Das Feuerlöschwesen Fellbachs einst und jetzt

Von Feuerwehrkommandant G. Volzer

Ehe die freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, ist die Löscharbeit in der Gemeinde bei ausgebrochenen Bränden durch die Bürger und Bürgerinnen (letztere durch Wassertragen in Gölten verwendbar) ausgeführt worden. Die Löschgeräte, welche sich in einer angebauten Remise beim alten Rathaus befanden, bestanden aus zwei Pump- und Saugspritzen (wovon sich noch eine im jetzigen Magazin befindet), einer Anzahl Wasserbutten, Schapfen und Wasserkübel. Die Geräte wurden an den zwei in Fellbach stattfindenden Markttagen im April und September geprüft und zwar im Frondienst am alten See bei der Lutherkirche unter Anwesenheit des Schultheißen, Wegmeisters, Wegknechts und der dazu bestellten Bürger. Spritzenmeister waren die Handwerksmeister Gottlob Fr. Mack, Schmiedmeister und Friedrich Hoffmann, Schuhmachermeister. Das zum Löschen eines Brandes erforderliche Wasser wurde aus drei Seen gewonnen, wovon einer die Wette hieß, welcher sich an dem jetzigen großen Platz östlich der Krone befand und eine Tiefe bis zu 4 Meter hatte, der zweite See, alter See genannt, innerhalb des Orts, befand sich bei der Lutherkirche, wo jetzt der Kirchgarten ist, südlich der früheren Post; derselbe hatte eine Tiefe von 1 ½ bis 2½ Meter. Der dritte See, neuer See genannt, war außerhalb des Orts bei der neuen Kelter, welcher jetzt noch zu sehen ist, nur war derselbe viel größer und voll mit Wasser. (Letztere beiden Seen ersetzten früher das jetzt noch fehlende Stadion!) Außer den genannten Seen wurde das Wasser aus 7 laufenden Brunnen, der Eiche (jetziges Eichlokal und 70 Pumpbrunnen verwendet. 

Um nun bei einem Brande die Wasserzuleitung im Ort und ins Ort zu bewerkstelligen, waren Schwellvorrichtungen angebracht. In der Vorderen- und Hinterenstraße, wo vor der Kanalisation offene und später mit Platten abgedeckte Gräben angebracht waren, dort wurde das von den Seen abgelassene Wasser gestaut und zu Löschzwecken durch Führen mit Wagen und Fässern verwendet, festere Einrichtung blieb erhalten bis zum Bau der Wasserleitung. Aus den früheren Akten ist zu entnehmen, daß schon im Jahre 1869 von der Gründung einer Feuerwehr die Rede war, aber aus unbekannten Gründen nicht zustande kam, weshalb die bestehende Löscheinrichtung weitergeführt wurde, bis im Jahre 1889 durch Betreiben des damaligen Oberamtmanns Nickel eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde.

Im Jahr 1890 wurden die Wahlen der Führer vorgenommen und als Kommandant gewählt Bäckermeister Friedrich Seemüller, als Stellvertreter der jetzt noch lebende 80 Jahre alte Gottlob Seibold, Burgstr. 26. Die Mannschaft bestand aus 210 Mann, welche in 9 Züge eingeteilt waren. Das ganze Korps wurde sofort ausgerüstet mit Röcken, Messinghelm, Steigern und schmalen Gurten. Der Kommandant hatte einen weißen, der Stellvertreter einen weißroten, die Zugführer schwarze Haarbüsche auf dem Helm. An Geräten wurden angeschafft: eine neue große Druck- und Saugpumpe, desgleichen eine kleinere, eine 10 Meter lange doppelteilige Bockleiter mit Stützen, Haken und Dachreitern und den nötigen Schläuchen. Das Magazin befand sich in der alten Zehntscheuer in der Schmerstraße, an deren Stelle jetzt das Gemeindehaus steht, wo auch das jetzige Feuerwehrmagazin untergebracht ist. Die Ausbildung, sowie sämtliche Uebungen wurden an den Keltern ausgeführt, an der neuen Kelter war ein Steigerturm angebracht, welcher dem Umbau der Kelter im Jahre 1906 zum Opfer gefallen ist.

Die Verpflichtung der Mannschaft wurde durch Statut festgelegt und die Dienstzeit des Einzelnen auf mindestens 5 Jahre bestimmt. Feuerwehrpflichtig war, wie auch heute noch, jeder unbescholtene Mann vom vollendeten 23. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre. Ihre Hauptfeuerprobe bestand die Wehr am Abend des 7. September 1900, an welchem in der Scheuer des verstorbenen Wilh. Hummel, Vorderestraße 17 ein Brand ausgebrochen war und die benachbarte Scheuer des Karl Seibold, beide mit Holzfachwerkgiebel hart aneinander angelehnt und vollgepfropft mit Garben, mit Hilfe der Nachbarwehren ohne Wasserleitung gerettet wurde. 

Im Frühjahr 1901 trat Kommandant Seemüller, nachdem er das 50. Lebensjahr erreicht hatte, zurück und wurde an seine Stelle Wilh. Off, späterer Fleischbeschauer, gewählt, als Stellvertreter der jetzt noch lebende 74jährige Schreinermeister Wilh. Neef. 

Im Jahre 1902 wurde die Wasserleitung gebaut, welche sowohl für die Gemeindebürger als auch für Löschzwecke außerordentlich wertvoll und praktisch ist. Der natürliche Druck unserer Wasserleitung beträgt 6-8 Atmosphären, was die Leistungsfähigkeit der Wehr sehr begünstigt. Die Anschaffung von 4 Hydrantenwagen und die nötigen Schläuche erfolgte sofort, ferner wurde in den nächsten Jahren die schwerfällige Bockleiter abgeschafft und durch eine sehr praktische 14 Meter lange Magirus=Auszugleiter ersetzt; des weiteren wurden an den Schläuchen die überaus praktischen Giersbergkupplungen angebracht.

Im Frühjahr 1911 trat Kommandant Off, nachdem er sein 50. Lebensjahr zurückgelegt hatte, aus der Feuerwehr aus. An seine Stelle wurde Gotthilf Volzer gewählt. Im Jahr 1913 wurde vom Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des Herrn Schultheiß Brändle, eine Statutenänderung vorgenommen und die Mannschaft in 6 Züge mit 160 Mann eingeteilt. Im gleichen Jahr kam noch als neues Geräte hinzu: eine 18 Meter lange Magirus=Auszugleiter und drei 4 Meter lange Sägeleitern. Im Jahr 1920 wurden bei dem 1. Zug die bequemen Lederhelme und einige Jahre später bei den übrigen Zügen eingeführt. 1925 kam neu hinzu eine 8 Meter lange Auszugleiter mit Stützen. 

Im Jahr 1929 wurde eine sehr praktische aber auch finanziell stark eingreifende Einrichtung getroffen durch den Bau einer elektrischen Alarmanlage und Gründung einer Weckerlinie. Dieselbe besteht normal aus 36 Mann, nur ortsansässige Handwerker, von denen jeder an den Melder angeschlossen ist. Die Ausrüstung ist vollständig neu nach den württ. Vorschriften durchgeführt. Aus diesem Anlaß wurde der Mannschaftsstand auf 120 herabgesetzt und in vier Züge eingeteilt. Beabsichtigt ist im nächsten Frühjahr denselben noch mehr herabzusetzen und die Wehr nur in zwei Züge einzuteilen. An Neuanschaffungen kommt noch hinzu: ein Schlauchwagen, ein kompletter Gerätewagen, ein Minimax=Schaumlöscher und 1000 lfde. Meter Silberflachs=Schläuche. Wir sehen, daß die Gemeindeverwaltung keine Kosten scheut, um die Feuerwehr mit praktischen Geräten auszurüsten. Die Schulübungen werden größtenteils am neuen Schulhaus in der Kirchhofstraße ausgeführt

Die Freiwillige Feuerwehr Fellbach steht sowohl in der Ausbildung als auch an Geräten vorbildlich da. Als Wunsch ist noch unerfüllt: eine Motorspritze mit Mannschaftswagen; aber auch dies wird, nachdem Fellbach zur Stadt erhoben ist, nicht mehr lange auf sich warten lassen! Wir wünschen nun der Stadt Fellbach, daß sie auch fernerhin vor größerein Schadenfeuer bewahrt bleiben möge und die Feuerwehr von echt kameradschaftlichem Geist durchdrungen und an ihrer Spitze tüchtige Führer stehen.