I. Beschreibung.

liegt im Herzen Württembergs, im Oberamt Cannstatt und zwar auf der 287 m über dem Meer gelegenen Hochebene zwischen Neckar- und  Remstal. Es ist die nächste Eisenbahnstation von Cannstatt an der Linie Cannstatt-Schorndorf-Aalen (Remsbahn) und Cannstatt-Backnang-Crailsheim (Murrtalbahn) und liegt hart an der Land­strasse Cannstatt-Waiblingen; mit der Bahn erreicht man Cannstatt in 10, Stuttgart in 20 Mm.; Waiblingen in 4 und Schorndorf in ca. 50 Mm., während auf der Landstrasse die Entfernung zu Fuss nach Stuttgart 7 km, nach Cannstatt 5 km und nach Waiblingen 4 km beträgt. Gegen Westen, Nordon und Osten von Fellbach liegt ein ausgedehntes, ebenes Feld, das durch die militärischen Übungen, die früher fast alljährlich auf ihm abgehalten worden, als sog. „Schmidener Feld” bekannt ist. Gegen Süden erhebt sich der 470 m hohe, aussichtsreiche Kappelberg, der auf seinen grossen, breiten Abhängen mit Reben bepflanzt ist.

Fellbach ist Gemeinde 1. Klasse und hatte an der letzten Volkszählung, 1. Dez 1905, im Ganzen 4999 Einwohner, worunter 4896 Evangelische, 79 Katholiken und 24 anderen Bekenntnisses. Bei der im Juni 1907 vorgenommenen Berufs- und Gewerbezählung zählte es 5561 Einwohner, hat also in 1 1/2 Jahren um rund 600 Einwohner – 12% zugenommen und ist seither im raschen Steigen begriffen. Der Ort ist ausgedehnt gebaut und ist eines der schönsten, ansehnlichsten und zugleich wohlhabendsten Dörfer des Landes. Der ältere Teil des Orts umfasst 3 Hauptstrassen : 1) die Cannstatter- und Vorderstrasse, welche nordwärts zur Landstrasse und zum Bahnhof, südwärts in die Rommelshäuserstrasse führt; 2) die Hinterstrasse, die von der Bahnhofstrasse hinaufführt in die Untertürkheimerstrasse und nach dem 3 ½ km entfernten Untertürkheim; 3) die Burgstrasse, die oben im Ort von Westen nach Osten hinzieht, die Vordere- und Hinterestrasse verbindet und nach dem östlich gelegenen 3 km entfernten Rommelshausen sich wendet. Diese 3 Hauptstrassen sind durch mehrere Querstrassen miteinander verbunden, lassen aber zwischen den einzelnen Häuserreihen ziemlich grosse Plätze frei, die vornehmlich als Baumgüter angelegt sind und damit dem ausgedehnten Ort ein malerisches Bild gewähren. In diesen älteren Strassen stehen meist grosse, geräumige Häuser, worunter nicht wenige Holz­häuser und zwar nach altschwäbischer Weise zum grössten Teil mit den Giebelseite nach der Strasse; in den Burgstrasse trifft man auch die fränkische Bauweise, wo die Giebelseite in einem Winkel zur Strasse erstellt und wo­durch den Bewohnern ein bequemerer Ausblick auf die Strasse nach rechts und links ermöglicht ist. Ausser diesen älteren Strassen und Häusern sind in den letzten 10 Jahren eine Menge von neuen Häusern und Strassen und ganzen Häuserquartieren entstanden, ein Beweis von dem regen, gesunden Baugeist, der seit vielen Jahren ununterbrochen hier zu Tage tritt. An neuen Strassen sind zu nennen die älteste derselben, die vollständig ausgebaute Karlstrasse, die in schnurgerader Linie die Rommelshäuserstrasse mit den Pfarrstrasse verbindet und die in die Karlsstrasse einmündende , in ganz neuester Zeit entstandene verlängerte Schmer- und Ziegelstrasse; neue Strassen sind ferner die in die Hinterstrasse einmündende Friedrichsstrasse, welch letztere die ebenfalls neu angelegte Wilhelmsstrasse durchschneidet; weiter ist zu nennen die verlängerte Bahnhof- und Cannstatterstrasse und die diese beiden Strassen verbindende Schulstrasse, Moltke- und Bismarckstrasse, die teils ganz ausgebaut sind, teils gegenwärtig mit Neubauten angelegt werden. Am regsten zeigt sich aber die Baulust in der äusseren Bahn­hofstrasse, wo die linke Seite nahezu ausgebaut ist und wo sich mit der links abzweigenden Werner- und Auberlenstrasse und den neuen Wohn-, Gas- und Fabrikgebäuden in der Nähe des Bahnhofs seit kurzer Zeit ein ganz neues, vorortartiges Häuserviertel gebildet hat. Dass mit diesem lebhaften Bauverkehr auch die Güterpreise sowohl zum Bau von Wohnungen und Fabriken, als auch zur Anlage von Gärtnereien, wie solche rechts an der Bahnhofstrasse in Ietzter Zeit 6-8 neue entstanden sind, in die Höhe gingen, lässt sich denken und kostet in dortiger Gegend heutzutage 1/4 Morgen Platz 4-6000 Mk., gegen 800 bis 1000 Mk. vor wenigen Jahren. Die Häuser in den ältern Strassen haben meistens einen weissen Verputz, die Neubauten zeigen äusserlich verschiedene Stielarten, innen sind sie schön und praktisch eingerichtet und können grössten Teils an die immer mehr zuziehenden Privatleute und Arbeiter auch rasch vermietet werden zum Preis von 150 Mk. für 2 Zimmer, von 150-250 Mk, für 3 Zimmer und 800-400 Mk. für 4 und mehr Zimmer. Wasserleitung ist überall, Gas oder elektrische Beleuchtung in den meisten Häusern eingerichtet. Die Ortsstrassen, von welchen die oben angeführten 3 Hauptverbindungsstrassen als Vizinalstrassen von der Amtskörperschaft zu unterhalten sind, befinden sich sämtlich in gutem Zustand; die älteren Strassen haben mit Steinplatten belegte oder gepflasterte Fusswege, die neu angelegten Strassen sind mit schönen aus Beton oder Plättchen hergerichteten Trottoirs versehen, namentlich befindet sich auf dem Weg zum Bahnhof an der 18 m breit und mit Vorgärtchen projektierten äusseren Bahnhofstrasse ein bequem zu gehendes, 2 m breites Cementtrottoir, das in allernächster Zeit durch die Cannstatterstrasse bis in den Ort herein fortgesetzt werden wird. Sämmtliche Strassen haben Gasbeleuchtung und sind im Ort gegen 76 Gasflammen aufgestellt, die von der Gasfabrik aus durch besonderen Ferndruck angezündet und gelöscht werden können. Ist dann auch die bereits beschlossene Kanalisation vom Bahnhof bis in den Ort und in diesem selbst durchgeführt, so kann sich Fellbach mit seinen Häusern, Strassenanlagen und gemeinnützigen Einrichtungen jeder grössern städtischen Gemeinde würdig an die Seite stellen.