Theo Stein

WEINBAUGEMEINDE UND INDUSTRIESTADT

Die wirtschaftliche Struktur der jungen Stadt Fellbach unmittelbar im Strahlungsfeld des Industriezentrums Stuttgart mußte in den letzten Jahrzehnten zwangsläufig einen weitgehenden Wandel durchmachen, über Jahrhunderte hinweg war Fellbach — wie fast alle Gemeinden rings um Stuttgart — eine Weingärtner- und Bauernsiedlung. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts kommen zögernd die ersten industriellen Unternehmen auf. Nachweisbar wurde schon im Jahre 1840 an der Ecke Vordere- und Rommelshauser Straße eine Ziegelei betrieben, die später in die Untertürkheimer Straße übersiedelte. 1890 folgte jenseits der Bahnlinie eine Dampf Ziegelei. Zwischen 1860 und 1870 entstand in der Cannstatter Straße eine Beschlägefabrik, die bald zu einer Hammerschmiede ausgebaut werden konnte. Daraus entwickelte sich nach der Übersiedlung in die Nähe der Bahnlinie ein beachtliches Hammerwerk. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden fast gleichzeitig zwei industrielle Unternehmen: Eine Schloßfabrik, die ihren Anfang in einer Werkstätte nahm, die in einer Scheune untergebracht war, und ein Preß- und Stanzwerk, das sich hauptsächlich mit der Fabrikation von Flanschen befaßte. In diesselbe Zeit fallen nicht von ungefähr auch die Anfänge der heutigen „Fellbacher Zeitung".

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb in den ersten fünf Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts trotz der politischen Ereignisse stetig und Fellbach ist heute die Gemeinde des Kreises Waiblingen, die die meisten Industrieunternehmungen und Beschäftigten auf- weist. Bemerkenswert ist jedoch dabei, daß die bäuerlichen und handwerklichen Betriebe sich als maßgeblicher Faktor im Wirtschaftsleben erhalten haben. Am 20. September 1957 wurden in Fellbach 9270 Beschäftigte in der Industrie, in Gewerbe und Handel — das entspricht 37 Prozent der Einwohner — gezählt. Allein in den letzten drei Jahren nahm die Zahl der neuen Arbeitsplätze um 1252 zu, ein erfreuliches Zeichen des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs.

Trotz dieses grundlegenden Strukturwandels ist Fellbach eine der ältesten und größten Weinbau- und Gartenbaugemeinden des Schwabenlandes geblieben. Gleichzeitig ist die Stadt aufgerückt in die Reihe jener bedeutenden und gesunden Industriestädte, wie wir sie im Fils- und Neckartal kennen. Diese Doppelseitigkeit — Industrie und Landwirtschaft — aber bedingt zugleich eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Krisenfestigkeit, die sich in schlechten Zeiten schon gut bewährt hat.

Weinbau-, Gartenbau- und Bauerngemeinde

Wie schon festgestellt, hat Fellbach seinen guten Ruf als bedeutende land- und gartenbautreibende Gemeinde nicht verloren. Wohl war im Laufe der Entwicklung nicht zu umgehen, daß ein Teil der landwirtschaftlich genutzten Markungsfläche für die bäuerliche Nutzung verloren ging. Dieser Verlust konnte jedoch durch die Intensivierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft ausgeglichen werden. Auf der Markungsfläche von 1335 ha sind in den letzten hundert Jahren mehr als 200 ha — also rund ein Sechstel — für Wohnbauten, Industrie-Anlagen, Straßen und Wege verwendet worden. Von der verbliebenen Fläche von etwa 1 100 ha werden heute 220 ha forstwirtschaftlich, 700 ha landwirtschaftlich genutzt. Dazu kommt noch der Weinbau mit 180 ha. Nimmt man die von Fellbacher Bauern und Gärtnern auf den benachbarten Markungen Schmiden und Waiblingen bewirtschafteten Grundstücke hinzu, so ergeben sich rund 1025 ha, wovon 560 ha, das heißt 55 Prozent, reines Ackerland sind. Ein Drittel dieser Fläche ist mit Getreide, ein weiteres mit Futterpflanzen bestellt. Kartoffeln und andere Hackfrüchte, feldmäßig angebaute Gemüse- und Handelsgewächse nehmen das letzte Drittel ein. Das Wiesenland beläuft sich auf ein Viertel der Anbaufläche und liegt zum größten Teil an der Rems auf Waiblinger Markung. Das reine Gartenland umfaßt zwar nur etwa 6 Prozent der gesamten Anbaufläche, wird aber gerade von jenen vielen Gärtnereien, Haus- und Kleingärtnern bestellt, die Fellbachs Ruf als Großlieferant gärtnerischer Erzeugnisse ausmachen.

Noch geringer ist die Anbaufläche der nicht minder bekannten Baumschulen und der mustergültigen Obstgärten. Auf Fellbachs Markung werden rund 60 000 Obstbäume gezählt, von denen gegenwärtig die Apfelbäume die Hälfte und die Birnbäume ein schwaches Drittel ausmachen.

Nicht weniger bedeutend als der Gartenbau ist für Fellbach der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau, der auf 17 Prozent der Gesamtfläche betrieben wird. Der jährliche Ertrag schwankte in den letzten Jahrzehnten zwischen 2373 hl im Jahre 1947 und 12 392 hl im Jahre 1922. Die unter fachmännischer Anleitung durchgeführte Verarbeitung des Traubenmostes geschieht in der modernen, im Jahre 1940 erbauten Genossenschaftskelter, die mit Gärtanks, Riesenfässern sowie mit Räumen für die Lagerung von 150 000 Flaschen ausgestattet ist.

Der landwirtschaftliche Grundbesitz befindet sich seit Generationen in den Händen alteingesessener Bauernfamilien, wobei durch die in Schwaben seit Jahrhunderten übliche Erbteilung vorwiegend klein- und kleinstbäuerliche Betriebe entstanden sind. Da jedoch die Erträge aus der Landwirtschaft für manche Familien nicht ausreichen, ist von den rund 600 Landwirten eine beachtliche Zahl in gewerblichen und industriellen Unternehmungen zeitweise oder auch ganzjährig tätig. Etwa 150 Bauern besitzen noch Großvieh, durchschnittlich zwei oder drei Kühe, neben Schweinen und Federvieh. Das Pferd 184 ist fast völlig durch den Traktor verdrängt worden. Der immer größer werdende Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen bedingte in jüngerer Zeit die Umstellung vom Stalldung auf künstliche Düngemittel.

Um die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Unternehmungen zu gewährleisten, haben sich die Weingärtner und Bauern zu Berufsorganisationen zusammengeschlossen. Rund 350 Weingärtner riefen am 5. September 1938 die Weingärtnergenossenschaft Fellbach eGmbh ins Leben; diese trat an die Stelle der 1857 gegründeten Weingärtnergesellschaft, die nur einen kleineren Teil der einheimischen Weingärtner erfaßt hatte. Damit war gewährleistet, daß die Fellbacher Weinberg-Erzeugnisse unter der fachmännischen Behandlung eines Kellermeisters heute zu den Spitzenweinen Württembergs gehören (siehe auch Seite 224 und 242). Auf Fellbacher Markung werden die anerkannten Weinsorten Trollinger, Portugieser, Burgunder, Riesling, Traminer, Sylvaner und Müller- Thurgau gezogen.

Rund 250 Fellbacher Landwirte sind im örtlichen Landwirtschaftlichen Bauernverband zusammengefaßt, in dem Berufsfragen erörtert und Standesbelange vertreten werden. Die 1932 gegründete Milchverwertungsgenossenschaft erstellte 1933/34 eine Milchsammelstelle, in der von rund 150 Mitgliedern im Monat durchschnittlich 45 000 Kilo Milch mit einem Durchschnitts-Fettgehalt von 3,8 Prozent angeliefert werden. Abnehmer dieser Milch ist die „Württembergische Milchverwertung AG". Eine ebenso bedeutsame Rolle spielt der Obstbauverein (siehe Seite 224).

Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung für die heimische Landwirtschaft ist die Fellbacher Bank eGmbH, die 1890 als Darlehenskassenverein gegründet und 1923 in ein Bankinstitut unter der damaligen Bezeichnung Genossenschaftsbank Fellbach umgewandelt wurde. Sie dient nicht nur als Sparkasse und Kreditinstitut, sondern übernahm 1934 als Raiffeisenkasse die Rolle einer Einkaufs- und Absatzgenossenschaft für Saatgut, Düngemittel und Spritzmaterial zur Schädlingsbekämpfung. Daneben besteht der bereits im letzten Jahrhundert gegründete Viehversicherungsverein, der fast alle Landwirte und Weingärtner umfaßt.

Stadt der Blumen und Pflanzen

Fellbach wird in Württemberg als Stadt der Blumen und Pflanzen von keiner anderen Gemeinde übertroffen. Es ist das „Klein-Holland" des Schwabenlandes. Neben dem Versand der gärtnerischen Erzeugnisse gingen schon manche Anregungen von den vielen bedeutenden Gartenbau- und Blumen-Ausstellungen aus, die in den letzten Jahrzehnten in Fellbach durchgeführt wurden. Besondere Anerkennung fand vor allem die im Jahre 1935 veranstaltete Gewerbe-, Gartenbau- und Herbstblumenschau in allen Fachkreisen. Will man die einheimischen Gärtnereien und ihre Leistungen würdigen, so darf man 185 jene Betriebe nicht ausschließen, die teils oder ganz auf der angrenzenden Markung von Schmiden liegen und zusammen mit den Fellbacher Unternehmungen eine wirtschaftliche Einheit bilden. Die guten Bodenverhältnisse und die günstige Wasserversorgung, gepaart mit dem hohen beruflichen Können, das Fellbachs Ruf als Gärtnerstadt immer mehr festigte, ließen die Zahl der Gärtnereien von 15 selbständigen Betrieben um das Jahr 1900 auf etwa das Dreifache bis zum Jahr 1950 ansteigen.

Die heimischen Gärtnereien, die sich fast ausnahmslos im Familienbesitz befinden, sind meist kleinere und mittlere Gartenbaubetriebe mit einer Anbaufläche von einem halben bis drei Hektar. Vom Erwerbsgartenbau werden etwa 70 Hektar bewirtschaftet, davon die Hälfte mit Gemüse, die andere mit Treib- und Frühgemüse. Ein Drittel der Gärtner züchtet neben Gemüse auch Blumen, Zierpflanzen und Sträucher. Einzelne Betriebe spezialisierten sich auf die Züchtung von Topfpflanzen, auf den Anbau von Schnittblumen, auf die Pflege von Rosen sowie auf den Anbau von Obstbäumen, Ziersträuchern, Zwerg- hölzern und Stauden.

Das größte und bedeutendste gärtnerische Unternehmen Fellbachs ist die Großgärtnerei Wilhelm Pfitzer. Sie kam kurz nach der Jahrhundertwende von Stuttgart, wo die Firma im Jahre 1844 von Wilhelm Pfitzer (dem Älteren) gegründet wurde. Die Vielseitigkeit dieses Unternehmens, das in der Zucht von Dahlien, Gladiolen und Canna besonders hervorgetreten ist, kommt insbesondere darin zum Ausdruck, daß es seit seinem Bestehen etwa 5000 Neuzüchtungen in den Handel bringen und in der Auswahl und züchterischen Verbesserung von Gemüsesorten beachtliche Erfolge erzielen konnte. Der Absatz der Pfitzer-Erzeugnisse erstreckt sich nicht nur auf Europa, sondern auch auf Übersee. Neben ausgedehnten gärtnerischen Anlagen in Fellbach, Versuchsfeldern, Freilandkulturen, Gewächs- und Kulturhäusern, unterhält das Unternehmen — zur Zeit über 160 Beschäftigte — in verschiedenen größeren Städten Verkaufsabteilungen und erzielt immer wieder auf internationalen Gartenausstellungen nachhaltige Erfolge. Unmittelbar an der Markungsgrenze liegt der 50 ha große Gartenbaubetrieb der Firma W. Schönemann, die sich einen Namen machte als Baumschule und Züchterin von Staudenkulturen sowie von Schnittblumen. Nadelhölzer wurden hier erstmals in unserer Gegend im feldmäßigen Anbau gezüchtet. — Bereits im Jahre 1875 hat Friedrich Wilhelm Schneck begonnen, seine Gärtnerei großzügig auszubauen. Im Jahre 1907 gliederte Robert Schneck dem Betrieb eine Baumschule an. Neben Obstbäumen und Beerenobstpflanzen gehen heute aus dem etwa 50 ha großen Betrieb der Firma Robert Schneck & Söhne, wie sich die Gründung von Friedrich Wilhelm Schneck heute nennt, große Mengen von Rosen, Ziersträuchern, Allee- bäumen, Schling- und Heckenpflanzen, Nadelhölzern, immergrünen Gehölzen und Stauden in alle Welt. In großen Treibhäusern werden von der Firma Schnittblumen wie Treibnelken, Treibrosen, Chrysanthemen, Treibflieder, Tulpen usw. gezüchtet. — Aus der angesehenen Fellbacher Gärtnerfamilie Schneck ging die Firma Blumen-Sailer hervor, die 186 auf einer Anbaufläche von 5 000 qm Glasfläche und etwa 2 ha Freiland Edelnelken, Treibrosen, Gerbera, Schnittgrün, Gladiolen, Tulpen, Narzissen, Cyclamen, Hortensien und Azaleen züchtet. Gründer des Unternehmens war Ernst Schneck, der Schwiegervater des heutigen Besitzers. Der Sohn Gustav führt die Firma seines Vaters unter der Firmenbezeichnung Ernst Sdmeck, Inhaber Gustav Schneck weiter.

Neben diesen gärtnerischen Großbetrieben besteht eine ganze Anzahl kleinerer und mittlerer Betriebe, deren Erzeugnisse außer in Fellbach selbst in großem Umfang in der Landeshauptstadt, sowie in gemüsearmen Gegenden, wie etwa im württembergischen Allgäu, Absatz finden. Beträchtlich ist der Versand von Gemüse-, Blumen- und Jungpflanzen, von Samen und Zwiebeln und von Züchtungen der Baumschulen. Am 1. April 1948 wurde an Stelle einer bereits bestehenden Gärtnereigenossenschaft des Kreises Waiblingen die Gärtnereigenossenschaft des Kreises Waiblingen eGmbh mit Sitz in Fellbach gegründet. Zu Beginn des Jahres 1949 wurde mit den verschiedenen Gärtner- und Obst- sowie Gemüseverwertungsgenossenschaften des Großraums Stuttgart und der WLZ-Raiffeisen eine Versicherungsgemeinschaft gebildet. Am 13. April 1949 fand in der Fellbacher Alten Kelter die erste Versteigerung von Obst und Gemüse in Württemberg mit der Versteigerungsuhr (Veiling-System) statt. Dieser Fellbacher Markt entwickelte sich rasch und gehörte bald zu den bedeutendsten des südwestdeutschen Raumes. Die Obst- und Gemüseversteigerung Groß- Stuttgart, wie sich diese Marktgemeinschaft heute nennt, paßt ihre Waren in Verpackung, Sortierung und Qualität den Wünschen der Verbraucher und den Anforderungen des Handels an und errang eine Reihe von in- und ausländischen Auszeichnungen bei internationalen Prämiierungen. Vor kurzem ist die Versteigerung in die neue Großmarkthalle nach Stuttgart verlegt worden.

Gesundes Handwerk, zielstrebiger Handel

Die Nähe Stuttgarts bedeutete in den letzten Jahrzehnten eine große Gefahr für die Existenz von Handwerk und Handel in Fellbach. Um so mehr muß anerkannt werden, daß sich die einheimischen Handwerksbetriebe und Handelsgeschäfte durch ihre Leistungen nicht nur den Kundenkreis halten, sondern darüber hinaus erweitern konnten. Alle Zweige des Handwerks und alle Branchen des Handels sind in Fellbach durch zahlreiche und geachtete Unternehmen vertreten. Der Kundenkreis konnte auf die benachbarten Orte Schmiden, Oeffingen und Rommelshausen ausgedehnt werden. Aus den 32 Einzelhandelsgeschäften, die um die Jahrhundertwende in Fellbach bestanden und allgemein „Gemischtwaren" vertrieben, sind annähernd 250 Unternehmungen — darunter 30 Großhandlungen — geworden, die sich im wesentlichen auf bestimmte Waren spezialisiert haben. An der Spitze stehen 47 Lebensmittelgeschäfte, zu denen noch weitere Finnen des Milch-, Obst- und Gemüse- Einzelhandels kommen. Fachgeschäfte für Tabak- oder Süßwaren, 187 Kaffee, Tee u. ä. haben sich im Laufe der Zeit herausentwickelt. Daß sich ferner Großhandelsfirmen für Düngemittel und Gärtnereibedarf bildeten, war für die Gärtnerstadt Fellbach fast eine Selbstverständlichkeit.

Der Textilwarenhandel ist mit zwanzig Einzel- und sechs Großhandelsgeschäften sehr stark vertreten. Zwölf Firmen führen Haus- und Küchengeräte, Eisen- und Draht- waren sowie Baubeschläge. Fünf Firmen spezialisierten sich auf den Holz- und Maschinenhandel. Zahlreich sind die Radio- und Elektrogeschäfte vertreten, unter denen sich auch eine Elektrogroßhandlung befindet. Sechs Betriebe befassen sich mit dem Einzel- und Großhandel von Farben und Lacken und zehn mit dem Handel von Leder und Fellen, darunter die Firma Christoph Holzwarth, die Därme aller Art sortiert und der Wurstfabrikation zuführt. Hier werden jährlich etwa zwei Millionen Meter Saitlinge, d. h. Schafdärme, verarbeitet. Die Firma Behrens & Wöhr oHG betreibt einen bedeuten- den Großhandel in Häuten und Fellen. Seit dem 1. Januar 1949 besteht in Fellbach die Firma Sparrer & Schultheiss, die sich rasch aus kleinen Anfängen heraus zu einem Großhandelsbetrieb entwickelt hat und sich seit 1957 in eigenen Räumen befindet. Das Unter- nehmen beliefert den Fachhandel und das Handwerk in ganz Württemberg mit Elektro- Installationsmaterialien, mit Elektro-Geräten aller Art wie Kühlschränken, Tiefkühltruhen, Elektroherden, Waschmaschinen, Staubsaugern, Küchenmaschinen, Heizgeräten, Grill- und Fettbackgeräten. In einer zweiten Abteilung werden Rundfunk- und Fernsehgeräte, Sprechgeräte, Musikschränke und Musikvitrinen geführt.

In jüngerer Zeit haben als Handelsunternehmen vier Stahlwerke in Fellbach Geschäfts- stellen errichtet, so das Stahlwerk Stahlschmidt & Co. KQ aus Düsseldorf, die Stahlwerke Südwestfalen AQ, die Styria-Stahl GmbH und die Saarstahl GmbH, ein Unternehmen der Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen. Hinzu kommen noch die Firma Wilhelm Böllhoff KQ aus Bielefeld, die von Fellbach aus ihre süddeutschen Kunden mit Schrauben, Muttern und Schraubenzubehör beliefert, und die Firma Heine & Beißwenger, Stahl- und Eisenlager, die 1901 gegründet wurde und sich seit dem Jahre 1925 in Fellbach befindet, somit also zu den älteren Handelsfirmen unserer Stadt gezählt werden darf. Die Firma Ernst Müller KG, 1935 gegründet, betreibt einen bedeutenden Eisengroßhandel. Sie beliefert ansässige und auswärtige Industrie- und Handwerksbetriebe, Bauunternehmen usw. mit sämtlichen Walzwerkerzeugnissen.

Die Großhandelsunternehmungen haben sich in Fellbach zum großen Teil in den letzten Jahrzehnten herausentwickelt oder sind in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg nach Fellbach übergesiedelt, bzw. dort als Zweigbetriebe gegründet worden. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Handelsfirmen mit Eisenfertigwaren. Immerhin hat die Stadt damit nach dem letzten Krieg gewisse Bedeutung als Handelsplatz erlangt, zumal der Kundenkreis teilweise über den engeren Rahmen der Heimat hinausreicht. Mitbestimmend war dabei die gute verkehrspolitische Lage in der Nähe von Stuttgart.

Eine scharfe Trennung zwischen Handel, Handwerk und kleineren Industrieunternehmungen ist auch in Fellbach nicht möglich. Verschiedene kleinere und mittlere Industriefirmen sind aus alteingesessenen Handwerksbetrieben hervorgegangen, wie etwa — um einige Beispiele zu nennen — die bereits erwähnte Schloßfabrik Andreas Maier, die 1890 als Schlosserei gegründet wurde und heute über 130 Beschäftigte hat, die Waschkesselfabrik Gustav Höfer, die 1839 als Handwerksbetrieb in Fellbach gegründet wurde, oder die Kesselofen- und Waschmaschinenfabrik Robert Egelhof KG, die aus einem 1883 gegründeten Handwerksbetrieb im Jahre 1907 in ein Fabrikunternehmen umgewandelt wurde.

Diese wenigen Beispiele zeigen, daß in Fellbach ein altes, bodenständiges, traditions- gebundenes und gesundes "Handwerk von jeher bestand, das einen beachtlichen Anteil an der Industrialisierung hatte. Zu den alten Handwerksbetrieben kamen in den letzten Jahrzehnten durch Neugründung oder Zuzug neue hinzu, wie etwa die Elektrotechniker, Feinmechaniker, Optiker, Fahrzeugmechaniker u. a. Ein Zeichen der Tüchtigkeit ist es, daß Fellbach heute die Hälfte aller Innungsobermeister des Kreises Waiblingen stellt.

In nahezu 400 Betrieben sind sämtliche Handwerkszweige, besonders aber die des Bau- und Baunebengewerbes, vertreten. Der Zahl nach stehen die Handwerksfirmen der Maurer (25), die der Maler, Sattler und Tapezierer sowie der Schlosser (je 13), der Flaschner und Zimmerleute (je 11), der Dachdecker und Pflasterer, der Gipser und Stukkateure an der Spitze. Der äußerst zahlreiche und leistungsfähige Stand der Bauhandwerker ist bedingt durch die überaus rege Bautätigkeit in Fellbach und in der nahen Umgebung von Stuttgart. Zu den größten Unternehmen sind vor allem die folgenden Firmen zu zählen: August Seibold, Ernst Heid & Co., Paul Egelhof, Walter Steigleder KG, Gunser & Co. und G.Balogh & Söhne. Sehr stark ist das einheimische Schneiderhandwerk mit 42 selbständigen Damenschneidern und -Schneiderinnen, 34 Herrenschneidern und 8 Wäscheschneidern vertreten. Hinzu gesellen sich in dieser Branche noch einige größere Betriebe, die den Großhandel beliefern und beachtliche Umsätze tätigen. Zwölf Plättanstalten, sieben Putzmacherinnen, zwei Hut- und Mützenmacher, vier Kürschner und mehrere teilweise wirtschaftlich bedeutsame Reinigungsanstalten dürfen noch zum Bekleidungsgewerbe hinzugerechnet werden.

Das Nahrungsmittelgewerbe zählt 44 Betriebe der Bäcker, Konditoren und Metzger. Hinzu kommen verschiedene Küfer, die Mostereien und in einem Falle eine Branntweinbrennerei zusätzlich betreiben. Die beruflichen Erfahrungen von vier Generationen 
Das Wappen der Stadt Fellbach vom Jahre 1934. 
So wurde es bis 13. März 1956 geführt.

festigten das Ansehen der Ölmühle Mayer & Co., Inhaberin Charlotte Mayer, die neben der Lohnschlagmüllerei sowohl den Groß- wie den Kleinhandel mit Ölen und Fetten beliefert.

Zwanzig Meister zählt das Schuhmachergewerbe. Sechs Schmiede und zwei Kunstschmiede verfügen über eigene Werkstätten. Ferner werden gegenwärtig zehn Uhrmacher, zwei Optiker und ein Goldschmied gezählt.

Althergebrachte Berufe sind heute noch in Fellbach vertreten durch vier Wagner und einen Seiler, während der Beruf des Büchsenmachers nicht mehr existiert. Rund ein halbes Dutzend Handwerker verdient sich den Lebensunterhalt durch Herstellung von Bürsten, Besen und Körben. Die Drechsler und Bildhauer sind mit je drei, die Schirmmacher mit zwei Meistern vertreten.

Der technische Fortschritt und die Anforderungen der neuen Zeit bedingten die Entstehung weiterer handwerklicher Betriebe. Fünf Strickereien, fünf Metalldrücker, Galvaniseure und Graveure, fünf Buchdruckereien, vier Fotografen und zwei Färbereien entstanden.

Welch' wichtige Bedeutung das Handwerk im Wirtschaftsleben unserer Stadt besitzt, beweist am sinnfälligsten die hohe Zahl der Beschäftigten in den Handwerksbetrieben: 1500 Menschen finden hier ihren Lebensunterhalt. Die Zahl der Beschäftigten ist dabei in den einzelnen Unternehmungen sehr unterschiedlich. Sogenannte Einmannbetriebe gibt es in Fellbach nur noch wenige.

Seit Jahrzehnten spielt als Berufsorganisation der Fellbacher Handels- und Gewerbeunternehmungen der im Jahr 1945 neugegründete Gewerbe- und Handelsverein eine große Rolle (siehe auch Seite 223).

Günstige Möglichkeiten für die Industrie

Die rasche Entwicklung Fellbachs zur Industriestadt hat ihre Ursache in zahlreichen günstigen Voraussetzungen: Die unmittelbare Nähe des industriellen Ballungsraumes Stuttgart ermöglicht eine rasche Anlieferung der Zubringerindustrie und garantiert in hohem Maße den Absatz der eigenen industriellen Erzeugnisse. Die Lage an der Murrund Remstalbahn, an der Vorortstrecke Stuttgart-Waiblingen, der Anschluß an das Straßenbahnnetz von Stuttgart, die Möglichkeit einer raschen Verfrachtung mit dem Kraftfahrzeug auf den Bundesstraßen Stuttgart-Schwäbisch Gmünd-Aalen, Stuttgart-Backnang- Nürnberg, Stuttgart-Eßlingen-Ulm und Stuttgart-Bruchsal-Mannheim, die Nähe der Autobahn, das ausreichend vorhandene industrielle Siedlungsgelände mit der Möglichkeit eines Gleisanschlusses und die nicht zu unterschätzenden Arbeitskraftreserven aus Fellbach und dem Kreis Waiblingen sind entscheidende Faktoren. Von den im Jahre 1956 ermittelten rund 28 400 Beschäftigten des Kreises Waiblingen fahren etwa die Hälfte 190 als Berufspendler an Fellbach vorbei, um in Stuttgart ihrer Beschäftigung nachzugehen. Aber auch in Fellbach selbst sind ausreichende Arbeitskraftreserven vorhanden. Obwohl in den letzten drei Jahren in Fellbach 1252 neue Arbeitsplätze durch Industrieausweitung geschaffen wurden, ist diese Zahl proportional geringer als die Zunahme der Bevölkerung, die im gleichen Zeitraum um 3048 Einwohner gestiegen ist.

Die Zahl der industriellen Betriebe in Fellbach ist vom Jahre 1907 mit nicht ganz einem Dutzend auf 58 im Jahre 1956 angestiegen. Ausgesprochene Schwerpunktindustrie besitzt Fellbach nicht. Es sind hier fast alle Zweige der Industrieproduktion vertreten, so daß Krisen in einem Wirtschaftszweig durch etwaige Mehrbeschäftigung in einem anderen ausgeglichen werden können. Großbetriebe mit mehr als 1000 Beschäftigten sind nicht vorhanden.

Bei den bestehenden Fabriken handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um Veredelungsbetriebe, da Rohstoffe, außer Lehm und Holz, die jedoch auch nur in bescheidenem Umfange vorkommen, völlig fehlen.

Ein beachtliches Merkmal der Fellbacher Industrie ist, daß sich viele der Unternehmungen im Laufe der letzten Jahrzehnte aus alten und angesehenen Handwerksbetrieben herausentwickelt haben und sich heute noch in Familienbesitz befinden. Ein beträchtlicher Teil wurde aus Mangel an Ausdehnungsmöglichkeiten oder bedingt durch die Folgen des Krieges aus Stuttgart oder Bad Cannstatt nach Fellbach verlegt.

Metallverarbeitende Industrie an der Spitze

Dem Umfang ihrer Produktion nach steht die metallbe- und verarbeitende Industrie an der Spitze der Fellbacher Wirtschaft. Zu dieser Gruppe dürfen wir insgesamt fünf Betriebe rechnen. Das bedeutendste dieser Unternehmen ist die Firma Mahle-Werk Gmbh, Druck- und Spritzguß, mit etwa 900 Beschäftigten. 1925 wurde das Unternehmen von Hermann und Ernst Mahle in Bad Cannstatt gegründet. Diesen beiden gelang es nach längeren und kostspieligen Versuchen, Legierungen von Magnesium, dem leichtesten Nutzwerkstoff, für den Druckguß brauchbar zu machen. Leistungen und Güte der Erzeugnisse bedingten eine rasche Ausweitung des Betriebes. Da die Werkräume in Bad Cannstatt nicht mehr ausreichten, siedelte die Firma 1935 in neue Fertigungsanlagen, die in Fellbach errichtet wurden, um. Ein neues, selbständiges Werk, das 1942 begründet wurde, kam in neugestalteten Räumen der einstigen Kunstmühle Krumm und in einer Reihe von zusätzlichen Fabrikhallen moderner Bauweise beim Bahnhof unter. Als eines der ältesten und größten Druckgußwerke Deutschlands hat das Unternehmen einen entscheidenden Anteil am heutigen hohen Stand der Druckgußtechnik. Millionen und Abermillionen von Druckgußteilen — darunter millimeterkleine Gebilde und große, komplizierte Geräteteile — werden als unentbehrliche Bauelemente an die verschiedensten Industriezweige geliefert und haben durch ihre kostensenkenden Vorteile neue Fertigungs- und Absatzgebiete erschlossen. Alle Erzeugnisse werden auf Druckgieß- 191 maschinen, also auf Spezialmaschinen hergestellt, die zum größten Teil auf Grund der Erfahrungen der Konstrukteure, der Facharbeiter und Werkzeugmacher entwickelt und gebaut wurden. Die Güsse werden mit hochentwickelten Bearbeitungsmaschinen „entgratet", in Beiz-, Schleif-, Lackier- und galvanischen Anlagen behandelt. Die besonders stark beanspruchten Teile werden in einer modernen Röntgenanlage eingehend untersucht. Ein vorbildlich eingerichtetes Laboratorium überwacht dauernd den Gütegrad der Werkstoffe und unterzieht die Fertigerzeugnisse nochmals einer gewissenhaften Kontrolle. Zehntau- sende von Druckgußteilen aus Leichtmetall sowie von Legierungen aus Schwermetall ver- lassen täglich das Werk. Das Unternehmen verlor durch Restitutionsmaßnahmen während der kurzen französischen Besatzungszeit viele der wertvollen Spezialmaschinen. Diese Verluste sind durch den Bau und die Anschaffung neuer und moderner Maschinen und Einrichtungen bald wieder ausgeglichen worden.

Die im Jahre 1862 in Urach gegründete Maschinenfabrik Carl Seeger errichtete im Jahre 1952 die Fabrikanlagen für ihr Werk II in Fellbach, da die Erweiterung des Kundenkreises in europäischen und überseeischen Ländern nach 1945 eine Vergrößerung der Produktionsanlagen notwendig machte. Das sich heute noch im Familienbesitz befindende Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung vollständiger Mälzerei-Einrichtungen, Malzschroterei-Anlagen für Brauereien, Speicher-Einrichtungen und Luftförderanlagen für sämtliche Schüttgüter, z. B. Getreide, Malz, Ölsaaten, Chemikalien, Kohle, Asche usw. Die Firma beschäftigt heute in Fellbach 210 Menschen. Ihr Werk I befindet sich seit 1874 in Bad Cannstatt.

Im Jahre 1895 wurde in Fellbach als eines der ersten Industrieunternehmen die Firma Carl Wüst KG, Flanschenfabrik, Preß- und Stanzwerk, gegründet. Das Unternehmen, das heute 70 Personen beschäftigt, stellt Flanschen, darunter auch solche größter Abmessungen, für Zentralheizungen, für den Rohrleitungs- und Maschinenbau sowie für die chemische Industrie her. In jüngerer Zeit wurde die auf kaltem und warmem Wege erfolgende spanlose Verformung von Blechen bis zu 10 mm Dicke aufgenommen, die als Blechpreßteile im Waggon- und Fahrzeugbau verwendet werden. Neben Glühöfen sind hierzu hochwertige mechanische und hydraulische Pressen mit einem Druck von 50 bis 2000 Tonnen und eine Hydraulikanlage für maximal 320 Atmosphären Druck in Betrieb. Eine eigene Werkzeugmacherei baut die erforderlichen, oft differenzierten Spezial- Werkzeuge selbst (siehe auch Seite 77).

Die Belieferung von Grauguß-, Temper-, Stahl- und Metallgießereien sowie von Hüttenwerken mit Schrott und Metall hat sich die Firma Stern & Müller KG, Schrott- und Metallgroßhandlung, zur Aufgabe gemacht. 1931 wurde ein Zweigbetrieb der in Stuttgart im Jahr 1911 gegründeten Firma in Fellbach zum Hauptsitz ausgebaut und eine Zink- und Bleischmelze eingerichtet. Auf ausgedehnten Lagerplätzen wird der Schrott umgeschlagen, wobei Zerkleinerungsmaschinen, eine Schrottpresse, eine moderne Fall- 192 werks- und Kran-Anlage mit Greifer- und Magnetbetrieb bei Abbrüchen, bei der Sortierung, Aufbereitung und Zerkleinerung von Schrott und Metallen eine rasche Abwicklung ermöglichen. Der Betrieb beschäftigt 35 Personen.

Auf eine überaus interessante Entwicklung kann die Firma Dinkelacker & Co. KG, Hammerwerk und Gesenkschmiede, zurückblicken. Fritz Dinkelacker, der im Jahre 1893 die Firma gründete, gehörte zu den engsten Mitarbeitern Gottlieb Daimlers. In seiner Werkstatt, Cannstatter Straße 80, entstanden im Auftrag Daimlers handgeschmiedete Stücke für die ersten Automobile der Welt. Auf Anraten Daimlers stellte Fritz Dinkelacker im Jahre 1897 den ersten Lufthammer auf, der mit einem Daimler-Benzin-Motor angetrieben wurde, ebenfalls eine Pionierleistung des fortschrittlich denkenden Fritz Dinkelacker! Im Jahre 1925 bezog die Firma ihr neu erstelltes Hammerwerk und eine Gesenkschmiede und spezialisierte sich auf Freiform- und Gesenkschmiedestücke sowie auf nahtlos geschmiedete Ringe bis 1000 mm Durchmesser. Die bedeutendsten Maschinen- und Zahnradfabriken Süddeutschlands gehören zum Kundenkreis der Firma, die 13 Beschäftigte hat.

Die Firma Andreas Maier, Inhaber Emil Maier, Schloßfabrik, ging, wie schon erwähnt, aus einer handwerklichen Schlosserei hervor, die ihre Werkstätte zunächst in einer Scheune hatte. Der Gründer Andreas Maier, ein tüchtiger Schlossermeister, ging von dem bisherigen Verfahren ab, die Schlösser in Handwerksart einzeln anzufertigen. Die Serienherstellung bedingte bereits 1898 die Anschaffung eines Daimler-Benzinmotors von 5 PS. Bald konnten 25 Arbeiter in dem Betrieb beschäftigt werden, die jährlich mehrere Hunderttausend Schlösser anfertigten. 1920 übernahmen die beiden Söhne Emil und Karl das Unternehmen und stellten den Betrieb kurze Zeit später auf das Fließband-Verfahren um, das Karl Maier während eines zweijährigen Aufenthaltes in Amerika kennen gelernt hatte. Zur Fabrikation von Schlössern kam die Herstellung von Schraubenschlüsseln hinzu. Heute zählen fast alle Länder der Welt zu den Kunden der Firma, die insgesamt 132 Personen beschäftigt (siehe auch Seite 77).

Der Baumeister und Architekt Robert Egelhof, der zunächst ein Bauunternehmen betrieb, gründete 1907 die schon erwähnte Robert Egelhof KG, Kesselofen- und Waschmaschinenfabrik, die heute 125 Betriebsangehörige zählt. Es gelang Robert Egelhof, anstelle der früheren, gemauerten Kesselanlagen fabrikmäßig hergestellte Kesselöfen zu entwickeln. Damit erdachte und verwirklichte er den Beton-Waschkesselofen, der im neuzeitlichen Wohnungsbau sehr rasch Eingang gefunden hat. Auf dem Wege vom einfachen Aufsatzkesselofen über den Vorwärmer- Kesselofen wurde dann die Trommelwaschmaschine entwickelt. In jüngerer Zeit wurde die Produktion mit der Herstellung von Wäscherei- und Trockeneinrichtungen erweitert, die in Waschsalons, Schnellwäschereien und Krankenhäusern sowie in Waschanlagen von Gemeinden und Gemeinschaften als Spitzen-Erzeugnisse geschätzt werden.

193 Eine rasche Entwicklung zeigte die Firma Albert Eisele, Federnfabrik, die im Jahre 1932 in Fellbach gegründet wurde und heute 100 Personen beschäftigt. Mehrmals muß- ten während der 25 Jahre seit Gründung des Unternehmens die Arbeitsräume durch An- bauten erweitert werden. Von Fachkräften werden hochwertige Federn aus Stahl, Metalldrähten und Bändern in allen Größen und Sorten, wie sie besonders im Maschinen- und Apparatebau benötigt werden, hergestellt. Die Qualitätserzeugnisse der Firma Albert Eisele finden in ganz Westdeutschland Absatz.

Innen-Feinmeßgeräte, Auto-Spezialwerkzeuge, technische Federn, darunter als Spezialität Ventilfedern, stellt die Firma Oskar Schwenk KG Feinmeßgerätefabrik, mit etwa 70 Beschäftigten her. Das Unternehmen ging aus der im Jahre 1921 von den Ingenieuren Karl Schnaitmann und Richard Daiker gegründeten Feinmeßgerätefabrik „Normmeß" hervor. 1925 trat Oskar Schwenk aus diesem Unternehmen aus und gründete in der Stuttgarter Straße eine eigene Firma. Schon vor dem Eintritt in die Firma Schnaitmann & Daiker betrieb Oskar Schwenk zusammen mit einem Kompagnon in den unteren Räumen des Bahnhofhotels eine Uhrenfederfabrikation. — Aus kleinsten Anfängen heraus entwickelte sich die Firma Richard Daiker, technische Federn, Feinmeßgeräte. Heute hat das Unternehmen einen großen Kundenkreis und beliefert bedeutende Industriewerke und Werkstätten der Auto- und Elektro-Branche. Die Daiker-Federn finden außerdem guten Absatz bei Werkzeugfabriken und ähnlichen Unternehmungen. Das Feinmeßgerät „Danumeter", das von der Firma entwickelt wurde, ist in vielen Betrieben der Holzindustrie, der Teigwarenfabrikation und in Mühlen ein geschätztes Prüfgerät. Führende Forschungsinstitute haben dem „Danumeter" das Zeugnis ausgestellt, daß dieses elektrische Feuchtmeßgerät die zuverlässigsten Ergebnisse liefert. — Die Firma Philipp Hafner KG, Lehrenbau - Meßgeräte, wurde 1928 in Stuttgart als mechanische Werk- stätte gegründet. Das Produktionsprogramm umfaßt die Herstellung von Sonder-Lehren, Sonder-Meßgeräten, Meß-, Prüf- und Kontrollvorrichtungen. Zum Kundenkreis gehören neben Maschinenfabriken maßgebliche Firmen der deutschen Automobil-, Motorrad- und Zubehörindustrie. Im Juli 1944 wurden die Werkstätten in Stuttgart durch Bombenangriff zerstört, so daß das Unternehmen zunächst nach Affalterbach, Kreis Backnang, verlagert wurde. Im Sommer 1950 siedelte die Firma nach Fellbach, Lessingstraße, um und nahm die Herstellung von Stahlwollmessern für Drahtzerspanung zusätzlich in das Produktionsprogramm auf. Heute exportiert die Firma einen Teil ihrer Erzeugnisse in die nordischen Staaten, nach Italien, in die Schweiz, nach Holland, Luxemburg und Österreich. 

In absehbarer Zeit wird das Werk Stuttgart der Firma Erich Herion, die heute 230 Beschäftigte hat, in die Stuttgarter Straße in Fellbach übersiedeln. Das Unternehmen wurde im Jahre 1938 in Stuttgart-Bad Cannstatt gegründet, im zweiten Weltkrieg zwei- mal ausgebombt und schließlich (1945) nach Großbettlingen bei Nürtingen verlegt. In den folgenden Jahren erholte sich die aufstrebende Firma rasch von den erlittenen Kriegs- 194 schaden und konnte zusätzlich die Produktion erweitern. Daher mußte ein Teil des Betriebes 1949 nach Eislingen/Fils verlegt werden. Aber auch hier reichten die zur Verfügung stehenden Räume bald nicht mehr aus. Eine Verlegung des Hauptbetriebes und der Verwaltung nach Stuttgart war notwendig. Die Raumverhältnisse in Stuttgart erwiesen sich erneut als zu klein, so daß die Obersiedlung nach Fellbach in die Wege geleitet wurde. Für Fellbach bedeutet dies eine beachtliche Ausweitung der Industrie. Die Firma stellt Regel- und Steuergeräte für Hydraulik, Pneumatik, Lüftung und Heizung, wie Magnetventile, Druck- und Temperaturschalter sowie Zubehörteile für die Kälteindustrie her. Neben dem Werk Fellbach, das die Hauptverwaltung und den Hauptbetrieb umfaßt, besteht das Werk Großbettlingen mit etwa 120 Beschäftigten weiter.

Im Jahre 1928 wurde in Stuttgart-Gablenberg die Firma KARASTO Armaturenfabrik Oehler KG gegründet. Vor sechs Jahren siedelte das Unternehmen nach Fellbach, Hölderlinstraße, über. Das Produktionsprogramm erstreckt sich auf Gartenarmaturen, Schlauchgießzeuge, Rasensprenger und Zubehör für Rebspritzgeräte. Die Firma entwickelte sich sehr rasch und kann heute etwa 40 Beschäftigten Arbeit geben.

Die im Jahre 1919 gegründete Firma gottlieb Wiedmann, Maschinenfabrik, produziert Abfüllautomaten, Plastikfolien, Siegel- und Schweißmaschinen für die Massenverpackung sowie Folienbedruckautomaten. Zu den einfachen Abfüllmaschinen kamen im Laufe der Jahre Dosiermaschinen für dick- und zähflüssige sowie körnerförmige Produkte hinzu, außerdem Automaten zur sterilen Abfüllung von Antibioticas, wie Penicillin und Streptomycin. Die Nachfrage nach immer mehr vervollkommneten Automaten be- dingte ständige Neukonstruktionen und eine Ausweitung der Produktion. 60 bis 70 Prozent der Fabrikation werden nach den westlichen Ländern exportiert.

Mit der Herstellung von Einzelteilen für Spezialmaschinen beschäftigt sich die Firma C. Eugen Maier, Fabrik für Spinnereimaschinen-Zubehör, die im Jahre 1948 von Ingenieur Karl Maier aus einem seit 1897 bestehenden Betrieb entwickelt wurde. In Präzisions- arbeit werden Ersatzteile für Spinnereimaschinen, so Flyerflügel, Spindeln und Preßfinger hergestellt. Hinzu kommen hochwertige Schweißkonstruktionen. Das Unternehmen wird von 45 Betriebsangehörigen getragen.

Die Firma Otto Egelhof, Fabrik automatischer Schaltapparate, ging 1952 als Einzelfirma aus dem Unternehmen Flitsch und Egelhof hervor. Zunächst wurden automatische und thermische Expansionsventile für Kühlanlagen hergestellt. Bald aber konnte das Produktionsprogramm mit der Aufnahme von Temperatur- und Gasdruckreglern für Stadt- und Flüssiggas erweitert werden. Die Erzeugnisse der Firma werden in Kühlanlagen und moderne Gasherde eingebaut. Zum Kundenkreis gehören heute weltbekannte Fabriken. Wegen Ausweitung der Produktion mußte 1956 ein Fabrikneubau errichtet werden.

Die Umstellung der Kleinmühlen auf Großmühlen in den letzten Jahrzehnten bedingte auch auf dem Gebiet des Mühlenbaues den Obergang vom rein handwerklichen 195 Unternehmen zum Fabrikbetrieb. Ingenieur Eisgruber gründete im Jahre 1928 die Firma Franz Eisgruber, Mühlenbauanstalt und Riffelwerk, und verlegte dieses Unternehmen 1930 nach Fellbach. Es stellt verschiedenerlei Maschinen für Nahrungsmittel-, insbesondere für Getreidemühlen, her und erweiterte sein Werk mit einer Walzenriffelwerkstätte. Ein Montagedienst führt in den Mühlen Reparaturen und die Neuaufstellung von Maschinen durch. In neuerer Zeit ging der Betrieb dazu über, Maschinen zur Bearbeitung von Hartguß-, Porzellan- und Granitwalzen zubauen. Der Kundenkreis erstreckt sich hauptsächlich auf Süddeutschland und Holland.

1889 wurde in Bad Cannstatt die Firma Wilhelm Barth, Inhaber Wilhelm Ernst, Feuerlöschgerätefabrik, gegründet, die 1920 nach Fellbach übersiedelte. 1931 übernahm der derzeitige Inhaber das Unternehmen und errichtete 1952—1953 den Fabrikneubau in der Schorndorfer Straße. Neben Feuerlöscharmaturen, Feuerlöscheinrichtungen, Schlauch wagen, Schlauch wasch- und Trockenanlagen werden Beregnungsapparate und Beregnungsanlagen für Gärtnereien und Weinberge hergestellt. Der Betrieb umfaßt eine Belegschaft von 25 Personen.

Als handwerklicher Großbetrieb darf die schon erwähnte Firma Gustav Höfer, Waschkesselfabrikation, mit ihren 25 Beschäftigten angesprochen werden. Die von Michael Höfer 1839 gegründete Firma blickt auf eine lange handwerkliche Familientradition zurück. Unter der Leitung des jetzigen Inhabers, der zugleich Innungsobermeister und Landesfachgruppenleiter von Baden-Württemberg ist, stellt die Firma die verschiedensten Geräte aus Kupfer einschließlich großer Brennereianlagen her. Neuerdings ist das Unternehmen dazu übergegangen, neben der sanitären Installation und dem Bau von Rohrleitungen die Fabrikation von Waschkesseln aufzunehmen.

Auf Grund eigener, im In- und Auslande geschützter Patente, stellt die Firma Karl Leopold Grauding die bekannten PRESTO-Küchengeräte und BOB-Werkzeuge her. Neuerdings ging das Unternehmen dazu über, Küchengeräte zu fabrizieren, mit deren Hilfe jeder normale Topf als Schnellkochtopf verwendet werden kann. Durch dieses System sollen bei mäßigen Temperaturen die für die menschliche Ernährung so wichtigen Vitamine, Nährstoffe und Mineralsalze erhalten bleiben.

Erst im Frühjahr 1957 verlegte die Firma Krauss & Reichert, Spezialmaschinenfabrik und Apparatebau, den gesamten Betrieb von Bad Cannstatt nach Fellbach, wo zuvor seit 1951 eine Filiale bestand. Der Zweigbetrieb wurde 1956/57 durch einen Neubau groß- zügig erweitert, so daß heute 250 Personen beschäftigt werden können. Seit der Gründung im Jahre 1912 produziert das Unternehmen Stoffzuschneidemaschinen für das gesamte Textil- und Bekleidungsgewerbe; es erweiterte das Produktionsprogramm auf Bandmesserschneidemaschinen für Kunstschaumstoff und Schaumgummi.

Mit der Herstellung von Spezialarmaturen für die Kälteindustrie beschäftigt sich die Firma Ernst Flitsch, Fabrik kältetechnischer Apparate, die seit ihrer Neugründung im 196 Jahre 1952 ihr Produktionsprogramm immer mehr ausweiten und mit einem 1953/54 errichteten Fabrikneubau in der Stuttgarter Straße ausreichende Arbeitsplätze für die 72 Mitglieder der Belegschaft schaffen konnte. Der Inhaber der Firma kann auf jahrzehntealte Erfahrungen zurückblicken und erweitert den Kreis seiner Kunden ständig durch Qualitätslieferungen. Die Firma ist Lieferant eines Großteils der deutschen Kälteindustrie.

Rund 50000 kleinere und 5000 größere Öler verlassen monatlich das Werk der Firma Paul Banhart KG, öler- und Metallwarenfabrik, die heute 10 Beschäftigte zählt und im Jahre 1924 gegründet wurde. Das Produktionsprogramm umfaßt verschiedene Arten von Ölern, z. B. nach allen Seiten drehbare, praktische Klapp-Öler und Tropföler, die in selbsttätiger Regelung öl an Maschinen und Apparate abgeben. In Verbindung mit den Bosch-Erzeugnissen gelangen diese Öler in die ganze Welt.

Spitzenerzeugnisse der Elektro- und Radiotechnik

Sehr umfangreich ist die Produktion an Spitzenerzeugnissen der Elektro- und Radiotechnik, die ihr Absatzgebiet in der ganzen Welt haben. In vielen Haushaltungen und Großküchen finden wir elektrische Geräte mit dem bekannten Firmenzeichen „GEA". ES sind elektrische Einrichtungen der Gesellschaft für elektrische Anlagen AG (GEA). Das Unternehmen ging im Jahre 1916 aus einer Stuttgarter Zweigniederlassung der Firma Kummler & Matter AG in Aarau (Schweiz) in der Form einer GmbH hervor, wurde im Jahre 1926 in eine AG umgewandelt und 1936 nach Fellbach verlegt. Das vielseitige Produktionsprogramm umfaßt alle Arten von elektrischen Geräten, wozu hochwertige Elektroherde, von der Kochplatte über den normalen Haushaltsherd bis zum kombinierten Großherd für Kantinen und Hotels, elektrische Heißwasserspeicher für Haushalt, Gewerbe und Industrie, ferner Spezialgeräte wie elektrische Wärmeschränke, Konditorenbacköfen und Grills, elektrische Viehfutterdämpfer und Bratbacköfen aller Größen für die Land- wirtschaft, schließlich auch elektrische Kirchenheizungen zählen. Dem leistungsfähigen Betrieb, in dem gegenwärtig über 800 Personen beschäftigt sind, ist ein eigenes Emaillier- werk angeschlossen.

Das Unternehmen befaßt sich in einer besonderen Abteilung „Freileitungsbau" mit elektrischen Kraftübertragungsanlagen wie Hoch- und Höchstspannungsleitungen, Kabelverlegungen, Ortsnetz- und Stationsbau. Die Gesellschaft unterhält eigene Verkaufs- und Baubüros in Hamburg, München und Abensberg/Nordbayern, in Biberach/Riß und Reichenbach/Fils. Sie hat ferner Bezirksvertretungen im gesamten Bundesgebiet.

Zu den ältesten Unternehmen auf dem Gebiet des Baues von Rundfunkgeräten zählt die Wega-Radio GmbH, die im Jahre 1924 gegründet wurde und heute etwa 350 Personen beschäftigt. Die Produktion umfaßt Rundfunkempfänger, Phonosuper, Musikschränke und hochwertige Fernsehempfänger, die unter der Markenbezeichnung „WEGA-RADIO" in über 197 I 30 Länder der Erde ausgeführt werden. Bis 1952 befand sich das Unternehmen in Stuttgart. Dort waren jedoch im Laufe der Zeit die Fabrikationsräume infolge der ständigen Steigerung der Produktion nicht mehr ausreichend. Die Firma errichtete daher in Fellbach ein neues, modernes Werk, das 1952 bezogen werden konnte. Die Leitung liegt seit dem Jahre 1924 in den Händen von Hugo Mezger, dem seit vielen Jahren sein Schwiegersohn, Dr. Motte, als Geschäftsführer zur Seite steht.

In einer kleinen Werkstatt in Stuttgart begann im Jahre 1922 die Firma Wilhelm Jakob, Elektrotechnische Spezialfabrik, mit der Herstellung von elektrischen Wand- und Gerätesteckern, über alle Krisen- und Notzeiten hinweg konnte sich die Firma behaupten und durch mehrmalige Erweiterung der Arbeitsräume und des Maschinenparks die Produktion steigern. Ausländische Geschäftsverbindungen wurden aufgenommen. 1951 siedelte die Firma nach Fellbach über, wo heute 45 geschulte Fachkräfte mit modernen Maschinen elektrotechnisches Installationsmaterial und Leuchtenzubehör herstellen.

Ebenfalls in die Branche der Firmen, die elektrotechnische Zubehörteile fabrizieren, gehört das Unternehmen Mac Hellstern, Elektrotechnische Fabrik, das im Jahre 1931 gegründet wurde und sich 1936 in Fellbach niederließ. Mehrere hundert Arten von Klemmen für Oberlandleitungen bis zu 100000 Volt werden in den Fabrikationsräumen hergestellt. Jährlich gehen Hunderttausende dieser Klemmen hinaus in alle Welt, wobei hauptsächlich die Elektrizitätswerke zu den Kunden zählen. Die Belegschaft zählt heute 32 Angestellte und Arbeiter.

Die Herstellung von elektrischen Beleuchtungskörpern umfaßt das Produktionsprogramm der Firma Dr. Twerdylampen- Gesellschaft Haller & Will, Inhaber A. Will. Nachdem die Betriebsräume in Stuttgart zweimal ausgebombt waren, erstellte das Unter- nehmen 1950 einen Neubau in Fellbach. Geschulte Fachkräfte fabrizieren hier Zweck- leuchten in allen Größen und verschiedenen Arten für öffentliche Ämter und staatliche Betriebe, für Krankenhäuser und Schulen, Kirchen und Ladengeschäfte. Dem Betrieb ist ein Großhandel in Leuchten aller Art angeschlossen.

Mit der Herstellung von elektrischen Schaltanlagen und Schaltschränken, kompletten elektrischen Ausrüstungen von Großmaschinen und der Herstellung von Aufreihklemmen Marke „EMK" befaßt sich die Firma "Karl Müller, Elektrische Schaltgeräte und Schalt- anlagen. Das Unternehmen wurde im Jahre 1948 mit der Übernahme der einstigen Firma Bauer & Müller durch den jetzigen Inhaber Karl Müller in Fellbach gegründet.

Ein Schwerpunkt: Auto- und Fahrzeugbau

Mit mehreren leistungsfähigen Firmen bildet der Auto- und Fahrzeugbau in Fellbach einen gewissen Schwerpunkt, zumal diese Firmen meist größere Betriebe mit über 800 Angehörigen sind. Zu diesen Unternehmungen kommen noch einige kleinere Betriebe hinzu, die auf Einzelsparten des Fahrzeugbaues spezialisiert sind.

198 Aus kleinen Anfängen heraus entwickelte sich das heute beachtliche Unternehmen der Firma Walter Vetter KG, Karosserie- und Fahrzeugfabrik. Am Anfang stand ein einfacher, handwerklicher Betrieb, der am 1. Januar 1922 in gemieteten Räumen in Bad Cannstatt eingerichtet wurde. Die Entwicklung brachte es mit sich, daß sich das Unter- nehmen immer weiter ausdehnte, bis die vergrößerten Werkstätten in Bad Cannstatt nicht mehr ausreichten. Im Jahre 1938 siedelte die Firma daher nach Fellbach über. 1940 konnte das neue Fabrikgebäude bezogen werden. Jetzt waren die Voraussetzungen zu einer weiteren Entfaltung der Firma gegeben, die das erste Fabrikgebäude mit neuen Bauten ergänzte. Im Werk der Firma Walter Vetter, die heute etwa 200 Beschäftigte zählt, werden Karosserien für Omnibusse, Obusse und Omnibus-Anhänger hergestellt. Monatlich verlassen gegenwärtig zehn bis zwölf Omnibusse die Fabrik.

Auf gemeinsame Anfänge gehen die beiden Firmen Hahn Motorfahrzeuge GmbH und Ernst Hahn, Fahrzeugbau, Inhaber Friedrich Hahn, zurück. Der Gründer Ernst Hahn, der aus der Schule von Gottlieb Daimler hervorging, machte sich nach Beendigung des ersten Weltkrieges in Bad Cannstatt selbständig und baute im Lauf der Jahre sein Unternehmen in zäher Beharrlichkeit und mit großem Fleiß aus. Jahrzehntelang war Ernst Hahn Innungsobermeister des Kraftfahrzeug-Handwerks. Sein Sohn Friedrich Hahn, der als Ingenieur einer der engsten Mitarbeiter des berühmten Autokonstrukteurs und Schöpfers des Volkswagens, Professor Dr. Porsche, war, entwickelte 1934 einen Einachs-Anhänger mit Drehstabfederung, eine beachtliche technische Neuerung, die rasch große Anerkennung fand. Schnell stieg die Produktion an, und die Cannstatter Werkräume reichten nicht mehr für die erhöhten Anforderungen aus. Das bedingte die Übersiedlung des Werkes nach Fellbach, wo 1940 das erste Betriebsgebäude mit einer Belegschaft von 140 Personen bezogen werden konnte. Das Fellbacher Hahn -Werk wurde nun die Hauptproduktionsstätte von Einachs- Anhängern für die einstige Wehrmacht und für die Feuerwehren. Auch nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 war angesichts des Mangels an Kraftfahrzeugen die Produktion von Einachs-Anhängern, vor allem für Personenkraftwagen, nicht zurückgegangen, und die Nachfrage nach Hahn-Anhängern und nach den bewährten Hahn-Drehstabfeder-Achsen wurde im In- und Ausland immer stärker. Die Übernahme der Generalvertretung des Volkswagenwerkes bedingte im Jahre 1947 die Gründung der Tochtergesellschaft Hahn Motorfahrzeuge GmbH. Damit entstand in Fellbach die erste VW-Verkaufs- und Kundendienst-Station im Groß-Stuttgarter Raum, die durch die Initiative von Fritz Hahn bald zu einem VW-Musterbetrieb für das ganze Bundesgebiet wurde. Mit dem steigenden Absatz von Volkswagen mußten in kurzer Frist zwei große Stationen des Kundendienstes in Stuttgart und eine weitere im ehemaligen Stammbetrieb in Bad Cannstatt errichtet werden. Zugleich wurde die Fellbacher Neugründung weiter ausgebaut, so daß dort alle Schäden an Getrieben und Motoren behoben werden können. Ein 1952 errichtetes dreigeschossiges Fabrikgebäude mit riesiger Werkstatt und geräumiger Montage-Halle ermöglicht es, mit neuzeitlichen Arbeitsmethoden rasch alle Reparatur- und Überholungsarbeiten an Volkswagen, auch bei starkem Arbeitsanfall, durchzuführen. Die beiden Werke, Ernst Hahn, Fahrzeugbau, und Hahn Motorfahrzeuge GmbH, beschäftigen heute gegen 600 Angestellte und Arbeiter. 

Seit der Gründung im Jahre 1916 befindet sich die Firma Metzger & Schlegel KG, Fabrik für Fahrzeug-Motoren, -Rahmen und Schraubstöcke, in Fellbach. Zuerst fabrizierte das Unternehmen Tischkreissägen, Drehbankspitzen und Spannwerkzeuge. Drei Jahre später wurde dem Werk eine Möbelfabrik mit einem eigenen Sägewerk angegliedert, die bis 1936 in Betrieb war. Dafür wurde für die Mahle-Werk GmbH die Bearbeitung von Leichtmetallen in größeren Mengen übernommen. Schon acht Jahre zuvor war der Werkzeugbau mit der Herstellung von Schraubstöcken in verschiedener Größe aus- gebaut und ein Zweigbetrieb in Steinenberg, Kreis Waiblingen, gegründet worden. In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als alle Materialien knapp waren, ging man zur Fertigung von Möbeln, insbesondere solcher für Heimatvertriebene, über, erstellte in Fellbach mehrere Fertighäuser und wandte sich nach der Währungsreform dem Bau von Fahrrädern zu. Rasch sicherte sich die Firma mit ihren Schraubstöcken und Fahrrädern einen großen Kundenkreis. Nach dem Eintritt mehrerer Gesellschafter nahm das aufs modernste ausgestattete Werk die Fabrikation von Motoren und Leichtmotorrädern, so- genannten Mopeds, auf, die sich ebenfalls sehr gut einführten. Gegenwärtig werden gegen 65 Personen in diesem Betrieb beschäftigt. 

Mit der Herstellung von Autozubehör befaßt sich die Firma Hurlebaus & Maier, Inhaber Alfred Hurlebaus, die im Jahre 1924 von Alfred Hurlebaus und Paul Maier gegründet wurde und heute 40 bis 45 Beschäftigte hat. Schon von Anfang an stellte das Unternehmen elektrisches Autozubehör, insbesondere Fahrtrichtungsanzeiger, und elektrische Apparate, her. In Stuttgart total ausgebombt, wurde die Produktion an verschiedenen Plätzen (Stuttgart und Backnang) weitergeführt. Im Jahre 1955 konnte schließlich die gesamte Fabrikation in eigenen, neu und modern ausgebauten Werkräumen in Fellbach zusammengefaßt werden. Tausende von Autospiegeln, Begrenzungsstäben, Autoelektrik- teilen und Kunstharzpreßteilen verlassen heute monatlich die Fabrik in der Hölderlinstraße. Mehr als die Hälfte der gesamten Produktion geht in alle Länder und Erdteile und beweist damit die Güte dieser Erzeugnisse.

August Läpple gründete im Jahre 1902 in Hegnach die heutige Firma Hermann Läpple, Karosseriewerk. Vom handwerklichen Wagenbau kommend, stellte er im Jahre 1930 auf den Karosseriebau um. 1953 wurde das Unternehmen nach Fellbach verlegt. Das Arbeitsprogramm umfaßt heute Karosserie-Reparaturen, Neuanfertigung von sämtlichen Spezial- aufbauten sowie Herstellung von Einachs-Anhängern in allen Ausführungen (Wohnwagen, Bestattungs-Anhänger, Konfektions-Anhänger, Verkaufs-Anhänger u. a.). In der Autosattlerei werden Autopolster, Schonbezüge, Cabrioverdecke und Reparaturen ausgeführt. 200 Besondere Sorgfalt legt die Firma auf den Ausbau der Lackierwerkstätte, in deren Einbrennboxe für Personenkraftwagen und Omnibusse die Kraftfahrzeuge nach den modernsten Verfahren neu lackiert werden. Gegen 20 Fachkräfte stehen der Firma zur Verfügung.

Schmiedemeister Johannes Schäfer gründete 1898 die heutige Firma Karl Schäfer, Fahrzeugbau, als Schmiedewerkstätte. In den letzten Jahrzehnten ging der Sohn des Gründers zur serienmäßigen Fertigung von luftbereiften Ackerwagen für die Landwirtschaft über. 1953 übernahm Robert Schäfer das Unternehmen und erweiterte das Fertigungsprogramm mit der serienmäßigen Herstellung von Baugeräten. 1955 konnten die Werkräume verdoppelt werden. Auch dieses Unternehmen ist ein Beispiel für jene Fellbacher Firmen, die man als handwerklichen Großbetrieb oder als industriellen Kleinbetrieb ansprechen darf.

Beachtliches Werk der optischen Industrie

Die Schwaben waren von jeher auf dem Gebiet der Optik führend in Deutschland tätig. Schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden in Stuttgart und Eßlingen zwei für die damalige Zeit große optische Werke betrieben, aus denen Voigtländer hervorging. Den schwäbischen Pionieren auf dem Gebiet der Optik, Carl Oechsle und Johann Heinrich Tiedemann, ist es besonders zu verdanken, daß die Vorrangstellung der Engländer auf dem Gebiet der Bearbeitung von Linsen gegen Ende des 18. Jahrhunderts gebrochen wurde. Das einzige für Württemberg bedeutsame Unternehmen dieser Branche ist die Firma Julius Faber KG Optische Werke, in Fellbach, die im Jahre 1883 aus einem Filialbetrieb in Stuttgart, dem eine mechanische Werkstätte angeschlossen war, hervorging. Anfänglich wurden auf handwerklicher Basis Brillenfassungen aus Gold und Stahl sowie Zwicker oder Klemmer hergestellt. Bald aber ging man zur Serienproduktion über. Vor dem ersten Weltkrieg wurde der Betrieb durch eine Brillenglas-Schleiferei erweitert, über Feuerbach führte der Weg nach Untertürkheim, wo Anfang der dreißiger Jahre die Produktion von Zelluloidbrillen aufgenommen wurde, die zu einem bedeutsamen Wandel im Produktionsprogramm führte. Im Jahre 1949 siedelte das Werk nach Fellbach über; es kann heute etwa 200 Personen beschäftigen. Da Brillen den starken Wandlungen der Mode unterworfen sind, hat die Firma Julius Faber dieser Erscheinung mit technischen Neuerungen Rechnung getragen. Faber- Brillenfassungen und -gläser haben nicht nur auf dem in-, sondern auch auf dem ausländischen Markt einen guten Namen.

Vielseitige Produktionsstätten für das Baugewerbe

Zahlreiche Firmen haben sich in Fellbach auf die Herstellung von Materialien für die einzelnen Sparten des Baugewerbes spezialisiert. Gerade in den letzten Jahrzehnten bedingte der Industrie-, Werkstätten-, Behörden- und Wohnungsbau eine weitgehende Spezialisierung auf bestimmte Bauelemente. Zu Holz, Stein, Glas und Ziegel als den 201 traditionellen Elementen des Baugewerbes sind neue Werkstoffe hinzugekommen. Wie bereits erwähnt, machte die Ziegelfabrikation in Fellbach den Anfang mit der Industrialisierung. Zwischen den Jahren 1860 und 1870 wurde das Ziegelwerk Fellbadb, Hangleiter & Cie. GmbH, von Haubensack und Schuster gegründet. Nachdem Hofwerkmeister Albert Hangleiter aus Stuttgart die Ziegelei übernommen hatte, wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt, deren Stammanteile im Jahre 1921 von der Ziegelwerke Ludwigsburg AG erworben wurden. Der Ausbau des Werkes konnte durch bedeutende Investierungen gefördert werden. In der Hauptsache stellt man im Fellbacher Werk Mauersteine her, darunter Wabensteine, Metersteine und andere Arten, die in Fellbach und im Großraum Stuttgart abgesetzt werden. Dachziegel in der Form von Biberschwänzen finden auch an entfernter gelegenen Plätzen Abnehmer. Das Ziegelwerk Fellbach der Ziegelwerke Ludwigsburg AG ist mit etwa 65 Beschäftigten heute der größte Betrieb dieser Branche in Fellbach.

Die Erfahrungen der modernen Architektur veranlaßten im Jahre 1937 Ludwig Gunser und Wilhelm Frank die bereits erwähnte Firma Gunser & Co., OHG Betonwarenfabrik, zu gründen, die bald darauf von Gunser allein weitergeführt wurde. Das Unternehmen stellt seit Bestehen Hohlkörperdecken her, die anfänglich mit Fertigbalken ausgestattet waren. Nach dem letzten Krieg wurde das Deckenhohlkörper-System .IDEAL" entwickelt, dessen Patent Ludwig Gunser innehat. Vielseitig ist das Produktionsprogramm in Beton- waren. Der Betrieb mit einem Stamm von etwa 50 geschulten Fach- und Hilfskräften und einem neuzeitlich eingerichteten Maschinen- und Gerätepark hat sich besonders nach dem letzten Krieg auf dem Gebiet des Hoch-, Tief-, Beton- und Stahlbetonbaus unter die führenden Firmen am Platze eingereiht.

Aus einem Handwerksbetrieb heraus entwickelte sich die Firma Ernst Pflüger, Zentralheizungen, die gegenwärtig etwa 25 Personen beschäftigt. Im Jahre 1933 wurde der Betrieb in einer gemieteten Werkstätte als Schlosserei und Zentralheizungsbau eröffnet. Bereits ein Jahr später konnte eine Werkstätte mit Lagerräumen erbaut werden. Im Jahre 1939 trennte man den Zentralheizungsbau, in dem Anlagen für Dampf- und Warmwasserheizungen mit Koks-, öl- und Gasfeuerung hergestellt werden, von der Schlosserei, die Eisenkonstruktionen und Stahltüren fertigt.

Als Großbetrieb, der in erster Linie die Fertigmontage an Ort und Stelle durchführt, darf die Firma Carl Graner OHG, Spezialgeschäft für Isolierungen, Fliesen, Kühl- und Gefrierraumbau angesprochen werden. Zur Zeit sind hier über 60 Monteure neben 10 Angestellten beschäftigt. Das Unternehmen wurde 1901 als Fachgeschäft für Isolierung gegen Wärme- und Kälteverluste gegründet. 1907 nahm der Gründer Carl Graner die Herstellung von Korkschalen in das Arbeitsprogramm auf. Ab 1910 wurde das bisherige Arbeitsprogramm auf den Bau von Kühl- und Gefrierräumen ausgedehnt, wobei man weiterhin die Ausstattung der Kühlräume mit Wand- und Bodenplatten, Gehängen 202 usw. übernahm. Zwangsläufig entwickelte sich so ein ausgesprochenes Fachgeschäft für Wand- und Bodenplattenbeläge. Der zweite Weltkrieg brachte dem Unternehmen mit dem Tod von fünf führenden Männern schwere Verluste. Die ersten Nachkriegsjahre waren dem Wiederaufbau gewidmet. Im November 1948 starb der Gründer der Firma nach langem erfolgreichen Wirken. Es gelang in den letzten Jahren dennoch, das Unternehmen unter der Leitung des Schwiegersohns Dr. Faß weiter auszubauen. Ausgeführt werden alle Arten von Kühl- und Gefrierraumbauten, Isolierungen (einschließlich Blech-Isolierungen) gegen Wärme- und Kälteverluste, Wand- und Bodenbelägen sowie die komplette Ausgestaltung neuzeitlicher Metzgerläden.

Häufig sieht man an Straßenbaustellen die schon genannte Firmenbezeichnung Paul Egelhof, Bauunternehmung. Die Firma besteht seit 1864 in Fellbach; sie ging aus einem Maurergeschäft hervor, das zunächst kleine Ausbesserungs- und Umbauarbeiten, später auch Neubauten, ausführte. Dann ging man zum Bau von Wohn- und Fabrikanwesen über. An der Errichtung des Fellbacher Gaswerks und der Stauffenbergschule war die Firma maßgeblich beteiligt. Nach Übernahme des Geschäfts durch Bau-Ingenieur Paul Egelhof im Jahre 1939 wurde das Arbeitsprogramm auf die Ausführung aller Hoch-, Tief-, Stahlbeton- und Straßenbau-Arbeiten ausgedehnt und die Zahl der Beschäftigten auf etwa 50 Personen erhöht.

Erwähnenswert als größeres wirtschaftliches Unternehmen ist das im Jahre 1875 von Jakob Steigleder in Fellbach gegründete Stuck- und Gipsergeschäft Karl Steigleder, das sich trotz mancher Rückschläge zu einem anerkannten, großen Handwerksbetrieb mit etwa 30 Beschäftigten entwickeln konnte und heute noch im Familienbesitz ist. Der Sohn Walter Steigleder gründete das bereits erwähnte Baugeschäft.

Die Firma Wilhelm Frey & Sohn KG, Kaminsteingeschäft, begann im Jahre 1931 zunächst am „Lindle" mit der Fabrikation von Kaminen. Durch Neubau an der Stuttgarter Straße wurde im Jahre 1951 eine Erweiterung der Arbeitsstätten vorgenommen.

Das Kunststeinwerk Karl Knörzer wurde von dem jetzigen Inhaber im Jahre 1938 erworben und weiter ausgebaut. Die Produktion geht nicht nur nach Fellbach, sondern darüber hinaus auch in die umliegenden Gemeinden.

Ebenfalls als Fachunternehmen darf die Firma W. Keller & Co. KG, Grundiermittelfabrik, angesprochen werden, die nach modernen Verfahren Vorbearbeitungsmaterialien der verschiedensten Art herstellt.

Fellbacher Teigwaren sehr beliebt

Die Erzeugnisse der Fellbacher Nahrungsmittel-Industrie erschlossen sich dank ihrer Güte in den letzten Jahrzehnten immer weitere Absatzgebiete. Die vier heute bestehenden Teigwaren-Fabriken entwickelten sich aus handwerklichen Betrieben, ein Erfolg des meisterlichen Könnens der Gründer. Gerade bei Lebensmitteln hängt der wirtschaft- 203 liehe Erfolg von der guten Qualität, vom hohen Nährwert und vom geschmackvollen Gehalt ab. Auf eine über 40jährige Erfahrung darf die größte Nahrungsmittelfabrik, die Firma Gebrüder Wörner, Brot- und Zwiebackfabrik, zurückblicken. Im Jahre 1913 begannen Albert und Karl Wörner mit der Herstellung von Zwieback und Kindernahrung in einem einstöckigen Fabrikgebäude in der Ringstraße. Im ersten Weltkrieg wurde das Produktionsprogramm auch auf Teigwaren ausgedehnt. Täglich konnten in dieser Zeit bis zu 30 Zentnern Teigwaren hergestellt werden. Nach Kriegsende wurden mit der Vergrößerung der Fabrikanlagen eine Abteilung für Süßwaren und eine Abteilung für die Brotherstellung angegliedert. Das Absatzgebiet, das sich anfänglich nur auf die nähere Umgebung von Fellbach erstreckte, konnte auf Baden und das Ruhr- gebiet ausgedehnt werden. — Während eines Luftangriffes im zweiten Weltkrieg wurde das Fabrikgebäude von Bomben getroffen, wobei die Süßwarenabteilung völlig aus- brannte. Zu diesem Unglück kam noch hinzu, daß bei Kriegsende die Lager von ausländischen Fremdarbeitern restlos ausgeplündert wurden (siehe a. Seite 93) und somit für den Neuanfang keine Fertigwaren vorhanden waren. Das bedingte eine monatelange Stillegung der Fabrikation. Trotz dieses Rückschlages erholte sich das Unternehmen bald, und heute stellt es bei einem Beschäftigtenstand von 50 Personen alle ortsüblichen Brotsorten sowie Vollkornbrot und Schnittbrote her. Neben Zwieback kommen als Nähr- mittel in erster Linie Haferflocken, Mutschelmehl und Kindernährmittel in den Handel. Auch die Produktion von Süßwaren konnte nach dem Neubeginn bald wieder aufgenommen werden.

Aus einer alteingesessenen Fellbacher Familie stammt der Gründer der Teigwaren- Fabrik Karl Siegel, der im Jahre 1912 zusammen mit seiner Ehefrau in der Cannstatter Straße das heutige Fabrikgebäude errichtete und die Tradition der „Nudelpeter"-Eierteigwaren begründete. Nach dem Tode von Karl Siegel übernahm der erst 19jährige Sohn Karl Alfred Siegel im Jahre 1936 die Fabrik und baute das Unternehmen durch Erweiterungen zu einem führenden Betrieb in dieser Branche aus. Die „Nudelpeter"- Erzeugnisse werden heute von mehr als 75 000 Haushaltungen Süddeutschlands durch mehr als 800 Ortsvertretungen regelmäßig direkt bezogen. Die Betriebsleitung, die heute 40 Personen beschäftigt, hat aus Verbundenheit mit den Mitarbeitern eine Stiftung für betagte und invalide ehemalige Betriebsangehörige geschaffen.

Die Teigwarenfabrik Otto Dengler KQ wurde im Jahre 1910 in Grunbach/Remstal gegründet. Mit zwei Arbeiterinnen nahm man die Herstellung von Eiernudeln auf. Bald konnte die Fabrikation auch auf Spaghetti, Makkaroni und Hörnle ausgeweitet werden. Im Jahre 1922 wurde die Fabrik in die Auberlenstraße nach Fellbach verlegt und im Laufe der Zeit weiter ausgebaut. Das bedingte im Jahre 1950 die Errichtung eines Neubaus auf dem alten Gelände. Die hohe Qualität der Waren und der technische Ausbau des Unternehmens verhalfen rasch zu Aufschwung und zum Erwerb weiterer Absatzgebiete.

204 Sehr gut haben sich die Spezialbrote der Firma "Hermann Bubeck Söhne KQ überall eingeführt. Im Jahre 1931 gründeten Hermann Bubeck senior und sein Sohn Eugen das Unternehmen, das sie aus kleinen Anfängen zu seiner heutigen Bedeutung empor führten. Nach dem Tode von Hermann Bubeck senior trat an seine Stelle als Teilhaber ein weiterer Sohn, Hermann Bubeck junior, der jedoch mit 32 Jahren im letzten Krieg fiel. Seitdem ist Eugen Bubeck alleiniger Leiter des angesehenen Unternehmens, dessen Tagesleistung bei 22 Betriebsangehörigen auf rund 10 000 kg Brot angestiegen ist.

Vielseitigkeit in der Holzverarbeitung

Wenn auch die Verwendung von Holz als Rohstoff in den letzten Jahrzehnten durch die Verarbeitung von Metallen und Kunststoffen stark zurückging, so darf doch fest- gestellt werden, daß die holzverarbeitende Industrie in Fellbach einen beachtlichen Industriefaktor darstellt, der auch in Zukunft wirtschaftlich rentabel sein wird. Lieferant für die Holzbranche ist das bereits erwähnte Sägewerk G. Schwegler KG, das seit 1907 besteht. Der nahegelegene und holzreiche Schurwald veranlaßte Gottlob Schwegler zur Gründung des Unternehmens. 1908 verunglückte er, und seine Frau Luise führte das Werk bis 1912 weiter, das heißt bis zu dem Zeitpunkt, da die beiden Söhne Albert und Reinhold den Betrieb übernehmen konnten. Im Jahre 1913 brannte das Sägewerk vollständig nieder, und im ersten Weltkrieg erlebte das kaum wiederaufgebaute Werk einen starken Niedergang. Doch konnten ihm nach dem Kriege im Jahre 1922 ein Hobelwerk und eine Kistenfabrik angegliedert werden, was zur Ausweitung der Produktion führte. Die in den Jahren 1935 bis 1939 einsetzende starke Bautätigkeit brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Leider brannte jedoch nach einem Fliegerangriff im Jahre 1944 ein Lager mit großen Schnittholzbeständen nieder. Die Nachkriegszeit bedingte erneut einen Aufschwung mit der Lieferung von Bauholz und Schnittwaren für den Wiederaufbau kriegszerstörter Bauten in Fellbach und Umgebung. Der Betrieb beschäftigt heute 30 Personen und liefert Schnittwaren für Bau- und Möbelschreinereien, Hobelwaren aller Art, Bauholz für Zimmereibetriebe und als Fertigwaren Kisten für die Industrie.

Im Fellbacher Werk der Firma Fink & Ott KG, Fellbach, werden seit 1940 Rollädenstäbe, Massenartikel aus Holz, Stahlfedermatratzen, Schonerdecken, Federkerne, Holzvorhangschienen und Werkzeugkästen mit und ohne Einbau für die Feinmeßwerkzeug- Industrie bei einer Belegschaft von etwa 60 Personen hergestellt. Im Jahre 1911 wurde das Unternehmen von Karl Fink und Heinrich Fink in Cannstatt gegründet, 1940 die Fabrikation von Stuttgart nach Fellbach verlegt. Während dort in erster Linie die Fabrikation durchgeführt wird, betreibt die Firma in Stuttgart den Groß- und Einzelhandel mit Teppichen, Möbelstoffen, Sattler- und Tapezierbedarfsartikeln.

Im Jahre 1940 gründete Wagnermeister Karl Fried in der Kappelbergstraße in Fellbach die heutige Firma Karl und Johannes Fried OHG, Technische Holzwaren; sie wurde 205 nach dem Krieg in die Gartenstraße verlegt. 1947 trat Johannes Fried in die Firma ein. Bald darauf konnten die Fabrikräume mit Anbauten erweitert und der Maschinenpark vergrößert werden. Mit etwa 40 Betriebsangehörigen werden technische Holzwaren, Etuis für Werkzeuge und Instrumente, Fertigungs- und Lagereinrichtungen, Holzwaren-Massenartikel aller Art hergestellt.

Sowohl Industrie-Unternehmen als auch Handwerksbetrieb ist die Firma Fritz Barth, Holzbau, die etwa 40 Personen beschäftigt; unter ihnen sind die Handwerker in der Mehrzahl. Als bekanntes Zimmergeschäft besteht die Firma seit 1853 in Fellbach. Der Gründer Friedrich Barth hatte bereits im Jahre 1803 in Hedelfingen mit der Zimmerei be- gonnen. Er gehörte einer alten Handwerkerfamilie an, die aus Altbach, Kreis Eßlingen, und Hedelfingen stammt, wo heute noch Zimmereibetriebe mit dem Namen Barth bestehen. Fünf Generationen schon sind die Barths in Fellbach tätig; sie haben in dieser Zeit einen handwerklichen Großbetrieb aufgebaut, der neben eigentlichen Zimmerarbeiten Ingenieur-Konstruktionen, Treppenbauten, Fertighäuser und Baracken herstellt. Ein besonderes Spezialgebiet des Unternehmens ist die Raumakustik, der Holzschutz und das Dach- eindecken mit Wellasbest (Eternit, Fulgurit). Ein Zweigbetrieb mit Sägewerk in Steinheim, Kreis Heidenheim, brachte dem Unternehmen 1955 eine merkliche Vergrößerung. In der gleichen Branche dürfen wir als handwerklichen Großbetrieb das bekannte Zimmereigeschäft Oettinger ansprechen, das alle Arbeiten im Holzbau ausführt und weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus tätig ist.

Erst zu Anfang des Jahres 1957 siedelte sich in Fellbach die Firma Hugo Knödler, Leiternfabrik / Messebau, an. Der Betrieb wurde 1910 von Hugo Knödler in Bad Cannstatt gegründet. Der gute Absatz an Garten- und Baumleitern bedingte eine rasche Vergrößerung des Betriebs und ein Anwachsen der Beschäftigtenzahl. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges zählte das Unternehmen gegen 70 Personen. Leider wurden die Fabrikationsräume und Holzvorräte in Bad Cannstatt bei einem Fliegerangriff völlig vernichtet. Wohl wurde der Betrieb nach dem Kriege wieder aufgebaut, aber mit der Verbreiterung der Waiblinger Straße zugleich auch sehr eingeengt. Im Jahre 1956 gelang es, in Fellbach ein neues Werk zu erstellen, das bis zu 100 Arbeitern Beschäftigung bietet. Mit 30 Arbeitern und Angestellten wurde am 1. Januar 1957 mit der Produktion von Leitern für Industrie, Handwerk, Garten und Haushalt, von Holzhäusern und Messebauten, in dem neuen Fabrikgelände in der Schorndorfer Straße begonnen.

Gerade bei der holzverarbeitenden Industrie ist schwer eine Grenze zwischen Hand- werks- und Industriebetrieben zu ziehen. Unter den Schreinereien finden wir Unternehmen, die eine größere Zahl von Beschäftigten aufweisen und deren Umsatz dem eines kleineren Industriebetriebs gleichkommt. Gerade hier werden gediegene und moderne Zimmer-, Laden- und Büroeinrichtungen hergestellt, die auch dem individuellen Geschmack der Kunden angepaßt sind. 206 Teilweise als holzverarbeitender Industrie-Betrieb darf die Firma Alfred Kill GmbH, Fabrik feiner Polster-Möbel, angesprochen werden. Im Jahre 1956 erstellte das Unternehmen in der Schorndorfer Straße einen Fabrikneubau und legte hier die Betriebsstätten Stuttgart-Feuerbach und seinen Filialbetrieb Maulbronn zusammen. Mit über 200 Betriebsangehörigen wurde am 15. November 1956 die Produktion in Fellbach aufgenommen. Dank handwerklicher Qualitätsarbeit und geschmackvoller, moderner Gestaltung der Polstermöbel-Modelle hat sich der Betrieb innerhalb eines Jahrzehnts zu einem der beachtlichsten Unternehmen seiner Branche entwickelt.

Zwei Lederbetriebe

Nur zwei größere Betriebe verarbeiten den Rohstoff Leder. Das eine Unternehmen, die Firma G. Hertter&Co. OHG, Koffer- und Lederwarenfabrik, die im Jahre 1922 von dem heutigen Inhaber Gottlieb Hertter in Stuttgart gegründet wurde, ist seit 1932 in Fellbach ansässig und beschäftigt gegenwärtig über 80 Personen. In seinen modernen Betriebsräumen werden mit Hilfe neuzeitlicher Maschinen und nach den Grundsätzen der Zweckmäßigkeit Akten-, Diplomaten- und Kollegtaschen sowie Sportmappen hergestellt. Die Belegschaft wurde während des Krieges um drei Viertel ihres Bestandes vermindert, doch verblieb ein Stamm von geschulten Fachleuten, die schon 20 und 25 Jahre im Betrieb tätig sind. Neben diesen Fachkräften wirken angelernte Hilfskräfte mit. Während mit der Abtrennung von Mittel- und Ostdeutschland eine beachtliche Zahl von treuen Kunden verloren ging, fanden die Erzeugnisse nach der Freigabe der erforderlichen Rohmaterialien wieder ihre Käufer in Westdeutschland, der Schweiz, Holland und Belgien, wo die hohe Qualität seiner Produktion dem Unternehmen einen großen Kundenstamm gesichert hat. Die Firma Friedrich Vollmer junior, Schuhfabrik, beschäftigt heute 15 Arbeitnehmer und stellt Herren- und Damen- Straßenschuhe sowie Schaftstiefel her. Aus einem 1921 gegründeten handwerklichen Betrieb entwickelte sich ein Unternehmen, das 1929 einen eigenen Geschäftsneubau erstellen konnte. Bis Kriegsbeginn wuchs die Zahl der Beschäftigten auf elf. Aus politischen Gründen wurde der Firma zu Beginn des zweiten Weltkrieges die Neuproduktion verboten; sie konnte erst im Herbst 1945 wieder aufgenommen werden. Trotz dieses Rückschlages während des Krieges war es nach 1945 möglich, Produktion und Ausweitung des Kundenkreises so zu steigern, daß heute ein Höchststand an Beschäftigten erreicht wurde.

Hochwertige Druck-Erzeugnisse

Die Druckerei-Betriebe werden allgemein sowohl als Handwerksbetriebe als auch als Industrieunternehmungen angesprochen. Wenn auch die Maschine in den modernen Druckereien längst Eingang gefunden hat, so kommt es für die Güte der Drucksache doch auf die graphische Gestaltung, das handwerkliche Können des Setzers und die Fähigkeiten 207 des Druckers an. Der Buchdruck wird wie seit Jahrhunderten auch in Zukunft eine kunst- handwerkliche Sparte bleiben. Die Maschine — sei es die Setzmaschine, die Rotations-, die Flachdruckmaschine oder der Druckautomat — dient einzig und allein der schnelleren Fertigung und der Bewältigung großer Auflagen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand in Fellbach eine kleinere Druckerei, die von Wilhelm Weller betrieben wurde. Am 16. März 1890 erschien erstmals eine Zeitung mit dem Titel „Der Bote vom Kappelberg — Intelligenz- und Anzeigenblatt für Fellbach und Umgebung", die von der Druckerei Weller verlegt wurde. Die Gründung einer Lokalzeitung in Fellbach war zu damaliger Zeit ein kühnes Unter- nehmen, zumal da die Gemeinde noch kaum 4000 Einwohner zählte. Bald hatte sich die Zeitung eingeführt, die als Heimatzeitung von allen Begebenheiten berichtete, die sich in Fellbach zutrugen. Damit erfüllte sie die anerkennenswerte Aufgabe eines Chronisten, so daß die alten Zeitungsbände heute großen geschichtlichen Wert besitzen. Buchdrucker Gottlieb Conradi erwarb im Jahre 1915 den Zeitungsverlag und die Druckerei Wilhelm Weller. Am 3. Januar 1916 änderte er den Zeitungstitel in „Fellbacher Tagblatt" ab und baute die „Akzidenz" (Gelegenheitsdrucke) durch Übernahme von Druckaufträgen von Firmen und Privatpersonen aus. Kurz vor seinem 75. Geburtstag, am 12. Juli 1938, ver- schied Gottlieb Conradi nach einem erfolgreichen Wirken. Seiner Witwe Lina Conradi verweigerte im Frühjahr 1939 die „Reichspressekammer" die Fortführung des Zeitungsverlages. So war die Besitzerin gezwungen, Buchdruckerei und Zeitungsverlag zu ver- kaufen. Der Nachfolger Georg Ehrhardt fiel im Jahre 1943 in Rußland, und in der Nacht zum 3. März 1944 zerstörten Brandbomben die ganze Druckerei.

Mitte 1946 erhielt der Kaufmann Hans-Heinrich Feldhoff von der Witwe Lina Conradi den Auftrag, unter dem Namen Verlagsdruckerei Conradi & Co. den Druckerei- betrieb wieder aufzubauen. In Behelfsbauten begann der Neuaufbau. Gegen Bleischrott wurden die ersten Schriften beschafft; Papier, das noch unter Bewirtschaftung stand, konnte gegen Makulatur eingetauscht werden. Bis zur Währungsreform wurden vornehmlich für Verlage Bücher und Zeitschriften sowie Formulare hergestellt. Erst nach der Geldumstellung und der Freigabe des Papiers konnte der Ausbau der Druckerei systematisch durchgeführt werden. Am 27. November 1948 erschien erstmals wieder die Fellbacher Heimatzeitung unter dem Titel „Fellbacher Zeitung", die im Jahre 1952 vom kleineren Berliner auf das Rheinische Format umgestellt wurde. Nach und nach verschwanden die Behelfsanlagen der ersten Nachkriegsjahre und im Jahre 1951 konnte der dreigeschossige Neubau der Verlagsdruckerei in Betrieb genommen werden. 1956 wurde eine weitere große Maschinenhalle errichtet. Heute werden in diesem neueingerichteten und modernen Gebäude etwa 80 Personen beschäftigt. Die Einrichtungen der Druckerei ermöglichen die Herstellung der besten drucktechnischen Erzeugnisse, und zwar vornehmlich für die Wer- bung. Neuerdings beschäftigt sich „Conradidruck" auch mit dem Naß-in-Naß-Buchdruck 208 amerikanischer Herkunft, durch den zwei Farben zugleich mit trefflichem Ergebnis gedruckt werden.

Die Buchdruckerei Schwertschlag wurde im Jahre 1934 in Stuttgart gegründet and 1939 nach Fellbach, Stettener Straße, verlegt. Von Anfang an wurden namhafte Industriebetriebe in Stuttgart beliefert. Nach dem Umzug nach Fellbach war eine ständige Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. Während des letzten Krieges konnte der Betrieb nur in kleinerem Umfang weitergeführt werden, zumal der Inhaber Julius Schwertschlag im Feld stand. — Auch die Buchdruckerei Schwertschlag hatte in den ersten Jahren nach dem Krieg unter dem Rohstoffmangel auf dem Papiermarkt zu leiden. Stetig aber entwickelte sich die Druckerei weiter, so daß heute 35 Arbeiter und Angestellte beschäftigt werden. Außer allen normalen Druckarbeiten werden speziell vielfarbige Industrie-Prospekte in allen europäischen Sprachen gedruckt und weiterhin Bücher schön- geistigen und wissenschaftlichen Inhalts hergestellt. Seit zwei Jahren ist dem Betrieb auch eine Offset-Abteilung angegliedert. Julius Schwertschlag war ab Herbst 1948 kurze Zeit Herausgeber der „Heimatrundschau" für Fellbach, Schmiden und Rommelshausen.

Als kleinere, aber höchst leistungsfähige Unternehmen bestehen neben diesen beiden größeren Druckereien die Finnen Wilhelm Wagner, "Hans Fehling und Heinrich Kempkes.

Einer der jüngsten Fellbacher Betriebe ist die Firma J. Waidner, Großbuchbinderei, die am 1. März 1956 von Stuttgart nach hier in die Schorndorfer Straße übersiedelte. Das Unternehmen wurde am 25. Mai 1925 in Stuttgart gegründet und begann mit einfachen buchbinderischen Arbeiten sowie der Herstellung von Roh- und Feinkartonagen. Aus dem kleinen Familienunternehmen entwickelte sich langsam der heutige Industrie- betrieb. 1937 wurde die Firma G. R. Hasenohr, Gesangbuchfabrik und Großbuchbinderei, in der Paulinenstraße in Stuttgart erworben. Drei Jahre später konnte ein eigenes Geschäftsgebäude in Stuttgart, Alexanderstraße, bezogen werden, das sich aber sofort als zu klein erwies. Der Verlust des Zweigbetriebs in der Paulinenstraße in Stuttgart und die Ausweitung der Produktion bedingten die Verlegung nach Fellbach und die Errichtung eines Neubaus in der Schorndorfer Straße. Heute beschäftigt das Unternehmen 50 Personen und stellt Werbedrucksachen, Bücher, Broschüren, Kataloge, Preislisten usw. in neuzeitlicher Aufmachung her.

Nur drei Jahre bestand in Höfen an der Enz die von Friedrich und Otto Pfäffle gegründete Kartonagenfabrik Pfäffle GmbH, die zunächst nur Rohkartonagen herstellte. Nach der Errichtung eines Fabrikgebäudes siedelte sich der Betrieb im Jahre 1925 in Fellbach an. Hier wurden neben Bahn- und Postversandkartons auch Gebrauchskartonagen in überzogener Ausführung hergestellt. Die Ausweitung der Produktion bedingte bald eine Erweiterung der technischen Einrichtungen. 1952 konnten die Fabrikanlagen erweitert und moderne Maschinen zusätzlich in Betrieb genommen werden. Das Unternehmen, das heute 120 Personen beschäftigt, stellt Schachteln für den Bahn- und 209 Postversand mit und ohne Einrichtungen für empfindliche Güter, verkaufsfördernde Packungen für optische Geräte, pharmazeutische Artikel, Lebens- und Genußmittel, Bekleidung und Wäsche, in einfacher bis feinster bedruckter Aufmachung, durchsichtige Packungen, Lagerkartons und Spezialausführungen her.

Die Firma SÜKAMA, Süddeutsche Kartonagenmaschinen OHG, Phönisch & Co., die im Jahre 1953 in Fellbach gegründet wurde und heute etwa 40 Personen beschäftigt, stellt Kartonagen-Maschinen und Verarbeitungs-Automaten modernster Konstruktion her. Dar- über hinaus wird mit der Herstellung von Ersatzteilen und der Durchführung von Reparaturen an Maschinen und Automaten, deren Herstellerfirmen heute in der Ostzone liegen, ein großer Kundenkreis bedient und der Maschinenpark immer voll ausgelastet. Ungefähr 40 verschiedene Maschinentypen und eine moderne Verkaufsorganisation stehen der Firma zur Verfügung; fast die Hälfte der Produktion wird an Abnehmer im Ausland verschickt.

Über einen großen Kundenkreis verfügt die Firma Alois Großmann, Chemische Reinigungsanstalt und Färberei, die in wenigen Jahren zu einem leistungsfähigen Betrieb ausgebaut werden konnte. Bei den Kriegsereignissen ging der alte Betrieb im Sudetenland verloren. Auf Grund seiner umfangreichen Erfahrungen und vielseitigen Fachkenntnisse gründete Alois Großmann 1948 in Fellbach das neue Unternehmen und baute es zu einem der modernsten und größten Fachbetriebe in Württemberg aus. Die Fachkräfte der heute über 140 Personen beschäftigenden chemischen Reinigungsanstalt benötigen reiche Kenntnisse und Erfahrungen, da die angelieferten Kleidungsstücke darauf untersucht werden müssen, wie sie in der Reinigung zu behandeln sind und wie die verschiedenen Arten von Flecken mit dem jeweils geeigneten Mittel entfernt werden können. Außerdem müssen diese Fachkräfte besondere Sorgfalt darauf verwenden, daß beim Bügeln und Plätten eine gute Form erzielt wird. Kraftfahrzeuge der Firma sorgen für eine rasche An- und Ablieferung, zumal die Annahmestellen über ganz Württemberg verstreut liegen. Neben der Reinigung wird von zahlreichen Kunden auch die Färberei stark in Anspruch genommen; auch hier ist streng darauf zu achten, daß die Textilien nicht angegriffen oder schlecht eingefärbt werden.

Die Firma Johannes Pflüger KG Weinkellerei - Weinimport - Spirituosen - Sekte, zählt ebenfalls zu den Firmen, die sich aus einem handwerklichen Betrieb langsam herausentwickelt haben. Am 1. Mai 1924 gründete Johannes Pflüger in Fellbach eine Holzküferei, die sich zunächst mit der Herstellung von Fässern und anderen Gebinden befaßte. Nach wenigen Jahren wurde der Küferei ein Handel mit Wein angeschlossen. Die gute Entwicklung des Unternehmens ermöglichte es, ihm einen Mineralwasser-Großhandel anzuschließen. Im Jahre 1953 wurde, nachdem die Geschäftsräume durch größere Neubauten erweitert worden waren, der Weinimport aus allen Weinbauländern Europas aufgenommen. Heute finden in dem Unternehmen gegen 45 Personen Arbeit. Im 210 Großhandel werden Weine, Spirituosen, Sekte, Fruchtsäfte sowie Heil- und Mineralwässer umgesetzt. Außerhalb von Fellbach bestehen vier Filialbetriebe, die die Verbindung zum Einzelhandel pflegen.

Die Firma Philipp Wiesner, Korbflaschen / Korbwarenfabrik / Korbmaterial / Glas- Großhandel, ist seit dem 1. Januar 1953 in Fellbach ansässig. Der Hauptbetrieb wurde im Jahre 1926 in Karlsruhe-Rheinhafen gegründet; 1939 kam eine Zweigstelle in Bamberg hinzu. Der Betrieb in Karlsruhe fiel jedoch im Dezember 1944 den Spreng- und Brandbomben zum Opfer, so daß sieben Jahre lang die Zweigstelle Bamberg die Funktionen des Hauptbetriebs weiterführen mußte. Das Produktionsprogramm umfaßt vollständig beflochtene Likör- und Fruchtsaftservice, Korbflaschen von 2 bis 60 Litern Inhalt, Miniaturdemijohns von einem Zehntel-Liter bis einem Liter Inhalt sowie Zierpackungen in kunstgewerblicher Flechtarbeit für verschiedene Industrien, Spinnerei-Rohrkörbe, Verpackungskörbe für die chemisch- pharmazeutische und die Lack-Industrie sowie Landwirtschaftskörbe. Neben dem Stamm der Betriebsarbeiter wird eine größere Anzahl von Heimarbeitern auf dem Lande beschäftigt; außerdem werden verschiedene Flechtwerkstätten unterhalten. Die Qualitätserzeugnisse kommen unter der bekannten „WIEKA"-Schutzmarke in den Handel; dieser erstreckt sich nicht nur auf fast alle europäischen, sondern auch auf eine große Zahl von überseeischen Ländern.

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat sich das „Coca-Cola"- Getränk immer mehr eingebürgert. Sein Vertrieb entwickelte sich aus kleinen Anfängen seit dem Jahre 1934. Nach Ausbruch des Krieges und infolge einschneidender Bewirtschaftungsmaß- nahmen war es der Firma J. Gockeler GmbH, Abfüllbetrieb von Coca-Cola und Allein- vertrieb, nicht möglich, die Anfangserfolge auszubauen. Daher mußte sie sich den gegebenen Möglichkeiten anpassen und auf die Herstellung und den Vertrieb des „Fanta"- Getränkes umstellen. Erst mit der Lockerung der Zuckerbewirtschaftung nach der Währungsreform konnte wieder „Coca-Cola" produziert werden. Seitdem erlebte der Umsatz an „Coca-Cola" eine außergewöhnliche Steigerung, wodurch die Schaffung eines neuen, modernen Betriebes, in dem heute etwa 150 Personen beschäftigt werden, notwendig wurde

Als einziges Unternehmen ihrer Branche darf die Besenfabrik Adolf Kuhn OHG, Inhaber H. Deißler, angesprochen werden.

Vier Banken sorgen für Geldverkehr

Es ist selbstverständlich, daß sich mit der raschen Entwicklung der Fellbacher Industrie auch Bankinstitute in der Stadt bildeten, bzw. Filialbetriebe sich niederließen. Als erste Anstalt dieser Art errichtete die, 1818 von der Königin Katharina gegründete, Württembergische Landessparkasse bereits im Jahre 1871 eine Zweigstelle in der Burgstraße. Heute unterhält dieses Institut rund 900 Zweigstellen in allen größeren Orten Württembergs, 21 1 davon allein 80 in Groß-Stuttgart. Als öffentliche Spar- und Girokasse und öffentliche Bankanstalt betreibt die Kasse alle Sparkassen- und bankmäßigen Geschäfte nach Maßgabe ihrer Grundbestimmungen. Im Jahre 1913 konnte die Württembergische Landessparkasse eine zweite Zweigstelle in der Bahnhofstraße einrichten, der im Jahre 1934 die dritte am Stuttgarter Platz folgte.

Die schon erwähnte Fellbacher Bank eGmbH wurde am 25. März l890 von zwölf Angehörigen des Weingärtner- und Handwerkerstandes als Darlehenskassenverein Fellbach eGmbH gegründet. Der erste Rechner war der bekannte Lehrer Eppinger. Der Verein entwickelte sich von Anfang an sehr günstig und förderte schon früh den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Am 8. September 1923 wurde der Name des Vereins in „Genossenschaftsbank Fellbach eGmbH" umgeändert und gleichzeitig in der Vorderen Straße ein eigenes Geschäftslokal eröffnet. 1927 folgte eine Zweigstelle in dem Gebäude Bahnhofstraße 123. In den nächsten Jahren konnte der einstige Darlehens- kassenverein immer mehr zu einem Bankinstitut ausgebaut werden. 1934 führte die Bank als Raiffeisenkasse noch das Warengeschäft ein. Hauptsächlich die Landwirtschaft und die weinbautreibende Bevölkerung wird von der Genossenschaft mit Saatgut, Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmitteln, Weinbergpfählen usw. beliefert. Für das Warengeschäft wurde 1952 ein modernes Lagerhaus errichtet. Am 31. Dezember 1953 zählte die Bank 1071 Mitglieder, und die Bilanzsumme betrug 6 Millionen DM. Der Umsatz erreichte im Jahre 1953 insgesamt 145 Millionen DM.

Im Jahre 1927 kaufte die Kreissparkasse Waiblingen das Anwesen Cannstatter Straße 81, baute es zu einem Bankhaus um und verlegte hierher die bereits 1923 errichtete Hauptzweigstelle Fellbach, die seither in der Wiesenstraße 2 ihre Geschäfts- räume hatte. Die Hauptzweigstelle der Kreissparkasse Waiblingen verzeichnete eine laufende Aufwärtsentwicklung, immer größere Ausleihen für Neubauten und Kredite, vor allem für die wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungskreise sowie den bäuerlichen und gewerblichen Mittelstand. Die Bankgeschäfte konnten im Laufe der Jahre auf Außenhandel, Devisen, Depot, Reisekreditbriefe, Prämiensparen und Bausparen über die öffentliche Bausparkasse Württemberg sowie Versicherungen aller Art über die Sparkassenversicherung ausgedehnt werden.

Dem Wunsche der Mitglieder und Geschäftsfreunde aus Fellbach, Schmiden und Oeffingen folgend, eröffnete die Volksbank Waiblingen eGmbH am 1. November 1923 in Fellbach eine Filiale. Sie war zunächst im Nebenzimmer der Gaststätte „Harmonie" untergebracht, konnte aber schon im November 1925 ein eigenes Bankgebäude am Stuttgarter Platz beziehen. Als Bank des gewerblichen Mittelstands nahm die Filiale einen raschen Aufstieg. Am 1. Oktober 1931 konnte sie eine weitere Nebenstelle im Gebäude Schmerstraße 10 eröffnen, die am 15. November 1953 nach der Cannstatter Straße 40 umsiedelte. Im Jahre 1952 erfolgte eine großzügige Neugestaltung mit gleich- 212 zeitiger wesentlicher Vergrößerung des Bankgebäudes am Stuttgarter Platz. Als Spar- und Kreditbank übernimmt das Institut alle bankmäßigen Aufgaben und fördert zu seinem Teil das starke wirtschaftliche Leben Fellbachs.

Beispiel für die Landesplanung

Die wirtschaftliche Entwicklung von Fellbach, die zugleich den Charakter dieser einst durch Jahrhunderte fast unveränderten ländlichen Gemeinde in wenigen Jahrzehnten wandelte, gibt in ihrem Ablauf nicht nur dem Historiker, sondern auch dem Kommunal- politikerinteressante Aufschlüsse. Man könnte heute schon im Rahmen der Landesplanung und der regionalen Planungsgemeinschaften den „Fall Fellbach" als Musterbeispiel für die Lösung jener Fragen heranziehen, die überall dort auftreten, wo industrielle Ballungsräume eine Ausweitung in angrenzende Gebiete notwendig machen. Bisher wurde immer die Eingemeindung praktiziert, d. h. also die regionale kommunale Selbständigkeit zu Gunsten einer größeren Gemeinschaft geopfert. Eine Gegenüberstellung der Entwicklung etwa von Zuffenhausen und Feuerbach, die als bäuerliche Gemeinden einst ebenso in den Sog der Industrieausweitung gelangten, mit der von Fellbach, könnte manche Anregung für eine weitere großräumige Planung geben.

Entscheidend für die Lenkung der wirtschaftlichen Entwicklung Fellbachs war, daß die Gemeinde ihre politische Selbständigkeit bewahren und damit von der Möglichkeit Gebrauch machen konnte, auf ihrem festumgrenzten Markungsraum die Eigenständigkeit zu wahren und durch ein rationelles Planungssystem neben der Weinbaugemeinde eine Industriestadt aufzubauen, die weder der Landwirtschaft noch den Wein- gärtnern und Gärtnereien die Existenzgrundlage nahm. Die Gefahr der Vergiftung der Luft und des Grundwassers durch Abgase und Industrieabwässer konnte von der Stadtgemeinde durch örtliche Baugesetze gebannt werden. Drei Probleme waren bisher und sind besonders in Zukunft für die weitere Entwicklung Fellbachs von Wichtigkeit: Erhaltung des ländlichen und landschaftlichen Charakters und sinnvolle Lenkung des in erster Linie sich von Stuttgart her ausbreitenden Industrie- und Wohnungsbaus.

In jüngerer Zeit entstand als eine der ersten ihrer Art in Baden-Württemberg die Kreisplanungsgemeinschaft des Kreises Waiblingen, die im Rahmen der Landesplanung in mühevoller Kleinarbeit zunächst alle Unterlagen zusammenträgt, um darauf Pläne zu entwickeln, die der Lage in unmittelbarer Nachbarschaft von Stuttgart, dem raschen Anwachsen der Industrie, der verstärkten Ansiedlung von Menschen, dem Anwachsen der Zahl der Pendler, der verstärkten Beanspruchung der Verkehrsmittel und Verkehrswege und vor allem der daraus zwangsläufig resultierenden Mehrbelastung der Gemeinden gerecht werden. Sehr schwierig wird es für die Kreisplanungsgemeinschaft, das gesteckte Ziel herauszuarbeiten und festzulegen, auf wieviel Menschen in diesem Raum der Plan 213 abgestimmt werden soll. Fellbach wird in diesem Plan eine besondere Rolle spielen, da die Stadt nach der Bevölkerungs- und Industriezunahme an der Spitze aller Gemeinden liegt. Sie hat dabei die Aufgabe, „Auffangstelle" in unmittelbarer Nachbarschaft von Stuttgart zu sein. Mit der planvoll gelenkten Ausweitung seiner Industrie ist es Fellbach teilweise schon gelungen, viele Arbeitskräfte an ortsansässige Unternehmungen zu binden. Die statistischen Ermittlungen der letzten drei Jahre lassen hoffen, daß Fellbach weiterhin eine günstige wirtschaftliche Entwicklung durchmachen wird. Einer Bevölkerungszunahme von 12,7 Prozent steht eine Zunahme der Zahl der in Fellbach Beschäftigten von 24,8 Prozent gegenüber, d. h. also, daß die Stadt unabhängiger geworden ist. Diese Feststellung bestätigt zugleich, daß die von der Stadtverwaltung in den letzten Jahren versuchte Industrielenkung richtig gehandhabt wurde.