FZ-Bild


EIN ALTES FELLBACHER HAUS STEHT an der Cannstatter Straße, etwas Bescheiden geworden; ihm gegenüber soll den Vorstellungen der Fellbacher Stadtverwaltung mit der Sanierung der Innenstadt begonnen werden.

In Stein gehauen, erinnert eine Inschrift an dem Haus „Anno D. 1735 stift und baut zur Ehre Gottes... von Thomas Kugler, Schultheiß allhier, und seiner Ehefrau Margaretha, Kuglerin." Darunter ist zu lesen: „Diese Inschrift ist vom 1. stellvertretenden Bürgermeister Johannes Kugler im Jahre 1947 erneuert worden." So hat also Johannes Kugler an seinen berühmten Vorfahren erinnert. Aber auch an diesem späteren Zusatz hat der Zahn der Zeit genagt. Schultheiß Thomas Kugler, der von 1678 bis 1738 gelebt hat, stiftete das Haus somit drei Jahre vor seinem Ableben. Im Fellbacher Kirchenbuch vermerkte Pfarrer Faber, daß 1735 in Fellbach durch fremde Soldaten eine Seuche in den Ort eingeschleppt wurde, der auch der Schultheiß Thomas Kugler zum Opfer fiel. Welcher Art die Seuche war, wurde von dem Pfarrer nicht mitgeteilt. 

Thomas Kugler soll, wenn die Angaben im Fellbacher Heimatbuch stimmen, nach seinem Tode grundlos verdächtigt worden sein, jahrelang wucherische Verträge abgeschlossen zu haben. Durch einen von ihm betriebenen Weinhandel habe er den Herzog Karl Alexander, der von 1684 bis 1737 lebte, schwer geschädigt. Aber dieser Verdacht war völlig unbegründet, es sein denn, daß der Schultheiß und Wengerter es verstanden hat, besseren Wein am Kappelberg anzubauen als des Herzogs Hofkammer. 

Der Fall wurde „gründlich" untersucht, je ein Regierungsrat und ein Hofkammerrat drohten Kuglers Erben gleich eine Strafe von mindestens 200 000 Gulden an,  sofern sie nicht „freiwillig" 3000 Gulden an die Geheime Amtskanzlei sowie 500 Gulden und 10 Eimer Wein an Süß Oppenheimer abführen wollten. Widerstrebend bezahlten die Erben das geforderte Geld plus 300 Gulden Gerichtskosten, doch konnte, so beschreibt es das Heimatbuch, der Wein „wegen dazwischengekommenen Todesfall Serenissimi noch zurückgehalten werden". Zehn Eimer Wein, das waren immerhin 3000 Liter oder 12000 Viertele. Der finanzgewaltige und Bedrücker von Land und Leuten, Süß Oppenheimer, war mittlerweile selbst vor Gericht gestellt worden, weil er das Geld für sich behalten hatte. 

Von 1721 bis 1735 war Thomas Kugler für das Dorf Fellbach der verantwortliche Mann, der Schultheiß, der alle Geschäfte besorgte. Das schlichte Haus des Schultheißen lag damals an der Landstraße von Cannstatt ins obere Remstal, und darum heißt die Strasse heute noch die Cannstatter Straße.


Bild: Irmgard Wagner