Der Weinbau in Fellbach
Von Landtagsabgeordneter Kugler.


Wann der erste Weinstock in Fellbach gepflanzt wurde, oder wer ihn gepflanzt hat, Römer oder Mönche, kann nicht mehr festgestellt werden. Urkundlich wird Fellbacher Wein zuerst unter den Weinen des Hofkellers im Jahr 1556 angeführt. Ferner hat 1559 Herzog Christoph Fellbacher Wein versandt. Selbst bei der Hochzeit Herzog Ulrichs durfte Fellbacher Wein nicht fehlen. Wir sehen daraus, daß der Fellbacher Wein seine Berühmtheit nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrhunderten besitzt. Die Weinberge liegen sowohl am südlichen wie nördlichen Hang des Kappelbergs. Die Bodenformation ist Keuper, nur in den höheren Lagen Sandstein. Die Weinbergfläche betrug im Jahr 1830 288 Hektar, heute noch 220 Hektar. Entfernt, und mit Obstbäumen bepflanzt wurden nur die niederen geringen Weinberge, welche sehr unter Frühjahrsfrost zu leiden hatten und deshalb im Ertrag unsicher waren. Die 220 Hektar große Weinbergfläche bildet ein geschlossenes Ganzes und wird mit großem Fleiß bewirtschaftet. Sie ist klein parzelliert und haben die einzelnen Weinberge eine Größe von 4 bis 30 Ar. 

 

Neue Kelter

Der Weingärtner treibt neben Weinbau noch Vieh- und Ackerwirtschaft, daneben auch Feldgemüsebau. Er ist sehr fleißig und sparsam. Während in früheren Jahren alle möglichen und unmöglichen Sorten angepflanzt wurden, beschränkt man sich gegenwärtig auf drei Hauptsorten, Trollinger, Silvaner und Rißling. Früher wurde nicht ein Schillerwein erzeugt, heute ein ausgesprochener Rotwein. Die Erziehungsart der Weinberge ist das Dreischenkelsystem am Pfahlbau. In neuerer Zeit geht man auch zu Drahtanlagen über. Von altersher hat Fellbach bis in unsere Tage den Ruf einer Edelweinbau-Gemeinde gewahrt. Nur ganz wenige Versuche wurden mit Hybriden gemacht, aber sehr bald sind dieselben wieder entfernt worden. 

Als Symbol von Fruchtbarkeit und Segen
gilt die Traube schon seit alter Zeit.
Und uns allen ist daran gelegen,
daß sie auch in Fellbach recht gedeiht.
Wer einmal den Saft davon getrunken,
will von seiner Süße nur noch mehr,
denn es birgt in sich der Sonne Funken
und der Erde Kraft die kleinste Beer!

Seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts treten auch in unsern Weinbergen die verschiedenen pilzlichen Schädlinge auf, welche aber immer sehr nachdrücklich bekämpft wurden. Ganz besonders kann aber diese Schädlingsbekämpfung erst durchgeführt werden, seit man daran ging, Nutzwasserleitungen zu bauen, oder Weinberghäuschen zu errichten, von deren Dächer das Regenwasser in größeren Behältern gesammelt und zum Bespritzen der Weinberge verwendet wird. Auch wurden zwei größere Weinbergregulierungen durchgeführt, deren neuangelegte Weinbergwege die Arbeit des Weingärtners erleichtern. Von der Reblaus blieben bis jetzt unsere Weinberge verschont.

Die Verjüngung der Weinberge geschieht mit selektioniertem, veredeltem und unveredeltem Pflanzenmaterial. Das Herbstgeschäft wickelt sich ganz in den Gemeindekeltern ab, deren Fellbach drei besitzt. Die sogenannte Dorfkelter steht am Fuße des Kappelbergs. Die Neue- und die Diebachkelter an der Straße nach Untertürkheim. In diesen Keltern sind alle Bütten unter Dach aufgeteilt, was mit dazu beiträgt, Qualitätsweine zu erzeugen. Zur raschen Bedienung der Weinkäufer sind in allen Keltern hydraulische Pressen vorhanden. Der Fellbacher Wein bleibt zu einem großen Teil in Fellbach selbst. Daneben sind Hauptabnehmer die Stuttgarter Wirte und Weinhändler. Er findet aber durch seine Güte auch den Weg ins Strohgäu, nach Oberschwaben und in den Schwarzwald. Der Verkauf findet zum größten Teil unter der Kelter statt, nur in wenigen Ausnahmefällen wird vom Weingärtner Wein eingelagert. 

Die Weingärtnergesellschaft, welche ihr Erzeugnis in der Diebachkelter hat, ist ganz neuzeitlich eingerichtet. Sie wurde im Jahr 1858 von Schulmeister Amandus Auberlen gegründet, mit dem Zweck, durch sorgfältige Lese und Klassifizierung der Weine, aus dem Fellbacher Wein das zu machen, was er heute ist, ein edler Tropfen für den Weinkenner. Dann aber auch den Weingärtner vor Uebervorteilung zu bewahren. Die Weingärtnergesellschaft verkauft ihr Erzeugnis in der Regel in einer Versteigerung, in welcher der Wein immer guten Absatz findet, sodaß ein Einlagern nie notwendig wurde. 

Möchten auch in den kommenden Jahren sich immer Männer finden, welche die Weingärtnergesellschaft in der uneigennützigsten Weise führen und damit dem Gesamtweinbau dienen. Möge aber auch der Himmel dem Weinbau in der Zukunft gnädig sein, ihm immer Regen und Sonnenschein zur rechten Zeit senden, damit der Weingärtner einen Lohn finde, für seine mühevolle aber auch schöne Arbeit.