VON TRACHT, BRAUCHTUM ...


Von einer eigentlichen Volkstracht konnte in Fellbach bereits zu Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht mehr die Rede sein. Nur ältere Leute hielten sich damals noch sonntags an die von den Großvätern übernommene Art, sich zu kleiden. Dazu gehörten - wie der verstorbene Studienrat Wilhelm Zwicker in einer umfangreichen volkskundlichen Arbeit über das Fellbacher Brauchtum ausführt - die schwarze, (an Sonn- und Feiertagen gelbe) Lederhose, der blaue, am 
Oberkörper eng anliegende Tuchrock mit den langen Schößen, die dicht mit Knöpfen 
besetzte Weste, weiße Strümpfe, Schnallenschuhe, dazu als Kopfbedeckung der 
Dreispitz, dessen Spitze bei Hochzeiten nach vorn zeigte, während er beim 
Kirchgang und bei Beerdigungen mit der Breitseite voraus getragen wurde.

Für die Arbeisskleidung der Männer hatte sich nach 1870 eine ziemlich weite 
blaue Bluse eingebürget wie sie die Ausmarschierten in Frankreich gesehen hatten. 
Dazu trug man noch die alte schwarze, sich nach unten verengende Leder- oder eine 
abgelegte Sonntagshose, bei nasser Witterung ein Paar Kavallerie- oder 
Infanteriestiefel ("Suffröhrle"), in die man die Hose steckte. Sommers genügten bei 
trockenem Wetter auch die bequemeren "Qua(r)tierschuhe, eine Art genagelter 
Hausschuhe aus Leder ohne Schnalle. Ging es in den Weinberg, trug man eine 
weiße, leinene Schürze, die jeden Sonntag gewechselt wurde. Wenn sie bei der 
werktäglichen Arbeit schmutzig geworden war, schlug man den rechten Zipfel nach 
oben um. Als Kopfbedeckung diente werktags eine dunkle Schildkappe aus Tuch, 
sonnsags eine solche aus Seide. Das runde Schmerkäpple, das die Alten zu Hause 
trugen, wies in Fellbach im Unterschied zum Schurwald keine Zottel auf. Eine 
besondere Bewandtnis hatte es mit der Barttracht. Die Stundenleute waren alle 
glattrasiert, ebenso alle Männer, die irgendwie konservativ eingestellt waren.
Die Kleidung der Frauen bestand aus einem dunklen, faltenreichen Rock, welcher 
der vielen Unterröcke wegen ziemlich weit war, einer Schürze darüber und einem 
dunklen Mieder, das mit Bändern verschnürt oder mit Knöpfen geschlossen wurde. 
Als Abschluß diente ein Tuch, das man um Hals und Brust legte. Nie ging eine Frau 
ohne Schürze aus dem Haus. Das Haar trugen die Franen früher in zwei langen 
Zöpfen, die mit schwarzen Bändern durchflochten waren. Später wurde es in ein 
Nest gefaßt und durch ein schwarzes, über die Stirn laufendes Samtband 
zusammengehalten Zu den Zöpfen gehörte ein zierliches Spitzenhäubchen, das von 
schwarzen, unter dem Kinn geknüpften Seidenbändem festgehalten wurde. Die 
Frauen, die der Gemeinschaft angehörten, flochten das Haar nicht zu Zöpfen, 
sondern trugen es lose in einem Netz. Für die Arbeit auf dem Feld kam nur das 
weiße Kopftuch in Frage.
Ein besonderes Schmuckstück, zumal der jungverheirateten Frau, war das 
"Abendtuch", ein großes quadratisches Tuch aus feinem Wollstoff mit orientalischen 
Mustern auf schwarzem Grund. Ins Dreieck zusammengelegt, ließ man es mit der 
einen Ecke über den Rücken, mit den beiden anderen Enden nach vorn 
herunterfallen.
In Verbindung mit der Tracht steht auch der Neckname der Fellbacher, der zu 
einer Zeit entstanden sein soll, als die Jagd noch herzogliches Privileg war. Bei der 
alljährlich abgehaltenen Treibjagd erschienen die Fellbacher Treiber in einheitlicher 
sonntäglicher Tracht. Beim Anblick des in Reih und Glied vor dem Rathaus 
angetretenen Bürger soll der Landesherr einmal die Bemerkung gemacht haben: 
"Einer sieht dem anderen gleich, wie die Maikäfer !" Seitdem haben, so will es die 
Überlieferung, die Fellbacher ihren herzoglich verliehenen Necknamen, dessen 
Geschichte inzwischen schon in allen Variationen erzählt wurde.

Eine Fellbacher Spezialität ist im Zusammenhang mit der im ganzen Schwabenland gebräuchlichen Metzelsuppe zu erzählen. Ort der Handlung waren in der guten alten Zeit zunächst Hof und Scheune, dann aber ein Platz, den meist die Bewohner einer ganzen Gasse für diesen Zweck benützten. Die Schweinsborsten wurden nämlich nicht durch Abbrühen in siedend heißem Wasser, sondem durch 
Absengen in einem Strohfeuer entfernt. Feinschmecker behaupten noch heute, Schwarte und Knöchle seien viel schmackhafter, wenn dieses Verfahren angewandt werde, nach dem man in Fellbach heute noch verfährt.

...UND WAPPEN

Die Gemeindeverwaltung des Weingärtnerdorfes Fellbach hat mindestens schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts als sogenantes "Fleckenzeichen" ein in schlanker Form gehaltenes , großes lateinisches "F" , den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens, geführt. Dieses "Fleckenzeichen" hat sie unter anderem auf Grenzsteinen der Gemeindemarkung anbringen lasses, wie auch auf den aus Ton gebrannten "Zeugen", die bei der "Versteinung" von Grenzen verwendet wurden. In dem bekannten altwürttembergischen Forstkartenwerk von Andreas Kieser ist das Fellbacher "Fleckenzeichen" im Jahr 1685 erwähnt. Es ist später, etwa vom Ende des 19. Jahrhunderts ab, dann als das Dienstsiegel des Schultheißenamts übernommen worden.

Als im Frühjahr 1912 der an das alte Rathaus angefügte Neubau vor seiner Vollendung stand, zog man erst erstmals die Schaffung eines eigentlichen Ortswappens für Fellbach in Betracht. Die Besprechungen mit dem Hauptstaatsarchiv führten damals aber zu keinem Ergebnis. Zwanzig Jahre später, nachdem Fellbach znr Stadt erboben worden war, trat der Bürgermeister im Dezember 1933 mit der Archivdirektion in Stuttgart in Verhandlungen über ein Stadtwappen ein, das mit seinen Symbolen neben der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zu Altwürttemberg auch den Fellbacher Weinbau und die damals schon einige zwanzig Jahre lang gebräuchlichen Farben Weiß, und Rot der Ortsflagge kundtun sollte.

Die Heraldiker entwarfen ein geteiltes und halbgespaltenes, also dreifaches Wappen: Unter goldenem (gelbem), mit einer liegenden, fünfendigen, schwarzen Hirschstange belegtem Schildhaupt, vorne in Silber (weiß) eine blaue Traube, hinten in Rot der silbeme (weiße) lateinische Großbuchstabe F. Die Annahme dieses Stadewappens ist Ende Januar 1934 von der Hauptabteilung des Gemeinderats beschlossen worden, und die Archivdirektion hat kurze Zeit nachher die erbetene Zustimmung erteilt.

Dieses zweiundzwanzig Jabre lang geführt Stadtwappen hatte aber nicht allseits Beifall gefunden, und der Wunsch nach einem einfachen und klaren Wappen wurde laut. So ist zu Beginn des Jahres 1956 dem Hauptstaatsarchiv ein Vorschlag der Stadtverwaltung unterbreitet worden auf Annahme des - drei Wolfsangeln zeigenden - Wappenbilds der ältesten, siegelführenden Herren von Velbach und der mit ihnen verwandten, seinerzeit in Cannstatt ansässigen Herren von Stein (siehe Seite 54). In deren Wappen sind die drei gestürtzten Wolfsangeln in Schwarz (auf Gold) dargestellt; da das Geschlecht derer von Stein heute noch lebt, mußten zur Wahrung der wappenrechtlichen Korrektheit andere Farben in Vorschlag gebracht werden. Die Landesregierung von Baden Württemberg hat dann am 13. März 1956 der Stadt Fellbach das Recht zur Führung des neuen Stadtwappens mit folgender Beschreibung verliehen: "In Rot drei silberne (weiße) Wolfsangeln übereinander. Gleichzeitig wurde Fellbach das Recht zur Führung einer Flagge in den Farben Weiß-Rot (Silber-Rot) verliehen.