XI. Schulwesen

Nach der Reformation dauerte es noch über 100 Jahre, bis auch hier eine regelmässige Schule mit einem eigenen Lehrer errichtet wurde. Das Schulhaus stand bei der Kirche und war von aussen ein Teil der um die Kirche führenden Ringmauer. Im Jahr 1693 legte der Mordbrenner Melac bekanntlich hier 178 Häuser in Asche, worunter auch das Schulhaus. Damals war, wie überall, die Not sehr gross und so konnte das zerstörte Schulhaus erst nach 2 Jahren wieder aufgebaut werden; dies geschah aber so notdürftig, dass im Laufe der Zeit es baufällig wurde und zuletzt mit Spriessen gehalten werden musste. Als es dann nicht mehr zu benützen war, musste zum Bau eines neuen geschritten werden. Dieses wurde erbaut aus den Steinen der alten Ringmauer; am 10. Nov. 1801 wurde es eingeweiht. Die Wohnung des Schulmeisters war an der Ostseite; unter derselben ging man auf einer über einen Wassergraben führenden Zugbrücke in den Schulhof. Am westlichen Ende stand ein Turm, ebenso einer am Nordwestende, der früher als Burgverliess, später als Ortsarrest diente. Die Südseite des Hauses war mit einer Rebanlage geschmückt. Da die Bevölkerung und die schulpflichtige Jugend aber immer mehr zunahm, musste das Schulhaus vergrössert werden. Dies geschah im Jahr 1875. Die Türme und mit ihr auch die Staffel am Kirchturm wurden abgebrochen, der Wassergraben zum grössten Teile trocken gelegt und ein Garten vor dem Schulhaus angelegt und auf der ganzen Länge des Hauses parterre 5 Schullokale eingerichtet und auf dem aufgebauten Stock 4 Wohnungen erstellt für Lehrersfamilien, sowie es heute noch ist. Ein zweites Schulhaus steht in der Neugasse; dasselbe wurde erbaut im Jahr 1845/46; es enthielt ursprünglich 2 Schullokale und eine Lehrerwohnung; im Jahr 1887 wurde noch ein weiteres Schullokal und eine weitere Lehrerswohnung dort angebaut, so dass nun 8 Schullokale vorhanden und 8 Lehrer angestellt waren. So blieb es mehrere Jahre, obwohl die Schülerzahl sich ständig vermehrte. So betrug z.B. dieselbe im Jahr 1899 573, im Jahr 1900 580, im Jahr 1901 591, im Jahr 1902 600, im Jahr 1905 670, so dass bei 8 Lehrer im Durchschnitt 84 Schüler auf 1 Klasse kamen. Infolgedessen war die Gemeinde genötigt, neue Lokale zu schaffen und dies geschah im Jahr 1906 durch den Bau eines neuen Schulhauses beim Friedhof. Der Platz hiezu wurde um 2 Mk. 80 Pfg. per 1 Qm. von dem inzwischen verstorbenen Notar Sayler erstanden. Das Haus wurde ausgeführt nach den Plänen der Firma Bihl und Wolz in Stuttgart mit einem Kostenvoranschlag von 80 000 Mk. Im Erdgeschoss befindet sich eine Schuldienerwohnung und ein Tuschbad für die Schüler, im ersten Stock befinden sich 2, im zweiten Stock ebenfalls 2 Schullokale und ein Lehrerzimmer und oben noch zwei weitere kleinere Lokale. Im Hause selbst ist Gasheizung eingerichtet. Mit der Erbauung dieses Schulhauses, das später noch erweitert werden kann, wurden 3 weitere Stellen geschaffen, so dass die Zahl der Schulstellen nunmehr 11 beträgt, nämlich 8 ständige und 3 unständige; die Zahl der Schüler ist gegenwärtig 832, somit kommt im Durchschnitt auf eine Klasse 76 Schüler. Ein weiteres zu Schulzwecken benütztes Gebäude, zu dessen Ausstattung Schultheiss Friz einen namhaften Beitrag spendete, befindet sich in der Schmerstrasse an Stelle der alten Zehntscheuer. In dessen Erdgeschoss sind die Feuerlöschgerätschaften untergebracht, im ersten Stock sind 2 Säle, welche als Industrie­ und Zeichensäle benützt werden; in einem ist auch das Vereinslokal des Jünglingsvereins. Das Schulgeld der Volksschüler betrug früher 40 Kreuzer, später 50 Kreuzer, 1857 1 Gulden, 1865 1 ½ Gulden und sei 1875 3 Mk per Schüler; Bedürftigen wird das Schulgeld erlassen. In den Schulunterricht eingegliedert ist auch der Handarbeitsunterricht für sämtliche schulpflichtige Mädchen; für denselben ist eine besondere Arbeitslehrerin angestellt. Ein solcher Unterricht wurde schon im Jahr 1869 eingeführt und hat der damalige Reg. Rat Kegele hiezu einen Beitrag von 10 Gulden gegeben, dieser Unterricht hörte aber 1871 auf, bis er 1896 wieder zur Neueinführung kam. Die früher dem Schulmeister zu reichenden Messnerlaibe wurden 1864 abgeschafft.

Was das Fortbildungsschulwesen betrifft, so gliedert sich die allgemeine Fortbildungschule in 2 Klassen für die Töchter und 2 Klassen für die Söhne; Pflichtbesuch bis zum 16. Jahre. Für die Gewerbelehrlinge besteht eine besondere gewerbliche Fortbildungsschule; dieselbe wurde als gewerbliche Zeichenschule schon im Jahr 1836 gegründet, ist aber dann im Jahr 1876 zu einer wirklichen gewerblichen Fortbildungsschule ausgebildet worden und hat neben Zeichnen auch wissenschaftlichen Unterricht und Buchführung in den Plan aufgenommen. Die Zahl der Lehrlinge, die 3 Jahre zum Besuch der Schule sind, beträgt 80-90. Seit 1902 besteht hier ein besondere Gewerbeschulrat; Schulvorstand ist derzeit Oberlehrer Eppinger. Seit 1902 bildet Fellbach mit Schmiden, Oeffingen, Rommelshausen, Stetten und Schanbach einen gemeinsamen Prüfungsbezirk zur Abhaltung von Lehrlingsprüfungen.

Noch ist zu erwähnen die Kleinkinderschule in der Weimerstrasse. Sie wurde, wie  bereits erwähnt, durch Privatier Wilh. Chr. Weimer, der aus Amsterdam hieher gezogen war, gegründet. Die Zahl der kleinen  Besucher, die nach dem Namen des Gründers heute noch "Weimerle" genannt werden, ist ca. 200, die Zahl der Kinderlehrerinnen 2.

Als erster definitiver Lehrer Fellbachs wird Joh. Schuhmacher genannt, der aber während des Interims ins Stift nach Stuttgart gegangen, aber dort entlassen wurde. Im Jahr 1649 wird als Lehrer hier genannt Nik. Werther, 1686 Wilh. Klein, 1691 Andr. Löffler, 1696 J. Lenz, 1710 J. Wegmann, 1739 W. Zaisser, 1756 Gg. Daniel Auberlen. Mit diesem kam der hiesige Schuldienst in 3 Generationen auf die Familie Auberlen. Der erste, der eben genannte Gg. Daniel Auberlen, vorher Lehrer in Markgröningen, kam 1756 hieher und starb 1784; ein Sohn von ihm, Wilhelm Auberlen, Kaufmann in Augsburg, ist der Stifter der 7 Ölgemälde in der Kirche. Der zweite der Generation war Nikolaus Ferdinand Auberlen; dieser wirkte hier 1784 - 1828; unter ihm war der spätere Musikdirektor Silcher als junger Lehrer hier angestellt, ebenso war damals Vikar Gluck hier, der ebenfalls ein tüchtiger Musiker war und u. a. das Lied komponierte: "In einem kühlem Grunde."

Der dritte Auberlen ist der noch den meisten Bewohnern bekannte Wilhelm Amandus Auberlen.Dieser erwarb sich hier grosse Verdienste nicht nur als Lehrer und Musikfreund durch Hebung des Gesangunterrichts und das Komponieren vieler Schullieder und Choralmelodien, sondern auch durch Gründung der hiesigen Weingärtnergesellschaft im Jahr 1858. Im Jahr  1873 trat er in den Ruhestand und starb den 29. Sept. 1874. Söhne von ihm waren Karl Aug. Auberlen,  gestorben 1864 als Professor in Basel, Ferdinand Auberlen, gestorben als Kommerzienrat in Stuttgart, Wilhelm Auberlen, gestorben 1874 als Kriegskommissär in Kirchheim u.T. und Adolf Auberlen, gestorben als Pfarrer in Hassfelden; dieser liegt hier begraben.

 Auf Oberl. Auberlen folgte im Jahr 1873 Oberlehrer Dölker, Vater des hiesigen Apothekers G. Dölker; er starb im Jahr 1892; dessen Nachfolger war Oberlehrer Roller, Vater von Canzleirat Roller in Stuttgart; nach dessen Pensionierung im Jahr 1900 wurde Schullehrer  Schmid zum Oberlehrer ernannt und nach dessen Tode im Jahr 1902 rückte an diese Stelle der jetzige Oberlehrer Eppinger, der seit dem Jahre 1880 hier angestellt ist. Bekannt sind auch die Namen der früheren Lehrer Hauser, Weber, Schaal, Fuchs, Baisch, Schmidhuber usw.  Die gegenwärtig hier wirkenden Schullehrer Fischer, Sommer, Gutbrodt, Zoller, Allgaier, Greiner, Rieger, die Unterlehrer Stengel und Löffler, die Unterlehrerin Steger und die Arbeitslehrerin E. Meidert.    

Eine Schule ist das Leben,
Die Schul’ zum Lernen uns gegeben,
Doch leider, wenn die Schul’ ist aus
Geht mancher leer von ihr hinaus.
So stehn gar viele drinn im Leben
Ohn allen Ernst, ohn alles Streben