Der Gartenbau in Fellbach


Fellbachs Gartenbau ist weit über sine Markung, ja weit über die Grenze Schwabens und sogar Deutschlands hinaus bekannt mit der überaus raschen Entwicklung Fellbachs bis zur Stadt hat auch der Gartenbau seinen Gleichschritt gehalten und stellt heute vor den Toren der Landeshauptstadt gleichsam eine Hochburg gärtnerischen Könnens und gärtnerischer Tatkraft dar. 

Ja, vor einem halben Jahrhundert, als Fellbach noch eine kleine Landgemeinde war, ahnte wohl kein Mensch, welche Ausdehnung der Gartenberuf in den nachfolgenden 50 Jahren nehmen könnte. Damals waren drei Betriebe im Orte, von denen der eine ein ausgesprochenes Platzgeschäft war und Erzeugnisse verschiedenster Art nach dem damaligen Bedarf züchtete und verkaufte. Die beiden andern jedoch hatten sich schon zu Beginn mehr spezialisiert und ihr Hauptaugenmerk auf die Anzucht von Obstwildungen und Obstbäumen gelegt, wodurch sie infolge der vorzüglichen Qualitätsware in ganz Württemberg bald bekannt wurden und folgedessen einen raschen Aufstieg nehmen konnten. 

Die Namen Aldinger, Mergenthaler und Schneck, die heute noch im Gartenbau Fellbachs erhalten sind, stehen in der Gartenbauchronik an erster Stelle. 

Um die Jahrhundertwende jedoch vermehrten sich die Betriebe von Jahr zu Jahr und neben den bestehenden Gärtnereien entstanden Topfpflanzen=, Schnittblumen- und vorwiegend ausgesprochene Gemüsebaubetriebe. 

Die günstige Lage, der gute, nahrhafte Boden und der Umstand, daß fast überall Wasser erhältlich ist, lockte manchen in der Großstadt verdrängten Gärtner nach Fellbach heraus, um hier feine Berufstätigkeit weiter auszuüben. 

Wohl war, wie auch heute noch, die Absatzmöglichkeit schon damals nicht immer lobenswert, doch mit Zähigkeit und Ausdauer gerüstet, arbeitete sich mancher Gärtner langsam aber stetig empor, sodaß sich die Gärtnereien Fellbachs heute schon sehen lassen können. 

Manche Neuheiten der letzten Jahre in Gladiolen, Dahlien und Rosen, in Vergißmeinnicht, Alpenveilchen, Geranien und dergleichen wurden in Fellbach aus der Taufe gehoben und auf manchen Ausstellungen preisgekrönt. 

Auch mehrere Gemüsezüchtungen, die auf beachtlicher Höhe sind, nehmen von hier aus ihre Verbreitung durch den Handel. 

Diese Aufwärtsentwicklung des hiesigen Gartenbaues, der heute etwa 40 Betriebe umfaßt, hat mit Bestimmtheit ihren Abschluß noch nicht gefunden. Denn immer mehr werden die Gärtnereien zwangsläufig aus der Großstadt verdrängt. Und hier steht Fellbach, prächtig im Sonnenlicht, hat weite, gute Felder und, was besonders beachtlich ist: seine Behörden haben ein offenes Ohr, auch für die Belange des schwer um seine Exstenz ringenden Gartenbaues.


 

Großgärtnerei Pfitzer

Als vor etwa drei Jahrzehnten in dem westlichen Teil der Landeshauptstadt Stuttgart eine besonders rege Bautätigkeit einsetzte, sah sich die im Jahre 1844 durch Wilhelm Pfitzer, der Großvater der jetzigen Inhaber gegründete, um die Jahrhundertwende schon umfangreiche und -weltbekannte Gärtnerei und Samenhandlung vor die Aufgabe gestellt, für ihre Pflanzenkulturen eine neue Heimstätte zu suchen. Die Wahl fiel auf Fellbach.

Hier in der Nähe des Bahnhofs erwarb die Firma in ganz freier und ebener Lage im Gewand Deschen ein entsprechendes Gelände und errichtete darauf die für eine Großgärtnerei und Samenzucht erforderlichen Verwaltungs- und Lagergebäude mit den nötigen weiträumigen Gewächshäusern, Frühbeetkasten, Ueberwinterungsräumen, Kellern etc. 

Das Samengeschäft und die Abteilung für gärtnerische Bedarfsartikel verblieb in den erweiterten Geschäftsräumen in Stuttgart, Militärstraße 74. 

Die Fellbacher Bodenverhältnisse, der gute so tiefgründige Lößboden, erwiesen sich wie vorausgesehen für gärtnerische Kulturen als besonders geeignet. So konnte in dem neuen Betriebe die Arbeit mit aller Energie fortgesetzt und die schon in Stuttgart mit großen Erfolgen betriebene Züchterarbeit, das Züchten neuer, besserer Sorten von Gemüsen und Zierpflanzen weiter ausgedehnt und ausgebaut werden.

Seitdem sind nun mehr als 25 Jahre vergangen, Jahre, die in ihrer großen Mehrzahl der Entwicklung, ja schon der Aufrechterhaltung eines derartigen Unternehmens so ungünstig wie, nur möglich waren; dennoch: die Namen „Pfitzer" und „Fellbach" find während dieser Zeit bei ungezählten Blumen= und Gartenfreunden des In= und Auslandes gewissermaßen zu einem Begriff verschmolzen.

Wandern doch Jahr für Jahr Pfitzer'sche Erzeugnisse des Fellbacher Bodens in Gestalt von Samen, Pflanzen und Knollen in alle Teile der Welt hinaus, als beweiskräftige Zeugen Fellbacher Fleißes und legen den Grund für den guten Ruf Fellbachs als Gärtner- und Blumenstadt.

Neben vielen Neuzüchtungen in anderen Pflanzengattungen, wie Phlox, Delphinium, Tritomen, Begonien und Canna sind es vor allem die farbenprächtigen Pfitzer'schen Edelgladiolenzüchtungen, die den Weltruf der Firma und damit Fellbachs begründet haben. Obgleich jetzt die Regierungen fast aller Staaten der Welt der Einfuhr gärtnerischer Erzeugnisse die größten Schwierigkeiten machen, so erwarten doch die Gladiolenfreunde aller Länder alljährlich die Pfitzer-Neuzüchtungen mit besonderer Spannung und Interesse; Pfitzer-Gladiolen werden preisgekrönt auf Ausstellungen in den entfernteren Ländern. Auf allen größeren Ausstellungen erscheint der Name Pfitzer als Präsident der deutschen und Vizepräsident der britischen Gladiolengesellschaft auf der Liste der Preisrichter. 

Gladiolenfreunde von nah und fern pilgern in den Sommermonaten nach Fellbach als dem Mekka europäischer Gladiolenzucht und sind begeistert von den hier erzielten Erfolgen. 

Dahlien, Rosen, Begonien und Blütenstauden sind die Kinder Floras, die außer Gladiolen mit besonderer Sorgfalt in großen Mengen auf weiten Feldern herangezogen werben.

Kein Wunder, daß, wenn alljährlich Anfang September die Firma Pfitzer alle ihre Kunden und alle Blumenfreunde aus Stadt und Land zu ihrer Blumenschau nach Fellbach ruft, all den vielen Tausenden von Besuchern die bunte Farbenpracht der Dahlien und Einjahrsblumenfelder, das wundersame Leuchten hunderttausender von Gladiolen, die zarten Farben und der Duft der vielen Rosensorten, das Blau und Gelb der herbstlichen Blütenstauden alle Jahre wieder ein besonderes Erleben bedeutet, Stunden reinster Freude, in denen des Alltags Sorgen vergessen und in den Hintergrund gedrängt werden.

Schön und lehrreich zugleich sind diese Pfitzer=Schauen, die dem Gartenfreunde, dem Siedler alles das zeigen, dessen er für seinen Garten bedarf und die auch dem Laien einen Begriff geben von der ungeheuren Arbeit, die dazu gehört, einen derartigen Betrieb aufrecht zu erhalten und ihm zeigen, was die Natur, was der Boden, die Scholle, deren Bedeutung im neuen Reich wieder zu rechter Geltung kommt, an Pracht und Schönheit der Farben und Formen herauszubringen im Stande ist, wenn des Gärtners Fleiß und geschickte Hand sie dabei unterstützen. 

Lehrreich auch ist der so vielseitige Betrieb für die vielen Angestellten, die hier Beschäftigung finden, besonders für diejenigen, die als junge Gehilfen hier ihre Kenntnisse erweitern, ihre Ausbildung fördern wollen; ihnen bedeutet der Aufenthalt beim Pfitzer in Fellbach eine Schule fürs ganze Leben.

Im Ganzen beschäftigt die Firma Pfitzer etwa 150 Arbeitskräfte, 17 davon länger als 10 Jahre, darunter 7 über 25 Jahre; auf den Betrieb in Fellbach entfallen etwa 60 Arbeitskräfte. Um das Ereignis der Erhebung Fellbachs zur Stadt auch auf ihre Weise zu ehren und zu würdigen, hat die Firma Pfitzer eine ihrer besten diesjährigen Züchtungen auf den Namen „Stadt Fellbach" getauft.

Möge nunmehr auch die Stadt Fellbach schützend ihre Hände über ihre vielen gärtnerischen Betriebe halten zum Nutzen der Gesamtheit des Vaterlandes.