Rudolf Sehlenker 

DAS FELLBACHER VEREINSLEBEN

„Tres faciunt collegium . . .", drei Männer genügen, um ein Kollegium zu bilden, meint ein lateinischer Schriftsteller, aber bei uns zulande genügen zwei, die gleichen Interesses sind, und schon haben sie einen „Verein" gebildet.

Man hat die deutsche „Vereinsmeierei" darum schon oft spöttisch belächelt, zu recht und mehr noch mit Unrecht. Gewiß, die angeborene Neigung, sich zu irgend einem Behuf zusammenzutun — wir sind nun einmal kein Volk von Individualisten! — geht mitunter seltsame Wege, doch das ist allenfalls nur ein „zuviel des Guten" und darum verzeihlich.

Im Ernst, was wäre eine bürgerliche Gemeinschaft ohne Vereine, jene vielgestaltigen Zellen, in denen sich private Fähigkeiten und Talente, ideelle und nützliche, im Kreis von Gleichgesinnten und vor der Öffentlichkeit entfalten? Spiegeln doch nicht zuletzt das Vorhandensein und der Erfolg solcher Vereinigungen die Summe all' dessen wider, was Art und Wesen einer Stadt ausmacht, ihr eigenes, typisches Gesicht bestimmt.

Wenn in Fettbach während der letzten Jahrzehnte mehr als fünfzig der verschiedenartigsten Vereine und Vereinigungen ersprießliche Arbeit tun konnten, dann zeugt das nur von dem wachen, regsamen Sinn einer Bevölkerung, die aufgeschlossen ist für jede Form geselliger Ausdrucksfähigkeit und Betätigungsfreude.

Im weitgespannten Rahmen des Vereinswesens finden alle Belange menschlichen Lebens Pflege und Förderung, die geistigen, kulturellen und religiösen, die sportlichen wie die wirtschaftlichen. Hier hat die — auf Seite 142 ff. schon eingehend gewürdigte Bildungsarbeit der Fellbacher Arbeitsgemeinschaft so gut Platz wie die des Remstaler Naturheilvereins oder des "Homöopathischen Vereins. Neben dem Verein der Freunde des Friedrich- Schiller-Gymnasiums, der sich angelegen sein läßt, Schule und Schüler dort zu fördern, wo Stadt und Staat dazu nicht in der Lage sind, stehen der Schullandheim-Verein und der Verein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, dem der Zusammenhalt über die Schulzeit hinaus am Herzen liegt. Mit Lupe und Pinzette betreiben die Mitglieder des "Briefmarkensammler-Vereins ihr „hobby", das schon manch' wertvollen Preis und manche Medaille nach Fellbach brachte und sich auf großen Ausstellungen würdig präsentierte; die im Schachverein zusammengeschlossenen Anhänger des Spiels auf den vierundsechzig Quadraten sind gefürchtete Gegner in ihren Klassen, und wenn der Stadtjugendausschuß, der die Fellbacher Jugendgruppen vereint, eine Veranstaltung aufzieht, dann ist noch immer etwas Rechtes daraus geworden.

Sport und Spiel

Verhältnismäßig spät, erst mit der Gründung des Turnvereins im Jahre 1890, faßte der sportliche Gemeinschaftsgedanke auch in Fellbach Fuß. Seine Vorkämpfer, von denen erfreulicherweise heute noch einige als Ehrenmitglieder das Vereinsleben und das sportliche Geschehen mit reger Anteilnahme verfolgen dürfen, scheuten weder Mühe noch Anstrengung, das einmal begonnene Werk weiterzuführen und zu verbreitern. Daß der damals ausgestreute Samen auf guten Boden fiel, zeigte sich in den letzten Jahren, als der Name Fellbach dank ausgezeichneter sportlicher Leistungen weit über die Landesgrenzen hinausgetragen und auch in internationalen Sportkreisen zu einem festen Begriff wurde.

Als zweiter Verein bildete sich um die Jahrhundertwende der Turnerbund. Auch auf andern sportlichen Gebieten begann es sich jetzt zu regen, und 1905 stellte sich der Athletenbund den Fellbachern vor. Schon vor dem ersten Weltkrieg hatte dieser Verein in seinen Reihen Männer, die zur deutschen Spitzenklasse zählten — in einer Zeit, da den Athleten oft nur leere Zementsäcke als Ringermatten dienten und den Radfahrern noch keine asphaltierten Straßen zur Verfügung standen!

Im Jahre 1908 kam die Freude am Fußballspiel auf. Sie führte zur Aufstellung des Sportvereins, dessen erste Spiele auf dem Cannstatter Wasen und auf einer Wiese bei der heutigen Hallerstraße in Fellbach stattfanden. Zwar brachte montags der „Feldschütz" manchmal Strafzettel wegen Flurschadens ins Haus, aber der Verein blühte auf, bis der allgemeine sportliche Fortschritt 1914 jäh unterbrochen wurde.

Als der Krieg zu Ende war, begann sich in den Sportvereinen langsam wieder neues Leben zu entfalten. Während der Turnerbund selbständig blieb, schlössen sich 1920 Turnverein, Athletenbund und Sportverein zur Turn- und Sportvereinigung i 890 zusammen. Mit Arbeit, Fleiß und Hingabe schufen sich die Vereinsmitglieder draußen bei der Lehmgrube einen Sportplatz, der leider bald Neubauten weichen mußte. Im Gewann „Kühegärten", dem jetzigen Freibadgelände, entstand dann das neue Sportfeld der TSV Fellbach. Da die Anlagen nicht mehr ausreichen wollten, nachdem 1924 eine Gewichtsheberabteilung hinzugekommen war, wurde ein Jahr später in unmittelbarer Nähe ein Vereinsheim erstellt — unter schwierigen Umständen, aber mit eisernem Willen. Nach 1928, dem Gründungsjahr einer weiteren Unterabteilung, pflegte die TSV auch das Handballspiel.

Ein neuer Sportverein tauchte 1930 mit dem 1. Fußballclub auf, der zunächst einen Sportplatz auf den Flachswiesen, dann einen an der Ringstraße besaß. Der 1933 vollzogenen Auflösung des Turnerbundes folgte 1937 die Vereinigung der TSV mit dem 1. FC zur Sportgemeinschaft Fellbach 1890, ein Ereignis, das für die Zukunft viel versprach.

Zunächst freilich brachte der Ausbruch des zweiten Weltkriegs für die Fellbacher Sportler wieder schwere Rückschläge und Opfer: Mehr als hundert aktive Mitglieder 220 durften nicht mehr zu ihren geliebten Übungsstätten zurückkehren. Dem totalen Zusammenbruch des Reiches schien fürs erste auch das sportliche Leben zu erliegen, doch schon im Oktober 1945 fanden sich alte und junge Sportfreunde im heutigen Sportverein Fellbach 1 890 zusammen. Von diesem Großverein mit mehr als 1 500 Mitgliedern werden in neun Abteilungen alle wichtigen Sportdisziplinen betreut: Fußball, Handball, Leichtathletik, Schwerathletik, Judo, Schwimmen, Tischtennis, Turnen und Federball. Sein im Jahre 1956 neueingeweihtes Sportheim beim Stadion ist ein beredtes Symbol von Kraft und Zielstrebigkeit.

Neben dem Sportverein besteht heute noch eine Anzahl anderer Vereine und Gruppen mit sportlicher Zielsetzung. So erfüllt der Tennis- und Eislaufverein „Rot-Weiß" eine doppelte Aufgabe: Im Sommer mit Schläger und Ball auf dem roten Feld, im Winter beim Schlittschuhlauf auf spiegelnder Eisfläche. Erstaunlich, wie rasch sich der Tennissport in Fellbach eingebürgert hat! Es ist daher nicht verwunderlich, wenn der 1951 gegründete Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens schon beachtliche Erfolge erzielen konnte. Mit dem Winter zu tun hat auch die Skizunft, die zahlreiche Freunde dieses schönen Sports vereinigt. Audi sie vertritt den Namen Fellbach würdig über die Stadtgrenzen hinaus.

Die Segelflieger der Fiegergruppe Fellbach im Baden-Württembergischen Luftfahrtverband haben 1953 einen neuen großen „Vogel" erhalten, den Frau Marga Graser an einem schönen Sommersonntagmorgen „Maikäfer" taufte. Ein zweites Segelflugzeug, Typ „Spatz B", erhielt im Juni 1955 den Namen „Bote vom Kappelberg". Bei seiner Taufe unterstrich der Präsident des BWLV, Dr. Seifriz, die große Bedeutung des Segelflugs, der in seiner den ganzen Menschen erfassenden Eigenart zu einer kameradschaftlichen Lebenshaltung führe, deren erzieherisches Moment vor allem der Jugend zugute komme.

Nicht minder regsam ist der Radfahrer-Verein i905, dessen Mitglieder ihre Straßenfahrten in Fellbach austragen und dabei in Stadt und Land bekannt geworden sind. Ober den Radfahrern sei aber der Schützenverein nicht vergessen, der die Liebhaber des Schießsports zusammenschließt. Bei Veranstaltungen in Fellbach selbst und an vielen andern Orten konnte er schon vielfach mit hervorragenden „Ring"-Zahlen abschneiden und zahlreiche Meisterschaften erringen. Leider fehlt es ihm zur Zeit immer noch an einer geeigneten Üungsstätte, um die vor allem auch beim Nachwuchs vorhandenen Talente weiter zu fördern.

Wie sehr die Stadtverwaltung das sportliche Leben zu fördern gewillt ist, zeigte sich nicht zuletzt bei der Erbauung der Stadthalle (1937) und bei der Errichtung des Fellbacher Stadions (1953). Für alle Sportfreunde wurden damit Stätten von unschätzbarem Wert geschaffen. Im Jahr 1954 ging mit der Schaffung des Freibads darüber hinaus ein langgehegter Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung.

Es würde im Rahmen dieses kurzen Abrisses zu weit führen, all die vielen Erfolge aufzuzählen, die Fellbacher Sportler errungen haben. Daß allein der Sportverein schon mehr als hundert Württembergische Meisterschaften nach Hause brachte, bedeutet eine Leistung, wie sie kaum ein anderer Verein im Lande aufweisen kann.

Naturfreude und Wanderlust

Die rührige Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, die 1953 in der Fellbacher Stadthalle ihren sechzigsten, mit einer Jahrestagung des Gesamtvereins verbundenen Geburtstag feierte, erfreut sich einer großen Zahl von Mitgliedern und führt das ganze Jahr über Wanderungen in die verschiedensten Gebiete der schwäbischen Heimat durch. Eine weit über das Stadtgebiet hinausgehende Aufgabe erfüllt der Verein mit dem Aufstellen von Orientierungs- und Wegtafeln, die dem ortsfremden Wanderer den Weg zu landschaftlichem Erleben erleichtern. Darüber hinaus befaßt sich die Ortsgruppe, in der auch Volkstanz, Singen und Skilauf gepflegt werden, mit allen Fragen des Naturschutzes, wobei sie sich vor allem die Betreuung des Kappelbergs angelegen sein läßt.

Auch die Ortsgruppe des Touristenvereins „Die Naturfreunde", die am Kappelberg ein eigenes, vielbesuchtes Wanderheim besitzt, ist eifrig am Werk. In ihren Reihen hat jeder Gelegenheit, die Liebe zur Heimat, zu Pflanzen und Tieren, zu pflegen, sein Wissen zu erweitern, sich gemeinsam dem Wandern, Skilaufen, Bergsteigen, Musizieren oder Fotografieren hinzugeben, seine Freizeit sinnvoll und mit innerer Befriedigung zu gestalten. Das weitverzweigte Hüttenwerk der Organisation, das sich über die ganze westliche Welt erstreckt, ermöglicht den Mitgliedern zu erschwinglichem Preis auch große Ferienreisen ins Ausland.

Die beiden, in ihren Zielen verwandten Vereine bieten ihren Mitgliedern und Freunden regelmäßig interessante Lichtbildvorträge und andere lehrreiche Veranstaltungen. Daß sie auch eifrige Jugendgruppen besitzen, die sich in einer Zeit des mechanisierten Massenvergnügens der Freude an der Natur, dem Wandern, dem Gesang und dem Volkstanz widmen, verdient besondere Anerkennung.

Musik und Gesang

Zwei große, rührige und geachtete Vereine pflegen in Fellbach den Gesang: Der 'Männergesangverein und der Gesangverein „Vorwärts", dem auch ein Frauenchor angegliedert ist. Immer wieder treten sie mit stark beachteten Veranstaltungen vor die Öffentlichkeit; beide sind deshalb auch besonders wichtige Träger des örtlichen kulturellen Lebens. Es verdient festgehalten zu werden, daß beim fünfundsiebzigsten, festlich begangenen Jubiläum des Männergesangvereins im Jahr 1952 voll Dankbarkeit der sechzehn 222 sangesfreudigen Gründer gedacht wurde, und daß die Wertschätzung, die der Verein genießt, in der großen Beteiligung auswärtiger Vereine am Festzug und beim Wertungssingen zum Ausdruck kam.

Auch das im Juni 1956 würdig begangene fünfzigste Jubiläum des Gesangvereins „Vorwärts" machte allen Festteilnehmern deutlich, wie sehr hier die Liebe zum Gesang und die Freude am Lied eine Pflegestätte gefunden haben. Sowohl im Silchergau wie im Schwäbischen Sängerbund, denen beide Vereine angehören, zählen ihre Chöre zu den leistungsfähigsten. Chormeister Karl Rebholz leitet den Chor des Männergesangvereins, dem seit den dreißiger Jahren rund hundert aktive Sänger angehören; der zahlenmäßig etwa gleichstarke Chor des „Vorwärts" befindet sich bei Chorleiter Gerd Onnen in nicht minder kundiger Hand.

Einen guten Namen hat sich die Orchestervereinigung (Stadtkapelle) geschaffen, die bei vielerlei Anlässen innerhalb und außerhalb der Stadt in Erscheinung tritt. Ihre Veranstaltungen in der Stadthalle versprechen stets einen besonderen musikalischen Genuß, gar nicht zu reden von den beliebten Platzkonzerten vor der Lutherkirche und auf dem Ludwigsburger Platz. In jahrzehntelanger, mühevoller Arbeit hat die Vereinigung ihr heutiges Gesicht erhalten; das Blasorchester ist auf fünfundvierzig, das Streichorchester auf zweiunddreißig Mitwirkende angewachsen. Unter der Stabführung von Musikdirektor Eugen Leibbrand darf sich die Fellbacher Stadtkapelle zu den leistungsfähigsten im Verband süddeutscher Volksmusiker rechnen, eine Tatsache, die sich beim sechzigsten Jubiläum manifestierte, das im Juni 1951 nicht nur dreißig Kapellen des Verbands, sondern auch Schweizer Gäste in die Stadt führte.

Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die Arbeit des i. "Handharmonikaclubs, dessen Konzerte bei der Bürgerschaft viel Anklang finden, genau wie die Bestrebungen des Mandolinen- und Gitarrenclubs „Wanderfreunde". (siehe a. Seite 141).

Wirtschaftliche Ziele

An der Spitze der wirtschaftlich orientierten Vereine steht der Gewerbe- und Handelsverein. Maßgebende Vertreter dieser Vereinigung, die zahlreiche Handel- und Gewerbetreibende zusammenschließt, gehören dem Gemeinderat oder anderen kommunalen Gremien an. Die enge Zusammenarbeit des etwa 400 Mitglieder zählenden Vereins mit der Stadtverwaltung und die Leistungsfähigkeit des örtlichen Handwerks und Gewerbes kamen — in Gemeinschaft mit der ortsansässigen Industrie — bei der weit über Fellbach hinaus beachteten Ausstellung „Fellbach am Werk" vom 10. bis 18. Oktober 1953 offensichtlich zur Geltung. Daß der Stadt im Jahr 1946 das Wagnis gelungen war, eine „Fellbacher Schau" ins Leben zu rufen, hatte sie nicht zuletzt dem Gewerbe- und Handelsverein zu verdanken, der sich tatkräftig für das Unternehmen einsetzte.

Gleiches Verdienst darf auch die seit Sommer 1945 als freie Vereinigung von Industrie- und Großhandelsunternehmen bestehende Industriegruppe für sich beanspruchen, in der rund 50 alteingesessene und neu zugezogene Finnen ein Bild von der Vielseitigkeit des Fellbacher Wirtschaftslebens geben. Bei ihren Zusammenkünften werden in Vorträgen und Aussprachen aktuelle Fragen behandelt und Erfahrungen ausgetauscht. Besichtigungen von einheimischen und auswärtigen Betrieben vermitteln Anregungen.

Besondere Bedeutung kommt auch dem Haus- und Grundbesitzerverein zu. Seine große, ständig wachsende Mitgliederzahl ist nicht allein eine Folge des Wachstums und der raschen Entwicklung der Stadt, sondern zugleich auch ein Symptom für die Schwierigkeiten, die sich aus der jahrzehntelangen Wohnungsnot auch für die Hauseigentümer ergeben. Selbst wenn es den unermüdlichen Bemühungen der Stadtverwaltung weiterhin gelingen sollte, diese Not zu lindern oder gar zu beheben, bleibt dem Verein noch ein reiches Betätigungsfeld. Ähnliche Aufgaben, wenn auch mit umgekehrtem Vorzeichen, hat sich der Mieterschutzverein gestellt, der ebenfalls rege tätig ist.

Auch die Weingärtnergenossenschaft, die im Jahr 1957 auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken konnte, ist ob ihrer Bedeutung für den heimischen Weinbau und die Förderung des Absatzes aus dem wirtschaftlichen Leben der Stadt nicht wegzudenken. Wenn auch die Frage nahe liegt, ob diese Genossenschaft im Zusammenhang mit einer Schilderung des Vereinslebens zu erwähnen ist — auch bei ihr gilt der Grundsatz des freiwilligen Zusammenschlusses zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen. Im übrigen darf auf die ihr geltenden Ausführungen auf Seite 185 und auf Seite 242 ff. im Anhang verwiesen werden. — Rührig zeigt sich auch die Ortsstelle des Landesverbands jür das "Hotel- und Gaststättengewerbe.

Als besonders leistungsfähig gilt in Fachkreisen der Obstbauverein. Seine fortschrittlich gesinnte Leitung setzt sich energisch nicht allein für den örtlichen Obstbau, sondern ebenso für die möglichst ungeschmälerte Erhaltung der Fellbacher Obstbauflächen ein. Schon mancherlei Auszeichnungen wurden dem Verein, der seine rund 500 Mitglieder bei Vorträgen und Flurumgängen weiterbildet und mit vereinseigenen Motorspritzen rationelle Schädlingsbekämpfung betreibt, bei Ausstellungen zugesprochen. Jahr um Jahr setzt er sich, soweit die Ernte es erlaubt, in bemerkenswerter Weise für das Gelingen des „Fellbacher Herbstes" ein.

Wichtige wirtschaftliche Vereinigungen stellen ferner der Verein selbständiger Gärtner Fellbach/Schmiden, die Junggärtnervereinigung sowie der Siedler- und Kleingärtnerverein dar. Beachtlich in ihrer Tätigkeit sind ferner die Milchverwertungsgenossenschaft (siehe auch Seite 185), der Ortsverein des Landwirtschaftlichen Bauernverbandes (siehe ebenfalls Seite 185), die Landjugendgruppe, der vor allem die Pflege überkommenen Brauchtums am Herzen liegt, der Kleintierzüchterverein sowie die Ortsgruppen des "Bienenzüchtervereins und des Bundes für Vogelschutz.

224 Wie an andern Orten haben sich auch in Fellbach die Neubürger zusammengeschlossen. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft ist als Ortsverband stark vertreten; weitere Organisationen von Heimatvertriebenen sind im Bund der vertriebenen Deutschen vertreten (siehe auch Seite 175/176).

Zahlreiche Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Sozialrentner haben sich in der Ortsgruppe des Verbands der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands (VdK) zusammengefunden, die sich tatkräftig und erfolgreich für die Rechte ihrer Mitglieder einsetzt. Die gleichen Ziele verfolgt die Ortsgruppe des "Bunds deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener, ähnliche die des Bunds der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten.

Als streng unpolitisch bezeichnet sich der Verband der Heimkehrer, dessen Fellbacher Ortsverband der relativ stärkste in ganz Württemberg ist. In jüngster Zeit wurde eine Fellbacher Kameradschaft des Kyffhäuserbunds neugegründet, der alle ehemaligen Soldaten sowie die Hinterbliebenen der Gefallenen und Vermißten zur Sammlung aufrufen will und gleichfalls seine parteipolitische Neutralität betont.

Liebe zum Nächsten

Nicht wegzudenken aus dem Gemeinschaftsleben sind die konfessionellen und karitativen Vereinigungen Fellbachs. Getreu dem Wort „Was ihr getan habt einem unter diesen, meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" suchen die evangelischen Christen dem Gebot des Herrn zu folgen. In erster Linie werden diese Aufgaben von Gemeindekreisen, die nicht immer vereinsmäßig organisiert sind, aber regelmäßig zusammenkommen, verwirklicht. Solche evangelische Gemeindekreise sind:

1. Die evangelischen Missionsvereine der Luthergemeinde und der Paulusgemeinde. Beide wollen die Ausbreitung des Evangeliums unter den nichtchristlichen Völkern durch ihre Gaben, den Ertrag eines jährlich stattfindenden Bazars und in sonstiger Weise unterstützen.

2. Der Gustav-Adolf-Trauenkreis im Gustav-Adolf-Werk, das zu einer besseren kirchlichen Versorgung der zerstreut wohnenden Evangelischen beitragen will. 3. Der Evangelische Männerkreis, dem es vor allem um die Auseinandersetzung mit brennenden Gegenwartsfragen aus evangelischer Sicht geht.

4. Die vier evangelischen Frauenkreise der einzelnen Pfarrbezirke. Ihre Arbeit gilt der Mithilfe bei der Bewältigung der mannigfachen Aufgaben und Probleme, denen die christliche Frau und Mutter in Haus, Familie und Gemeinde gegenübersteht.

5. Die Evangelischen Mädchenkreise der Luther- und Pauluskirche sowie des Gemeindebezirks „Lindle". Sie wollen jungen Mädchen Anleitung geben, sich als Christen tu bewähren und ihre Pflichten in diesem Sinn anzupacken.

225 In den Jungscharen werden Kinder des fünften bis achten Schuljahres zusammengefaßt. Die Zusammenkünfte dieser Kreise finden entweder im Paul- Gerhardt-Haus oder im Evangelischen Vereinshaus statt.

Der Evangelische Verein (für Kinder- und Krankenpflege) wurde 1919, kurz nach Kriegsende und Revolution gegründet und übernahm die Aufgaben des Vereins für christliche Kinderpflege von 1865 und des Privaten Krankenpflegevereins von 1884. Um seinen vielfältigen Pflichten nachkommen zu können, kaufte der Verein, dessen erster Vorstand Schultheiß August Brändle war, noch im Gründungsjahr die Gaststätte „Zum Rebstock", Ecke Mozart- und Bahnhofstraße. Hier im Evangelischen Vereinshaus ist die Diakonissenstation mit fünf Stuttgarter Diakonissen untergebracht, ferner haben hier mehrere Mitarbeiterinnen und ein Kindergarten eine Heimstatt gefunden. Im Jahr 1933 wurde das Haus um einen Saalanbau erweitert. Hauptaufgabe des Evangelischen Vereins ist neben der Diakonissenarbeit der Betrieb von acht evangelischen Kindergärten, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Schwesternstation und Kindergärten werden mit den Beiträgen der Mitglieder, den Pflegegeldern der Kranken, den Elternbeiträgen sowie mit jährlichen Zuwendungen der Stadt, der Evangelischen Kirchengemeinde und anderer Stellen finanziert. Die Mitgliederversammlungen im Frühjahr und ein Kaffeenachmittag im Herbst sind Höhepunkte des Vereinslebens.

Auch das Wirken des Christlichen Vereins Junger Männer verdient festgehalten zu werden. Der aus dem ehemaligen Jünglingsverein von 1864 hervorgegangene Verein erwarb 1908 in der Schulstraße einen Garten, in dem später das „Gartenheim" erstellt wurde, das ihm heute noch als Heimat dient, nachdem es 1956 erheblich vergrößert wurde. Die Vereinsarbeit verteilt sich auf verschiedene Altersgruppen: Zur Jungschar kommen zehn- bis vierzehnjährige Buben, die Jungenschaft umfaßt die Vierzehn- bis Siebzehn- jährigen, und wer älter ist, gehört zum Jungmännerkreis. Bei den Jüngeren werden Spiel, Fahrt, Lager und dergleichen besonders gepflegt, während sich die Älteren mehr der Besprechung von aktuellen Lebensfragen zuwenden (siehe auch Seite 120).

Auch die Katholische Pfarrgemeinde Fellbach erblickt ihre Aufgabe darin, den Menschen seelisch und körperlich Gutes zu tun. Diesem Zweck dienen: 

1. Die Schwesternstation, die Kranken und Kindern dient und mit einer Nähstube zur Anfertigung oder Ausbesserung von Kleidern und Wäschestücken verbunden ist.

2. Die Gemeindecaritas, die vor allem bei seelischer und leiblicher Not einspringt.

3. Der von männlichen Mitgliedern der Pfarrgemeinde geführte Vinzenzverein der Diözese Rottenburg, dessen Aufgabe in erster Linie darin besteht, die Nöte kranker, alter oder sonstwie hilfsbedürftiger Männer und Familienväter zu lindern.

4. Der Elisabethverein, dessen Frauen sich der Armen, Alten und Verlassenen unter ihren Schwestern annehmen, der erholungsbedürftigen Mütter und Kinder, für die sie nähen, sammeln und Hand anlegen, wo es immer nottut.

Die Pfarrgemeinde nimmt sich besonders auch der Jugend an. So gibt es Gruppen für die schulentlassene männliche Jugend, aber auch für die aus den Oberschulen, ND, das heißt Neudeutsche Jugend, genannt. Schulentlassenen Mädchen stehen zwei Gruppen offen, eine für solche unter achtzehn Jahren und eine für Ältere. Dazu kommt noch die bekannte Kolpingsfamilie (siehe auch Seite 122). Auch die Volksschuljugend — männliche wie weibliche — wird, klassenweise zusammengefaßt, an schulfreien Nachmittagen von einem Geistlichen, beziehungsweise einer Klosterfrau betreut.

Schließlich besteht noch ein Kirchenbauverein, in dem sich jedes Mitglied je nach Leistungsfähigkeit zu einer monatlichen Gabe verpflichtet, um die Schuldenlast, die auf der Kirche ruht, zu tilgen.

Zwei weitere karitative Vereinigungen dürfen hier nicht fehlen. Die Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt Württemberg-Baden ist durch ihre soziale Arbeit längst zu einem festen Begriff geworden. Ihre Hilfe, die sie im Rahmen der Freien Wohlfahrtspflege entfaltet, gilt notleidenden Angehörigen aller Bevölkerungskreise, und zu ihren Hauptaufgaben gehören die Sorge für alte Menschen, die Betreuung erholungsbedürftiger Kinder, Hauspflege und weite Gebiete der Fürsorge überhaupt. In ihrem Ferienheim auf dem Kappelberg wird diese wertvolle Arbeit in erfreulicher Weise intensiviert.

Auf gleichem Gebiet betätigt sich auch der Verein Volkshilfe, dessen Einrichtungen dazu bestimmt sind, vor allem denen zu helfen, die unter den Folgen des Kriegs leiden und in ihrer Existenz bedroht sind (siehe auch Seite 217).

IM DIENST DER GEMEINSCHAFT

Durch die Eigenart ihrer hilfsbereiten Tätigkeit sind Freiwillige Feuerwehr und Ortsverein und Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes eng mit den Aufgaben der Fellbacher Stadtverwaltung verbunden.

Die freiwillige Feuerwehr wurde auf Beschluß der Bürgerlichen Collegien am 21. März 1888 gegründet. Ihre Alarmeinrichtungen bestanden zunächst nur aus Hörn- und Trommelsignalen. In einer Lokalfeuerlöschordnung aus dem Jahr 1913 wurde bestimmt, daß nunmehr die Alarmierung zusätzlich durch Läuten der Kirchenglocken und der Rathausglocke zu geschehen habe-. „Bei einem Brande im Ort darf ohne Befehl des Ortsvorstehers nicht Sturm geläutet oder das Feuersignal gegeben werden, es sei denn, daß die Flammen schon aus einem Haus herausschlagen."

Im Jahr 1921 beschloß der Gemeinderat, eine moderne Alarmanlage (Feuermelder und Sirenen) und in Verbindung damit eine Weckerlinie einzurichten. Wegen der hohen Kosten hat es jedoch noch fünf Jahre gedauert, bis die neue, im Rathaus untergebrachte und von der Polizeiwache zentral bediente Anlage in Betrieb genommen werden konnte

Entsprechend der fortschreitenden Ausdehnung des Stadtgebiets erfolgte auch der weitere Ausbau der Gesamtanlage. Die Zahl der Feuermelder stieg bis 1956 auf zweiundzwanzig, die der Alarmwecker auf einundvierzig, und aus drei Sirenen waren deren fünf geworden, die sich auf dem Rathaus, dem Postamt, der Pauluskirche, der Lutherkirche und auf dem Feuerwehrmagazin in der Schmerstraße befanden. Die Gesamtstärke der Wehr betrug zu dieser Zeit bis zu einhundertzweiundsechzig Mann.

Ein besonders verdienstvoller Kommandant war in den Jahrzehnten bis kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs der damalige Gemeinderat Gotthilf Volzer. Unter seinem Nachfolger, dem derzeitigen Kommandanten, Zimmermeister Ernst Plocher, und dessen Stellvertreter, Schlossermeister Ernst Pflüger, denen tüchtige und erfahrene Gruppenführer zur Seite stehen, befindet sich das überlieferte Erbe der Kameradschaft und Einsatzbereitschaft in guten Händen. Fellbachs Freiwillige Feuerwehr umfaßt gegenwärtig achtzig Wehrmänner, zu denen bei Übungen und im Ernstfall noch die Kameraden von der Werkfeuerwehr der Firma Mahle und von der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes stoßen.

Das von der Stadtverwaltung 1952 gebaute Feuerwehrhaus in der Wiesenstraße liegt äußerst günstig; es bietet Feuerwehr und Sanitätskolonne ein freundliches, zweckmäßig eingerichtetes Heim, nachdem das alte Gerätehaus in der Schmerstraße 1943 einem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. Hier befindet sich heute neben neuzeitlichen Gerätschaften auch die Zentrale für die gesamte Alarm- und Meldeanlage. Mit einem Aufwand von rund hunderttausend Mark wurde sie dort 1957 eingerichtet, da die bisherige im Rathaus nicht weiter ausbaufähig, technisch überholt und reparaturbedürftig geworden war. An die neue Anlage lassen sich bis zu sechzig Feuermelder und die Alarmwecker anschließen, so daß nicht nur für die im letzten Jahrzehnt entstandenen, sondern auch für künftige Stadtteile ausreichender Feuerschutz gewährleistet ist.

Die erste Gemeinschaft des Deutschen Roten 'Kreuzes ist 1925 in Fellbach gegründet worden. Schon damals erkannte man, daß ausgebildete Kräfte notwendig sind, um bei Unfällen rasche, sachverständige Hilfe zu leisten. In den folgenden Jahrzehnten eignete sich die Fellbacher DRK- Bereitschaft unter der verdienstvollen Führung des früheren Bereitschaftsarztes Dr. Eugen Wider und des damaligen Bereitschaftsleiters August Maile eine immer bessere Ausbildung an. Die erhöhten Gefahren und die Zunahme der Verkehrsunfälle führten schließlich dazu, daß ein Alarmsystem ausgebaut und eine Sondergruppe für schnellen Einsatz gebildet wurde. Im Durchschnitt werden von der Sanitätskolonne jährlich rund zweitausendfünfhundert Kranke oder Verletzte mit dem neuerdings angeschafften Daimler-Benz-Krankenwagen befördert und dabei etwa fünfundvierzig-tausend Kilometer zurückgelegt.

Der Ortsverein zählt heute nahezu zweihundert Mitglieder, unter denen sich sechsundsiebzig männliche und weibliche Aktive befinden, die zur Bereitschaft gehören. Besondere Förderung erfährt die Jugendgruppe des DRK, die aus vierundfünfzig Mitgliedern im Alter von dreizehn bis fünf zehn Jahren besteht. Die regelmäßigen wöchentlichen Übungen und Schulungen im Feuerwehrhaus leiten Bereitschaftsleiter Gottlob Walz und Bereitschaftsarzt Dr. Löffelhardt.

Die verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rot-Kreuz-Bereitschaft, ihr entschlossener, selbstloser Einsatz, hat sich schon oft, am sichtbarsten aber in den schrecklichen Bombennächten des letzten Krieges bewährt. Ihrer mit besonderer Anerkennung auch hier zu gedenken ist eine Ehrenpflicht, die wir dankbar erfüllen.

Ein alphabetisches Verzeichnis der Vereine und Vereinigungen, ihrer Vorstände und ihres Gründungsjahres, findet sich auf Seite 260 ff. im Anhang.