Ueber die Straßenbahn


Bis zum Frühjahr 1929 war Fellbach im Verkehr mit Stuttgart fast ausschließlich auf die Reichsbahn angewiesen. Daneben bestanden noch Kraftfahrlinien denen jedoch keine große Bedeutung zukam. Diese beschränkten sich im wesentlichen auf die Beförderung der Arbeiter nach den in Stuttgart gelegenen Großbetrieben. Der Wunsch der Bevölkerung nach einem besseren und billigeren Verkehrsmittel zur Landeshauptstadt ging in Erfüllung, als erstmals am 5. Mai 1929 die Straßenbahn von Stuttgart nach Fellbach fuhr. Sie entstand durch Verlängerung der bis dahin am neuen Cannstatter Krankenhaus endenden Linie. 

 

Stuttgarter Straße

Um von vornherein bei der Ausarbeitung des Fahrplans freie Hand zu haben und unabhängig zu sein, wurde die Bahn gleich zweigleisig ausgeführt. Gegenüber der Reichsbahn brachte die Straßenbahn eine erhebliche Verbilligung der Fahrt. Für 20 Pfg. kann man heute von der Schorndorferstraße bis zur Schiller=Neckar=Straße in Stuttgart fahren, während erstere bis Stuttgart Hauptbahnhof 40 Pfg. verlangt. Durch einen 12 Minuten=Verkehr ist für eine häufige Fahrgelegenheit gesorgt. Es ist nicht verwunderlich, daß Fellbach mit der Inbetriebnahme der Straßenbahn einen raschen Aufstieg genommen hat. Dieser kommt in der Zahl der und der zunehmenden Arbeitslosigkeit wieder abzunehmen. Erst in der letzten Zeit konnte ein leichtes Ansteigen der Frequenz festgestellt werden. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß dieser erfreuliche Zustand weiter anhält und die Straßenbahn in die Lage versetzt, den Beweis ihrer Leistungsfähigkeit zu erbringen, woran sie durch den Eintritt der Wirtschaftskrise gehindert wurde.