Genossenschaftsbank Fellbach e.G.m.b.H.

Im Frühjahr 1890 wurde die jetzige Genossenschaftsbank Fellbach e.G.m.b.H., als Darlehenskassenverein Fellbach e.G.m.b.H. ins Leben gerufen. 34 Männer aus allen Berufszweigen unserer Gemeinde haben die Gründung einer Darlehenskasse beschlossen, um den Landwirten, Weingärtnern und Handwerkern die Möglichkeit einer vorübergehenden Geldbeschaffung zu erleichtern

In den Vorstand wurden fernerhin berufen: Karl Elsäßer als Vorsteher, Wilhelm Riehle, Schmiedmeister, Gottlob Sailer, Weingärtner, Johannes Bäuerle, Weingärtner, Karl Siegel, Kronenwirt. Schullehrer Eppinger wurde die Rechnerstelle übertragen. Am 21. April 1890 wurde mit dem Kassengeschäft begonnen. Wenn auch in den ersten Monaten der Umsatz in ganz bescheidenem Rahmen sich bewegte, so konnte am Ende des Jahres ein Umsatz von über 100000 Mk. festgestellt werden.

Um den Mitgliedern nicht bloß Betriebskapital, sondern auch die Beschaffung lebenswichtiger Waren zu erleichtern, wurde durch den Verein Saatfrucht, Brennmaterial und Düngemittel beschafft, und in uneigennütziger Art und Weise war der Vorsteher bestrebt, nur das Beste vom Guten den Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Die Folge dieses Verfahrens war eine ständige Zunahme der Mitgliederzahl, die bis Jahresschluß auf 54 anstieg. Mehr als alles Reden wirkte die Zeit. Wenn man bedenkt, zu welch niederen Preisen in der Mitte der neunziger Jahre die Landwirtschaft ihre Produkte abfegen mußte, Dinkel sank im Preise auf 4,30 Mk. pro Zentner und 1 Liter Milch kostete 10 Pfg., so ist es leicht erklärlich, daß auch das Handwerk nicht auf Rosen gebettet war.

Im Frühjahr 1894 übernahm W. Riehle, Schmiedmeister, nach Rücktritt von Schulleiter Eppinger die Rechnerstelle. 25 Jahre lang hat Riehle die Kasse mit peinlicher Sorgfalt und Treue verwaltet. Nach Ablauf der ersten 10 Jahre konnte ein Jahresumsatz von über 500000 Mk. gebucht werden. Das weitere Jahrzehnt brachte eine, wenn auch langsame, weitere Entwicklung. Vor Abschluß dieses Jahrzehnts im Jahre 1909 übernahm der Ende letzten Jahres verstorbene Kaufmann Heinrich Frey die Stelle des Vorstehers. Viel Arbeit erwuchs diesem durch die Folgen des Krieges. Durch die Rationierung konnte nur noch auf genossenschaftlicher Basis Saatfrucht und vieles andere beschafft werden und viele haben erst durch die Not die Mitgliedschaft zur Kasse schätzen gelernt. 

Nach zehnjähriger Tätigkeit trat Vorsteher Frey von seinem Posten zurück. Durch die Generalversammlung im Frühjahr 1919 wurde der Weingärtner Gottlob Schall zum Vorsteher und für den zurückgetretenen Rechner Riehle Kaufmann Gottlob Seibold gewählt. Die nun folgenden Jahre brachten wenig Schönes. Die Inflation brauste auch über die Darlehenskasse hin und vernichtete den Mitgliedern und der Kasse das in langen Jahren mühsam erworbene Vermögen. Jedoch den genossenschaftlichen Gedanken konnte der Zusammenbruch unserer Währung nicht zerstören.

Durch die Entwicklung dieser Jahre entstand bei der Vorstandschaft der Gedanke, die Darlehenskasse in eine Bank und gleichzeitig die unbeschränkte Haftung in eine beschränkte Haftung umzuwandeln. Auf einer zu diesem Zweck einberufenen Generalversammlung im Sommer 1923 wurde beschlossen, unter dem Namen Genossenschaftsbank Fellbach e. G. m. b. H. die Geschäfte des Darlehenskassenvereins mit einem hiezu bestellten Geschäftsführer auf 1. Oktober 1923 weiter zu führen. Die Räumlichkeiten zur Führung der Geschäfte wurden von dem früheren Vorsteher Frey in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt. 

Die nun folgenden Jahre zeigten eine stetige günstige Entwicklung der Bank. Die Mitgliederzahl wuchs auf über 700. Die Spareinlagen, die die Inflation wegfegte, konnten mit 15 Prozent aufgewertet werden. Im Jahre 1927 hat sich die Bank ein Gebäude in der äußeren Bahnhofstraße erworben und dort eine Filiale eröffnet, mit deren Entwicklung man sehr zufrieden sein kann. 

Die Deflationsjahre 1930/32 brachten noch einmal schwere Tage über die Bank. Doch berechtigt die hoffnungsvolle Entwicklung des Jahres 1933 bei der Genossenschaftsbank wieder mutig und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. 

Bei der Bank sind alle Bevölkerungsschichten und Berufskreise vertreten; sie ist ein gemeinnütziges Institut aller Kreise geworden. Segensreich hat die Genossenschaftsbank im Laufe der Jahrzehnte gewirkt. Wie mancher hat bei ihr den nötigen Kredit gefunden, um seinen Betrieb empor zu bringen. Es ist zu wünschen, daß von den guten Einrichtungen der ortsansässigen, alten Genossenschaftsbank auch weiter in steigendem Maße Gebrauch gemacht wird. Die Genossenschaftsbank steht im Dienste des Volkes, insbesondere der Landwirtschaft und des Mittelstandes. Der Wahlspruch jener Männer, die die Bank gegründet und weitergeführt haben, besteht heute noch: „Einer für alle und alle für einen".

Es gilt heute mehr denn je zusammenzustehen und in echter genossenschaftlicher Verbundenheit gemeinsam an dem Aufbau unseres Vaterlandes mitzuhelfen.