Fellbach liegt im Herzen Württembergs, in einer geradezu paradiesischen Gegend; Ebenen und Hügel, erstere mit Korn und Obst bewachsen, letztere den perlenden Wein spendend, wechseln in schöner Weise mit einander ab und geben der Gegend seine herrlichen Reize. Ueberall finden sich schöne Strassen und Wege, dazu im Orte selbst treffliche Gasthöfe, so dass es kein Wunder ist wenn Fellbach zu jeder Jahreszeit das Ziel von Tausenden von Ausflüglern ist.
Nehmen wir vom Bahnhof aus unsre Schritte zunächst nordwärts, so gelangen wir in 20 Min. zu dem Ort Schmiden ("Schmidener Feld ausgedehnter Feldbau) und nach 5 Minuten nach Oeffingen (kath. schöne Kirche, noch vorhanden das Haus der Obervogtei des Domkapitels Augsburg) und zu der Staatsdomäne Tennhof (Pächterin die Stuttgarter Zuckerfabrik). Von dort kommen wir in weiteren 30 Min nach Schloss Remseck and dem Dorf Neckarrems (bedeckte Brücke über den Neckar) und von hier aus über Neckargröningen und Ossweil zu dem 7 km entfernten Ludwigsburg oder über Hochberg, Poppenweiler zu der 9 km entfernten Schillerstadt Marbach. Links von Schmiden kommt man nach Hofen (3 km Burgruine, Scyllawäldchen) und in 10 Min mittelst Fahrt über den Neckar nach Mühlhausen (Gedicht von Uhland: Ueber diesen Strom vor Jahren bin ich einmal schon gefahren; Freih. v. Palm'sches Schloss, Kirche). - NördIich von Fellbach zieht sich die Hauptstrasse Cannstatt- Schorndorf hin. Auf derselben erreicht man in 1 Stunde die Stadt Cannstatt.
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Gartenseite des neuen Wirtschafts Gebäudes beim Kursaal Cannstatt |
Dieselbe, obwohl zu Gross- Stuttgart gehörend, ist für Fellbach die Oberamtsstadt. Die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt wollen wir nicht alle aufführen, es sei nur hingewiesen auf die neue, schöne König-Karls-Brücke, ferner auf den Kursaal und dem neben demselben, sprudelnden Mineralbrunnen, sowie auf das schön und geräumig gebaute, neue Restaurationsgebäude mit dem grossen Wirtschaftsgarten und den auf dem Sulzerain angelegten prächtigen, ausgedehnten Kursaalanlagen.
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Kursaal in Cannstatt |
Von Cannstatt aus ist das auf der Berger Insel gelegene Leuze'sche Bad in 5 Min und das in Berg gelegene Neuner'sche Mineralbad (Besitzer K. Blankenhorn) in 10 Minuten zu erreichen, während man durch die K. Anlagen zur Residenzstadt in 1/2 Stunde gelangt. Was das Neuner'sche Etablissement betrifft, so erfreut sich das ausgedehnte Bad das ganze Jahr hindurch einer starken Frequenz; es führt eine vorzügliche Restauration, ausgedehnte Anlagen und einen geräumigen Wirtschaftsgarten, in dem über die Sommersaison jeden Tag musikalische- und andere Unterhaltung geboten wird und eben deshalb als ein beliebter und bekannter Ausflugspunkt gilt.
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Kirche in Berg |
In Berg ist ferner sehenswert die
K. Villa und die in gotischem Stile gehaltene Kirche, ein Geschenk von König
Wilhelm I. Von Cannstatt aus ist ferner leicht zu besuchen die K. Wilhelma
(Wilhelmatheater, prächtige gärtner'sche Anlagen und Gewächshäuser) und das
Landhaus Rosenstein (Sterbezimmer König Wilhelms I.)
Schlagen wir von Cannstatt aus unsern Weg gegen Norden über die alte
Wilhelmsbrücke ein, so kommen wir am Staigfriedhof und der neuen
Dragonerkaserne (Römerkastell) vorbei zu dem 3/4 Stunden entfernten
Aussichtsturm auf dem Burgholz, in dessen Nähe die K. Staatsdomäne Burgholzhof
liegt, dessen Pächter eine gute Restauration führt. Von
hier aus erreicht man durch die Weinbergwege in 1/2 Stunde bequem entweder die
Stadt Feuerbach, oder auf der Strasse links abbiegend am
Pragwirtshaus vorbei in derselben Zeit Stuttgart und Cannstatt.
Kehren wir wieder zurück zur Landstrasse bei Fellbach, so kommen wir auf
derselben in östlicher Richtung zu der 4 km entfernten alten Ghibellinenstadt
Waiblingen (alte Ringmauern mit Thorturm, äussere Kirche mit Grabdenkmälern
und einer germ. Kapelle.). Von Waiblingen aus erreicht man in 25 Min. das Dorf
Neustadt (früheres Bad, jetzt Erholungsheim der Ortskrankenkasse Stuttgart) und
in 40 Minuten den bekannten Weinort Korb.
So lassen sich von Fellbach aus
nach Norden, Westen und Osten ohne grosse Mühe die herrlichsten Ausflüge
ausführen. Die schönsten und lohnendsten Spaziergänge eröffnen sich uns
aber, wenn wir vom Bahnhof und der Landstrasse aus den Weg in den Ort und von
dort weiter nach Süden einschlagen.
Die Ortsstrasse rechts, die sog. Hinterstrasse, führt zu dem 3 1/2 km
entfernten Untertürkheim, von wo aus verschiedene Ziele erreicht werden
können. Die zweite Hauptstrasse, die links durch den Ort führt, die sog.
Vorderstrasse, und bei der Krone nach links abbiegt, führt zu dem 3 1/2 km
entfernten Rommelshausen und von dort in 30 Min entweder nach Stetten oder nach
Endersbach.
Schlägt man aber an der Krone bei der kleinen
Anlage den Weg geradeaus fort, so gelangt man zu den schönsten Punkten der
ganzen Umgebung, nämlich zum Kappelberg, dem Rotenberg und Kernen. Es ist
dieser Weg durch den Schwäb. Albverein mit Markierungs-Zeichen und Wegtafeln
näher bestimmt.
Kaum hat man den Ort droben in der Kappelbergstrasse verlassen, so kommt man zu
dem am Fusse des Kappelberges errichteten Reservoir unsrer Wasserleitung.
Von dort führt rechts ein vom hies. Verschönerungsverein mit Unterstützung
des Schwäb. Albvereins und der Gemeinde ein angelegter Panorama-Fusspfad, der
mit kleinen Uebergangsbrückchen, bequemen Staffeln, einigen Rondellen und
Ruhebänken reich an Abwechslung ist, bequem hinauf an der sog. Kassinilinde
vorbei zum Plateau des Berges.
In früheren Zeiten stand auf dem Kappelberg eine Kapelle, und zwar an der
Stelle, wo die h. Maria auf einem Baum einem Knaben erschienen sein soll. Diese
Kapelle war das Ziel vieler Wallfahrer. Im Jahr 1819 wurde die Kapelle, nachdem
sie eine Zeitlang dem Waldschützen als Wohnung gedient hatte, abgebrochen und
die Steine zu andren Zwecken verwendet. Heutzutage wallfahrtet man wegen der
herrlichen Aussicht hinauf, die man vom Berge aus geniesst. Mit dem Blick nach
Norden sehen wir Fellbach in seiner ganzen Ausdehnung bis zum Bahnhof, weiter
hinaus in grossem Bogen von Kornwestheim an bis ins Remstal hinüber ein Dutzend
von Ortschaften und im Hintergrund den Welzheimer und Mainhardterwald, die
Marbacher und Heilbronner Gegend mit dem Lemberg, Wartberg und Wunnenstein bis
hinüber zum Strom- und Heuchelberg. Ein Blick nach Westen eröffnet uns ganz
Cannstatt und einen Teil Stuttgarts, die ganze Feuerbacher Heide bis hinaus ins
Strohgäu. Wenden wir uns endlich nach Süden, so liegt unmittelbar vor uns das
Dorf Rotenberg und das Stammschloss Wirtemberg, ferner das liebliche Neckartal
mit Untertürkheim, Obertürkheim, Wangen und Hedelfingen, oben hinziehend die
grosse Filderebnen und im Hintergrunde ein Zug der Schwäb. Alb. Fürwahr ein
herrlicher Punkt, dieser Kappelberg und es darf uns nicht wundern, wenn schon
vor mehr als 50 Jahren ein Comite mit dem Plan umging, hier oben anlehnend an
den schützenden Wald, ein Kur- und Erholungshaus zu erstellen; vielleicht
bleibt die Verwirklichung dieses Planes unsrer gegenwärtigen Zeit vorbehalten.
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Uhlbach mit Rotenberg |
Vom Kappelberg aus kann der Wanderer verschiedene
Wege einschlagen; zwei führen nach dem Dorf Rotenberg und zwar der eine, ein
Fusspfad, hart dem Waldessaum, entlang; der andere führt durch den WaId bis zur
Markungsgrenze, wo er in ersteren einmündet und von wo aus Rotenberg in 20
Minuten erreicht. Es hat dieser Ort fleissige Bewohner, ausgedehnten Obst- und
Weinbau, Kirschenhalden; Kirche aus einer ehemaligen Kapelle umgebaut; 5 Minuten
aufwärts liegt Wirtemberg, das frühere Stammschloss der Württ. Grafen, das
vom Schwäb. Bund mehrmals zerstört wurde Jetzt befindet sich an dessen Stelle
eine griechische Kapelle, in deren Gruft die irdischen Reste von König Wilhelm
I, seiner Gemahlin Katharine und die Prinzessin Marie beigesetzt sind.
Besichtigung der Kapelle und der Gruft gegen 25 Pfg. Eintrittsgebühr gestattet.
| Seht ihr dort die Bergkapelle Goldbekrenzt im Abendstrahl? Friedlich glänzt sie himmelshelle, Niederwärts ins grüne Tal. Sei gegrüsst erlauchter Hügel Herzblatt unsres Schwabenlands! Lieblich in des Neckarsspiegel, malt sich ab dein Rebenkranz. (Gerok.) |
Von Rotenberg geht es hinab ins benachbarte Uhlbach, das von lieblichen Obsthalden und Weinbergen umgeben ist (Schönes Rathaus v. 1602, vor ihm das Urbansdenkmal, Neue Kelter, renovierte Kirche, Villa von Kommerzienrat Benger; geboren und auf dem Friedhof beerdigt ist dort Staatsrat und K. Leibarzt Dr. Ludwig +1865). Von Uhlbach aus gelangt man entweder geradeaus in 15 Min nach Obertürkheim oder auf einem andern Weg hinauf durch die Obsthalden nach Rüdern und von dort nach Esslingen. Wer früher zu einem Ziel oder zur Bahn gelangen will, benützt von Rotenberg aus den etwas steilen Abstieg nach dem 2 km entfernten Untertürkheim, von wo aus man entweder direkt nach Cannstatt oder über Wangen und Gaisburg (Gasfabrik, Schlachthaus) nach Berg und Stuttgart gelangen kann.
Gehen wir wieder zurück zum Kappelberg und benützen den östlich abführenden Waldweg, so kommen wir zur sog. abgebrannten Linde (Ruhebänke), wo rechts ein Weg nach Rotenberg, links einer nach Rommelshausen abführt, der Weg geradeaus aber zu dem von dort noch 30 Min. entfernten Kernenturm führt. Dieser Turm, der noch auf Fellbacher Markung auf dem 512 m hohen Kernenbuckel steht, wurde im Jahr 1896 durch die Ortsgruppe des Schwäb. Albvereins mit einem Kostenaufwand von 22000 Mk. erbaut. Er ist ganz massiv und hat eine Höhe von 26 m. Ueber seinem Eingang ist er geziert mit einer Bronzetafel, die das Albvereinszeichen und die Inschrift trägt: Erbaut von der Ortsgruppe des Schwäb. Albvereins 1896. Ueber dieser Tafel sind die Namen der Verfertiger des Entwurfs Architekten Heim und Sipple in Stuttgart und des ausführenden Baugeschäftes, Gebr. Mönch in Stuttgart eingemeiselt. An der Ostseite des Turmes befindet sich eine Schutzhütte mit Tisch und Bänken. An Sonntagen sind beim Turm mineralische Wasser und sonstige Erfrischungen zu haben. Auf dem Turm selbst, zu dem 135 Stufen führen, geniesst man eine grossartige Aussicht. Man kann dieselbe eigentlich weniger beschreiben, vielmehr möcht man allen Naturfreunden nun zurufen: Komm und siehe es! Man erblickt auf ihm nicht nur die ringsumm in den fruchtbaren Tälern und aufreizenden Höhenzügen gelegenen Hunderte von Ortschaften, sondern unser Blick schweift im Süden und Osten auch hinaus zur Schwäb. AIb vom Hohenstaufen bis zum Hohenzollern und Schafberg, im Norden und Osten hinüber bis zu den Mainhardtern- Waldenburgern- und Löwensteiner Bergen bis hinunter zum Odenwald mit dem Katzenkopf, und Westen sind bei gutem Wetter sogar die Züge des Schwvarzwaldes noch sichtbar.
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Inmitten von rauschenden
Buchen und Eichen |
Vom Kernenturm aus, der das ganze Jahr das Ziel Tausender von Ausflüglern ist, kann die Wanderung auf verschiedenen Wegen in die Nähe und Ferne ausgeführt werden; überall sind durch den Schwäb. Albverein Markierungszeichen- und Tafeln angebracht. Vom Kernen führen in die nächste Umgebung 5 Wege. Der erste führt nach dem 4 km entfernten Rommelshausen und von dort zur Haltestelle (1 km) oder zum Bahnhof Waiblingen (2 km). Der zweite Weg zweigt ab nach dem 2 1/2 km entfernten Stetten (Heil- und Pflegeanstalt, früheres Schloss, Ruine Yburg); und von dort zur Haltestelle (3 km) oder zum Bahnhof Endersbach (4 km). Zur Zeit der Kirschenblüte lohnt sich auch der Weg von Stetten nach Strümpfelbach. Ein dritter Weg, der vom Kernen abzweigt, ist der zur 3 km entfernten Katharinenlinde (Sage v. der h. Katharina; Schutzhütte).
Von dort kann man dann seinen Weg einschlagen entweder nach Rüdern (1 1/2 km) und Obertürkheim oder nach Krummenacker, Salzgrieser Kirche (1 1/2 km) und über die Neckarhalde nach Esslingen (3 km) oder endlich über den Kirschenbuckel, Serach, Palm'sches Schloss, Hohenkreuz (2 1/2 mm) und über die Esslinger Burg ebenfalls nach Esslingen (2 1/2 km).Vom Jägerhaus können nicht weniger als neun Ziele zur Weiterwanderung ins Auge gefasst werden, nämlich
Der weiteste aber lohnendste Weg, der vom Jägerhaus abführt, ist der bereits erwähnte schöne Waldweg nach dem 4 1/2 km entfernten Hohengehren, von dort auf der alten Kaiserstrasse über den Goldboden nach Schlichten (Kaiser- oder Barbarossalinde) um dann nach dem in 4 km erreichbaren Oberberken (Aussichtsplatte in der Wirtschaft bei Mutter Schnell) und dem weiteren 4 km entfernten Kloster Adelberg (sehenswert). Von dort führen mehrere Wege ab ins Remsthal nach Lorch oder Schorndorf. Wer aber diese Kaiserstrasse bis zum Endziel, dem Hohenstaufen, weiterbenützen will, der kommt vom Kloster Adelberg über Birenbach und Krettennof und wird v. Adelberg aus die Stammburg der alten Hohenstaufen (Schutzhütte, im Dorf Hohenstaufenkirchlein) in 1 3/4 Std. erreichen. Vom Hohenstaufen aus lassen sich nun wieder verschiedene Wege einschlagen: einer führt über Maitis durchs Beutenbachtal nach Lorch (Kloster), Entfernung 13 km, ein anderer über den Hohenrechberg nach Gmünd, Entfernung 15 km und endlich ein dritter ins Filstal nach Göppingen, Entfernung 8 km. Vom Jägerhaus bis zum Hohenstaufen ist die Entfernung 28 km, von Kernenturm aus 33 km. Der Weg führt mitten durch den Schurwald, der mit seiner herrlichen Landschaft und den verschiedensten Aussichts- und Ausblickspunkten für den Wanderer viel Interessantes bietet und zu den schönsten Wanderungsgebieten zählt. Endlich sei vom Jägerhaus aus noch erwähnt
Der Weg wie vorher, nämlich zuerst zur eisernen Hand, Zellertriebung und Weinsträsschen, dann zum Weissen Stein, Plochingen Aussichtsturm und bis zum Bahnhof Plochingen. Ganze Entfernung 16 km.
Damit wären wir mit der Schilderung der Umgebung Fellbachs und der Ausflüge, die von Fellbach aus gemacht werden können, zu Ende. Möchten recht viele Ausflügler hieher kommen und sich selbst überzeugen von dem Reize unsrer Gegend. Allen wünschen wir von Herzen frohe Wanderslust!
| O Wandern, o wandern, du freie
Burschenlust! Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust; Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt; Wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt! |
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