In den Straßennamen der Kappelbergstadt leben bedeutende Fellbacher Persönlichkeiten fort (3)

Oberfeldwebel Lipp als Schultheiß

Mit 54 Jahren wurde der Fellbacher im Jahr 1850 zum Schultes gewählt- Bis 1877 war er im Amt

Die Lippstraße zwischen der Mozartstraße und der Sebastian-Bach-Straße in Fellbach erinnert an den am 3. Juni 1796 in Fellbach geborenen und von 1850 bis 1877 hier amtierenden Schultheißen Jakob Friedrich Lipp. Die Lipps sind während der Wirren des Dreißigjährigen Kriegs, ums Jahr 1625, in Fellbach seßhaft geworden. Damals hatte an der Schule zu Fellbach, die eine Winterschule gewesen ist, der aus Neckargröningen stammende, ums Jahr 1580 geborene Witwer Hans Lipp das Amt des Schulmeisters übernommen. Im Juli 1627 hat er sich in zweiter Ehe mit Catharina Schäuble verheiratet. Ein zweitesmal verwitwet, hat Hans Lipp im Juli 1640 die Witwe des 1636 verstorbenen Schultheißen Simon Thusnit, die aus Neckarweiningen gebürtige Anna Schneider, geehelicht. Hans Lipp und seine Frau Anna sind aber nicht in Fellbach verstorben. Vermutlich sind sie 1646 nach der Anstellung des neuen Schulmeisters Hans Werther wieder an den Neckar in die Heimat eines der beiden Ehegatten zurückgekehrt.

Lipps Kinder, die Lipple, sind jedoch richtige Fellbacher geworden. Schon in der zweiten Generation gab's Weingärtner wie z. B. Balthaß Lipp, der 1652 Waldburga Mautz, heiratete. Deren Sohn, Johann Michel Lipp (1665 bis 1727), war auch Weingärtner, dazu Gerichtsmann zu Fellbach. Er hatte Agatha Schwilke zur Frau und mehrere Söhne. Von Beruf waren sie Weingärtner, Bäcker, Schuhmacher, Steinhauer und Maurer. Der Großvater von Schultheiß Lipp, Johann Michel (1716 his 1799) war Schuhmacher und seit 1742 mit Elisabetha Aldinger verheiratet. Deren Sohn, Johann Jakob Lipp (1757 bis 1831), wurde wieder Weingärtner. Er war viermal verheiratet, letztmals mit Elisabetha Margaretha, verwitwete Heß, geborene Rienth, aus welcher Ehe noch 8 Kinder entsprossen sind.

Das älteste war Jakob Friedrich Lipp, der spätere Schultheiß. Bei Beginn des zweiten Feldzugs der Verbündeten gegen Frankreich im Frühjahr 1815 wurde er zum Militär eingezogen. Er kam in die Garnison Stuttgart und brachte es nach wenigen Jahren zum Feldwebel. Er heiratete im Mai 1836 in Ludwigsburg Sophie Christina Katharina (1802 bis 1875), die Tochter des Stuttgarter Ratsdieners Roscher. Erst nach dreißigjähriger Dienstzeit schied Oberfeldwebel Lipp aus dem Militärdienst aus und kehrte in sein Heimatdorf Fellbach zurück.

Als Schultheiß Sayler (1782 his 1849)im November 1849 verstorben ist, wurde zu Beginn des Jahres 1850 der schon 54 Jahre alte Jakob Friedrich Lipp zum Schultheißen des Weingärtnerdorfes gewählt. Als achtzehntem Fellbacher Schultheißen seit Mitte des 16. Jahrhunderts nach Einführung der Reformation hat er noch 27 Jahre lang die Geschicke des Marktfleckens geleitet. Aus der Tatsache, daß er bis ins hohe Alter von 81 Jahren auf seinem Posten verblieben ist, lässt sich schließen, daß die Fellbacher mit ihm zufrieden waren.
Er hielt viel auf Disziplin, und alte Fellbacher wissen vom Hörensagen noch zu berichten, daß in der Schreibstube des Schultheißen Lipp auch stets ein Rohrstock bereitgestanden sei. Als Mahner zur Ordnung und Botmäßigkeit war Schultheiß Jakob Friedrich Lipp bis zu seinem Tod am 12.Oktober 1877 im Amt.