Der Evangelische Verein


Im Jahr 1919, jener Zeit, da die Grundfesten des Staates, der Kirche und des sittlichen Lebens zu wanken schienen, wurde der „Evangelische Verein" (E.V.) gegründet. Nach dem Protokoll der ersten Ausschußsitzung war der Zweck des Vereins, „Das christliche Leben in der evangelischen Gemeinde in Fellbach zu fördern". Insbesondere sollte auf die christliche Jugend das Augenmerk gelenkt werden. Zielbewußt, in bekannter Hingebung und Aufopferung, ging der Vorsitzende, Herr Schultheiß Brändle tatkräftig an die Arbeit mit seinem Ausschuß. Der Mangel eines eigenen Heims für unsere Vereine führte zum Kauf des jetzigen Vereinshauses , in welchem man hoffte, der gesamten Jugendpflege eine Zentrale schaffen zu können. Durch die widrigen Zeitverhältnisse, besonders der Wohnungsnot, kam dieser Plan leider nicht zur Erfüllung. Die Räume des Hauses waren mit den seitherigen Mietern besetzt, und erst nach einigen Jahren konnte wenigstens die Krankenpflegestation im Haus untergebracht werden. Der Wirtschaftsbetrieb diente allerlei gemeinnützigen Veranstaltungen: Speisungen für Erwachsene und Kinder in der Notzeit, kleineren Vereinsfesten u. A. Im Winter sammeln sich auch die Arbeitslosen seit Jahren in der Wärmestube des Ev. Vereinshauses.

In den Ev. Verein eingegliedert wurden gleich bei der Gründung die beiden Vereine für Kranken- und Kinderpflege. Letzterer besteht seit dem Jahr 1858, ersterer seit 1884. So ergeben sich die drei Tätigkeitsgebiete des Ev. Vereins. Was der Krankenpflegeverein für die Gemeinde bedeutet an äußerer und innerer Wohltat, ist allgemein bekannt und derer sind wenige, die nicht bei sich selbst oder anderen die treue, fachmäßige Pflege unserer Schwestern kennen gelernt haben. Die verstorbene Schwester Marie Schächterle, die hier noch in bestem Andenken steht, hat als erste Krankenschwester 41 Jahre lang treuesten Dienst an den Kranken getan. Ihr zur Seite trat in gleicher Weise 1908 Schwester Sofie Heß, die ihren Bezirk im oberen Ortsteil hat. Das Anwachsen der Bevölkerung veranlaßte den damaligen Ausschuß eine Station des Stuttgarter Diakonissenhauses hier einzurichten. Heute stehen drei Dakonissen in der Arbeit, die ebenso notwendig als segensreich ist. Es werden jährlich durchschnittlich 13 bis 14000 Besuche unserer Schwestern gemacht. Für Mitglieder des Krankenpflegevereins (Jahresbeitrag 3 RM) wird für den Besuch 20 Pfg., für die Nachtwache 50 Pfg. Gebühr erhoben. (Nichtmitglieder bezahlen das Doppelte.) Doch wird weitgehend Ermäßigung, bei Bedürftigen kostenfreie Verpflegung gewährt. Der Krankenpflegeverein zählt 1500 Mitglieder. Es ist im Interesse jedes Einzelnen und der guten Sache, Gebrauch von dieser Einrichtung zu machen und dem Verein beizutreten.

Der KinderpfIegeverein wuchs aus kleinen Anfängen heraus. Ein aus Holland zugezogenes Ehepaar Weimer nahm sich schon im Jahr 1842 der Kleinen an. Aus der Lindenstraße kam das „Kinderschüle" in den Saal Neuestr. 11, bis aus den von Frau Weimer u. A. gestifteten Geldern 1858 das eigene Heim in der Weimerstraße gebaut wurde. Heute sind dort zwei Schulzimmer, in denen zwei Schwestern ihren schönen und verantwortungsvollen Dienst tun an etwa 200 Kindern. Für Neu-Fellbach wurde 1913 im Betsaal Eberhardstraße eine dritte Kinderschule eröffnet. In ihr sind Knaben und Mädchen beisammen (durchschnittlich 100) und werden aufs beste betreut. Die hohen Zahlen der Kinder stehen nun in steigendem Maße nicht mehr im Einklang mit den Erfordernissen des Raumes und der Kraft der Schwestern. So hat sich der Ev. Verein entschlossen, durch einen Anbau am EV. Vereinshaus ein neues Lokal zu schaffen. Voraussichtlich wird diese vierte Kinderschule mit dem neuen Schulhaus eröffnet werden. Unzählige Kinder sind schon durch unsere Pflege gegangen. Der Segen für Eltern und Kinder läßt sich nicht zahlenmäßig verzeichnen, er steht aber wohl in vielen Herzen geschrieben und seine Früchte reichen bis in die Ewigkeit. - Die Gemeindeverwaltung hat allezeit ein weitgehendes, dankbares Verständnis und tatkräftige Unterstützung für unsere Kinderschulen und den Krankenpflegeverein aufgebracht, wofür ihr auch hier vom Ev. Verein der Dank ausgesprochen werden soll.