Wilhelm Bochterle 

RELIGIÖSE EIGENART IN ALTER ZEIT 

Eine religiös-verinnerlichte Haltung ist seit alter Zeit bis in die Gegenwart vielen Bewohnern des an der Schwelle zum Remstal gelegenen Ortes Fellbach eigen. Zum erstenmal tritt die religiöse Eigenart in der neuen Zeit in der Bewegung der Wiedertäufer hervor, die sich im 16. Jahrhundert aus der Reformation heraus und bald im Gegensatz zu ihr entfaltet. Von ihr lassen sich bei aller Gegensätzlichkeit im einzelnen mancherlei Beziehungen zu der Pietistisdben Bewegung aufzeigen, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch in Fellbach starken Anhang findet und bis in die Gegenwart herein das religiöse Leben befruchtet. Da über diese für Fellbach so bedeutsamen Glaubensrichtungen ein reiches Material in den "Quellen zur Geschichte der Wiedertäufer" von Gustav Bossert vorliegt, seien beide eingehender behandelt. Trotz mancherlei Unterschieden läßt sich die weitgehende Übereinstimmung nicht verkennen, die zwischen den religiösen Überzeugungen früherer Jahrhunderte und denen heutiger Zeit besteht. 

Die Wiedertäufer 

Aus den Visitationsberichten der Generalsuperintendenten und dem weiteren Schriftverkehr von Dekanen und Pfarrern mit dem Herzog und der von ihm eingesetzten Kirchenleitung werden die Spannungen ersichtlich, die zwischen der Kirche und dieser Bewegung bestehen. 

Wer sind die Wiedertäufer ? 
Die Kindertaufe wird von ihnen abgelehnt, da ein Kind noch keinen Glauben, auch keine Erbsünde, besitzen könne, und da sich kein Zeugnis in der Bibel für sie finde. Statt dessen verlangen sie die Wiedertaufe der Erwachsenen, die sie in verschiedener Form durchführen. Abraham Halbgewachs aus Schnait ließ sich nach der Sitte der Apostel in einem Haus taufen. Len Degen aus Hegnach wurde an einem Bach im Felde bei Waiblingen getauft. Auch Jörg Schnaitmann - wo kein anderer Ort genannt ist, handelt es sich um Fellbacher Bürger - gesteht, daß er wiedergetauft sei, will aber nicht angeben, wo das geschah. Claus Rebstock wurde in einem Wald bei Stetten getauft, lehnt es aber ab, den Täufer zu nennen. 

Ebenso wird die lutherische Auffassung des Abendmahls verworfen, da Christus gen Hmmel gefahren sei und im Mahl folglich nicht sein Leib und Blut zugegen sein könne. Statt dessen halten die Wiedertäufer das Nachtmahl, "wie es Gott eingesetzt habe brechen dabei das Brot, das jeder sich selbst nehme, brauchen auch den Wein dazu, wobei das Geschirr gleichgültig sei. Mancher in der Kirche dagegen glaube nicht, daß der Herr ihm Brot und Wein gegeben habe". Margarete Mätzmann beeinflußt ihren Mann, nicht zum Abendmahl zu gehen, da man dabei ohne Sünde sein müsse. Auch andere Wiedertäufer lehnen es ab, das Abendmahl zu genießen, da sie sich nicht für würdig halten. Hans Koch erklärt sich beim Verhör vor dem Superintendenten bereit, das Abendmahl zu empfangen, aber nicht in Fellbach, sondern in Stuttgart oder Göppingen, weshalb er im Protokoll als falscher Schleicher und dockelwischischer Mensch (d. h. Duckmäuser) bezeichnet wird. Die Wiedertäufer üben überdies mancherlei Kritik an den nach ihrer Meinung veräußerlichten Formen des kirchlichen Lebens. So sprechen sie der üblichen Predigt eine tiefere Wirkung ab, da diese niemanden bessere, und die Leute, die sie besuchen, gleich danach anfingen, "hochfertig zu sein, zu tanzen, springen, spielen, saufen und fressen"; deshalb, so gibt Lienhard Somer an, habe er sich müssen in eine andere Welt schicken. Auch Gall Schnaitmann geht nicht in die Kirche, da sie keine richtige Lehre, keine Frucht, keinen "Bann", d. i. Strafgewalt, aufweise. Bastian Weber bringt vor, er sehe weder bei Prädikanten (d. h. Pfarrern) noch Zuhörern etwas Gutes. Jörg Weber glaubt, er sei seit seiner Zugehörigkeit zu den Wiedertäufern besser geworden als damals, da er in die Kirche gegangen sei. Auch Gall Dietmar sagt, er möchte die Leute frömmer machen, als er selbst sei. Jörg Schnaitmann wirft dem Pfarrer Kilian Lilienfein vor, er lese das Evangelium nicht immer ganz, sondern bloß ein wenig davon; man solle aber keine Lüge darunter mischen. Bernhard Löpfe behauptet, der Prediger schmähe die Leute, was ihm nicht zustehe. 

Da die Wiedertäufer kein Gotteshaus besitzen, verabreden sie Zusammenkünfte an bestimmten Stellen, so in einer Klinge am Katzenbühl, am Hainbach bei Eßlingen, auf dem freien Feld zwischen Fellbach und Waiblingen, auch im Wald bei Stetten. Wer die Gnade oder Christ-Erkenntnis hat, der redet. Dazu findet sich einer, der ein Kapitel aus der Bibel liest. Beim Gebet knien sie nieder. Da sie ein Gelübde abgelegt haben, machen sie keine Angaben über ihre Vorsteher, sondern bezeichnen immer wieder Gott als ihren Vorsteher,- ihm solle man folgen. So bittet Katharina, Konrad Mergenthalers Ehefrau, beim Verhör, sie bleiben zu lassen, da sie ein Gelübde getan habe. 

Zehn Jahre, ehe im Jahre 1539 das Evangelische Bekenntnis eingeführt wurde, kam Gall Dietmar in der Zeit der österreichischen Statthalterschaft in den Turm (1529), weil er sich "mit lutherischen Dingen befleckt und mit den Wiedertäufern gehantiert hat". In späterer Zeit (1562) sagt Claus Rebstock, der lutherische Glaube habe ehedem ein gutes Ansehen gehabt, habe sich aber gewandelt gegenüber der Zeit vor zwanzig Jahren. 

Die Verhöre fördern auch die Auffassungen der Sektierer über weitere Tragen des Glaubens zutage. 

Im Jahre 1596 äußert sich Gall Schnaitmann ausführlich in ihrem Sinne: Das göttliche Wesen bestehe aus drei unterschiedlichen Personen. Nach der Meinung des Menno Simons habe Christus seinen Leib aus dem Wesen des heiligen Geistes an sich genommen d dann erst in den Leib der Maria gebracht. Christus sei bloß für die gestorben, die Gutes zu tun begehren. Im Gesetz sei niemand selig geworden, bis Christus gekommen sei Zur Rechtfertigung gehörten auch gute Werke. Der Besitz von Eigentum erscheine ihm möglich, doch müsse man darbenden Brüdern helfen; (im allgemeinen traten die Wiedertäufer für Gütergemeinschaft ein). Die Obrigkeit sei Gottes Dienerin, um das Böse zu strafen; aber Obrigkeit und Kinder Gottes paßten nicht recht zusammen. Der Eid sei ein Unrecht; statt dessen solle ein "Ja" ein "Ja" sein. Die Bibel bildet die Grundlage ihres Glaubens; deshalb erklärt Jörg Schnaitmann 1562 bei dem Verhör in Eßlingen, er wolle sich weisen lassen, wenn er aus der göttlichen Schrift überwiesen werde. Lehren, Hören und Tun sollen beieinander sein. 

Die Pfarrer und Superintendenten (Dekane) überwachten den Lebenswandel ihrer Gemeindemitglieder aufs genaueste, stellten Erhebungen über den Besuch von Predigt und Abendmahl an, überprüften die der Sektiererei Verdächtigen aufs peinlichste und befragten sie unter Eid. So wurde Max Zieglers Weib Gertrud bei der Examination als nicht "sektisch" befunden. Dagegen wollte Anna, Konrad Magers Tochter aus Rommelshausen, die in Fellbach im Dienst war, nicht versprechen, daß sie künftig kommuniziere. Man findet, sie habe in der Religion kein Fundament und kenne den Katechismus nicht. Katharina, Hans Mummens des Alten Weib, gab an, sie wisse, wo sie das Abendmahl empfangen solle, sagte es aber dem Spezial (Dekan) nicht. Unterricht und Vermahnung blieben vergeblich. Hans Wagner bat von 1582 bis 1587 immer wieder um die Freigabe seines "Armutleins", da das Eigentum der Wiedertäufer beschlagnahmt war. Er wurde bei der Verhandlung als einfältiger Mann befunden und wollte mit den Gelehrten nicht mehr disputieren, weil sie ihn "duppelig" machten. In dem "Wiedertäuferkalender" aus dem Jahre 1590 wurden im einzelnen Maßnahmen gegen Anhänger der verbotenen Sekte festgelegt: So waren Hans Wagner, Elisabeth Schnaitmann und Jörgen Salmen Hausfrau auf der Kanzlei zu ermahnen, Hans Mummen Weib in Gewahrsam zu nehmen und durch den Superintendenten zu belehren, Conrad Epplin und seine Hausfrau durch den Pfarrer zurechtzuweisen. Beim Schultheißen und Gericht zu Fellbach beschwerte sich der Spezial 1574 darüber, daß die Wiedertäufer im Ort zunähmen. 

Anklagepunkte sind immer wieder, daß Anhänger der Sekte die Predigt und das Abendmahl in der Kirche nicht besuchten, daß sie nicht Gevatter stünden, sich an den Zusammenkünften der Sektierer beteiligten, sich als Erwachsene wieder taufen ließen und einen "Anhang" im Bekanntenkreis machten. Katharina Mergenthaler wehrte sich gegen den Vorhalt, daß sie weder die Predigt besuche noch am Abendmahl teilnehme, daß sie im daheim die  Bibel lese und darüber nachdenke, mit der Erklärung, man möge sie nicht 109 zur Predigt nötigen. Sie habe auch ein Gewissen und begehre niemand zu verführen - dazu habe sie einen unärgerlichen Lebenswandel. (Zusatz des verhörenden Geistlichen: "Sie ist auf ihrer pharisäischen Heuchelei verblieben !"). 

Hans Wagner erhebt den Vorwurf, wenn er gottlos wäre, aber in die Kirche ginge, würde man ihm seine beschlagnahmten Güter ausfolgen. Alten Leuten gegenüber läßt man Milde walten, indem man sich mit Ermahnungen begnügt. Viele werden des Landes verwiesen, so Hans Wagner und Margarete Feckelin, gleichzeitig wird ihr Vermögen beschlagnahmt. Teilweise schleichen sich die Verbannten wieder in den Ort; viele trifft die volle Schwere obrigkeitlicher Strafen: Gertrud Metzmann wird "des Wiedertaufs halber" an die Kette gelegt, Katharina Mergenthaler soll vom Pfarrer wegen der Fasten- und Karwoche ermahnt und, wenn sie beharrlich bleibt, ins Weibergefängnis geworfen werden. Katharina wird von zwei jungen Knaben im Wald getroffen, vom Rat vorgeladen und ins Narrenhäuslein gesetzt, worauf Vater und Sohn um ihre Freilassung bitten. Anna Mager, die den Glauben der Wiedertäufer nicht verwirft, selbst aber keine Wiedertäuferin sein will, muß wegen ihres mangelhaften Kirchenbesuchs auf Befehl des Vogts an den Schultheißen für ihr Fehlen an Sonn- und Feiertagen jedesmal 5 Schilling in den Armenkasten bezahlen. Gegenüber der meist starren, oft unverständlichen Stellungnahme der Geistlichen wirkt der versöhnlich gehaltene Bericht des Pfarrers Maickler (1621) über die Katharina Mergenthaler wohltuend; trotz Zuredens des Vetters Jörg Maier und des Schulmeisters bleibe sie beharrlich und besuche im Frühjahr die Wiedertäuferconventus (Zusammenkünfte) gewissenhaft; gleichwohl befiehlt er sie "in fürstliche Gnade und Müdigkeit". 

Die Haltung der Angeklagten ist unterschiedlich. Ein Teil von ihnen widerruft und wird auf "gemeine Urfehde" hin entlassen, so im Hinblick auf sein hohes Alter der 73jährige Hans Kugellin aus Schnait, der die Atzung bezahlen und geloben muß, "Zwing und Bann" (Markung) von Eßlingen ewiglich zu meiden. Margarete Katzenstein geht nach dem Visitationsbericht wieder in die Predigt, kommuniziert und hat die Wiedertaufe valediziert (ihr abgesagt). Anna Ferlin widerruft in eingeschränkter Form und verspricht, die Predigt, nicht aber das Abendmahl, zu besuchen. Konrad Seybold will wie sein Vater erst in Todesnot zum Abendmahl gehen. 

Demgegenüber zeigt ein erheblicher Teil von ihnen eine überzeugte und trutzige Haltung. Lienhart Brehm beteuert, er wolle um Christi willen seinen Kopf geben. Auch viele andere bleiben fest und widersetzlich. Vor allem weigern sie sich beharrlich, ihre Täufer und Vorsteher zu verraten, denen die schwersten Strafen drohen, und nach denen beim Verhör am nachdrücklichsten gefahndet wird. Von Hans Wagner, genannt Klausenhans, wird berichtet, daß er gestorben sei, wie er gelebt habe: Am achten Tage zuvor habe er ,,bei 20 Stunden ungefähr geschrieen wie eine Kuh, vorher aber eine Zeitlang und hernach nichts als Teufel geschrieen", sei "um den Ofen in seinem Schuh umbs Bett herumbgeloffen"; "er ist ungefähr seinem eigenen Bekenntnis nach 65 Jahre alt gewesen, hat aber das Nachtmahl des Herrn Christi nie empfangen sein Leben lang". 

Aus manchen Einträgen werden die Beziehungen zum Lande Mähren und zu den 'Mährischen Brüdern erkenntlich. So steht Haugen Stephan von Steinenberg im Verdacht, den Wiedertäufern "die Zehrungen (Wegzehrung) in und außer dem Land Mehren ihres Hin- und Widerziehens (zu) bezalen". Gall Schnaitmann war längere Zeit auf Wanderschaft, dabei auch in Österreich, Böhmen und Mähren. 

Ferner meldet Vogt Krauß in Cannstatt den Wegzug von Margareta, Balthas Dietmars Wittib, und von Greta Bayer, die mit den Eltern nach Mähren ausgewandert war. Seit dem Zusammenbruch der protestantischen Sache in Böhmen und Mähren, d. h. seit 1620, ist nur noch vereinzelt von Sektierern die Rede. 

Nicht nur Starrheit und Verstocktheit, sondern oft auch echtes Streben nach einer vertieften und verinnerlichten Glaubensform, Standfestigkeit und Oberzeugungstreue waren in den Herzen der Wiedertäufer lebendig. So sind sie in ihrem mystisch angehauchten Sektierertum besonders für den Zeitraum des 16. Jahrhunderts, zugleich aber auch für Strömungen bezeichnend, die bis in die Gegenwart herein in gleicher oder wenig abgewandelter Form auftreten und dem Fellbacher und remstäler Wesen besonders gemäß erscheinen. 

Der Pietismus 

Seit langem steht Fellbach im Ruf, eine Heimstätte des Pietismus zu sein. Für pietistische "Gemeinschaften" fand sich in Fellbach ein fruchtbarer Boden, und schon frühe zeigten ihre Anhänger eine ernste und gesunde Frömmigkeit. Sie setzten sich aus fleißigen Weingärtnern zusammen, die die Woche hindurch hart arbeiteten und am Sonntag sich in das Wort Gottes vertieften. Der geistreiche und redegewandte Bauer Michael Hahn, der aus Altdorf bei Böblingen stammte, übte durch seinen grüblerischen Sinn, durch seine Rede- und Überzeugungskraft einen großen Einfluß auf seine Glaubensgenossen aus. Auch in Fellbach erweckte dieser überragende Gottesmann im Jahr 1792 einen solchen Eindruck, daß eine besondere "Mährische Gemeinschiaft" gegründet wurde, die in kurzem die Altpietistische Gemeinschaft an Zahl der Mitglieder überflügelte. Für ein Jahrhundert gab die Hahn'sche Gemeinschaftsform dem religiösen Leben des Ortes sein Gepräge, und eine stattliche Reihe von überzeugten und bewährten Glaubensmännern ging aus ihr hervor. 

Unter ihnen ist Ullrich Deile (1751-1831) als erster zu nennen. Sein mildes und weiches Herz, aller Schärfe und Strenge abhold, ließ ihn neben seinem Berufe als Weingärtner im Heimatorte und weit darüber hinaus seinen religiösen Ernst offenbaren. Die selbst- und Weltverleugnung sowie die Wiederkehr Jesu bewegten ihn besonders stark, und noch auf dem Sterbelager hoffte er, den auf das Jahr 1836 vorausgesagten Anbruch des Tausendjährigen Reiches selbst zu erleben. Etwas jünger war Johannes Schnaitmann (1767-1847), von dem auf Seite 179 näher die Rede ist. Aus frommer Überlieferung im Schöße der Familie heraus fand Johann Georg Heid (1773-1841), ein Mann voll kindlichen Glaubens und gediegenen Charakters, den Weg zur Gemeinschaft. Still, sinnig und in sich gekehrt war Johannes Schmid (1773-1841), der wie viele Glaubensbrüder der Liebe zur Welt absagte, seinen Sinn änderte, manche Gewissenskämpfe bestand und sich nach dem Beispiel Michael Hahns nicht verheiratete. Er mühte sich, den göttlichen Heilsplan kennen zu lernen, und zeigte sich streng in der Selbstverleugnung. David "Matte (1783-1852), ausgestattet mit einem hellen Verstand und heftiger Gemütsart, war wie Johannes Schmid nach innen gekehrt; er trug mancherlei häusliche Sorgen und wollte durch die Festigkeit des Glaubens dem Handeln aus eigenem Willen und Gutdünken absagen. Wie viele seiner Glaubensbrüder verband er mit seinem religiösen Eifer ein großes Geschick in der Ausübung seines Berufs. Sein Bruder Johannes Maile (1786 bis 1827) war ein offener und gerader Charakter, dazu aufgeweckt und lebhaft. Als Soldat machte er die Feldzüge der Jahre 1809 (nach Österreich) und 1812 (nach Rußland) mit und erwarb sich die Achtung seiner Kriegskameraden. Im Alter von 41 Jahren wurde der aufgeschlossene, von Michael Hahn beratene Mann auf einer Reise weggerafft. 

Auch Elisabeth Margarete Daubenschmid (1776-1858), eine Schwester von Johannes Schmid, erlitt manche äußere und innere Beschwernis im Elternhaus und in der eigenen Familie, aus der zwei verheiratete Töchter im Jahre 1852 nach Amerika auswanderten. Sie kehrte sich früh von den Lockungen der Welt ab, wandte sich der Gemeinschaft zu und fand unter deren weiblichen Angehörigen höheren Alters einen reichen Wirkungskreis, über Friedrich Daubenschmid (1811-1887) der ebenfalls eine bedeutsame Rolle im Fellbacher Gemeinschaftsleben spielte, finden sich nähere Angaben auf Seite 179. Sein Nachfolger im Gemeinschaftshaus wurde Christian Zerweck (1849 bis 1915), der unter dem erschütternden Eindruck vom Tod der Mutter sich dem Pietismus zuwandte. Pfarrer Werner in Fellbach und Fräulein von Deckendorff in Cannstatt brachten ihm die Heilsbotschaft nahe. Mit seiner Schwester zusammen tat er Dienst an der Gemeinde und war wegen seines Verständnisses für die Jugend sowie wegen seiner Gabe, Bedrückte und Leidtragende zu trösten, in den Gemeinden des Landes ein gern gesehener Gast. Schließlich sei hier Karl Merz (1862-1941) genannt, der als begabter, fleißiger Schüler und als Sohn frommer Eltern den Weg in die Gemeinschaft fand. Neben dem Berufe, in dem er als Seifensieder das väterliche Handwerk ausübte, widmete er sich der Gemeinschaft, weshalb er in ihr Haus berufen wurde. Er besaß die Gabe, bei Mißständen und Verfehlungen zu mahnen und die rechten Worte zu finden, und führte die Tradition hochgeachteter und tüchtiger Vorgänger weiter.