Entwicklung des Postwesens in Fellbach

Geschichtlich erwiesene Einrichtungen für einen geregelten Dienst zur Uebermittlung geschriebener Nachrichten treten in den Gebieten des Schwabenlandes erst im späteren Mittelalter auf, diese Einrichtungen waren, wie meist anderwärts in Deutschland, auf die staatlichen und städtischen Gemeinwesen gegründet.

Das neue Postamt

Vom Klosterboten über das landesherrliche und städtische Botenwesen, die Metzgerposten, die Führung der niederländisch italienischen Postkurse durch Württemberg, die Taxischen Postkurse, die kaiserliche Reichspost in Württemberg führte die Entwicklung im Frühjahr 1709 zur Einführung einer württembergischen Landespost, welche im Jahre 1920 an das Deutsche Reich überging. 

So hat sich die Post aus einfachen Verhältnissen heraus zu einer für alle Teile der Bevölkerung lebenswichtigen und unentbehrlichen Einrichtung entwickelt, bei der eine tadellose Betriebsabwicklung - Werktags und Sonntags, bei Tag und bei Nacht - als selbstverständlich hingenommen wird. 

Ganz ähnlich hat sich auch die Entwicklung des Postwesens in Fellbach vollzogen. Außer dem amtlichen Verkehr war im allgemeinen kein großes Bedürfnis nach einem postalischen Verkehrsmittel vorhanden, bis auch hier allmählich die Verhältnisse anders wurden und eine Abhilfe verlangten. Im Jahre 862 wurde in Fellbach eine eigene Postexpedition errichtet, die zunächst im Bahnhof untergebracht war. Diese Einrichtung wurde dann 1869 in den Ort verlegt und im Haus Cannstatterstraße 9 von dem Kaufmann u. Gemeinderat Sayler übernommen. Nachdem dieser sich im Jahre 1874 wegen Krankheit von seiner Stelle entheben ließ, wurde das Postamt, das bisher Cannstatt unterstellt war, selbständig und kam in die Neuestraße 10, von wo es nach einem Jahr in das Haus des Theodor Friz verlegt wurde, der bis zum November 1901 sein Amt versah. Das Postamt wurde dann am 1. Juli 1904 in den Neubau, Cannstatter Straße 29 verlegt, mit dessen Erstellung man die postalischen Bedürfnisse von Fellbach auf lange Zeit befriedigt zu haben glaubte. Aber schon im Jahre 1914 zwangen die Verhältnisse zur Errichtung eines zweiten Postamts am Bahnhof. Doch bald erforderte die gewaltige Entwicklung der Gemeinde Fellbach und die damit verbundene Steigerung des Postverkehrs eine Vergrößerung der beiden Postämter. Und so kam die Deutsche Reichspost nach Ueberwindung unendlicher Schwierigkeiten zu dem Entschluß, in der Stuttgarterstraße 7 ein neuzeitliches, allen Anforderungen einer so großen Gemeinde genügendes Posthaus zu erstellen. Der Bau ist in allen Teilen wohlgelungen und dürfte auch weitgehenden Ansprüchen genügen. Drei Postschalter sind geöffnet Werktags von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, Sonntags von 11 bis 12 Uhr. Neben den Münzfernsprechern im Bahnhof und im Rathaus ist noch ein solcher vor dem neuen Postamt aufgestellt. Im Postamt selbst stehen zwei Fernsprechzellen bereit, die Werktags von 7 bis 21 Uhr und Sonntags von 7 bis 12.30 Uhr und von 17 bis 19 Uhr benützt werden können. Telegramme können Werktags von 5 bis 21 Uhr und Sonntags von 5 bis 12.30 und von 17 bis 19 Uhr aufgegeben werden. Mit der Entwicklung von Fellbach hat sich auch die Zahl der Fernsprechteilnehmer, die bei der Einrichtung der Fernsprechanstalt im Jahre 1898 sieben betrug, gesteigert und beträgt jetzt nahezu 400, die an das Selbstanschlußamt angeschlossen sind. Zur Postbeförderung stehen Werktags 14 und Sonntags 4 Verbindungen zur Verfügung, so daß sich die hiesigen postalischen Einrichtungen denen in Städten mit größerer Einwohnerzahl ruhig an die Seite stellen können.