Walter Keinath 

FELLBACH IM WANDEL DER ZEITEN 

UM RECHT UND GLAUBEN 

Als sich Herzog Ulrich durch die Besteuerung von Fleisch, Wein und Früchten die Geldmittel zu einem üppigen Hofleben beschaffen wollte, empörte sich das Volk angesichts der Teuerung und des Getreidemangels. Der Aufruhr des „Armen Konrad" griff im Jahre 1514 von Beutelsbach aus auf das Rems- und Neckartal über. Ulrich holte zu seinem Schutz eine Schar getreuer Fellbacher auf Burg Wirtemberg und setzte dem Widerstand im Remstal ein Ende. In einem neuen Krieg zwischen Ulrich und dem schwäbischen Städtebund (1519) rückten vorwiegend aus Bayern bestehende Truppen in Fellbach ein, wo sie sich, wie überall, „wohl begrasten und nichts liegen ließen, als was sie nicht haben tragen oder führen können". Man beschloß, alle festen Mauern und Plätze niederzureißen, wobei offenbar auch Teile der Wehranlage in Fellbach zerstört wurden, während die Dorfkirche verschont blieb. Als das Herzogtum Württemberg in der Hand von König Ferdinand I. von Österreich, dem jüngeren Bruder Kaiser Karls V. war, erwarb die Gemeinde Fellbach im Jahre 1522 zusammen mit den Nachbargemeinden Uhlbach, Obertürkheim, Rotenberg, Stetten und Rommelshausen 926 Morgen Wald; davon übernahm Fellbach 288 Morgen. In der Urkunde vom Jahre 1522 heißt es hierüber: „Wir, Ferdinand, von Gnaden Erzherzog von Österreich, bekennen öffentlich mit diesem Brief für unsere Erben und Nachkommen, daß wir an unsere Untertanen, getreuen Schultheiß, Gericht und Gemeinde unseres Dorfes Fellbach, die Erben und Nachkommen, diese nachbestimmten Wälder und Hölzer eines steten, ewigen Kaufs, recht und redlich verkauft und zu verkaufen gegeben haben, nämlich 288 Morgen auf der Beiburg, die an den Wald von Rommelshausen, Stetten und Rotenberg stoßen." Damit bekam die Fellbacher Markung mit dem Waldgebiet vom Kappelberg bis zum Kernen eine starke Ausbuchtung nach Südosten. Als Herzog Ulrich in sein Land zurückgekehrt war, hatte Fellbach noch mehrfach unter Durchzügen und Einquartierungen zu leiden. Im April 1542 kamen 3000 Spanier auf dem Marsch gegen die Türken hier ins Quartier. Im Winter 1546 durchzogen und besetzten spanische Truppen während des Schmalkaldischen Krieges das Amt Cannstatt mit Fellbach. 

Gegen den Widerspruch des Konstanzer Stiftes fand die Reformation im Oberamt Cannstatt Eingang, über das, was sich dabei in Fellbach zutrug, ist nicht viel bekannt. Von Johannes Speiser, dem Pfarrer zu Fellbach, heißt es im Jahre 1531: „Ist weder in der Schrift erfahren, noch, wie sich gebührt, eines christlichen Lebens bericht(et) und daher zur Seelsorge für unerträglich zu halten." Der erste evangelische Geistliche in Fellbach, Jakob Rytenmann, soll im Mai 1542 mit dem württembergischen Kriegsvolk gegen die Türken gezogen sein. Sein Nachfolger war Kilian Lilienfein, der über zwei Jahrzehnte in Fellbach als Geistlicher wirkte und zuletzt gleichzeitig den Posten des Superintendenten (d. h. des Dekans) versah. Während des Interims mußte er sich als Lehrer und Katechist betätigen; doch versah er im Jahre 1551 wieder als „Diener der Kirche zu Fellbach" sein Amt. Aus Anhänglichkeit an die ihm ans Herz gewachsene Gemeinde lehnte er es später ab, an einen anderen Pfarrort überzusiedeln. 

In der Zeit der Reformation wird die Dorfkirche (jetzt Lutherkirche) in neuer, später noch mehrfach gewandelter, Form erstellt. Beim Bau des Chores der Kirche, der im Jahre 1524 erfolgte, verwendete man nach den Angaben des Kirchenbuchs die Steine der Kapelle „zur lieben Frauen", die angeblich wegen der Kriegszeiten abgebrochen wurde. Dieser Chor, heute ein Schmuckstück der Stadt Fellbach, stellt dem Opferwillen und Wagemut der Menschen jener Zeit ein glänzendes Zeugnis aus. Bis zum Jahre 1605 umgab der älteste Friedhof die Kirche. 

Der Weinbau bildete in erster Linie die Grundlage des Lebens im damaligen Fellbach. Die Einheimischen betrieben ihn vorwiegend im Dienste geistlicher und weltlicher  Herren. Ein Vertrag, der im Jahre 1504 zwischen dem Domkapitel Konstanz und Pfarrer Johannes Kohler, „derzeit Pfarrer in Fellbach", abgeschlossen wurde, beließ Konstanz weiterhin den Neubruchzehnten; doch sollte es dem vorreformatorischen Pfarrherrn jährlich 9 Eimer Wein aus der Kelter in Immenrot reichen, und zwar „nicht den besten und nicht den schlechtesten". Im Falle des Mißwachses sollte es statt dessen 22 Gulden geben. Ein weiterer Rechtsstreit und Vergleich, der urkundlich festgehalten ist, betraf den Abt Leonhard von Adelberg und die Klosterfrauen zu Maihingen im Ries, denen damals ein Haus beim Platzbrunnen in der Vorderen Straße (später Amtmann Friz'sches Haus) gehörte. Man stritt sich wegen des Verkaufs des Kleinzehnten aus Häusern und Gütern zu Fellbach. Aus diesem Zehnten mußte Kloster Maihingen der Pfarrei zu Schmiden, die dem Kloster Adelberg einverleibt war, 9 Pfund Heller zahlen. Das Kloster fühlte sich bei dem Kauf „über den Halbteil eines rechten Werts überlängt". Der Statthalter und die von ihm bestellten Regenten des Herzogtums Württemberg entschieden im Jahre 1526, das Kloster solle noch einmal auf Martini dem Pfarrer 9 Pfund Heller, von da an nur noch 7 Pfund Heller entrichten. 

Die besten Weinberglagen waren im Besitz der Herzöge. Bei der Hochzeit Herzog Ulrichs trank man Wein aus Fellbach, und Herzog Christoph versandte später solchen an Freunde und Bekannte. In dem für den letzteren angefertigten Verzeichnis der Weine im Stuttgarter Hofkeller sind solche von Fellbach mehrfach aufgeführt, sowohl unter dem sogenannten „Burgundischwein" wie unter dem neuen „Gewächswein". Wie anderwärts hatte sich auch in Fellbach das Rohrtrunkrecht an den Weinzehnten geknüpft, aus dem die Besoldungen für die Inhaber der Pfarrei und der Frühmesse bestritten wurden. Nach altem Herkommen durften die Kelter- und Zehntknechte mit einem Rohr aus den öffentlichen Bütten geistlicher Herren trinken. Mit dieser Vergünstigung, die man schließlich allen Dorfbewohnern zugestand, wurde indessen viel Mißbrauch getrieben, worauf sich die Fellbacher im Jahre 1604 dies Recht durch eine Abfindungssumme von 1700 Gulden abkaufen ließen. 

Der Dreißigjährige Krieg 

Der Dreißigjährige Krieg brachte für Fellbach eine lange Schreckenszeit, die Pfarrer Maickler (siehe auch Seite 177) ausführlich geschildert hat. Als die Pest von Schwaikheim her eingeschleppt wurde, breitete sie sich rasch aus und raffte in 10 Monaten 550 Einwohner hinweg. An manchen Tagen trug man 8 und 10 Einwohner zu Grabe. Der Predigt am Neujahrstag 1627 legte der Geistliche die Worte von Jeremias zugrunde: „Ach, daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk." Harte Schicksalsschläge trafen die meisten Familien, bis die Seuche im April 1627 endlich erlosch. Nach dem Sterbejahr traten mehr als 120 Witwer, Witwen und Waisen in den Ehestand, unter ihnen Pfarrer Maickler, dem seine erste und vier Jahre später seine zweite Gattin vom Tod entrissen worden waren. 

Der frühe Tod von König Gustav Adolf von Schweden beschwor eine neue Zeit bitterer Leiden herauf. Nach der Schlacht bei Nördlingen (1634) flüchtete Herzog Bernhard von Weimar vor dem kaiserlichen Heere das Remstal herunter, wobei er für eine Nacht im Fellbacher Pfarrhaus Quartier nahm. In der folgenden Zeit wurden Dutzende von Fellbacher Bürgern in Häusern und auf Straßen, in Gärten und Weinbergen, ja sogar auf dem Gottesacker von Kaiserlichen erschlagen. Blutrünstige Soldaten verstümmelten den Gerichtsschreiber Ulsheimer gräßlich; sie verschleppten und erschossen Lehrer Hohl (s. a. Seite 148). Pfarrer Maickler konnte nach Eßlingen flüchten und später wieder zurückkommen. Von den 446 Personen, die im Jahre 1635 in Fellbach das Leben verloren, starb nur ein Teil eines natürlichen Todes; die meisten waren Opfer der Gewalt, der Grausamkeiten und der Pest, die wieder ins Dorf eingedrungen war. In den Jahren 1638 und 1639 wurden nur je vier Kinder geboren. Unter den Verstorbenen befanden sich auch die dritte Gattin und ein achtzehnjähriger Sohn von Pfarrer Maickler. 

Bild: Die 1686 erbaute „Eselshütte" (Steinhäusle) am Südwesthang des Kappelbergs. Zeichnung: Schäfer-Grohe

Die Not wurde so groß, daß viele Menschen um Brot und andere Lebensmittel bettelten, daß Frauen und Kinder entkräftet zusammenbrachen und in der Kälte des Winters auf der Straße, in Höfen, Scheuern und Ställen erfroren. Ein schmerzlicher Verlust war es für die Gemeinde Fellbach, als der erst 47 Jahre alte Schultheiß Simon Thusnit am 10. September 1636 starb und der Amtsverweser einige Monate später ebenfalls hinweggerafft wurde. Knappe Einträge in das Kirchenbuch stellen uns die unermeßliche Not jener Zeit vor Augen, wenn es etwa von einem Verstorbenen heißt: „Seine Töchter haben ihn selber begraben" ; oder ein anderes Mal: „Jakob, der Sohn einer siebzigjährigen Witwe, ist bei der Uffkirche zu Cannstatt gestorben, welchen dann Jerg Schnaitmann gegen die Ordnung und des Pfarrers Befehl gleich also warm, sobald er heraufgebracht worden ist, hat begraben lassen." 

In den folgenden Jahren waren Spanier, Lothringer, Kroaten, Bayern, Pfälzer, Österreicher und Franzosen nacheinander in Fellbach einquartiert. Im Jahre 1643 schlug der bayrische General Mercy mit einem großen Heere sein Lager auf dem verschneiten Schmidener Feld auf. General Bernhard von Weimar fand wieder im Fellbacher Pfarrhaus Unterkunft. Als sich die Truppen des französischen Generals Turenne längere Zeit in Stadt und Bezirk Cannstatt befanden, kamen drei ihrer Regimenter mit wenigstens 3000 Pferden und ebensoviel Soldaten unversehens auf eine Nacht nach Fellbach. Eine Klageschrift berichtet, man habe dem Ort „eine solche Letze gelassen und ihn dermaßen ausgemergelt, daß solches unsere Nachkommen zu empfinden haben werden". 

In den letzten zehn Kriegs jähren zahlten Stadt und Amt Cannstatt 350000 Gulden Kriegskontributionen, in welche die Quartierkosten nicht eingerechnet waren. Die Zahl der Einwohner war im Bezirk Cannstatt auf ein Viertel, in Fellbach selbst auf 556, die man im Jahre 1654 zählte, zurückgegangen. 1900 Morgen Weinberge, 3200 Morgen Äcker und 1500 Morgen Wiesen lagen wüst und brach. Ein Dutzend Dörfer mit mehreren Kirchen, Pfarr- und Schulhäusern sowie herrschaftlichen Gebäuden und über 1000 bürgerliche Anwesen waren abgebrannt oder zerstört. Alle Menschen atmeten auf, als im Jahre 1648 der Friede geschlossen wurde. In Kirchen und Häusern, auf Straßen und Gassen stimmten Tausende in den Choral ein, der Gott den Dank für dieses Wunder darbrachte. 

Freilich enthüllten nun die Jahre des Friedens in aller Schonungslosigkeit die wirtschaftlichen Schäden, die der schwere Krieg verursacht hatte. Es war ein Segen, daß das Jahr 1645 eine ausgezeichnete Ernte beschert hatte. Empfindliche Einbußen durch Mißwachs und Hagelwetter folgten allerdings immer wieder. Im Jahre 1661 kosteten der Eimer Wein 18 bis 20 Gulden, ein Scheffel Dinkel 2 Gulden, 20 Kreuzer, ein Scheffel Haber 1 Gulden, 40 Kreuzer. 

Auch der sittliche Niedergang, eine der schlimmsten Folgen des Krieges, war noch lange spürbar. Menschen, die dreißig Jahre lang Zeugen des Plünderns, Raubens und Mordens gewesen, hatten zum Teil selbst ein rohes Wesen angenommen und waren dem Unglauben und Aberglauben verfallen. Zwischen 1660 und 1670 hörte man wiederholt von angeblicher Hexerei und Zauberei in Fellbach. Die Witwe eines Gerichtsverwandten (d. h. Gemeinderats) wurde der Hexerei beschuldigt, mit glühenden Zangen gerissen und mit dem Sehweite hingerichtet; ihr Leichnam wurde verbrannt. 

Der Türkenkrieg von 1663 versetzte die Bevölkerung wiederum in großen Schrecken, so daß man die Türkenglocke läutete und monatliche Bußtage einführte. Ludwig XIV. begann neun Jahre später seinen zweiten Raubkrieg, der Württemberg mit häufigen Einquartierungen bedrückte. Als im Jahre 1689 in einem weiteren Kriege württembergische Truppen zusammen mit solchen des Reichs die badisch-württembergische Grenze schützen sollten, wurden sie in Bretten eingeschlossen und, soweit sie die Kämpfe überlebten, in die Champagne verschleppt. Zwanzig verheiratete und elf ledige Fellbacher kehrten von dort nicht mehr zurück. Einem einzigen von ihnen, Johann Bernhard Aldinger, so wird berichtet, war es vergönnt, am 28. Dezember 1690 die Heimat wiederzusehen. Er erzählte, er sei als Gefangener in Frankreich ausgeschickt worden, um Frucht vom Feld zu holen; dabei sei er entflohen und nach Spanien gelangt, wo ihm in Madrid die spanische Königin eine Unterstützung gewährt habe. Als Kammerdiener des kurbayrischen Gesandten sei er nach München gekommen, und schließlich habe er sich mit Betteln und Fechten nach Hause durchgeschlagen. „Erkennet doch, wie der Herr seine Heiligen so wunderlich führt", fügte der damalige Pfarrer Johannes Ketterlin diesem Bericht im Kirchenbuch hinzu. 

Besonders schwer hatte Württemberg unter General Melac in den Jahren 1688 bis 1693 zu leiden. Als dieser von Schorndorf plündernd und sengend das Remstal herunterzog, überfiel er Fellbach und steckte es, da er die geforderten Geiseln nicht rechtzeitig erhielt, am 9. August 1693 in Brand. Unter den 178 Häusern, die in Asche gelegt wurden, befand sich auch das Schulhaus. Aus der Kirche raubten die Franzosen alle silbernen Gefäße für Abendmahl und Taufe. Auch die meisten Kirchenbücher, so das von 1652, wurden zerrissen. Die Namen von 11 niedergemachten Fellbachern standen an erster Stelle in dem 1693 neu angelegten Totenregister. „Ist auch deren keiner auf dem Kirchhof begraben, sondern liegen teils in ihren Gärten, hinter ihren Häusern, ohne Bahre und Bretter, wie denn auch viel der Franzosen in Feld und Flecken eingescharrt worden", heißt es in diesem Register. 

Die 1686 erbaute "Eselshütte" (Steinhäusle) am Südwesthang des Kappelbergs 
Zeichnung: Schäfer-Grohe

Vom Gemeindeleben 

In den unruhvollen Zeiten des 17. Jahrhunderts war es für den Schultheißen besonders schwierig, der Not zu steuern und das Wohl der Gemeinde zu fördern. Wer in den Jahren 1618 bis 1624 als Schultheiß in Fellbach wirkte, ist nicht zu ermitteln. Von 1624 bis 1636 hatte Simon Thusnit, ein Sohn des Schulmeisters Jörg Thusnit, das verantwortungsvolle Amt inne. Dann trat Conrad Seibold der Jüngere als Vierzigjähriger bis 1652 an seine Stelle. Weitere 26 Jahre wirkte Johannes Aldinger bis 1678 auf demselben Posten. Auf Hans Bauerle, der nur ein Jahr das Gemeindeamt innehatte, folgte Philipp Seybold, der 04 Jahre lang, von 1680 bis 1704, in Zeiten neuer Unruhe, der Gemeinde vorstand. Im Jahre 1685 hatte sich die Zahl der Einwohner gegenüber dem Jahre 1654 verdoppelt, nämlich auf 1050 gegenüber 556. Unter ihnen gab es viel Armut, und schon im Jahre 1603 wird bezeugt, daß viele Notleidende in Fellbach das Almosen empfingen. Mitten in der schweren Kriegszeit, besonders aber während der Pestseuche des Jahres 1626, machten gutherzige und hilfsbereite Dorfbewohner 45 verschiedene Stiftungen, dank derer Armen und Waisen Geld und Frucht dargereicht wurde. Der Almosenhof, dessen Erträgnisse gleichfalls der Mildtätigkeit und der Fürsorge für Arme und Notleidende zugute kamen, bestand im Jahre 1663 aus Wohnung, Scheuer, Stallungen, Hof und zwei Kellern; er war überdies mit zahlreichen Grundstücken ausgestattet.

 Handwerker, Chirurgen und Wirte 

Die alten Handwerke der Küfer und Schmiede, von denen wir allerdings erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts Näheres erfahren, breiteten sich im folgenden Jahrhundert stark aus; so erscheinen als Nachkommen von Stoffel Schäffer und seiner Frau Sara, verwitweten Krautwasser, der Sohn Andreas Schäffer (1614-1679) und der Enkel Michael Schäffer (1653 - 1734), die beide an die 40 oder 50 Jahre als Küfer im Ort tätig waren. Ferner wird Caspar Daubenschmid (1602 -1644) genannt; er war der Sohn des gleichnamigen, 1632 gestorbenen Küfers, damit auch der zweite und letzte Küfer seiner bis heute in Fellbach blühenden Sippe. Der dritte Küfer am Platz war Hans Textor von Neuenstadt, der sich hierher verheiratet hatte und 1635 starb. Um 1640 übernahm der junge Johannes Zerweck aus Uhlbach eine der beiden kurz zuvor freigewordenen Werkstätten; seine beiden Söhne Michael und Johannes, der ein angesehener Ratsverwandter war, blieben beim väterlichen Handwerk (siehe auch Seite 69). Auch die Schmiedekunst vererbte sich meist in der Familie, so von Conrad auf Michael Thomann (1592 geboren). Als sich ein weiterer Huf- und Waffenschmied, Hans Schmid (1581 geboren), in Fellbach seßhaft macht, zieht M. Thomann von hier fort; im Pestjahre 1626 sterben diese beiden Männer weg. Dann vernimmt man, daß Schmied Hanß Hummel eine Werkstatt einrichtet. Er begründet damit eine Schmiededynastie, die ihrem Handwerk über 250 Jahre die Treue hält. Auf Hanß Hummel, „den Altschmied", folgt etwa um 1695 der Sohn Johann Hummel, der über 40 Jahre lang bis m sein siebzigstes Lebensjahr als Schmiedmeister tätig war (siehe auch Seite 69). 

Als erster urkundlich nachweisbarer Chirurgus im Ort erscheint Johann Haußer (1?4S-1623), der um 1600 oder kurz danach hier zuzog und bei seinem Ableben als Wundarzt bezeichnet wird. Johann Harschar (1588-1637) tritt an seine Stelle und mit im Kampfe gegen den Schwarzen Tod; als „frommer Mann" vermacht er der Pfarrei einen Acker. Erst im Jahre 1679 taucht dann wieder ein Chirurgus in den Registern auf, diesmal ein Einheimischer, David Friedrich Aldinger (1646-1731) aus der schon um 1498 im Ort vertretenen Sippe dieses Namens. 

Als erste Gastwirte lassen sich ermitteln: Jakob Schnaitmann (1571-1609), der „Würth", nach ihm sein Stiefbruder Joachim Schnaitmann (1587-1648), beide wohl auf einer Wirtschaft in der Dorfmitte nahe dem Rathaus. Als frühester Ochsenwirt wird Johannes Schmid (1648 -1717) genannt. 

Auf der Landstraße von Cannstatt ins obere Remstal führte der Oberlandverkehr an Fellbach vorbei, ohne dieses zu berühren. Städtische, landesherrliche und Klosterboten lösten einander ab. Neben die „Metzgerposten", die den näheren Umkreis bedienten, trat die dem Haus Taxis verliehene „Reichspost" für den Verkehr in die Ferne. Dem Hauptpostamt in Cannstatt unterstanden die Postämter bis Nürnberg. Die „Ordinaripost" ging zweimal wöchentlich über Schorndorf, Gmünd, Aalen und Ellwangen nach Nürnberg und ebenso oft nach Cannstatt zurück. 

FÜRSTENWILLKÜR UND REVOLUTION 

Unter Herzog Karl Alexander (1684-1737) bedrückte Süß Oppenheimer das Land besonders hart. Pfarrer Faber vermerkte im Fellbacher Kirchenbuch, im Jahre 1735 sei durch fremde Soldaten eine Seuche in den Ort eingeschleppt worden. Ihr fiel auch Schultheiß Thomas Kugler (1678-1738) zum Opfer, der nach seinem Tode ohne Grund verdächtigt wurde, jahrelang wucherische Verträge abgeschlossen und durch einen von ihm betriebenen Weinhandel den Herzog und die Landschaft schwer geschädigt zu haben. Ein Regierungs- und ein Hofkammerrat, die den Fall untersuchten, bedrohten Kuglers Erben mit einer Strafe von mindestens 200 000 Gulden, wenn sie nicht freiwillig 3000 Gulden an die Geheime Amtskanzlei sowie 500 Gulden und 10 Eimer Wein an Süß Oppenheimer abführten. Widerstrebend bezahlten die Erben das geforderte Geld und weitere 300 Gulden Gerichtskosten, doch konnte der Wein „wegen dazwischengekommenem Todesfall Serenissimi noch zurückbehalten" werden. Der Finanzgewaltige wurde nun selbst vor Gericht gestellt, weil er das Geld für sich behalten hatte. 

Herzog Karl Eugen, der auf Karl Alexander folgte, verschwendete riesige Geldsummen für Prunkbauten, kostspielige Feste und Veranstaltungen. Unter den „Landreisen" Karl Eugens in der Zeit von 1767 bis 1773, die Freiherr von Buwinghausen-Wallmerode in seinem Tagebuch beschreibt, finden sich auch die vom württembergischen Hof veranstalteten Treibjagden in der Rotenberger Hut, die damals Hardter Hut hieß, sowie auf dem Fellbacher Feld und um Hegnach. Vom Rendezvous, d.h. Treffpunkt der Eßlinger Straße bei Rommelshausen oder der Hardtkelter aus jagte man an der Rommelshausener Wand, in der Fellbacher Diebsklinge, in der Eßlinger Lehnhalde, auf der Fellbacher und Untertürkheimer Beiburg und im Egelseer Birkenwald, wo gewöhnlich die „kalte Küche" in Form eines üppigen Jagdimbisses verabreicht wurde. Die Jagdbeute war reichlich. So erlegte man einmal einen Frischling, einen Häher, acht Rehe, sechzehn Füchse und fünfundsiebzig Hasen, in anderen Fällen überdies einen oder mehrere Keiler, Bachen und Frischlinge. 

Im Jahre 1796 bezog eine österreichische Truppe mit 8000 Mann auf der Höhe vor Fellbach und vom Kappelberg über Schmiden bis gegen Oeffingen und Hegnach hin eine feste Stellung. Doch zog sich ihr Oberbefehlshaber, Erzherzog Karl, der Bruder von Kaiser Franz, vor der ungestüm herandrängenden Revolutionsarmee des Generals Moreau in der Nacht vom 22. auf 23. Juli über Waiblingen nach Schorndorf zurück. Von nachts 10 Uhr bis morgens 4 Uhr marschierten die Kaiserlichen am Fellbacher Pfarrhaus vorbei und durch den Ort herauf in Richtung auf Rommelshausen. Tags darauf rückten von 4 Uhr morgens ab 1200 französische Jäger zu Pferd in Fellbach ein. Einzelne Häuser mußten bis zu 30 Mann aufnehmen. Als die Reiter nach wenigen Tagen abzogen, folgte für eine Nacht französisches Fußvolk. 

Nachdem Napoleon sich zum Ersten Konsul und Kaiser der Franzosen gemacht hatte, wurde das Land Württemberg von 1803 an ein Kurfürstentum, von 1806 an ein Königreich von Napoleons Gnaden. Am 4. Oktober 1805 kam der französische Herrscher nach Cannstatt, von wo er auf die Fellbacher Höhe reiten wollte. Dabei verirrte er sich vor dem Waiblinger Tor in Cannstatt, und der Zufall fügte es, daß der Cannstatter Präzeptor Memminger, der später Professor und Oberfinanzrat wurde, ihm den Weg in das Gelände wies, von dem aus sich Erzherzog Karl neun Jahre zuvor gegen General Moreau in der Schlacht um den Neckar zur Wehr gesetzt hatte. In den Jahren 1812 und 1832 hat Memminger treffliche Beschreibungen von Cannstatt und seiner Umgebung, zugleich die erste Beschreibung des ganzen Oberamts veröffentlicht, zu dem auch Fellbach gehörte. 

Nach dem Jahre 1806 wurde Fellbach nicht mehr durch kriegerische Aktionen bedroht. Doch blieben ihm bis zum Jahre 1815 Einquartierungen französischer und österreichischer Truppen nicht erspart. Für Kriegskosten und Kriegssteuern mußte es zwischen 1810 und 1815 mehr als 30 000 Gulden aufbringen. Die Hungerjahre um 1817 und 1850 konnte es infolge seiner ertragreichen Böden und seines günstigen Klimas verhältnismäßig gut überstehen. Dem Sparsinn und der Schaffensfreude der Bauern und Weingärtner gelang es sogar, eine feste Grundlage für einen gediegenen Wohlstand zu schaffen. Deshalb fanden die Revolutionswirren des Jahres 1848 in Fellbach keinen Boden. Friedrich Daubenschmid (siehe Seite 179) berichtet in seinem Tagebuch, obwohl sich sonst allerorts die Bevölkerung bewaffnet habe, sei in Fellbach nichts unternommen und nicht exerziert worden. (Einige wohlhabende Familien ließen zwar ihre Anwesen von Knechten VIII 65 und Taglöhnern bewachen, aber diese Maßnahmen erwiesen sich als überflüssig). Das Gesindel aus den Städten, das lieber rauben als arbeiten wollte, habe allerdings mit einem Überfall auf Fellbach gedroht, so berichtet der Chronist; doch hätten die Weingärtner erklärt, sie würden im Ernstfall etwaige Eindringlinge mit ihren Karsten zurechtweisen, und Gott habe dann alles Unheil verhütet. 

Was das Dorf erlebte ... 

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts führten Marx Frey (von 1705 bis 1721), Thomas Kugler (bis 1735), Johannes Bauerle (bis 1737), Johannes Schweickardt (bis 1741) und Johann Michael Leger (bis 1755) die Geschäfte der Gemeinde. Auf sie folgte Georg Friedrich Zais (bis 1763), der Sohn des Hauptmanns und Regierungsquartiermeisters beim Schwäbischen Kreis Joh. Mich. Zais. Seit 1762 waren Unteramtmänner oder Stabsamtmänner, auch Ober- und Stabsschultheißen dem Oberamtmann unterstellt. G. Fr. Zais erscheint somit auf sein Lebensende als erster in der Reihe der Fellbacher Amtsleute und Gerichtsschreiber. Der Name von Georg David Ditting, dem Sohn eines Ratsverwandten in Asperg, war auf dem einstigen Platzbrunnen zu lesen, da er von 1763 bis 1800 in Fellbach amtete. Um jene Zeit betrug das Bürgergeld für Männer, die das Bürgerrecht erwerben wollten, 10 Gulden, 43 Kreuzer an die Gemeinde, 4 Gulden ins Zucht- und Arbeitshaus, IV2 Gulden für den Feuereimer und 1 Scheffel Dinkel für den „Küchenvorrat". Der Almosenhof mußte einen Farren, einen Eber und einen Widder halten und füttern, wofür er Steuerfreiheit genoß und von allen Besitzern von Kühen seit alters das sogenannte Pfrundgeld erhielt. 

Zu Zeiten mußten die Dorfbewohner schwere Unbilden der Witterung ertragen. In einer Juninacht des Jahres 1743 richtete ein starker Wolkenbruch schweren Schaden an; Johannes Heß in der Burgstraße wurde vom Wasser mitgerissen und ertrank in den Fluten. Im Sommer 1746, besonders stark im Jahre 1768, wurden Fruchtfelder und Weinberge von Hagel- und anderem Unwetter heimgesucht und ihr Ertrag fast völlig vernichtet. Die Einwohnerzahl stieg von 1050 (im Jahre 1613) auf 1452 (im Jahre 1711), dann sogar auf 2002 (im Jahre 1727), ging dann aber der schlechten Zeiten wegen auf 1646 (im Jahre 1773) zurück. Drei Jahre später wird im Kirchenbuch bemerkt, es seien wenig Wiesen und ein schlechter Weidgang vorhanden; man lebe meist vom Vieh, dem Alte und Junge durch Grasen und Distelsuchen eine hinlängliche Fütterung verschaffen müßten; dies werde sich bei den so schweren und nahrungslosen Zeiten nicht leicht ändern lassen. Offenbar waren auch die Einnahmen aus den Weinernten nicht allzu groß, obwohl der Fellbacher Wein seit langem im Lande und darüber hinaus bekannt war. 

Um der Not der Armen zu steuern, stiftete Schultheiß Thomas Kugler kurz vor seinem Tode mit seiner Ehefrau Margarete ein Armenhaus (jetzt Cannstatter Straße Nr. 74), das damals außerhalb des Dorfkerns gelegen war. Im Jahre 1742 opferten übrigens die wohlhabenden Bürger wöchentlich 50 bis 60 Laib Brot zur Unterstützung der Unbemittelten. Im Jahre 1763 verwendete man den Zins aus 710 Gulden für Brot und Suppen, mit denen Bedürftige gespeist wurden. Der Herbstertrag von 1767 war so gering, daß er den Einzug der Steuern hemmte. Da man genug Arme im Orte hatte, sollte ein Bettelvogt fremde Bettler und „Landfahrer" nach bestem Vermögen fernhalten. Als dies nicht gelang, erklärte Amtmann Ditting im folgenden Jahr, man könne dem Gassenbettel, der in dem nahe der Landstraße gelegenen Fellbach fast unerträglich sei, nur dadurch steuern, daß man wie in anderen Städten und Dörfern eine Bettelordnung einführe. 

Die Not jener Zeit mag Johann Georg Honig als ersten Fellbacher veranlaßt haben, die Heimat zu verlassen und nach Preußisch-Pommern auszuwandern. Um und nach 1750 folgten ihm weitere Dorfbewohner, darunter mehrere Frauen sowie manche Angehörige alteingesessener Familien (siehe auch Seite 165 ff.). 

Im Jahre 1738 erstand vor dem 1621 von Hans Krauß erbauten Haus (an dessen Stelle jetzt das Gebäude der Fellbacher Zeitung getreten ist) auf dem Marktplatz der Platzbrunnen mit sechseckigem gußeisernem Brunnentrog. Er wurde 1765 mit vier Röhren und einem steinernen Brunnentrog ausgestattet, der mit einem Löwen als Schildträger geschmückt war. Der gute Ruf des Fellbacher Weines drang in jener Zeit bis an den Zarenhof nach Petersburg. Der Geheimrat Georg Bernhard Bilfinger (1693-1750) wirkte dort 13 Jahre lang als Professor der Mathematik und Physik. Der Weinhändler Jakob Friedrich Matz von Tübingen übersandte ihm viererlei Weine, darunter Fellbacher 1724er. In einem Begleitbrief wünschte Matz viel Glück zur Ankunft des Weines und hoffte, daß dieser in Ehren bestehe und sein Ruhm sich in der ganzen Welt ausbreite. Auch bat er den Landsmann in Petersburg, „den württembergischen Weinhandel Ihro Majestät der Zarin zu rekommandieren". Die reiche Ernte und der reiche Herbst des Jahres 1773 machten der Armut der vorangegangenen Jahre ein Ende. Auch wurde im Jahre 1797 von Amts wegen anerkannt, daß sich die Fellbacher Bauern vorbildlich und fortschrittlich verhalten hätten, als man die Stallfütterung im Lande einführte. 

Am Pfingstmontag des Jahres 1725 schlug der Blitz in den oberen Teil des Kirchturms ein, ohne daß eine Feuersbrunst entstand. Von 1727 bis 1737 wurde die Kirche erweitert, 50 Jahre später der Ausbau zu einer noch geräumigeren Kirche beschlossen und durchgeführt. Auch das Pfarrhaus ließ Pfarrer Kohler im Jahre 1799 ausbauen und erneuern. Ebenso war die Gemeinde im 18. Jahrhundert mehrfach genötigt, den Schulraum der wachsenden Zahl der Schulkinder anzupassen. Die Schulmeisterdynastie der Familie Auberlen trug in drei Generationen von 1756 bis 1874 das ihrige dazu bei, das Schulwesen auf einen hohen Stand zu bringe 1 und Jugend und Gemeinde mit erzieherischen und ethischen Werten zu erfüllen (siehe auch Seite 179/180). 

Der Marktbrunnen von 1738, wie er bis 1903 vor der heutigen 
Conradi'schen Druckerei stand. - Schäfer-Grohe

Handel und Wandel 

Da es im Feld und in den Weinbergen für Arbeitswillige genügend Arbeit gab, wurde in Fellbach keine Spinnanstalt für Krisenzeiten eingerichtet, wie das anderwärts geschah Das Handwerk entwickelte sich im Ort immer mehr. Im Küferberuf betätigten sich vom Jahre 1730 an vier Brüder und Vettern aus der Sippe Schäffer jahrzehntelang nebeneinander. Ein fünfter Küfer, Zerweck, war außerdem noch bis 1770 in Fellbach. Mit dem 1799 verstorbenen Küfer Johann Michael Schäffer fand dessen Küfersippe nach fast 200 Jahren, mit dem 1770 verstorbenen Johann Philipp Zerweck eine andere nach 140 Jahren ihr Ende. Durch vier Generationen bewährte sich ein drittes Küfergeschlecht im Ort das Johann Michael Wagner aus Aidlingen kurz vor 1750 begründete. Neben Johannes Aldinger (1742-1808) wirkte noch Michael Elsäßer nach 1750 als Küfer und Kübler; in seinen beiden Söhnen und deren Nachkommen hat seine Sippe bis ins 20. Jahrhundert, also 150 Jahre lang, geachtete Vertreter dieses ehrbaren Handwerks gestellt. Unter den Schmieden des 18. Jahrhunderts arbeiteten Johann Michael Hummel (gest. 1773) und Johann Friedrich Hummel (gest. 1742) in der 3. Generation auf dem ererbten Beruf, letzterer sogar als „Kerzenmeister", also Obermeister des Schmiedhandwerks. Lukas Mack (geb. 1725) aus Winterbach fand in der Werkstatt der Familie Hummel Arbeit. Durch Einheirat in die Familie seines Meisters wurde er zum Fellbacher. Er erreichte das biblische Alter von 86 Jahren und wurde der Ahnherr der bis in die unmittelbare Gegenwart herein blühenden Schmiededynastie Dinkelacker - Mack - Hummel. 

Um die Jahre 1830 und 1840 waren in Fellbach beispielsweise die beiden Vettern Johann Georg Mack und Johann Friedrich Mack tätig, von denen ersterer in der Heimat verblieb, während letzterer nach 1850 im Strome der Auswanderer nach Amerika zog. Aus der schon 1525 im Ort seßhaften Sippe der Auberlen stammten mehrere Huf- und Wagenschmiede, aus der alteingesessenen Familie Schnaitmann das Bruderpaar Johann Friedrich und Philipp Jakob Schnaitmann, beides tüchtige Nagelschmiede. An Betrieben gab es zwischen 1800 und 1850 eine Käserei, eine Gipsmühle und eine Ziegelhütte. Ferner baute man Küchengewächse an, die sich vor allem in Cannstatt und Stuttgart gut absetzen ließen. 

Unter den Chirurgen dieser Zeit treten mit- und nacheinander auf: Johannes Aldinger (1684-1724), Johann Philipp Laisle (1670-1734), Gottfried Knaus, Vater (bis 1751) und Sohn (bis 1768), gleichzeitig mit dem letzteren der in Beutelsbach geborene Georg Adam Berwarth (1732 - 1797). Weiter seien Johannes Ungerer (1726-1785) aus Fellbach, Ulrich Friedrich Wolf (1722 - 1799) aus Waiblingen und Karl Künkele (1736-1807) aus Urach genannt. Johannes Ungerer junior (1760-1812) führte den Beruf des Vaters fort und gab sein Geschäft in die Hände seines Schwiegersohnes Carl Alexander Arnold. Ein „allerhöchstes Reskript" vom Jahre 1814 lobt dessen Verhalten "ei einer Fieberepidemie, wofür er mit der goldenen Zivilverdienstmedaille ausgezeichnet wurde. Während dreier Jahrzehnte wirkte er in der Gemeinde, fast ebenso lang wie Johannes Irion, der sich mit einer Fellbacherin verheiratete und von Schnait nach deren Heimatort übersiedelte. Durch seine treue Fürsorge für die ihm Anbefohlenen erwarb er sich hohe Achtung bei seinen Mitbürgern. 

Als Hebammen gleicher Zeit haben sich Frau Elisabetha Catharine Weißert und Frau Elisabetha Catharina Hofmeister bewährt. Erstere hat nach dem Kirchenbuch während ihrer beruflichen Tätigkeit von 1720 bis 1760 „an die 2000 Kinder hier empfangen", letztere zwischen 1744 und 1780 nicht weniger als 1061 kleinen Fellbachern ins Leben verholfen. 

Als Gastwirte erscheinen zur selben Zeit: Michael Heß (1672 - 1729), der Erbauer des heute noch stehenden stattlichen (zweiten) Ochsenwirtshauses mit hohem Krüppelwalmdach und Begründer einer Gastwirtsdynastie in und um Fellbach. So hängte Georg Michael Heß um 1757 an seinem Fellbacher Haus den Wirtsschild „zum Löwen" aus, während Georg Michael Heß (geb. 1759) Lammwirt wurde. Auf dem „Hirsch" in Fellbach zog um 1730 der Gerichtsverwandte Johann Michael Kugler (1702-1759) auf; er gab das Gasthaus an Joseph Friedrich Ebensperger weiter. Schließlich wird vor etwa 200 Jahren der in Reutlingen geborene Heinrich Thüringer (1713 -1784) als Adlerwirt erwähnt. 

Der Verkehr spielte sich damals noch auf ziemlich primitiven Landstraßen ab. Um 1750 ging die alte Heerstraße ein, die dem Schüttelgraben entlang lief. Statt dessen wurde die Landstraße über die Höhe nach Waiblingen hineingeführt. Bei Straßenbauten und -ausbesserungen mußten die Bürger Frondienste leisten. Im Jahre 1709 wurde auf der Landstraße von Cannstatt nach Waiblingen, die Fellbach mit dem Zeit- und Weltgeschehen verband, eine württembergische Landpost eingerichtet. Im Jahre 1771 übernahm der Staat diese Straße als Staatsstraße. Als Goethe 1797 von Cannstatt nach Nürnberg fuhr, schrieb er dem Verleger Cotta, der Kutscher werde ihm „die betrübteste Relation darüber machen können, wie die schönen Würtenberger Chausseen von Cannstatt aus durch die Truppenzüge verdorben" seien. Nach 1800 führte der „neue Postkurs" einmal in der Woche über Fellbach und Waiblingen nach Backnang und Schwäbisch Hall, weshalb diese Strecke die Nürnberger Route oder Alte Poststraße hieß. 

Den oft eintönigen Alltag unterbrachen die Märkte. Seit etwa 1800 hielt man einen, seit 1812 zwei Märkte ab, den Frühjahrsmarkt am Dienstag nach Georgii (23. April), den Herbstmarkt am Dienstag nach Maria Geburt (8. September). Mit letzterem war die Kirchweihe verbunden. Um 1815 bestanden im Ort vier Schildwirtschaften. Landhunger und steuerlicher Druck, Mißernten und religiöse Schwärmerei veranlaßten in dieser Zeit wiederum viele Einheimische, in der Fremde, besonders in Rußland und Nordamerika, ihr Glück zu suchen. Die Welle der Auswanderer schwoll im 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stark an. Zwischen 1800 und 1850 lockte die Fremde mehr als 600 Fellbacher, meist Bauern und Weingärtner, aber auch Handwerker, hinaus. Die Auswanderer verließen die alte Heimat oft familienweise und arbeiteten in den Steppen Rußlands sowie in den Urwäldern Amerikas daran mit, durch Rodungen fruchtbares Ackerland zu schaffen. Fieber, Pest und andere Nöte rafften viele von ihnen dahin; manche kamen auch in zäher Arbeit voran und bewahrten sich in der Ferne meist die angestammte Sprache und die Liebe zum Schwabenland (siehe auch Seite 165 ff.). 

Von Rathaus, Kirche und Schule 

Im Laufe der Zeit hatte das Haus Württemberg die meisten Rechte und Abgaben aus Gütern in Fellbach an sich gebracht. Im Jahre 1807 erwarb es noch die Einkünfte des Domstifts Konstanz. Die allgemeine Ablösung, die den Bauernstand von drückenden Grundlasten befreite, erfolgte im Jahre 1848 und betrug für die folgenden 25 Jahre das Sechzehnfache der bisherigen Jahresleistungen. In einer Zeit, in der das Geld überaus knapp war, fiel es der Gemeinde und der Bevölkerung von Fellbach schwer, eine Ablösungssumme von mehr als 180 000 Mark aufzubringen. Die vier Herrschaftskeltern gingen jetzt in den Besitz der Gemeinde über, darunter die Dietbachkelter, die man im Jahre 1847 an den Ortsausgang gegen Untertürkheim heraufverlegt hatte, und die Dorfkelter am Aufgang zum Kappelberg. Die Simonsrot- und die Reutekelter wurden abgebrochen. Die Zehntscheuern kamen teils in den Besitz der Gemeinde, teils in Privathand. 

An die Spitze des Gemeinwesens trat im Jahre 1800 Philipp Heinrich Friz, der Nachfolger des Amtmannes Georg David Ditting und erste Vertreter seiner von Aichschieß zugezogenen Sippe auf dem Fellbacher Rathaus. Im Jahre seines Amtsantritts heiratete er eine Tochter seines Amtsvorgängers und wirkte 44 Jahre lang verdienstvoll, bis er als 74 jähriger das Zeitliche segnete. Sein ältester Sohn Heinrich August war längere Zeit Ratsschreiber in Fellbach. Im Jahre 1845 übernahm Johann Sayler, der zuvor Weinhändler, dann einige Jahre lang Gemeindepfleger gewesen war, den Posten des Amtmanns. Er starb vier Jahre später im Alter von 67 Jahren. Während seiner Amtszeit wurden die Amtleute wieder in Schultheißen umbenannt. 

Unter dem rührigen Pfarrer W. Kohler, der von 1798 bis 1805 in Fellbach amtierte, wurde das „schwer heruntergekommene" Pfarrhaus in Ordnung gebracht und an Stelle des „über alle Beschreibung elenden Schulhauses" ein neues Schulhaus erstellt. Auf Anregung des Ortsgeistlichen beschloß leider der Gemeinderat, die Ringmauer zur Hälfte abzutragen. Mit den Abbruchsteinen der Mauer besserte man schadhafte Häuser im Ort aus, auch das Straßenpflaster wurde erneuert. Mit dem Abbruch der Wehrmauer, kurz darauf auch der Kapelle auf dem Kappelberg, gingen Fellbachs Wahrzeichen und Denkmale aus mittelalterlicher Zeit verloren. Die Einführung einer sogenannten Industrieschule in Fellbach, wie sie um jene Zeit auch in anderen Orten des Landes bestand, war eine verdienstliche Tat von Pfarrer Kohler. Seit 1826 erhielten Schulkinder eine Art von Werkunterricht, in dem sie das Einbinden, Falzen und Heften von Schriften und Büchern erlernten. Auch Ältere waren zugelassen und konnten sich auf diese Weise einen Nebenverdienst verschaffen. Wilhelm Christian Weimer aus Tübingen, der nach langer Tätigkeit in Amsterdam Fellbach zum Ruhesitz wählte, stiftete hier die erste Kinderschule und erhielt dafür von der dankbaren Gemeinde gratis das Bürgerrecht.