Otto Heuschele

VERDIENTE MÄNNER


Das Werden und Wachsen eines Gemeinwesens wird im Wesentlichen von der Tatkraft seiner Bürger bestimmt; ihr Fleiß und ihre Tüchtigkeit, ihre Opferbereitschaft und ihre Zusammenarbeit, aber auch ihr Instinkt bei der Wahl derer, denen sie ihr Geschick anvertrauen, formen das, was wir die Gemeinschaft nennen, in der keiner ohne den andern leben kann, in der einer auf den andern angewiesen ist. Die Geschichte vergißt zwar die Namen der zahllosen Männer und Frauen, die auf dem ihnen zugewiesenen Platz ihre Pflicht erfüllt haben. Sie bewahrt aber die Namen besonders verdienter "Männer und Frauen, die in einem Gemeinwesen geboren wurden oder eine gewisse Zeit ihres Lebens hier lebten und wirkten. Das ist ein lobenswerter Zug, denn nichts ehrt eine Gemeinde mehr als die Dankbarkeit, die sie verdienten Männern gegenüber empfindet, nichts beflügelt nachkommende Geschlechter so wie die Erinnerung an außerordentliche Leistungen Einzelner. Gewiß sind es keine Großen der Geschichte, derer Fellbach gedenken darf, aber es wäre undankbar, würden nicht neben den Namen, die mancherorts in diesem Buche genannt werden, ein paar Männer erwähnt, die sich um die Gemeinde besonders verdient machten oder die außerhalb zu Ansehen und Ruhm gelangten.

Kaum ein anderer Mann hat sich um Fellbach in schweren Zeiten größere Verdienste erworben als der am 31. Oktober 1574 in Endersbach geborene Pfarrer Magister Georg Conrad Maickler. Nach kurzer Wirkungszeit als Diakon in Schorndorf kam Maickler 1610 als Pfarrer nach Fellbach. Er wirkte hier siebenunddreißig Jahre und konnte von allen Pfarrherrn seinen Dienst in schwerster Zeit am längsten ausüben. Es war die harte Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt ließ Pfarrer Maickler, wie schon auf Seite 163 berichtet, auf dem heutigen "Alten Friedhof" ein großes Kruzifix errichten, das an die 300 Toten erinnern sollte, die in Fellbach kurz vor seinem Amtsantritt von einer schweren Seuche hinweggerafft worden waren. Aber auch während seiner eigenen Amtszeit wurde die Gemeinde von schweren Schicksalsschlägen be- troffen, so vor allem im Jahre 1626, in dem im Verlauf von zehn Monaten 550 Menschen an der Pest starben. Daß Pfarrer Maickler trotz der schweren Heimsuchungen die Kraft behielt, als weitbekannter und vielfach preisgekrönter Dichter in neulateinischer Sprache zu wirken, verdient erwähnt zu werden. In der Klosterschule von Bebenhausen hatte er sich mit der geistigen Welt des Humanismus und der Renaissance beschäftigt. Das Ergebnis dieser Studien waren seine lateinischen Dichtungen, die in einem Band gesammelt vorliegen und von denen ein Klagelied auf den bei Wimpfen gefallenen Herzog Magnus von Württemberg (1594-1622) unter dem Titel "Bogen Jonathans" besonders bekannt wurde. Erschütternd berührt uns Pfarrer Maicklers Ende. Als 1647 die Nachricht vom Abzug der Besatzungstruppen in Fellbach eintraf, begab sich Maickler nach Cannstatt, wo er an der Freude über diese Botschaft, nach all den durchlittenen Heimsuchungen, am Vormittag des Himmelfahrtstages, am 27. Mai 1647, starb. Ihm zu Ehren stiftete die Gemeinde ein Gemälde, das, die Auferstehung Christi darstellend, in der Lutherkirche einen Platz fand. Auf ihm sind Maicklers vier Frauen und seine Kinder dargestellt, denn mitten in dem allgemeinen Sterben hatte der Tod auch ihm eine Frau nach der anderen geraubt. Eine nach ihm benannte Glocke wurde 1625 gegossen. Sie hat ein Gewicht von 50 Zentnern und trägt die Namen der sechs Stifter: Gg. C. Maickler, Pastor,- Simon Thusnith, Schultheiß; Hans Aldinger und Hans Pfisterer, Bürgermeister; Martin Brodbeck und Michael Seibold, Heiligenpfleger.

Aus dem 18. Jahrhundert wäre in diesem Zusammenhang einiger Männer zu gedenken, die sich um die Gemeinschaftsbewegung, der bis zum heutigen Tage in Fellbach hohe Bedeutung zukommt, Verdienste erworben haben. Da ist jener aus einfachen Verhältnissen kommende Ulrich Heußer (1709 -1774) zu erwähnen, der in seinem Heimatdorf Fellbach die Lehre Imanuel Gottlob Brastbergers aus Sulz am Neckar einführte. Er und zwei oder drei andere Männer scharten in Fellbach Männer und Frauen um sich, die von der Art, wie er die Bibel las und über das Gelesene sprach, so beeindruckt waren, daß sich aus dieser kleinsten Zelle im Lauf der Jahre eine starke und echte Bewegung frommer Menschen entwickelte. Zu ihnen gesellte sich 1758 der Pfarrer Christian Friedrich Sack, der allerdings schon nach kurzer Wirkungszeit in Fellbach im Jahre 1762 starb; ihm folgte sein Freund und Glaubensgenosse Georg Leonhard Seiz nach. Gegen viele Widerstände und harte Anfeindungen konnte er freilich nur wenige Wochen in Fellbach wirken, denn rasch, schon wenige Tage nach seiner Investitur, erkrankte er und starb seiner Gemeinde weg, die freilich durch diese hart aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge eher ergriffen als entmutigt wurde.

In diesen Jahren gingen schwere Heimsuchungen über den Ort nieder, Seuchen rafften die Menschen dahin, Hungersnot und Teuerung bedrängten die überlebenden. In einem Bericht aus dieser Zeit lesen wir: "Im Jahre 1771 kam Teuerung, in welcher die Not unter den Armen überaus groß wurde und Wurzeln, Grasblümleinstöcklein, Wegewarten, junge Brennesseln u. dgl. ihnen als Nahrung dienen mußten. In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Gemeinschaft hatten sich nur arme und geringe Leute an dieselbe angeschlossen; sie hielten aber nun in dieser Notzeit fest zusammen, und erwiesen einander brüderliche Liebe mit der Tat."

Das alles war dem Wirken eines Mannes, eben Ulrich Heußers, zu danken. Nach seinem Tod im Jahre 1774 fanden neue Erweckungen statt, seine Kinder wirkten in seinem Sinne. Bücher wie Teerstegens "Blumengärtlein", Thomas a Kempis' "Nachfolge Christi" und Arnds "Wahres Christentum" waren in Fellbach vielgelesene Bücher. Separatistische Bewegungen versuchten die Einheit der Gemeinschaft zu sprengen, es gelang jedoch nicht, und gegen allen Separatismus wandte sich Johannes Schnaitmann, der nach 1790 an die Spitze der Gemeinschaft trat, nachdem er durch mancherlei Anfechtungen hindurch zur evangelischen Freiheit gelangt war. Die ungezwungene Art, in der er über religiöse Fragen und Erlebnisse zu reden wußte, fesselte die Zuhörer, denen er unermüdlich an eindringlichen Beispielen vor Augen stellte, welch besondere Aufgaben sie als Mitglieder der Gemeinschaft zu erfüllen hätten. Der hochbegabte, willensstarke Mann, dessen segensreiches Wirken Michael Hahn in mancher Hinsicht förderte, ist dank seines Freimuts und seiner Freigebigkeit weit über Fellbach hinaus bekannt geworden.

In enger Verbindung mit dem im Alter erblindeten Schnaitmann stand Friedrich Daubenschmid. Auch er fand aus religiöser Ergriffenheit den Weg zur Gemeinschaft. Beziehungen zu dem Holländer Weimer und Besorgungen für dessen Witwe führten ihn auf dem Weg in die Niederlande mit Angehörigen der Herrnhuter zusammen - eine Begegnung, die den empfindsamen, von Sehnsucht nach Stille erfüllten Fellbacher stark beeindruckte. Seine alles Zweifeln überwindende Glaubensstärke, die durch glückliche Bewahrungen vor dem Tod gefestigt wurde, ließ ihn zu einem Seelenberater werden, der seinen Glaubensgenossen in Schriftbetrachtung und Gebet sicheren Halt und getroste Zuversicht schenkte.

Aus einer alten, angesehenen Fellbacher Familie sind zahlreiche bedeutende Männer hervorgegangen, darunter drei, die nacheinander 116 Jahre lang als hervorragende Lehrer in Fellbach gewirkt haben. Der erste unter ihnen war der am 15. August 1728 in Endersbach geborene Georg Daniel Auberlen, der anno 1756 das alte Schulhaus bei der Lutherkirche bezog. Er spielte meisterhaft Orgel, Klavier und Violine, bewährte sich als tüchtiger Komponist von Kantaten, Liedern und Motetten, und rief neben seinem Schuldienst eine Art von ländlicher Musikhochschule für begabte junge Menschen ins Leben. Auf der Höhe seiner Kraft ist er, erst 56 Jahre alt, im Juni 1784 in Fellbach gestorben.

Sein Sohn und Schüler, Samuel Gottlob Auberlen (1758 bis 1829), verschrieb sich ausschließlich der Musik: Nach langem beruflichem Aufenthalt in der Schweiz amtierte er von 1798 bis 1807 als Musikdirektor in Tübingen, später in gleicher Eigenschaft in Ulm a. D., wo er im Alter von 71 Jahren starb. Seine dort (1824) erschienene Selbstbiographie spiegelt eine Persönlichkeit, deren Leben bestimmt war von musikalischem Schaffensdrang und der Liebe zum Schwäbischen Volkslied.

Noch während der Amtszeit von Georg Daniel war sein Neffe und späterer Schwiegersohn, der 1755 in Kirchheim u. T. geborene Nikolaus Ferdinand Auberlen, bei ihm als Provisor tätig. Nach dem Tod des Onkels trat er die Nachfolge an, heiratete kurz darauf seine Base Marie Elisabeth Johanna und zeichnete sich anschließend 35 Jahre lang als Leiter der Fellbacher Schule aus. Er hatte den Ruf eines begabten Theoretikers der Musik und war ein vorzüglicher Orgelspieler. Unter seiner Leitung wurde in der Lutherkirche neben vielen anderen klassischen Werken auch Händels "Messias" aufgeführt, wobei der Chor nicht nach Noten, sondern nach Ziffern sang. Das "Schulrezeßbuch" von 1826 vermerkt, daß der Schulamtsverweser Auberlen in Fellbach einen der sechs von Seiner Königlichen Majestät verliehenen Gesangspreise erhalten habe.

Nach dem Tod Nikolaus Ferdinands im März 1828 übernahm sein Sohn Wilhelm Amandus Auberlen (1798 bis 1874), der sich schon von 1821 ab als Amtsverweser betätigt hatte, das Schulamt in Fellbach. Wie sein Vater hat auch er als Musiker viel geleistet und sich besonders um den Gesangsunterricht verdient gemacht. Mehrfach ist ihm von höchster Stelle aus "das Anerkenntnis pflichttreuer Bemühung" bescheinigt worden. Er war ein fruchtbarer Komponist: Manche seiner vielen Melodien sind heute noch im Volk lebendig und für die Schule hat man neuerdings die beiden Lieder "Morgenglocken klingen" und "Sonnenschein, klar und rein" wieder ausgegraben. Schon 1836 griff Wilhelm Amandus den Gedanken einer gewerblichen Fortbildungsschule auf; zwar drang er mit diesem Vorschlag nicht durch, doch konnten 1851 wenigstens eine Gewerbliche Sonntagsschule und eine Zeichenschule eingerichtet werden. Seiner unermüdlichen ehrenamtlichen Arbeit für die von ihm gegründete Fellbacher Weingärtnergesellschaft wird an anderer Stelle dieses Buches (auf Seite 242) gedacht. Nach 55jähriger Schultätigkeit zog sich der rastlos um das Wohl Fellbachs besorgte Erzieher 1873 in den wohlverdienten Ruhestand zurück, aus dem ihn schon ein Jahr später der Tod abrief.

Eines von seinen 18, aus drei Ehen hervorgegangenen Kindern, der am 24. November 1824 in Fellbach geborene Dr. phil. und Dr. theol. Karl August Auberlen, erwarb sich als Professor der Theologie hohes Ansehen. Zuletzt war er an der Universität Basel tätig, wo er 1864 das Zeitliche segnete. Weder er noch seine Geschwister hinterließen einen männlichen Nachkommen, der den Namen Auberlen weitergetragen hätte.

Auf einem im Jahr 1928 von den beiden evangelischen Kirchenchören veranstalteten Auberlen-Abend wurden Lieder, Motetten und Instrumentalstücke der drei in Fellbach tätig gewesenen Auberlen zu Gehör gebracht. Frau Klara Bauer, die Tochter von Wilhelm Amandus, stellte Notenmaterial zur Verfügung; weiteres konnte in der Landesbibliothek ausfindig gemacht werden.

Allen Freunden des deutschen Liedes ist der Name Friedrich Silcher als eines Komponisten sowohl wie eines Reorganisators des Chorgesangs teuer. Der in Schnait geborene Künstler lebte von 1803-1806 als Incipient und als Schüler des schon erwähnten Nikolaus Ferdinand Auberlen in Fellbach. Suchers eigenes Bekenntnis spricht unübertrefflich aus, was er in Fellbach erfahren und erlebt hat. "Durch Auberlen lernte ich auch die damals lebenden und wirkenden Tonkünstler kennen; durch ihn fand ich den Weg zur Höhe!" Knapper und präziser läßt sich die Erweiterung von Suchers Weltbild und musikalischer Erfahrung nicht ausdrücken. Wenn man heute auf das sehr lebendige musikalische Leben in Fellbach blickt, wird man das Gefühl nicht los, die damals von N. F. Auberlen begründete Tradition wirke bis heute fort.

Daß einer der bedeutendsten deutschen Dichter kurze Zeit in Fellbach wohnte, ist wenig genug bekannt; es war dies Eduard Mörike, der durch seine Lyrik, seinen Roman "Maler Nolten", seine Erzählungen und hier in Schwaben besonders durch das "Stuttgarter Huzelmännlein" sich einen Namen von hohem Rang im deutschen Schrifttum erwarb. Es war im Herbst des Jahres 1873 gewesen, als der neunundsechzigjährige, alternde Dichter mit seiner Schwester Klara und seiner Tochter Marie zur Erholung in dem von W. Chr. Weimer erbauten Wartheim (Lindenstraße 17) Wohnung nahm. Ein Brief vom 18. September 1783, an seinen Freund Wilhelm Hartlaub gerichtet, erzählt von diesen Tagen: "Hier säßen wir denn zu dreien in Ruhe und Frieden geborgen. Unsere Wohnung ist ein schönes, ganz am äußersten Ende des Dorfes gegen Cannstatt zu zwischen Gärten und offenen Feldern gelegenes Haus, welches vor dreißig Jahren ein in Amsterdam reich gewordener Württemberger als Ruhesitz für sich erbaute, und das seit dem Ableben des letzten Besitzers als schwer verkäufliches Eigentum der Erben, mit Ausnahme eines braven Dienstmädchens und wachsamen Hündleins, monatelang völlig leergestanden, bis Klara, die auf eigenen Füßen nach einem vollkommen für uns passenden Quartier in der Nähe von Stuttgart für uns suchte, so glücklich war, diese Entdeckung zu machen. Nun sind die drei Zimmer ordentlich mit einem Teil unserer Möbel - sie stammen noch fast alle von meiner Mutter her - gefüllt, und an den Wänden hängen die gewohnten Bilder." In einem am 12. Oktober 1873 an denselben Freund gerichteten Briefe heißt es dann schon: "Um Martini werden wir, vorausgesetzt daß sich ein passendes Quartier in Stuttgart findet, Fellbach verlassen, bitter ungern wir alle drei, aber die Sorge wegen der Gesundheit des Kindes, das wir absolut nicht von uns lassen wollen, läßt keine andere Wahl." Noch knappe anderthalb Jahre war dem Dichter zu leben vergönnt; am 4. Juni verließ er diese Erde, die er in seinem Werk so viel gefeiert, obwohl sie ihm viele Kümmernisse bereitet hatte.

Zum Abschluß dieser Reihe sei noch eines Mannes gedacht, dessen Wirkungszeit in Fellbach auch nur begrenzt war, der aber in dieser kurzen Zeit eine Entwicklung eingeleitet hat, die bis auf diesen Tag weiterwirkt; wir meinen den Gärtner-Pfarrer Philipp Albert Dorner (1842-1926). Dorner, der 1842 als Sohn eines Kaufmanns in Tuttlingen geboren wurde, war zunächst als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig. Im Jahre 1890 schied er aus inneren Gründen, vor allem auf Grund einer Diskussion über die Auslegung der Offenbarung, zusammen mit dem sehr bekannt gewordenen Theologen und Philosophen Christoph Schrempf, aus dem Kirchendienst aus. Über seine weitere Tätigkeit berichtet das "Stamm- und Familienbuch der Familie Dorner": "Im Jahre 1890 schied er aus dem Kirchendienst aus und zog nach Fellbach, wo er sich mit großem Eifer 181 der Trinkerheilung widmete und zu diesem Zweck ein größeres Haus mit Garten erwarb. Da er aber diese Arbeit bald wieder aufgeben mußte, widmete er sich, den von seinem Großvater in Neuhausen ob der Eck ererbten Anlagen und seinen eigenen, schon in den Kindheitsjahren hervorgetretenen Neigungen folgend, der Gärtnerei. Um diese noch gründlicher zu erlernen, betätigte er sich einige Monate als Volontär in Cannstatt in derselben Gärtnerei, in die gleichzeitig sein zweiter Sohn Eugen als Lehrling eingetreten war. Der älteste Sohn Albert war inzwischen nach Johnstown in Pennsylvanien in die Lehre gekommen (zu Verwandten mütterlicherseits, Gärtner Adolf Stahl; später in Lorch). Im Jahre 1895 gründete Vater Philipp Albert Dorner auf seinem Grundstück in Fellbach eine eigene Gärtnerei, in der Eugen seine Lehre vollenden konnte. Er wandte viel Mühe und Kosten auf die Anzucht von Schnittblumen und Frühgemüse, doch waren die Einnahmen recht kärglich. - Anfang 1889 kaufte er sich nach Veräußerung seines Fellbacher Anwesens in Tuttlingen an." Hier wurde dann der Grund für die Nelkenkulturen gelegt, die bis zum heutigen Tage in Kreisen des deutschen Gartenbaues einen Namen haben.

Indessen ist es interessant zu erfahren, daß am 15. März 1897 Dorners Sohn Eugen in den Betrieb von Emil Münz in Waiblingen eintrat, um seine gärtnerische Ausbildung zu erweitern. Bei dieser Gelegenheit wurde der gesamte Bestand an amerikanischen Edelnelken ("Lizie Mac Gown" war der Name) der Firma Münz übergeben, mit der Abrede, dieser Nelkenbestand solle zurückgegeben werden, wenn Pfarrer Dorner je wieder eine neue eigene Gärtnerei begründen würde. Es kam zu keiner Rückgabe. Emil Münz blieb im Besitz dieser Nelken, den ersten amerikanischen Edelnelken in Deutschland also. Sie bildeten jedoch keineswegs die züchterische Grundlage für die später weltberühmten, größten deutschen Schnittblumenkulturen in Waiblingen.