Die Frauenarbeitsschule


Die Entwicklung der Frauenarbeitsschule umfaßt eine wesentlich kürzere Zeitspanne wie die der anderen Schulen. 

Während dort die Zahl der Schüler in engerem Zusammenhange mit der Einwohnerzahl steht, ist hier die Höhe der Schülerzahl der wirtschaftliche Wohlstand der einzelnen Gemeindeglieder ausschlaggebend. 

Nicht alle Eltern können ihren Töchtern eine Ausbildung auf dem Gebiet des speziell Fraulichen erlauben. In den meisten Fällen muß rasch eine Verdienstmöglichkeit ergriffen werden, oder tritt gleich zu Anfang die eigentliche Berufsausbildung stark in den Vordergrund. Dabei soll aber nicht vergessen werden, daß die Fähigkeiten für den eigentlichen Beruf der Frau den Hausfrauenberuf, in erster Linie und vor allen anderen geweckt werden müssen. In früherer Zeit ist man mehr von dieser Einsicht ausgegangen.

Schon im Jahre 1903 sollte die vorhandene Privatnähschule für Kleider- und Wäschenähen zu einer Nähschule unter Aufsicht der K. K. Kommission für die Fortbildungsschulen ausgebaut werden, die Notwendigkeit der Errichtung einer Schule war durch die fast zu hohe Schülerzahl der Privatnähschule hinlänglich bewiesen. 

Dieses erste Gesuch, das von einem einzelnen Bürger Fellbachs ausging, hatte noch keinen Erfolg. 

Im Jahre 1919 war die Lage aber so dringend geworden, daß einige Fellbacher Frauen ein erneutes Gesuch um Errichtung einer Schule einreichten. Von dieser Zeit ab befaßte sich nun der Gemeinderat näher mit diesem Gedanken. 

Es fanden Verhandlungen mit dem württ. Frauenverein statt, der die Ausbildung der Lehrerinnen übernommen hatte. 

Der Mangel an sogenannten „höher geprüften" Lehrerinnen war zu der Zeit ziemlich groß. 

Die Gemeinde mußte deshalb zunächst auf eine Schule, die dem „Gewerbeoberschulrat" unterteilt war und dadurch Anspruch auf einen Staatsbeitrag von 20-25% gehabt hätte, verzichten. 

Am 3. Januar 1921 wurde die Frauenarbeitschule mit zwei Klassen in Wäsche- und Kleidernähen eröffnet. Als Lehrerinnen wurde eine staatlich geprüfte Handarbeitslehrerin und eine Meisterin für Damenschneiderei angestellt. 

Der Lehrplan der Schule wurde nach den Lehrplänen der staatlich beaufsichtigten Schulen aufgestellt. 

Die Verhandlungen mit der Aufsichtsbehörde wurden weitergeführt, doch konnte in ablesbarer Zeit an keine Uebernahme der Schule gedacht werden, da von staatlicher Seite nicht genügend Mittel zur Verfügung standen. 

Am 14. April 1928 fand dann eine endgültige Lösung statt und am 28. April dieses Jahres wurde die Schule der „Ministerialabteilung für die Fachschulen" unterteilt. 

Eine staatlich geprüfte Frauenarbeitschullehrerin übernahm die Leitung der Schule, die beiden anderen Lehrerinnen blieben weiter in Verwendung. 

Neben den beiden Tageskursen in Wäsche- und Kleidernähen wurden noch im selben Jahre Abendkurse im Wäschenähen eingerichtet, die dann im Laufe der Zeit auch auf Kurse im Kleidernähen ausgedehnt wurden. 

Im Winter 1931 wurden Erwerbslosenkurse eingeführt. Es blieb bei dem einmaligen Versuch, da der Gemeinde nicht  genügend Mittel zur Verfügung standen. 

Die wirtschaftliche Lage der Schule erforderte im April 1933 das Ausscheiden einer Lehrerin. Die Kurse können also wie bisher weitergeführt werden. 

Es ist anzunehmen, daß mit dem Ausscheiden der Frauen aus dem rein männlichen Berufen auch unsere jungen Mädchen ein stärkeres Interesse an der Ausbildung ihrer handwerklichen Fähigkeiten bekommen. Das Bestehen und die Weiterentwicklung unserer Schule wäre damit gesichert.