
Das Korn liegt in der Scheune Hut; 
im Weinberg steht die Traube gut; 
da ist es Zeit zum Festen. 
Drum laßt uns heute fröhlich sein!
Auf Fellbachs Wohl, auf Fellbachs Wein, 
tu ich den Schluck vom Besten!

Zweite Winzerin zum Obmann der Weingärtner:

Der zweite Schluck des jungen Weins
gereich' dem Wengerter zur Ehr !
Er fing die Kraft des Sonnenscheins
in diesen Tropfen — voll und schwer. 
Der Obmann den Weingärtner:
Die Ernte lohnt der Hände Fleiß,
des Wengerters und Bauern Schweiß; 
nach Sonnenschein und Regen 
gibt nun der Herbst den Segen.
Daß Saat und Ernte stets gedeih,
daß eins so gut wie's andere sei,
nehm ich den Becher hier zur Hand
und trink aufs Wohl vom Wengerter-Stand.

c) Der Oberbürgermeister eröffnet

Nun feiert den Herbst, nun feiert den Wein,
und feiert den Segen der Sonnen —
und laßt uns dankbar und fröhlich sein —
der "Fellbacher Herbst" hat begonnen !