Die Arbeiterbewegung in Feilbach zwischen 1890 und 1945 (5)

Die Entwicklungsgeschichte von SPD und KPD


Zuzüge aus Stuttgart verstärkten das bürgerliche Element im Ort - Attraktiv für Beamte und Angestellte


s Bevölkerung wuchs von 8027 Einwohnern im Jahre 1919 auf 11291 im Jahr 1933. Wie früher kam der Hauptzuzug an neuen Familien aus Stuttgart. Außer Arbeitern waren es auch verstärkt Angestellte und Beamte. Waren es nach dem Ersten Weltkrieg vor allem Versorgungsprobleme, die die Gemeinde beschäftigten, so trat im Laufe der zwanziger Jahre das Wohnungsproblem mit allen seinen Folgeerscheinungen wie Straßenbau, Kanalisation und Kläranlage, Ausbau des Schulwesens, Friedhofserweiterung und andere stärker in den Vordergrund. Mit Baudarlehen und dem Bau von Gemeindewohnungen versuchte man die schlimmste Wohnungsnot im Ort zu lindern, lockte aber dadurch wiederum mehr Auswärtige nach . Die Bereitstellung der entsprechenden Mittel belastete die Gemeindekasse ebenso stark wie die hohen Kosten, die sie ab 1926 aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit aufbringen mußte. Daher konnte die Gemeinde ein bereits 1924 geplantes größeres Industriegelände zwischen Bahnhof und Schorndorfer Straße erst ab 1930 erschließen. So mußte ein Großteil der Arbeiter weiterhin seine Arbeit außerhalb des Ortes suchen, weil die Zahl von 700 Gewerbe- und Handelsbetrieben mit etwa 2400 Beschäftigten im Jahr 1933 in nicht ausreichte.  Allein rund 1700 Arbeitnehmer pendelten im gleichen Jahr nach Stuttgart, und war damals der Ort, aus dem die größte Zahl von Pendlern nach Stuttgart kam. Damit fehlten der Gemeinde aber auch die Steuermittel, um die anfallenden  Ausgaben leicht zu tragen. mußte so die negativen Folgelasten der Industrialisierung tragen, ohne von ihr in finanzieller Hinsicht zu profitieren zu können. Oft mußten sich die Arbeitervertreter im Gemeinderat die Vorwürfe von seiten der Weingärtner und Gewerbetreibenden gefallen lassen, daß die Arbeiter zwar keine Steuern in den Ort brächten, aber andererseits hohe Forderungen an die Gemeinschaft stellten.
In der Arbeiterbewegung in zwischen 1919 und 1933 müssen vor allem zwei Aspekte beachtet werden: die Spaltung dieser Arbeiterbewegung in mehrere politische Parteien und ihr vergeblicher Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Die SPD, die verfassungstreue Partei der Weimarer Republik, die den 1919 geschaffenen Staat verteidigte und viele Male in der Regierungsverantwortung seine Innen- und Außenpolitik mittrug, erstrebte das Ziel des demokratischen Sozialismus auf parlamentarischem Weg. Dagegen wollte die KPD das Endziel der Diktatur des  Proletariats nach sowjetischem Vorbild - einem Rätesystem mit zentralistisch ausgerichteter Parteiherrschaft -  erreichen und sah als einen Weg dorthin das außerparlamentarische Vorgehen, wie Generalstreik oder bewaffneter Aufstand gleichwertig neben dem parlamentarischen Weg. Die USPD wurde zwischen diesen beiden Parteien aufgerieben und spielte in keine bedeutende Rolle. Mit dem Auftreten der KPD seit März 1919 verlor sie an lokalem Einfluß, auch wenn sie bei den Reichs- und Landtagswahlen von 1920 noch 11 Prozent der Stimmen im Ort erhalten hatte. Eine der Ursachen für die Gründung einer KPD-Gruppe in war eine allgemeine Enttäuschung der Arbeiter über die SPD, die in der verfassungsgebenden Versammlung in Stuttgart vor allem in der Frage der Sozialisierung viele Kompromisse mit den bürgerlichen Parteien hatte eingehen müssen, die deutlich machten, daß der politischen Revolution vom November 1918 nicht die von den Arbeitern erhoffte wirtschaftliche Revolution folgen würde. Arbeiteraufstände im Neckarraum, z. B. am Januar und April 1919 wurden von Regierungstruppen mit Billigung der SPD niedergeschlagen. Gestärkt wurde dadurch letztlich die bürgerliche Regierung. Nach dem Generalstreik vom April 1919 vor allem verließen mehrere Mitglieder die er SPD. Sie scheinen zum Teil bei der KPD ihre neue Heimat gefunden zu haben.  Beim Vergleich der er Reichstagswahlergebnisse mit denen des gesamten Reiches zwischen 1919 und 1933 können mehrere Auffälligkeiten festgestellt werden. Bei fast allen Wahlen lagen SPD und KPD zusammen in etwa drei Prozentpunkte unter den Durchschnittsergebnissen im Reich. Sie pendelten sich in der Weimarer Republik um die 34 Prozent ein. Gegenüber den SPD-Ergebnissen vor dem Ersten Weltkrieg bedeutete das einen Rückgang um etwa 15 Prozentpunkte. Auffallend sind weiterhin die Wahlergebnisse der KPD. Sie betrugen in der Regel zwischen 16 und 17% der abgegebenen Stimmen. Jeder sechste er wählte demnach KPD. Im November 1932 erhöhte sich der Stimmanteil dieser Partei bei den Reichstagswahlen im er Bereich sogar auf 20 Prozent. Dabei lagen die Ergebnisse der KPD in regelmäßig um 4 bis 5 Prozentpunkte über dem Reichsdurchschnitt. Sie waren übrigens oft mit den Stuttgarter Wahlergebnissen der KPD identisch.
Abgesehen von den Wahlen zur Nationalversammlung 1919, wo die SPD noch 38 Prozent der Stimmen erhielt, lagen die er SPD-Wahlergebnisse nur zwischen 15 und 18 Prozent bei Reichstagswahlen. 1924, 1930 und im November 1932 rangierten sie sogar noch hinter den Ergebnissen der KPD in
Vermutlich konnte die große Anzahl von zugezogenen Beamten und Angestellten von den beiden Arbeiterparteien in   [nicht] gewonnen werden. Sie neigte zunächst den liberalen Mittelparteien, also DDP und DVP, und den Deutsch-Nationalen zu, später den Nationalsozialisten. - Gerade in den Neubaugebieten hatte die NSDAP in ihre Hochburgen. - Vielleicht enttäuschte auch die Politik der SPD bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 und im Krisenjahr 1923 - äußerste Härte gegenüber der Linken, größere Milde und vor allem Konzessionsbereitschaft gegenüber den rechten Kräften - und ihre Unterstützung vieler bürgerlicher Regierungen viele traditionelle SPD-Anhänger.
Zudem entfaltete die KPD in den zwanziger Jahren in zusammen mit den Gewerkschaften und den Arbeiterkulturvereinen rege politische Aktivitäten, die in ihrer verbalen Radikalität manchen er Bürger wohl erschrecken und ihn in die Arme der konservativen Parteien treiben mochten.
Auffallend hoch ist nämlich auch der Anteil der Stimmen bei Reichstagswahlen und auch Gemeinderatswahlen für die Deutsch-Nationale Volkspartei und den Konservativen Weingärtner- und Bauernverbund s. Der Einfluß des Schultheißen Brändle, der zeitweise auch Vorsitzender der Deutsch-Nationalen in war, sollte dabei auch nicht unterschätzt werden.


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