Siegfried Müller 

DIE GEOLOGISCHEN GRUNDLAGEN 

Die vertrauten Züge der Fellbacher Landschaft lassen den Gesteinsaufbau des Untergrundes erkennen. 

Vom Fuß des Kappelbergs ziehen die weiten Gäuflächen des mittleren Neckarlandes, deren Ebenheit sich auf dem harten Unterbau aus oberem Muschelkalk ausbreitet, nordwärts. Man sieht die bläulichen Kalkbänke im Neckartal unterhalb Cannstatts und bei Oeffingen erschlossen, wo sie in Steinbrüchen als Straßenschotter gewonnen werden. Meist sind sie noch von den weicheren Schichten des Lettenkeupers überlagert, einer Wechselfolge von Tonen mit Dolomit- und Sandsteinbänken. Die meisten Fellbacher Luftschutzstollen des zweiten Weltkriegs im Untergrund der Ebene verliefen im Lettenkeuper. Die einstige Landschaftsoberfläche auf diesem alten Gesteinsuntergrund ist, wie ein Sturzacker unter Schnee, von dem viel jüngeren eiszeitlichen Löß bis zu zwölf Metern dick eingehüllt. Dieser gelbliche, kalkreiche Staubsand wird als „Ziegellehm" in den Ziegelgruben abgebaut. 

Soweit das Regenwasser in die Tiefe sickert, löst es etwas Kalk auf. Dadurch entstanden allmählich Hohlräume im Muschelkalkuntergrund. So kam es zu einer unterirdischen Entwässerung, und nur wenige, tief in den Muschelkalk eingeschnittene Täler wie Neckar und Rems führen dauernd Wasser. Die einst vom fließenden Wasser geformten Täler der Hochfläche wurden zu Trockentälern wie Schüttel- und Wiesengraben. Das Hauptgrundwasser sinkt bis etwa auf die Spiegelhöhe des Neckars ab. An diesem Vorgang sind junge Hebungen der ganzen Landschaft beteiligt. 

Das im durchlöcherten Muschelkalk absinkende Wasser wird an der Schichtgrenze vom mittleren zum oberen Muschelkalk auf Tonlagen gestaut. Hier liegt deshalb der wichtigste Wasserhorizont der Gäulandschaft. Beim Eisenbahnbau soll eine Bohrung in Bahnhofsnähe bis neunzig Meter Tiefe ohne Erfolg niedergebracht worden sein. Das ist verständlich, da die Bohrung etwa im Scheitel einer weitgespannten Aufwölbung der Schichten stand, während sich das Tiefenwasser in benachbarten Schichtmulden sammelt. Neuerdings (1950) wurde eine Wasserbohrung im Fabrikhof der Firma Mahle in diesem Horizont fündig. 

Der Kappelberg beherrscht die weite Ebene als ein eindrucksvoller Nordwestpfeiler des Keuperstufenrandes. Seine steile und doch weichgestufte Gestalt entspricht dem wiederholten Wechsel von weichen Keupertonen an den Steilhängen mit härteren Sandsteinen, die das widerstandsfähige Dach der sanftwelligen Schurwaldhochfläche und der Gehängestufen bilden. Der nachansteigende Fuß des Berges mit Fellbach, dem Obstwiesengürtel und den unteren, flachen Weinberglagen wird von den Tonmergeln des mittleren und des oberen Gipskeupers gebildet. Die erste Gehängestufe entspricht dem feinkörnigen Schilfsandstein. Am Nordhang ist er nur ungefähr vierzig Zentimeter dick und deshalb nicht stufenbildend, aber in Richtung Untertürkheim wie in Richtung Kernen schwillt er bald auf mehrere Meter an und bildet eine ausgeprägte Hangstufe. Es folgen die roten und grünen bunten Mergel mit dem eingelagerten Kieselsandstein, der die Stufe beim Schützenhaus verursacht. Er ist besonders schön in der großen alten Mergelgrube im „Kaiser" erschlossen. 

Wo der kahle Bergrücken mit dem schmalen Vorsprung im Westen einsetzt, ist die Untergrenze des Stubensandsteines. Widerständige, weiße, grobkörnige Sandsteine und seltene Kalksteinlagen wechseln mit weichen Tonen. Diese Schichtenfolge hat eine Gesamtmächtigkeit von rund hundert Metern, weshalb der Bergkamm weiterhin stufenförmig nach Osten ansteigt. Auf dem offenen Bergrücken sehen wir mächtige Einzelblöcke aus löcherigem, dolomitischem Kalkstein. Dies ist eine Besonderheit des Kappelberges, die im Stubensandstein selten so anschaulich auftritt. Es sind Rindenkalke, die im Halbwüstenklima der Stubensandsteinzeit aus verdunstender Bodenlösung an der Erdoberfläche abgeschieden wurden. In diesen Rindenkalken sind oft Kristallrosetten von porzellanweißem Schwerspat eingelagert. Dieses Mineral treffen wir im Stubensandstein des Kappelbergs häufig. 

Eine Gesteinskluft in der Nähe des Kaiserbrünneles ist mit einer rotgebänderten Marmorader ausgekleidet, dem Absatz einstiger Mineralquellen, die hier wohl in der Tertiärzeit aufstiegen. 

Die flachwellige Stubensandsteinhochfläche zieht sich auf Fellbacher Markung gegen den Kernen hin, bis die veränderte Landschaft des letzten Anstiegs eine neue Schichtenfolge im Untergrund andeutet. Man sieht Naßstellen; die Baumstämme sind oft hakig gekrümmt. Der Hang ist kleinwellig und muldig, als sei ein zäher Teig bergab gekrochen. An den Rändern der morastigen Wege kann man gelegentlich unter dem Gehängeschutt karminrote Tone mit weißen Kalkknollen und -ädern erkennen. Dies sind die „Knollenmergel", eine wegen ihrer Rutschneigung berüchtigte Schicht des oberen Keupers. 

Die widerstandsfähige Decke des Kernens bildet eine wenige Meter dicke Serie harter Gesteine, deren tiefere Teile nur selten aufgeschlossen werden. Ober dem Knollenmergel folgt der verkieselte, feinkörnige Rätsandstein, das letzte Glied der festländischen Keuperformation. Die feinförmigen, harten Sandsteine des Rats sind in Massen auf dem Kernen zu finden. Sie wurden in früherer Zeit gelegentlich abgebaut, wie die zerwühlte Berghochfläche zeigt. Als erster Zeuge des Weltmeereinbruches der Juraperiode kommt nun eine dunkle Kalkbank mit Ammoniten, die sog. „Psilonotenbank". 

Bodenwertkarte der Markung Fellbach und anschließender Markungsteile (240 kB)

Sie steht am Beginn des Schwarzjuras Alpha. Darüber folgt die oberste Deckschicht des Kernens, der „Angulatensandstein." Das anstehende Gestein wird von Gehängeschuttmänteln verhüllt, das sind meist Sandsteinbrocken in lehmiger Grundmasse. Dieser Hangschutt ist zum größten Teil das Werk eiszeitlichen Bodenfließens, das damals in Tauperioden bei dauernd gefrorenem Untergrund eintrat. Die Verwitterungsmassen wurden dabei als Wanderschuttbecken bis weit ins Vorland verfrachtet, wo wir sie z. B. noch unter dem Löß der Schmidener Lehmgrube beobachten können. 

An nutzbaren Gesteinen aus der Schichtenfolge des Kappelberges sind vor allem die reichen Gipsvorräte des Gipskeupers zu nennen, die dicht an der Markungsgrenze von der Untertürkheimer Gipsfabrik abgebaut werden. Die Keupertone und -mergel gräbt der Weingärtner mühevoll in zahlreichen Gruben, um sie als „Leberkies" im Weinberg auszubreiten. Die Keupersandsteine werden für den Bau der Weinbergmäuerchen verwendet; dabei wird der rote Schilfsandstein bevorzugt. Noch gewinnt man auf dem Kappelberg den Stubensand für Bauzwecke. Der Name rührt übrigens von der einstigen Verwendung als Fegsand für die Bauernstuben her. 

An der Unterkante von porösen Sandsteinbänken treten mehrere schwache Quellen aus, wie z. B. das „Kaiserbrünnele" unter dem Kappelberg. 

Die Gesteinsfolge im Raum von Fellbach 

Name  Mächtigkeit in Metern Vorkommen 
Löß und Lößlehm 1—8 Jüngste Decke des Fellbach- Schmidener Feldes
Unterer Lias alpha Kernenhochfläche
Rätsandstein  1—2 Kernenhochfläche 
Knollenmergel  25 Kernenoberhang
Stubensandstein  70—90 Kappelberghoch fläche 
Obere Bunte Mergel  10—12 Kappelbergoberhang
Kieselsandstein 2—5 Gehängeknick in Höhe des Schützenhauses
Untere Bunte Mergel 20  Kappelbergmittelhang
Schilfsandstein 0,5—6  Gehängeknick unter der Mitte des Berghanges
Gipskeuper  100  Kappelbergunterhang und Bergfuß
Lettenkeuper  20—25  Gesteinsuntergrund des Fellbach- Schmidener Feldes
Oberer oder Hauptmuschelkalk 85  Oberflächlich noch wirksamer, tieferer Gesteinsuntergrund 

Die Gesteine des Muschelkalks und Keupers entstammen der Triaszeit (Trias = Dreiheit von Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), einer erdgeschichtlich fernen Periode, in der das Muschelkalkmeer durch die vorwiegend festländische Keuperzeit abgelöst wurde. Deshalb zeigen diese Schichten eine Vielfalt steingewordener Reste von Meeres-, See- und Flußböden neben Überschwemmungsschutt und Wüstenbildungen. Nach Messungen an Zerfallsprodukten radioaktiver Mineralien hat diese Erdperiode das von unserer Vorstellungskraft überhaupt nicht erfaßbare Alter von einhundertfünfundsiebzig bis zweihundert Millionen Jahren. 

Am Ende der Triaszeit brach mit der Juraperiode wieder das Weltmeer in unser Gebiet ein. Seine ersten Spuren finden wir auf dem Kernen. 

Das Klima des Trias war vorwiegend trocken und heiß, worauf unter anderem die häufigen roten Gesteinsfarben hinweisen, sowie die Gips- und Steinsalzlager als Rückstände eingetrockneter Meeresbecken. 

Die Gesteinsbänke, Sandsteine, Mergel- und Kalkbänke wurden als ebene, weit durchgehende Schichten abgelagert und durch sehr langsame, weitgespannte Erdbewegungen zunächst tief unter Meereshöhe abgesenkt und von neuen Schichten überdeckt. Später tauchten sie in großen Zeiträumen wieder auf, wurden dabei schräg gestellt und stellenweise zerbrochen. Bekannt ist die große Schurwaldverwerfung, ein staffelförmiger Abbruch der Schichten nach Südwesten, dem das Neckartal im abgesunkenen Flügel von Plochingen bis Cannstatt folgt. Er streift vermutlich noch die Fellbacher Markung oberhalb der Gipsfabrik. Dadurch sind verschieden alte Schichten in gleiche Höhe gekommen, wie z. B. der Muschelkalk im Dietbachtal mit dem Gipskeuper der Gipsfabrik. 

Je höher die Gesteine über dem Meeresspiegel auftauchten, desto kräftiger konnte die Abtragung sie in erdgeschichtlichen Zeiträumen wieder abbauen und zerstören. Seit dem Ende der Jurazeit, als unser Gebiet endgültig Festland wurde, ist so ein mindestens sechshundert Meter dicker Schichtenstoß bis zum mittleren Weißjura durch das fließende Wasser ganz allmählich ausgeräumt worden. Diese Gesteine waren nachweislich noch weit über unseren Raum nach Westen und Norden hinaus abgelagert worden. Das klingt zwar unglaublich, doch sind wir heute noch Zeugen dieses erdgeschichtlichen Geschehens, wenn nach jedem Platzregen die roten, lehmigen Gießbäche vom Kappelberg herabstürzen, am Hang Rinnen aufreißen und den Bergfuß mit Sand und Steinen überschütten. So wird mit Sicherheit einst der Kappelberg ganz verschwinden, der doch im Vergleich zur menschlichen Geschichte „ewig" scheint. 

Die heutige Landschaft trägt noch den Stempel des Eiszeitalters als der jüngsten Erdvergangenheit. Der letzte Kältevorstoß dieser einschneidenden Periode endete vor etwa zwanzigtausend Jahren. Auf vegetationslosen Dauerfrostböden schoben sich damals die oben erwähnten Wanderschuttdecken in die Kältesteppen des Vorlandes. Jahrtausende lang überschütteten Staubwinde das Land mit dem Löß, der die Fruchtbarkeit der Gäuflächen begründet. Hier lebte das Mammut mit vielen anderen kälteharten Großtieren. In den letzten Jahren, als die Aufmerksamkeit für Bodenfunde in Fellbach erfreulich zunahm, wurden ein wohlerhaltener Nashornkiefer und ein ganzes Mammutskelett aus Baugruben getragen. Seitdem werden auch in der Ziegelgrube laufend Reste von Mammuts, Wildrindern, Wildpferden und anderen Großtieren gefunden, deren Herden die Lößtundra der jüngeren Eiszeit durchzogen. 

In den Ablagerungen der Eiszeit begegnen wir in Europa den ersten Spuren des Menschen, die auch im Fellbacher Löß vorhanden sein können. Aber nur sorgfältige Beachtung aller ungewöhnlichen Bodeneinschlüsse, und seien sie noch so unscheinbar, kann uns hier 2u weiteren wertvollen Funden aus der Frühzeit unserer Heimat führen. Hierzu ist die Mithilfe aller derer erforderlich, die mit dem Boden zu tun haben. 

Der Boden 

Aus der Gestalt und dem geologischen Aufbau der Landschaft erwächst auch die Gliederung der Fellbacher Böden. „Boden" nennen wir die belebte Grenzschicht zwischen Gesteins- und Lufthülle unserer Erde. Das Großklima bewirkt teils direkt, teils auf dem Weg über die Pflanzenwelt und zahllose tierische Kleinlebewesen eine Veränderung in der Oberschicht des rohen, mineralischen Gesteins, die wir als Verwitterung und Bodenbildung bezeichnen. Aus organischen Resten werden dunkle Humusstoffe aufgebaut, die Hauptträger der Bodenfruchtbarkeit sind. In der Ebene des Schmidener Feldes und auf der bewaldeten Kappelberg-Hochfläche konnte die Bodenbildung tief greifen. Auf dem wetteroffenen Kamm des Kappelbergs und an seinen Hängen wird dagegen die lebende Oberschicht leicht abgespült. Dort finden wir deshalb unentwickelte Böden und rohe Gesteinsböden. 

Die Böden der Lößflächen des Schmidener Feldes, die ja weit in die Markung Fellbach reichen, sind wegen ihrer Fruchtbarkeit berühmt, besonders seit hier große, weltbekannte Gärtnereien entstanden. Auf dem mineralkräftigen, porösen Löß finden wir meist gute Ackerböden. Die feinen Lößporen können nämlich Regenwasser zusammen mit Luft wie ein Schwamm festhalten und in den Wurzelbereich nachsaugen. Dieser günstige Wasserhaushalt regelt auch die Nachlieferung mineralischer Nährstoffe. Die Fruchtbarkeit der aus Löß entstandenen Böden ist also im porösen Feingefüge begründet. Dieses geht bei mangelnder Bodenpflege leicht verloren, und es kann zu Dichtlagerung, Luftarmut und Vernässung kommen. Störungen dieser Art machen sich zuerst an der Oberfläche bemerkbar als Neigung zur Verschlammung und Verkrustung. Die gehemmte Luft- und Wasserbewegung zeigt sich zugleich in geringerer Erwärmbarkeit. Deshalb nennt der Fellbacher Bauer einen solchen Boden „kaltschleißig". Zur örtlichen Vernässung, die auch Drainage erforderte, kam es z. B. in den Flurteilen Eurach und Erbach. 

Die besten Fellbacher Lößlehmböden haben unter der braunen Ackerkrume noch eine schwarze, humusreiche Schicht im Unterboden, die immer wieder in Ziegelei- und Baugruben erschlossen wird. Darin zeigt sich eine zwar unscheinbare, aber bedeutsame Eigenheit der Fellbacher Gegend, die das Gebiet auch zum wichtigsten Gärtnereizentrum des Landes macht. Wir haben hier die größte zusammenhängende Restfläche ehemaliger Schwarzerde in Mittelwürttemberg. Die Schwarzerde bildete sich auf allen Lößflächen am mittleren Neckar vermutlich während des warmen Klimas der nacheiszeitlichen Eichenmischwaldzeit, an deren Höhepunkt, vor rund sechstausend Jahren, die mittelsteinzeitlichen Jäger noch auf dem Kappelberg hausten. Nur in dieser Gegend nehmen die Reste dieser Schwarzerde heute noch eine Fläche von vier bis sechs Quadratkilometern ein; wohl weil dieser Raum um Fellbach eine Art Trockeninsel in Mittelwürttemberg ist, dessen Klima auf die Schwarzerde besonders konservierend wirkt. 

Die gelegentlichen Siedlungsreste von jungsteinzeitlichen Ackerbauern (Bandkeramikern) in der Fellbacher Schwarzerde zeigen, daß der Ackerbau auf den Gäuflächen schon vor rund fünftausend Jahren zu Hause war. Wie viele Ernten haben diese noch immer unerschöpften Böden schon hervorgebracht! Der stabile Schwarzerdehumus und besonders seine hohe wasserhaltende Kraft bewirken diese erstaunliche Fruchtbarkeit. 

Ganz anders sind die Böden am flachen Hangfuß des Kappelbergs. Ihre fast ausschließliche Nutzung als Obstbaumwiesen und Dauergrünland weist bereits auf eine schwere, tonreiche Bodenart hin, wie sie auf Gipskeuper zu erwarten ist. Dabei sind die Böden nährstoffreich und erhalten zusätzliches Wasser vom Berg. So bilden sie eine günstige Ergänzung zu den hochwertigen Getreideböden der nördlichen Markungsteile. 

Die Weinbergböden sind ganz und gar vom Fleiß des Weingärtners geformt, der bei Neuanlagen bis zu einem Meter tief umgräbt („rigolt") und regelmäßig frische - meist kalkreiche - Keupermergel („Leberkies") heraufbringt. Der Weinstock liebt offensichtlich die tiefgründig lockeren, mineralisch rohen Böden, in denen hohe Sonnenwärme, Durchlüftung und Kalkgehalt den lebhaften Stoffwechsel „hitziger" Böden erzeugen. Die Weinbergböden sind deshalb „Mistfresser". Das regelmäßige Mergeln erfüllt dabei eine ganze Reihe von Zwecken: Die lockeren Mergelbröckchen decken den lebenerfüllten älteren Feinboden ab und schützen ihn so vor Abspülung, Austrocknung und der unmittelbaren Giftwirkung von Spritzmitteln. Soweit sie dunkel gefärbt sind, halten sie das Sonnenlicht fest und tragen so zur stärkeren Bodenerwärmung bei. Zugleich begünstigt diese Bodenbedeckung, ähnlich wie die Laubschicht im Walde, das Bakterien- und Regenwurmleben in der geschützten Krume. Die porenreiche Auflage hält zudem das kostbare Regenwasser im steilen Weinberg fest. Später, wenn der Mergelauftrag verwittert, bewirkt er auch eine gewisse Düngung, da die Keupermergel etwas Kalium enthalten, neben Magnesium und anderen Pflanzennährstoffen; doch tritt die chemische Wirkung hinter der physikalischen weit zurück.

Aber auch im Weinberg sind noch Bodenunterschiede spürbar, die mit dem Gesteinsuntergrund und der örtlichen Ausbildung des Gehängeschuttes zusammenhängen. So sind die Böden im unteren Teil der Sonnenhänge auf Gipskeuper besonders schwer. Hier „traubt" der Boden wie der Weingärtner sagt (Lämmler, Hinterer Berg, Flurteil Hölle). Diesem Standort ist der „Trollinger" gemäß. An den Oberhängen, wo Stuben- und Kieselsandstein die Böden leichter machen, wird lieber das „Weißgewächs" angebaut. Am Nordhang des Kappelberges geht der 

Siegel des „Flecken Feibad," 
aus dem Jahre 1694 Zeichnung: Archiv

sandige Hangschutt weit nach unten, weshalb hier ebenfalls der Boden stellenweise leichter ist. Nasse Stellen in der Pfeiferhalde, wo das Amselbrünnele versickert, tun sich durch gelbe Platten im Grün des Reblaubes kund. Die Waldböden des Kappelbergs haben sich auf Stubensandstein entwickelt, weshalb sandige, tiefgründige Böden („Podsolige Waldböden") vorherrschen. Aus dem lockeren Sand werden die Nährstoffe leicht ausgewaschen und wenn ein starker Entzug des „Bodenkapitals" hinzukommt, wie durch die früher stark betriebene Streunutzung im Fellbacher Wald, so kommt es zur oberflächlich starken Versauerung. Sie wird durch die Heidelbeere und Drahtschmiele angezeigt. Vielfach liegt der Sand über Ton, weshalb die Unterböden staunaß werden. Hierauf weist das Pfeifengras auf den Sandböden hin. Meist ist der Wurzelraum aber ausreichend. So ergeben die Sandböden an den frischen Nordhängen und auf der Ebene recht gute Waldstandorte, während Trockenstellen am Südhang oder bei oberflächennahem Gestein weniger günstig sind. 

Der kahle Westsporn des Berges mit der Steppenheide sowie ein beträchtlicher Teil der ebenen Hochfläche haben aber kalkreiche Gesteine im Untergrund. Die oben erwähnten dolomitischen Rindenkalke verwittern zu humusreichen, tonigen Lehmböden (Dolomit-Pararendzina), denen wir den Blütenreichtum der Steppenheide verdanken, wie auch die schönsten Kinder der Waldflora des Berges: Seidelbast, Türkenbund und Akelei. Diese nährstoffreichen, frischen Böden tragen wüchsige Buchenbestände. 

Im oberen Stubensandstein und im Knollenmergel treten Tonmergel auf, deren Verwitterungsprodukte als zähe, rote Tone überall dort zu waldbaulichen Schwierigkeiten führen, wo der Boden längere Zeit entblößt war und von der Sonne ausgebrannt ist. 

Am Südhang des Kernens und in der „Sauwies" führten diese Bodenverhältnisse :Um "Liliputanerwald", wie die Fellbacher humorvoll die Wuchsstockungen benennen. Im Dauerwaldbetrieb bei ständiger Beschattung können diese nährstoffreichen Böden auch am Südhang einen ausgeglichenen Wasserhaushalt erhalten und damit auch waldbaulich gut werden. Daß nur der Wasserhaushalt entscheidet, zeigt sich am Nordhang des Rörachberges wo ebenso schwere Tonböden auf Gipskeuper sehr schönen Wald tragen. 

Auf der Kernenhochfläche und am Osthang des Berges liegt ein feinsandig-steiniger Lehm der Liasverwitterung über Ton. Diese zweischichtigen Braunerden neigen etwas zur Vernässung, sind aber waldbaulich sehr günstig. Auf diese Böden sind die wenigen Standorte des Waldmeisters im Fellbacher Wald beschränkt.