Fritz Frasch 

KLIMA UND WITTERUNG 

Im Hinblick auf die Temperaturverteilung in Württemberg befindet sich Fellbach in einer günstigen Mittellage; Teile des Neckartales mit Groß-Stuttgart und das württembergische Unterland sind noch etwas wärmer, während die weiten Flächen des Schwäbischen Waldes, der Alb, der Hohenloher Ebene und fast das gesamte östliche Württemberg ein rauheres Klima aufweisen. Das Jahresmittel liegt in Fellbach bei etwa 9° C; infolge seiner nach Osten, Norden und Westen freien Lage haben abkühlende Winde aus nordöstlichen Richtungen leichten Zutritt und bewirken einen niedrigeren Mittelwert als in Stuttgart, das ein Jahresmittel von etwa 10° C besitzt. Im Winter stellen Temperaturen unter —20° C relative Seltenheiten dar. In den letzten fünfundzwanzig Jahren wurden solche Tiefwerte nur in den Jahren 1929, 1940, 1942 und 1956 beobachtet. Temperaturen um und unter —10° C dagegen treten fast jeden Winter auf. Im Sommer pflegen die Tageshöchstwerte alljährlich an einigen Tagen 30° C zu überschreiten; die Anzahl solcher „Tropentage" ist in den einzelnen Jahren recht verschieden. Im Jahre 1947 wurden in Fellbachs näherer Umgebung je nach den örtlichen Verhältnissen 36 bis 38 solcher Tage registriert. An etwa 40 Tagen im Jahr steigt die Temperatur über 25° C an; aber auch die Zahl solcher „Sommertage" unterliegt starken Schwankungen. 

Der letzte Frost fällt im Frühjahr zum Teil noch im April, allerdings sind auch Fröste im Mai keine Seltenheit; sie können dann den Fluren schwere Schäden zufügen, wie dies im Jahre 1953 der Fall war. Im Herbst fällt der erste Frost meist in den Tagen um den 20. Oktober; auch ist es möglich, daß schon im September, der in den meisten Jahren durch einen besonders schönen und ausgeprägten „Altweibersommer" gekennzeichnet ist, die ersten Reifnächte beobachtet werden. Die Wärme des „Altweibersommers" ist für den Wein- und Obstbau von großer Bedeutung; in vielen Jahren erhalten die Früchte der Weinberge und Obstgärten erst dadurch die Möglichkeit des letzten Ausreifens. 

Die Niederschläge bewegen sich in Fellbach in mittleren Grenzen; der Mittelwert der Jahre 1891—1930 liegt zwischen 600 und 650 mm. Die Niederschlagshöhe von 1 mm entspricht dabei einer Niederschlagsmenge von einem Liter auf den Quadratmeter. Im Vergleich zur weiteren Umgebung liegt Fellbach am Südrande einer kleinen Trockeninsel, die sich über das Schmidener Feld bis in den Raum von Ludwigsburg erstreckt. Nach Westen und Süden steigen die Niederschläge langsam, nach Osten dagegen ziemlich rasch an. Als Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit möge die Niederschlagsmenge des Monats Januar 1950 genannt werden, die in Fellbach 34 mm, in Winnenden dagegen mit 92 mm fast das Dreifache betrug. Auch Groß-Stuttgart erhält durchschnittlich etwas mehr Niederschläge als Fellbach. 

Hin und wieder konnten auch in den letzten fünfzehn Jahren jährliche Niederschlagsmengen von mehr als 900 mm gemessen werden; die Jahre 1939 und 1940 sind mit 927 und 959 mm eindrucksvolle Beispiele dafür. Die Jahre 1948 und 1949 mit 587 und 511 mm sind dagegen Beispiele besonders trockener Jahre. 

Der trockenste Monat im Jahr ist meist der Februar; am feuchtesten sind gewöhnlich |uni und Juli mit Durchschnittswerten von 75 bis 80 mm Niederschlag. Gelegentlich kommen Monate vor, deren Niederschlagsmenge unter 10 mm bleibt, wie es in Fellbach z. B. im Oktober 1943 (0,7 mm) und im August 1947 (2,4 mm) der Fall war. Im Juli 1940 wurde die sehr hohe Regenmenge von 197 mm beobachtet. Die höchsten Tagesmengen schwanken zwischen 40 und 70 mm; diese treten fast ausnahmslos bei Gewittern und Wolkenbrüchen im Sommer auf, stellen aber seltene Ausnahmefälle dar. Meist werden im Laufe des Jahres etwa 6 bis 8 Tage mit mehr als 10 mm und etwa 4 Tage mit mehr als 20 mm gezählt. 

Nebel und der im Winter damit verbundene Rauhreif sind verhältnismäßig selten; die offene Lage begünstigt ihre Ausbildung nicht, so daß sie meist nur im Rahmen ausgedehnter Nebelwetterlagen und kaum als Folge örtlicher Verhältnisse auftreten. Die dabei gemessenen Niederschlagsmengen sind sehr klein und erreichen höchstens 2% der Gesamtmenge. 

Fellbach wird im allgemeinen von schweren Gewittern selten heimgesucht, auch Hagel ist äußerst selten. Die interessante Frage, ob die Gewitter den Flußläufen folgen, ist bis heute nicht einwandfrei geklärt. Die Verhältnisse in Fellbach scheinen eine solche Vermutung zu bestätigen. Man hätte dann an eine Abschirmung durch die westlich und nördlich vorbeiziehenden Wasserläufe von Neckar und Rems zu denken. 

Die beiden Trockenjahre 1948 und 1949 haben gelegentlich zu übereilten und unrichtigen Deutungen Anlaß gegeben. Von 1949 an wurden wieder höhere Niederschlagsmengen gemessen, die meist den langjährigen Mittelwerten sehr nahe kamen. Jedenfalls war bis Ende 1956 nicht zu erkennen, daß das Klima speziell im Fellbacher Gebiet oder ganz allgemein trockener geworden wäre. Die Schwankungen hielten sich durchaus noch innerhalb der Variationsbreite. Im letzten Grunde widersetzt sich eben die Natur immer noch mit Erfolg der Enträtselung ihrer Geheimnisse.