Walter Keinath 

FELLBACH IM WANDEL DER ZEITEN 

Aus früheren Urkunden und alten Lagerbüchern läßt sich eine Vorstellung von dem alten Dorf Fellbach gewinnen. Es reichte von der Burggasse im Süden, die unter der Kelter ob dem Dorf" hinführte, bis zum alten Friedhof im Norden; im Osten wurde es von der Vorderen Gasse, im Westen von der Hinteren Gasse begrenzt. Zwischen den einzelnen Herren- und Klosterhöfen, Zehntscheuern und Hofstätten waren größere freie Räume ausgespart. Um die Höfe, teilweise auch um das Dorf, schlössen sich Küchen- und Kraut-, Gras- und Baumgärten an. Plätze und Brunnen, in älterer Zeit Schöpf- und Röhrenbrunnen, später Pumpbrunnen, belebten das Bild des Dorfes. Vom Kappelberg herab strömte Wasser in die Wette, die auch Feuersee hieß und auf dem freien Platz bei der „Krone" lag. In der Nähe erhoben sich die Dorfkelter, eine schon im Jahre 1473 erwähnte Ziegelei und eine im Bauernkrieg zerstörte, später wiederaufgebaute Zehntscheuer. Die Vordere Gasse, auch Herrengasse genannt, wurde von stattlichen Bauernhöfen umsäumt, unter denen sich von alters her bevorrechtete Höfe befanden, so der Almosen- oder Eglingerhof beim Platzbrunnen. An der Ecke der Hinteren Gasse und Burggasse befand sich das Schaf haus. Erst vor 100 Jahren sind die Bezeichnungen „Oben im Dorf" und „Beim See" sowie „Im neuen Gäßle" in Kappelbergstraße und Grabenstraße umbenannt worden. In die Dorfmitte gehören die altbezeugte Schmergasse und die Sudelgasse, deren Namen uns die schlechte Beschaffenheit alter Dorfgassen vor Augen führen, die einstige Bettelgasse, ein Teil der heutigen Weimerstraße, mit „des Fleckens Armenhaus", und ein Entenweg, der zum Graben führte. In der Mitte zwischen Ober- und Unterdorf erhob sich vor dem früher Koch'schen Haus (jetzt Druckerei Conradi) bis 1903 der Markt- oder Platzbrunnen (siehe Seite 68). Im unteren Dorf scheint die Bebauung stark aufgelockert gewesen zu sein. An die schon früh erwähnte Pfarrgasse, zu der das alte dörfliche Pfarrhaus gehört, grenzt ein Hof hinter dem jetzigen Rathaus, der einstmals im Besitz des Domkapitels Konstanz war. Im 15. Jahrhundert befand sich eine Badstube im unteren Dorf; im Jahre 1703 wird berichtet, daß „unten im Dorf bei Hanns Pfanders Wittib vormalen ein Bad gewesen". „Ein Jauchert, so vor Jahren ein Wass (ein Wasen) und ein Stockrheytin (ein Stück Rodeland) gewest", steht dem Bader "zur Erhaltung des Bades vom Flecken" zu. Am Nordwestende des Dorfes lag von der Mitte des 14. Jahrhunderts an eine Wehrkirche (heute Lutherkirche). (Siehe auch Seite 50 und 155.) 

Rund um das mittelalterliche Dorf 

Die Hochstraße (1394), die von Cannstatt über die Fellbacher „Höhe" dem Remstal und Nürnberg zuführte, besaß einen festen und erhöhten Untergrund und war von den Römern erbaut oder umgebaut worden. Im Zuge der heutigen Stuttgarter Straße führte sie zwischen Schmiden und Fellbach zunächst nach Nordosten, bog dann als Heerstraße auf dem nördlichen Hang über dem Schüttelgraben, in Urkunden noch „Schrickelgraben" genannt, ostwärts und lief in Richtung auf die Keimenmühle bei Beinstein weiter. Alte Wege von Cannstatt nach Fellbach waren außerdem der Mittlere Weg südlich der Landstraße, der im westlichen Teil Ebitzweg hieß und am Sonnenbühl vorbei ins Unterdorf von Fellbach führte, und der Obere Weg, beide wurden durch die Feldbereinigung stark verändert. Von Neckarrems über Oeffingen und Schmiden zog der Eßlinger Weg (heute Eßlinger Straße) westlich vom Unterdorf zum Oberdorf. Steil und teilweise tief eingeschnitten stieg er zum Kappelberg empor und gabelte sich am Eßlinger Tor in zwei Stränge. Als Höhenweg über den Schurwald heißt er auf lange Strecken Kaiserstraße, teilweise auch Römerstraße. Der eigentliche Eßlinger Weg wandte sich über die Egelseer Heide, über Siebenlinden und Katharinenlinde der ehemaligen Freien Reichsstadt Eßlingen zu. 

Abgegangene Wege in Nachbarorte und in die Flur sind der Hegnacher Weg nordöstlich von der Langen Furche, der Fellbach unmittelbar mit Hegnach verband, und der Holzweg, der von Schmiden über den Schüttelgraben und Erbach nach Rommelshausen führte. Zahlreiche Fuß- und Fahrwege, darunter auch Hohlwege, durchquerten die Ackerflur, so das abgegangene Krottenwegle, das durch die Krottenäcker und -wiesen bis zur Landstraße verlief. Pfade, Furchen und Staffelwege durchschnitten das Weinberg- und Waldgelände, so der Ochsenweg, ein steiler, der Holzabfuhr dienender Weg am Osthang des Kappelbergs. Schutzhütten wie die Eselshütte (siehe Seite 60) erlaubten es, da und dort im Gelände bei Regenwetter unterzustehen. Ruhebänke aus Stein luden die vom Feld Heimkehrenden ein, ihre Lasten abzustellen und Atem zu holen. 

Im "Dietbach" befand sich einst ein Weiler („wysen zu dietpach gelegen am wyler", 1473). Die dazugehörige Kelter stand nahe dem Wurmberg und wurde erst im 19. Jahrhundert auf das Gelände des heutigen Schwimmbads heraufgesetzt. Der Erbacher Hof lag etwa achthundert Meter östlich vom Dorf zwischen dem Schüttelgraben und dem Rommelshausener Weg, offenbar an einem von Erlengebüsch umsäumten Bach, da der Name „Erlbach" im Jahre 1344 urkundlich belegt ist. Über Entstehung und Abgang des Hofes Erbach ist nichts bekannt. Seine Güter waren besonders umsteint, befanden sich aber seit urkundlich nachweisbarer Zeit „in Zwingen und Bannen von Velbach" (d. h. in der Markung von Fellbach). Auch der Weiler Immenrot (1279 Immenroden) ist hier zu nennen, da er in Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts, besonders in solchen des Klosters Zwiefalten, mehrfach erwähnt wird. Er hatte „ein Khelter mit zweyen Bhömen sampt einem Platz daran so bestaindt" (1574). Der kleine Ort ist bei den Kämpfen zwischen Kaiser Rudolf von Habsburg und den Grafen von Wirtemberg zerstört worden. De Erinnerung an ihn lebt weiter im Flurnamen Simonsrot für das Gelände südwestlich vom Lämmler bis zu der Markungsgrenze nach Untertürkheim und in den Namen Judenkirchhof für seinen abgegangenen Friedhof sowie Simonsrothäusle für eine Schutzhütte. Als ältester Hof lag nördlich vom Ort eine römische Villa Im Eurachi (d. h. Gemäuer, Mauerwerk), unfern von der Kreuzung zwischen Landstraße und Eßlinger Weg. Die noch lange aufragenden Mauerreste veranlaßten den Namen für die früheren Überreste an der Stelle des Gutshofes, die Lehrer Karl Seibold vor rund 25 Jahren wiederentdeckte. 

Der Brüh! ist ein etwa 20 Minuten vom Ort Fellbach entferntes Gelände südlich von den Geifizenäckern, das sich am Fuß des Kappelbergs leicht nach Norden neigt und guten Boden aufweist. Ein Brühl besteht meist aus ertragreichen Wiesen und war ursprünglich vorwiegend in der Hand eines Dorfherrn. Auch für Fellbach ist mehrfach ein „Brühlhof" oder „Früstingshof" erwähnt, der „gegen den Flecken jederzeit steyerfrey ist". Zu diesem Hof, der nach dem Geschlecht der Früstinger benannt war, gehörten die Brühlwiesen und -weingärten sowie der Brühlwald am steilen Nordhang des Kappelbergs und andere Liegenschaften. Fellbacher Bürger, die das Brühlholz nutzten, mußten dafür jährlich vierzig Scheffel Früchte in die Vogtei Cannstatt „reichen" (1686); diese verwaltete die Güter für die damaligen Besitzer, die Herzöge von Wirtemberg. Diese Güter waren wohl schon früher aus der Hand der Dorfherren an das Haus der Grafen von Wirtemberg übergegangen. Man darf vermuten, daß an der Stelle, wo die Flur Wiflinger Hang oder Wiflinger Wald anschließt, eine alemannische Siedlung Wiflingen bestanden hat. Dafür sprechen die für einen kleineren Wohnort günstigen natürlichen Verhältnisse zwischen dem Osthang des Kappelbergs und dem Tal des Haldenbachs, die Wegkreuzungen jener Gegend, der gute Boden und die Nähe von fließendem Wasser. Auf der umfangreichen Flur Haldenbach stand eine „Haldenbacher Kelter"; außerdem wird berichtet, daß bestimmte Wein- und Baumgärten sowie Länder der Zeig gegen Waiblingen „zuvor als Äckher in die Zeig Haldenbach einkommen". Somit dürften der Brühl und der Wiflinger Hang mit den Fluren Haldenbach, Beunde, Schelmenwasen und Tiergarten einmal zusammengehört und den Raum für den Ort Wiflingen gebildet haben. 

Volkstümliche Flurnamen 

Aus volkstümlicher Einstellung erwachsen sind Namen wie Guckinsdorf für den nördlichen Teil des Kappelbergs, der eine herrliche Aussicht auf Fellbach bietet, und Siehdichfür für ein früher mit dichtstehenden Zwetschgenbäumen bepflanztes Gartenland. Der Freudenberg spielt ironisch auf ein Flurstück mit schlechtem Boden und geringem Ertrag an. Die Diebsklinge ist eine tief eingeschnittene Schlucht am Nordhang des Kappelbergs, die auf das Volksgemüt unheimlich wirkt. Am Bubenacker sollen sich die ledigen Burschen früher zur Geselligkeit zusammengefunden haben, über dem Ort liegen die „Rößen", in deren wassergefüllten Gruben man Holz- und Faserteile von Flachs aufweichte. Auf den Flachswiesen südlich von den Bruckwiesen wurde der Flachs getrocknet und gebleicht. In den „Schelmenäckern und -wiesen", die zwischen dem Unteren Dorf und dem Schüttelgraben lagen, vergrub der Schinder verendete Tiere. 

In manchen Geländenamen mögen Berufsbezeichnungen und Familiennamen seit alter Zeit festgehalten sein, so im „Schreiber" (südöstlich der Dorfkelter) und im „Schafknecht" (zwischen dem Oberen Dietbach und dem früheren Schafhaus). Im „Hafner" (an der Landstraße nach Waiblingen) holte man einen guten Lehm, und die Schulwiesen (heute Schulstraße) durfte der Schulmeister nutzen. Hierzu darf man wohl auch Bezeichnungen wie „Geiger" (unter dem Mönchberg), „Pfeiferhalden" (am alten Kappelbergweg), „Vogler" (nahe der Gafferhütte), „Ledergerber" (südlich der Untertürkheimer Straße) und „Schöpfer" (am südlichen Kappelberg) zählen. 

Aus urkundlich greifbaren Personennamen scheinen gebildet: „Lippenberg" (zwischen Vorderem Berg und „Kaiser") nach den Familien Lipp, „Schmidjäklen" (beim Oberen Bühl) nach Jakob Schmid, „Semlins" (1574 als Personenname belegt), „Mautenäcker" (nach Maute) und „Orewirr" (mundartlich aus Ulrich Würth entstellt). Zwischenformen machen solche Bildungen klar, so Hans Zipfels Goldberg und Hans Himmelreichs Goldberg. Häufig sind dabei Geschlechtsnamen auf -ing, die ursprünglich meist die Zugehörigkeit zu einer Sippe oder einer anderen Gemeinschaft ausdrückten, sowie auf -inger, die teilweise die Herkunft angaben, so „Schmähing" (über dem Brühl), „Mössinger" (an der Flurgrenze um Luginsland und „Benzinger" (auf dem Goldberg). Schwerer zu deuten sind Namen für bevorzugte Weinberglagen wie „Lämmler" (im Volksmund „Lehmler"), vielleicht aus einem Familiennamen (Lämblin?) entstellt, und „Wetzstein" (schon 1384 urkundlich belegt), ein anderwärts geläufiger, in Fellbach jedoch nicht nachzuweisender Personenname. 

Das größere Geschehen 

Im unteren Remstal um Waiblingen finden sich zahlreiche Ortsnamen, die aus Flurnamen hervorgegangen sind und ihre Entstehung im allgemeinen der Zeit des Ausbaues, oft des späten Ausbaues, verdanken. Zu ihnen zählt auch das auf der Hochebene zwischen Rems- und Neckartal gelegene Fellbach. Es wird zum erstenmal in der Zwiefaltener Chronik genannt. Hier heißt es, die Pfalzgräfin von Calw habe einen lichten Wald und Ackerland zu Fellbach an Zwiefalten geschenkt. Dieselbe Nachricht erscheint wieder in der Zwiefaltener Chronik von Sulger, diesmal aber mit einer Datierung auf das Jahr 1121. Worauf dieser die genaue Angabe gründet, läßt sich freilich nicht feststellen. Wie das nordöstlich gelegene Hegnach, dessen Name sich wohl auf Dorngebüsch bezieht, dürfte Fellbach eher nach ausgedehntem Felben-, d. h. Weidengebüsch, als nach „Feiben an einem Bach" benannt sein. Bis über das Jahr 1000 hinaus sind die Verhältnisse im Raum von Fellbach undurchsichtig. Der Versuch, Fellbach infolge des günstigen Bodens seiner Flur ein höheres Alter zuzuweisen, ist bis jetzt mißlungen; auch ist es bisher nicht geglückt, ein alemannisches Reihengräberfeld aufzufinden. Es scheint, daß Fellbach von einer Grundherrschaft gegründet oder entscheidend gefördert wurde, die an den Abhängen des Kappelbergs die ersten Rebgärten anlegte. Als es zu Beginn des 12. Jahrhunderts in den ersten Urkunden bezeugt wurde, bestanden offensichtlich bereits überall an den Berghängen Weingärten, die aufzurichten eine mühevolle Arbeit von vielen Generationen gewesen sein muß. Mindestens ein, vielleicht einige Jahrhunderte, hatte es wohl zuvor gedauert, bis der Boden an den steilen Hängen gereutet, die Terrassen aufgeschüttet und mit Mauern gestützt waren. Fellbach könnte also etwa in der Zeit entstanden sein, als der Weinbau allgemein eingeführt wurde. Das wäre die Zeit von 950 bis 1050 oder das Ende der mittleren Ausbauzeit. 

Salier, Calwer und Welfen 

Als Gisela, die Schwester Kaiser Heinrichs II. und Mutter Herzog Ernsts II. von Schwaben (gestorben 1030) eine dritte Ehe mit dem rheinfränkischen Grafen Konrad (Kaiser von 1024-1039) schloß, mag sie hierzu auch das einstige Reichsgut Waiblingen beigebracht haben, das von da an den Saliern gehörte. Im Jahre 1080 schenkte König Heinrich IV. (1056-1106) seine Güter zu Waiblingen und Winterbach dem Dom zu Speyer, der Grablege seines Hauses. Auf der Seite seines Gegners, des Grafen Hermann von Salm, standen der Edelfreie Konrad von Wirtemberg, Graf Adalbert von Calw, sowie Herzog Welf, während sich Graf Friedrich von Staufen, seit 1079 Herzog von Schwaben, auf der Seite seines Schwiegervaters Heinrich IV. befand. 

Nachdem Papst Gregor VII. König Heinrich IV. mit dem Bann belegt hatte, konnte sich dieser gegen seine heimischen Feinde auf das Remstal stützen. Dagegen zählten die Grafen von Calw, die in Cannstatt, Ingersheim und Fellbach Besitz hatten und mit ihrer Macht somit auf das rechte Neckarufer herüber reichten, zu Heinrichs erbitterten Gegnern. Damals dürfte manche grimmige Fehde im Raum zwischen Cannstatt und Waiblingen ausgetragen worden sein. 

Zu dieser Zeit wurden zahlreiche Reformklöster gegründet, vor allem von Kloster Hirsau aus, das von dem Grafen Adalbert von Sindelfingen, dem Erbauer der Burg Calw, ins Leben gerufen worden war. In die Reihe dieser Reformklöster gehört Kloster Zwiefalten nördlich von Riedlingen an der Donau, das im Jahre 1089 von zwei Brüdern, beide Grafen von Achalm, gestiftet wurde. Die Zwiefaltener Chronik bietet, wie schon erwähnt, den ersten urkundlichen Nachweis für den Ort Fellbach. Die Stelle lautet folgendermaßen „Illustris Palatina de Calw iuxta Tirckeim et Velbach nemus et plus quam viginti iugera dedit; hanc alibi Wiltrudem vocatam et Alberti uxorem fuisse reperio". Dies heißt: „Die erlauchte Pfalzgräfin von Calw schenkte bei Türkheim und Fellbach einen lichten Wald und mehr als 20 Morgen Weinberge (an Zwiefalten); wie ich finde, heißt sie anderwärts Wiltrud und war die Gemahlin von Albert." Nach dem Tod des im Februar 1133 verstorbenen Pfalzgrafen Gottfried von Calw brach ein Erbstreit zwischen Welf VI., dem Gemahl von Gottfrieds Tochter (oder Enkelin) Uta, und Adalbert von Löwenstein, dem Neffen Gottfrieds, aus. Welf VI. brachte das ganze Erbe der Calwer im Neckargebiet an sich, das die Filder und den Glemsgau im Westen des Neckars, Cannstatt mit Untertürkheim und Fellbach östlich davon umfaßte. Welf VI., Herzog von Tuszien und Spoleto, ein Onkel Kaiser Friedrichs I. von Staufen, und seine Gemahlin Uta erscheinen um 1185 in einer Fellbach berührenden Urkunde. Darin genehmigen sie Veräußerungen, welche ihre Dienstleute und Hörigen Siboto, Rudung und Conrad an das Kloster Adelberg vorgenommen haben, und bestätigen die von ihnen selbst vollzogene Schenkung eines Gutes in Fellbach an dieses Kloster. 

Staufer und Wirtemberger 

Ein blutiges Ringen zwischen Staufern und Welfen, das auch das Rems- und Neckartal in Mitleidenschaft zog, entwickelte sich, als die Staufer im Jahre 1125 das Erbe Heinrichs V., und damit der Salier, in die Hand bekommen hatten. Die Welfen stützten sich auf die Berge und Burgen um den mittleren Neckar und dessen östlichen Saum, während die Staufer über die Befestigungen von Neckarrems bis Waiblingen geboten und am weiteren Remstal einen Rückhalt hatten. Nach Welfs VI. Tod im Jahre 1191 gingen Cannstatt und die übrigen calwisch-welfischen Besitztümer der Umgebung, somit auch Fellbach, in die Hand der Staufer über. Die Grafen von Wirtemberg fanden in der Organisation des staufischen Territoriums ein glänzendes Vorbild. Spätestens in den Jahren zwischen 1070 und 1080 erwarben die Herren von Wirtemberg Gebiete um Neckar und Rems. Luitgard, die Erbtochter des letzten Edelfreien von Beutelsbach und Schwester des Abtes von Hirsau, heiratete zu jener Zeit den zum Hochadel gehörenden Konrad von Wirtemberg, den Erbauer der Stammburg über Untertürkheim. Am 7. Februar 1083 wurde diese durch den Wormser Bischof Adalbert eingeweiht. Im Jahre 1136 erscheinen die Herren von Wirtemberg als Grafen mit dem Grafenamt im Umkreis von Waiblingen, vermutlich auch in dem von Cannstatt. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich schon im Jahre 1199 unter Philipp von Schwaben, fiel ihnen die staufische Gütermasse um Cannstatt und das Remstal zu. Etwa um 1220 teilte sich das Geschlecht der Grafen von Wirtemberg in die am mittleren Neckar ansässige Linie gleichen Namens und in eine oberschwäbische, nach Burg Grüningen bei Riedlingen benannte Linie. Zu ihr gehörte Graf Hartmann, der mit seinen Nachfolgern gewisse Güter im Stammesgebiet, darunter Cannstatt und Fellbach, in seiner Verwaltung behielt. Sie waren dem Haus 48 Flurnamen der Markung Fellbach Grüningen aus dem ursprünglich calwisch-welfischen, dann staufisch- wirtembergischen Besitz zugefallen. 

Als König Rudolf von Habsburg (1218 - 1291) in den Jahren 1286 und 1287 den Grafen Eberhard den Erlauchten (1265 - 1325) angriff, um das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen und als erledigtes Reichslehen in seinen Besitz zu bringen, wurden am mittleren Neckar erneut harte Kämpfe ausgetragen, Stuttgart belagert, Cannstatt in Schutt und Asche gelegt, Burgen und Orte im Neckar- und Remstal zerstört. Auch Fellbach hatte schwere Zeiten durchzumachen. 

Im Jahre 1289 sprach König Rudolf den Grafen von Grüningen den Besitz des Dorfes Cannstatt und das dortige Patronatsrecht ab und erkannte beides den Grafen von Hohenberg zu. Konrad von Grüningen und seine zwei Brüder verkauften ihren Hof in Cannstatt und das Patronatsrecht an das Domkapitel Konstanz. Die Brüder Bertold und Heinrich von Velbach, denen Graf Hartmann von Grüningen (gestorben 1280) den Fronhof in Cannstatt verpfändet hatte, verzichteten am 20. Oktober 1289 auf diesen zugunsten des Domstiftes Konstanz und wurden von letzterem damit belehnt. Offenbar wollten die Grafen von Grüningen auf solche Weise ihren Besitz rechtzeitig in Sicherheit bringen. In der sich nunmehr entspinnenden Fehde zwischen dem Grafen Eberhard von Wirtemberg und dem von Hohenberg wurde der Ort Fellbach schwer mitgenommen. Spätestens im Jahre 1291 söhnten sich indessen die seitherigen Gegner aus und bestätigten den Verkauf von Hof und Patronatsrecht in Cannstatt. Zu diesem Zeitpunkt traten die Grafen von Wirtemberg endgültig als alleinige Herren von Cannstatt und dessen Zubehör, darunter auch Fellbach, an die Stelle der Grüninger. 

Die Zeit von 1300 bis 1450 

Der Städtekrieg (1310 -1316) entspann sich aus der Feindschaft zwischen dem Grafen Eberhard dem Erlauchten und König Heinrich VII. (1262 -1313) und den Reichsstädten. Die Gegner der Wirtemberger zerstörten die Stammburg Wirtemberg und das Stift Beutelsbach mit der Grablege des Hauses Wirtemberg und im Verlauf der Fehden, die mit kurzen Unterbrechungen durch zwei Jahrzehnte andauerten, auch die einfachen Schutzmauern um das Dorf Fellbach, weshalb man die Befestigung der Kirche von Fellbach verstärkte. Die kriegerischen Zeitläufte belasteten und erschöpften das Land der Wirtemberger, der damals mächtigsten Herren unserer Heimat. Nach dem Tode Graf Eberhards des Greiners (1315 -1392) lagen zahlreiche Dörfer in Asche,- auch die Felder waren verödet und mit Unkraut bewachsen. Der schwarze Tod, eine pestartige Krankheit, raffte im Jahre 1349 zahllose Menschen dahin. Erst in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durfte man endlich wieder die Wohltaten des Friedens genießen. In dem Fürsten- und Städtekrieg (1449/50),der sich an gesellschaftlichen Umschichtungen und wirtschaftlichen Spannungen entzündete, war das Glück bald auf der Seite der Fürsten und Edelleute, bald auf jener der Reichsstädte. Graf Ulrich der Vielgeliebte von Wirtemberg (1413-1480) und der Markgraf von Baden beschossen und belagerten Eßlingen. Im Gegenstoß drangen die Städter bis Fellbach vor, stießen hier indessen auf heftigen Widerstand und mußten unverrichteterdinge abziehen. 

Die kirchlichen Verhältnisse 

Fellbach gehörte seit früher Zeit zum Bistum Konstanz, zu dessen Archidiakonat „vor dem Schwarzwald" und zum Dekanat oder Kapitel Grunbach (1275), beziehungsweise Waiblingen (1280). Als Urpfarreien befanden sich auf der Altenburg bei Cannstatt eine Martinskirche, in Waiblingen eine Michaelskirche. Im Laufe mehrfacher Aufteilung der Sprengel wurden, teilweise schon frühe, die Uffkirche und weitere Kirchen von den Urkirchen losgelöst und durch die Grundherren verselbständigt. Die Kirchen von Münster am Neckar und Fellbach waren dem heiligen Gallus, der als Schüler des irischen Missionars Columban südlich von Arbon wirkte, geweiht. (In der Aufschrift auf einer Gültliste, einem Hypothekenverzeichnis vom Jahre 1746 und auf den Titelblättern von Rechnungen der Heiligenpflege, die auf dem Fellbacher Rathaus liegen, wird Gallus als Heiliger für diesen Ort bezeugt.) In einer Schenkungsurkunde, die um 700 in Cannstatt ausgestellt wurde, vermachte Herzog Gottfrid den „vicus" Biberburg am Neckar (Mühlhausen am Neckar) dem Kloster St. Gallen, doch sind Einzelheiten aus jener mittelalterlichen Zeit, die sich auf Fellbach beziehen, nicht bekannt. Es ist deshalb schwer, einen sicheren Ansatz für Zeit und Ort zu finden, wo die erste Kirche Fellbachs entstand. Eine Urkunde vom Jahre 1282 erwähnt ein Bauwerk (cubiculum) auf dem Kirchhof zu Fellbach. Im Jahre 1308 ist von einem Pfaffen Beringer von Fellbach die Rede, ebenso im Jahre 1320 von einem Priester Ulrich von Fellbach. Letzterer vermachte dem Predigerkloster zu Eßlingen zu einem Jahrtag für sich und seine Angehörigen, darunter seinen Bruder Rudolf, weiland Leutpriester an einem Gotteshaus zu Fellbach, ein Pfund Heller von einem Weinberg. Die Dorfkirchen und das Widdum der Pfarreien, d. h. das ihnen gestiftete und zur Nutznießung übertragene Gut, waren meist aus dem Herrengut des Dorfes herausgeschnitten, weil die Dorfherren sie begründeten. Die Tatsache, daß die älteste lagemäßig feststellbare Kirche in Fellbach am Nordwestende des Dorfes gelegen war, legt die Vermutung nahe, daß irgendwelche Dorfherren aus einem Grundbesitz an dieser Stelle den Raum für die Anlage einer Eigenkirche und den sie umgebenden Kirchhof herausgeschnitten haben könnten. Diese Kirche (heute Lutherkirche) war im Mittelalter als Wehrkirche ausgebaut und durch Mauer und Wassergraben geschützt (siehe auch Seite 155). Darauf beziehen sich Namen wie Seeplan, Gasse am Seegraben und Seegärten (an der Stelle der heutigen Seestraße). Im Jahre 1605 legte die Gemeinde westlich des ältesten Friedhofs um die Kirche einen neuen Friedhof an. Das Besetzungsecht für die Kirche in Fellbach besaßen die Grafen von Wirtemberg als Nachfolger der Herren von Velbach und früherer Ortsherren. Das Recht, den Kaplan für die Frühmesse einzusetzen, lag beim Domkapitel Konstanz. Diese Frühmeßpfründe ist in einem Verzeichnis erwähnt, das Herzog Ulrich nach der Reformation aufnehmen ließ. 

Zu der Kirche gehörten das örtliche Kirchengut als der „Pfarrkirche Aigen", z. B. am Waiblinger Weg (1473); die Widemgüter als Stiftungen frommer Menschen des Mittelalters an die Kirche (so z. B. unter dem Dorf) und die Heiligenwiesen, die dem Ortsheiligen, d. h. der örtlichen Kirchenpflege zu eigen waren. Dem die Frühmesse lesenden Kaplan waren die Einkünfte besonderer Güter zugewiesen, die für die Zeit vor 500 Jahren genau verzeichnet sind. Reiche Einkünfte flössen der Pfarrkirche auch aus verschiedenen Arten von Zehnten zu. Das damit belastete Flurgebiet war auf den Grenzsteinen mit einem Kelch bezeichnet, während das der Herrschaft Wirtemberg unterstellte Gelände durch ein Hüfthorn ausgewiesen war. Die Pfarräcker lagen nahe den Krottenwiesen, das Pfarrland an der Rommelshausener Straße, die Pfarrhäuslensländer in der Pfarrgasse. Diese Flurstücke waren „frey, ledig und aigen, auch von denen zu Fellbach und sonsten männiglich aller Steur, Beschwerungen und Uflaagen gantz frey" (1583). Die Pfarrwiesen besaßen auch manche Vorrechte der Bewässerung. Die Kapelle, die dem Kappelberg den Namen gegeben hat, lag unmittelbar westlich der Wirtschaft „Waldschlößle". Sie diente zuletzt dem Waldschützen als Wohnung und  wurde erst vor rund 150 Jahren abgebrochen. Die „Kapelle unserer Frau" befand sich beim Frauenbronnen und Frauenweinberg. Alte Skizzen und Bilder machen deutlich, daß einst zahlreiche Feldkapellen über die mittelalterliche Flur zerstreut waren. Ein Siechhaus, das an der Landstraße lag, diente vor mehr als 500 Jahren unheilbar Kranken zur  Unterkunft. Der fromme Sinn jener Zeit äußerte sich auch in Bildstöcken und Bildsteinen mit religiösen Darstellungen. Sie waren an eindrucksvollen Stellen errichtet; so erhob sich „des Küntzingers Bild" an der Landstraße. Sein Stifter gehörte zu einer lange Zeit im Ort vertretenen Familie. Mit dem Einzug der Reformation verschwanden die Feldkapellen, Bild- und Kreuzstöcke. 

Die alte Fellbacher Wehrkirche, rekonstruiert von W. G. Fleck. 
Zeichnung: Schäfer-Grohe 

Schenkungen an die Kirche 

Viele Begüterte wollten sich im Mittelalter durch Schenkungen an die Kirche des Heils ihrer Seele versichern. Auch in Fellbach fehlen die zahlreichen Kloster- und Wirtschaftshöfe nicht, die den reichen, aus frommen Stiftungen hervorgegangenen Grundbesitz von Kirchen, Klöstern und Spitälern verwalteten. Außer dem Kloster Zwiefalten, das um 1121 von den Grafen von Calw Weinberge und Wald bei Fellbach erhielt, wurde Kloster Adelberg im Jahre 1185 aus welfischem Besitz mit einem Gut daselbst beschenkt. Im Jahre 1258 übertrug Graf Ulrich I. von Wirtemberg das ihm aufgelassene Gut seines Dienstmanns Heinrich von Velbach in Brühl (Gemeinde Rechtenstein im Oberamt Ehingen) auf dessen Bitte an das Kloster Marchtal. Auch Graf Hartmann der Ältere von Grüningen (im Oberamt Riedlingen) erscheint in einer im Jahre 1265 in Konstanz ausgestellten Urkunde. Mit Einwilligung seines Sohnes Hartmann verkaufte er einen Weinberg in „Imbenrode" und andere Grundstücke bei Fellbach, die ihm auf Grund des Erbrechts zugefallen waren, um 40 Pfund Heller an das Zisterzienserkloster Salem. Dem gleichen Kloster übergab Wolfrad, Ritter von Neckarrems, nach einer im Jahre 1268 ausgestellten Urkunde um seiner Vorfahren und seines eigenen Seelheils willen „die Hofstätten in Velbach, genannt des Modils Gut" in dem zu 1 Pfund 6 Schilling geschätzten Ertrag zum freien Eigentum; ein Mann namens Flurich sowie Beringer, Müller und Scharfrichter von Waiblingen, hatten sie von ihm zu Lehen getragen, um 12 Pfund Heller an das Kloster verkauft und diese Lehen aufgelassen. Dieser Wolfradus gehörte ohne Zweifel zu den Dienstmannen der Wirtemberger. In einer Urkunde des Jahres 1299 erscheinen die Beguinen Gertrud und Emma von Fellbach, die dem Kloster Sirnau ihre Äcker, genannt „Kegelbrett", schenken. Diese Frauen, im Volksmund „Seelenweiber" genannt, wohnten vielleicht um 1500 in einem Gebäude hinter dem Rathaus und verrichteten in der Fürsorge, Krankenpflege und Kindererziehung ihren selbstlosen Dienst. Andere kirchliche Institutionen und Stiftungen wie z. B. der Spital der benachbarten Reichsstadt Eßlingen, der auf der Fellbacher (Spittelweingarten auf dem Goldberg) und Schmidener Markung Besitz hatte, nahmen sich ebenfalls der Kranken und Notleidenden an. Im Jahre 1502 kaufte Doktor Nikolaus Balz aus Stuttgart einen Hof zu Fellbach, später Almosenhof enannt, aus dem er „hausarmen Leuten" jährlich dreißig Scheffel Dinkel verabreichen ließ. Aus Urkunden und Verträgen lassen sich immer wieder wertvolle Zeugnisse für den frommen Sinn der mittelalterlichen Menschen und für ihre soziale und gemeinnützige Tätigkeit im örtlichen Bereich gewinnen. 

Auch das Kloster Weil sowie Stift und Armenkasten der Stadt Stuttgart hatten auf der Flur von Fellbach Besitz. Zahlreiche ferner gelegene Klöster und Stifte besaßen hier ebenfalls Einkünfte und Rechte, so Backnang, Denkendorf, Bebenhausen und selbst St Blasien, das in Nellingen eine Propstei unterhielt, ferner Heidenheim (am Hahnenkamm), Maihingen im Ries und das bereits erwähnte Domkapitel Konstanz; die beiden letzteren verfügten in Fellbach über eigene Höfe. 

Der ausgedehnte Besitz der Klöster in früherer Zeit lebt fort in den Fellbacher Flur- und Gewandnamen Mönchberg (für einen Nordosthang südwestlich vom Brühl) und Mönchweinberg (westlich unter dem Kappelberg), die sich aus mittelalterlicher Zeit bis in unsere Tage erhalten haben. 

Herren und Bürger 

Vom Jahre 1257 bis 1351 werden die Herren von Velbach in Urkunden genannt, in denen sie als Dienstleute der Grafen von Wirtemberg auftreten. Ihr Wappen zeigt drei schwarze Wolfsangeln auf goldenem Grund, die auch als Anker oder Wurfpardeln gedeutet wurden. Nach dem 1258 genannten Heinrich von Velbach erscheinen zwölf Jahre später die Brüder Reinhard und Gerold von Velbach als Ministerialen von Ulrich II. und Eberhard dem Erlauchten. Als ihre Herren beurkunden, daß der Edle Eglolf von Steußlingen ihnen alle seine Eigengüter zu Lehen gegeben habe, treten sie als Zeugen auf. Bertold und Heinrich von Velbach wurden 1289 vom Domkapitel zu Konstanz mit dem Wittumhof in Cannstatt belehnt. Der letzte Angehörige der Ortsadeligen nannte sich einen Herrn und Ritter Heinrich von Velbach, Grauen Mönch im Kloster Bebenhausen, das in Fellbach Flurbesitz hatte. Er verkaufte im Jahre 1351 alle seine Güter, die aus Feld- und Waldstücken bestanden, sowie seine Zinsrechte an die Grafen von Wirtemberg. Auf die Wehrkirche und die sie umgebende Wehranlage, die im Jahre 1J35 aus den Händen der Herren von Velbach in die der Wirtemberger übergingen, hatten diese sicherlich schon zuvor durch ihre Dienstleute einen ausreichenden Einfluß. Infolge der Lage an einer durch Sümpfe geschützten Stelle und in der Nähe der im Mittelalter so wichtigen Landstraße von Cannstatt ins Remstal kam der Wehrkirche eine besondere Bedeutung zu. Vielleicht war ihr Ausbau auch schon in den unruhigen Zeiten des 11. und 12. Jahrhunderts begonnen worden. Darüber, ob jemals eine Kapelle oder Kirche frühester Zeit in dem oberen Dorf, dem eigentlichen Kern von Alt-Fellbach bestand, ist nicht das geringste bekannt. Offenbar verdichtete sich die Bebauung des nördlichen Dorfteils um die Kirche nur langsam. Aus den Urkunden ergibt sich, daß sich die Angehörigen derer von Velbach (wahrscheinlich wie anderwärts vor allem deren jüngere Söhne), in den Dienst des Hochadels und der Klöster stellten und als deren Dienstmannen dem niederen Adel angehörten. 

Die Herren von Velbach waren nahe Verwandte der von der Burg Rechtenstein stammenden Herren von Stein in Cannstatt und führten das gleiche Wappen. Jedenfalls verfügten auch die Herren von Stein über herrschaftlichen Besitz in Fellbach. So besaß Ritter Wolf von Stein im Jahre 1298 außer einer eigenen Kelter in Fellbach noch einen größeren Grundbesitz. In einer Urkunde aus dem gleichen Jahr verkauft Ritter Wolf von Stein all seinen Besitz zu Emeringen mit dem Kirchensatz, behält sich aber das Vogtrecht vor. Als Zeugen werden dabei angegeben: „Herr Hainrich von Velbach, Hainrich sines bruder sun, Berchtolt und Kunrat die zwene gebrüder von dem Staine" und mehrere andere Ritter und „biderbe Leute". Im Jahre 1318 weist Wolf von Stein, genannt von Cannstatt, seiner Frau Adele von Echterdingen vierzig Mark Silber Konstanzer Gewichts zur Morgengabe und einhundertzehn Mark Zugeld auf Gütern zu Immenrot zu. Ferner verkauft „Hainrich vom Stain, Ritter, Herrn Bertholt Seligen Sohn", mit Willen seiner Frau Anna dem Domkapitel zu Konstanz seinen Teil des Zehnten in der Markung Fellbach mit Ausnahme des Obstzehnten. 

Eine Reihe weltlicher und geistlicher Herrschaften verfügte über den Großen und Kleinen, den Heu-, Obst- und Weinzehnten. Diese Abgaben betrafen den Anbau von Halmfrüchten, Futterpflanzen, Gartengewächsen, Kartoffeln, Flachs und Hanf sowie anderen Erzeugnissen und waren von den unfreien Bauern aus dem Ertrag der von ihnen genutzten Lehensgüter zu entrichten. Es gelang den Grafen von Wirtemberg, sich im Lauf der Zeit einen immer größeren Anteil daran zu sichern. Auch der Brühlhof in Fellbach, der früher wahrscheinlich den Dorfherren gehört hatte, ging in den Besitz der Wirtemberger über. 

Außer den von 1257 bis 1351 bezeugten „Herren von Velbach" gibt es eine Reihe weiterer Männer und Frauen mit dem Beinamen „von Velbach", ohne daß freilich Zusammenhänge zwischen ihnen festzustellen sind. Hier ist vor allem das Geschlecht der „Nallinger, genannt von Velbach" zu erwähnen, so „Arnold, genannt Nallinger von Velbach", der Bürger von Eßlingen war, und der urkundlich angibt: „Recognoscens me servum seu famulum monasterii sancti Blasii", d.h., daß er sich als einen Knecht bzw. Diener des Klosters St. Blasien bekenne. Er hängt also mit dessen Probstei Nellingen zusammen, was den Zunamen „Nallinger" = „Nelling(er)" für sein Geschlecht verständlich macht. Dieser „Arnoldus dictus Nelling de Velbach" schenkte im Jahre 1278 unter anderem elf  Morgen eigene Äcker um Fellbach sowie acht Morgen, wovon Kloster Adelberg jährlich einen Scheffel bezieht, dem Spital Eßlingen. Vier Jahre später übergab er seine Weinberge und sonstigen Güter (am Vorderen Berg und in den Hundlöchern, am Wetzstein, an Immenrot sowie am Goldberg) dem Kloster Weil. Er erhielt sie jedoch nach zwei Monaten gegen einen am 11. November („festo Martini") fälligen Zins von vier Schilling Heller zu lebenslänglicher Nutznießung für sich und Adelheid, die Witwe seines Bruders, zurück. Zu seinem Gut gehörten auch zwei Häuser mit Scheuer und Baumgarten in Fellbach, ferner ein Bauwerk auf dem Friedhof zu Fellbach. Aus diesem Besitz erhielten das „Siechenhaus" zu Obereßlingen 10 Schilling Heller und das „Licht" in der Pfarrkirche zu Eßlingen 36 Pfennig als Abgabe. Da die Nallinger ein Adelsgeschlecht aus Nellingen zu sein scheinen, dessen Vogtei seit früher Zeit den Grafen von Wirtemberg gehörte, könnten die „Nallinger, genannt von Velbach", als deren Dienstmannen in Fellbach tätig gewesen und von ihnen mit besonderen Rechten und Besitzungen ausgestattet worden sein. 

„Von Velbach" benennen sich auch Emsa und Regina, die 1299 ihre Äcker dem Kloster Sirnau schenkten, und Irmenburg, die im Jahre 1342 Haus und Hof, ihre liegende und fahrende Habe dem selben Kloster übergab. Im Jahre 1332 schließlich vermachte „Rupprecht, der Benz von Velbach", dem Kloster Sirnau vier Pfund Heller und sein Gut in Fellbach. Der Namenszusatz „von Velbach" bedeutet in diesen Fällen wohl nur den Ort des Wohnsitzes oder der Herkunft. 

Führende Geschlechter 

Im 14. und 15. Jahrhundert treten die Familien der Früstinger und Eglinger, die ihren Ämtern zufolge zur bevorrechteten Schicht gehörten, besonders häufig in Urkunden auf. Berthold der Früstinger erscheint 1349 und 1364 als Edelknecht, Bentz der Früstinger, der um 1390 mehrfach als Zeuge und Siegler auftritt, wird als Schultheiß und Vogt aufgeführt. Engel Früstinger gab 1428 an die von Konrad Früstinger gestiftete Messe weitere Gülten. Schon die Tatsache, daß dieses Geschlecht frühe auf irgendwelche Weise den Brühlhof, darnach auch Früstingshof genannt, erlangte, kennzeichnet seine Bedeutung im alten Fellbach. Aus dem Geschlecht der Eglinger seien genannt: Bentz der Eglinger, der um 1386 Weinberge verkauft und kurz darauf 43 Morgen Äcker und zweieinhalb Mannsmahd Wiesen, die als der „von Velbach, Klosterfrau, Gut zu Velbach" bezeichnet werden, von Elsbeth von Neidlingen, der Priorin von Sirnau, erwirbt. In einer Urkunde von 1475 erlaubte Graf Ulrich V. von Wirtemberg den Verkauf einer Gült zu Fellbach ar> Hans Götz zu Eßlingen. Das Geschlecht lebte im Alten Eglingerhof, dem späteren Almosenhof, weiter, der am Platzbrunnen lag. Um 1701 wird der Früstings- und Eglingerhof im Lagerbuch als Eigentum der Wirtemberger angegeben. 

Wirtschaftliche Verhältnisse 

Die Urkunden erlauben uns Einblicke in oft verwickelte wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse. So verschreiben im Jahre 1272 Priorin und Konvent von Weil bei Eßlingen den Schwestern „Urmelinc" und „Yrmelinc" von Weinsberg den unbeschränkten Nießbrauch ihres Weinberges im Fellbacher Bann (auf Fellbacher Markung) zwischen denen der Klöster von Salem und Adelberg, und machen dabei zur Bedingung, daß dieser Weinberg nicht veräußert werden darf und nach dem Tod der beiden Schwestern wieder an das Kloster zurückfällt. 

In der aufschlußreichen Urkunde über den Jahrestag, den Ulrich von Velbach, „etwan Kirchherr in Lustnau", dem Predigerkloster zu Eßlingen im Jahre 1320 stiftet, bestimmt er u. a., nach seinem Tod, am Tag seines Begräbnisses, solle der Nutznießer des dem Kloster gehörigen Weinbergs an den Tisch des Herrn ein Pfund Heller, „weiterhin aber (ihm) Ulrich, der (jenige, der) den Weinberg baut, die Gülte geben"; wenn diese nicht entrichtet wird, solle das Kloster ein Pfund auf den Genannten (den Bebauer des Weinbergs) aufnehmen, „ze Schaden es sie ze Juden oder ze Christenleuten", wozu Ulrich seine Einwilligung gibt. Im Auftrag einer geistlichen Herrschaft bebauen Kuno Wiprecht und sein Bruder Arnold von Velbach drei Morgen „Weinberg und Bäume", wobei im Jahre 1349 verabredet wird, daß die Bebauer den Mist kaufen, der Eigentümer ihn jedoch führen solle. 

Natürlich sind die Geldwerte völlig verschieden von den heutigen. Auf ein Pfund kamen 2 Mark oder 20 Schillinge, auf den Schilling 12 Pfennige, auf den Pfennig (seit dem Ende des 12. Jahrhunderts) 2 Heller. Da die Geldwährung im Lauf längerer Zeit stark schwankt, wird die Zahlung bei Verkäufen in allen Einzelheiten und umständlicher Formulierung vereinbart. So verkaufen 11 Herren von Rechberg (Name) von Hohenrechberg (Herkunftsort) ein Drittel von ihrem Zwölftel an ihrem Weinzehnten zu Fellbach um 66 Gulden, 18 Schillinge an das Stift in Stuttgart; am gleichen Tage zwei Teile ihres dortigen Weinzehnten um die doppelte Summe an das Domstift in Konstanz. In dem Flurnamen Raichberg lebt dieses Geschlecht übrigens bis heute auf der Fellbacher Markung fort. Ebenso verkaufte Graf Eberhard I. im Jahre 1480 dem Kloster Heidenheim im Ries 14 Eimer der Weinsteuer in Fellbach um 645 Gulden, 9 Schillinge, 4 Heller, in der Weise, daß es beim Fassen des Weins für den Eimer jährlich noch 2 Gulden, 4 Schillinge, zahlen solle. Der Wein war also ein geschätztes Handelsgut. Graf Ulrich der Vielgeliebte (1413-1480) verkaufte unter anderem auch Fellbacher Weine, um aus dem Erlös seine Schulden tilgen zu können. Güter konnten auf Lebenszeit, Gülten (Zinsleistungen) als Leibgeding oder als Ewige Gült verkauft werden. Hans Göwser und Josef Petermann zu Fellbach veräußerten beispielsweise im Jahre 1485 an Leonhard Ringler, Schreiber zu Adelberg, und den Bartholomäusaltar daselbst vier Pfund Ewige Gült aus Gütern zu Fellbach um 80 Pfund Heller. Die Abgabe von Naturalien wurde im  Laufe der Zeit teilweise in eine solche von Geld umgewandelt. Graf Ulrich V. verwandelte im Jahre 1452 auf Bitte der „Armen Leute in Fellbach", d. h. der persönlich unfreien und abhängigen Bauern, deren jährliche Korngült von 116 Scheffel Roggen in ein jährliches Geld von 116 Pfund Heller. 

Streitigkeiten mit Nachbardörfern drehen sich meist um die Verhältnisse an den Markungsgrenzen, insbesondere solche, die sich durch den Abgang der früheren Kleinsiedlungen im Dietbach, Immenrot und Erbach ergaben. In einem Waiblinger Urbar (d h Steuerbuch) aus der Zeit um 1350 lassen sich noch die drei Zeigen finden, die zu Erbach gehörten. Es waren die Zeige „gen den Schrikelbach" (heute Schüttelgraben) mit 120 Morgen, die Zeige „gen Velbach" mit 80 und die Zeige „gen Rummoltzhusen" mit 100 Morgen. Fellbachs Markung muß sich durch die Aufnahme der Gebiete dieser abgegangenen Weiler und Gehöfte mehrmals geändert und vergrößert haben. Nach dem Abgang von Erbach blieb die besondere „Versteinung" seiner früheren Markung noch lange erhalten. Auch verstummten die Ansprüche der Nachbarorte auf althergebrachte Rechte nicht. Dabei ging es vorwiegend um wirtschaftliche Dinge. Nach langen Unterhandlungen mit den Vertretern von Rommeishausen erkannten Schultheiß, Richter und Gemeinde von Fellbach an, daß die Einwohner des Nachbarorts wie seit alters den „Trieb und Tratt" sowie die Zufahrt auf das Erbacher Gut „in Fellbacher Zwing und Bann" haben sollten. Auch wegen des „Zwings und Bannes" auf dem Gebiet des Harthofs stritten sich die beiden Gemeinden in den Jahren 1481 bis 1485. Der Graf von Wirtemberg übertrug die Schlichtung dem Komtur des Deutschordens in Winnenden und Vertretern der sechs Gemeinden Cannstatt, Untertürkheim, Fellbach, Waiblingen, Strümpfelbach und Endersbach. Nachdem man „Kundschaft verhört" hatte, entschied der Komtur zugunsten von Rommelshausen.