Fellbach, Vordere Straße 2

Platzbrunnen, Löwenbrunnen


Alter Platzbrunnen, Löwenbrunnen, gebaut 1738. Links das Conradi-Haus.

Der Bote vom Kappelberg 30. Januar 1904

Der im letzten Blatt erwähnte, im Schwäb. Albvereinsblatt erschienene von E. Gradmann verfaßte Artikel über "Altväterische Kunst und neuzeitliche Denkmalspflege in Fellbach" lautet:

Mancher, der zum Kernen aufsteigt, mag sich schon in Fellbach des Marktbrunnens gefreut haben, der vor den Renaissancebau der Apotheke steht und den Prospekt der Dorfgasse mit ihren alten Fachwerkgiebeln so reizvoll abschließt. Obwohl nicht einheitlich, denn der Trog oder Fischkasten ist bezeichnet mit der Jahreszahl 1738, die Säule mit 1765, ist er doch ein gelungenes Beispiel der Gattung , die sich gegenwärtig der besonderen Aufmerksamkeit des Kunstbeflissenen erfreut. Die Gußeisenplatten mit den altwirtenbergischen Wappen und den eleganten Barockelementen, wohl ein Werk der Königsbronner Hütte; dann die Säule mit den Masken und den schmiedeeisernen Rohrträgern, mit den kräftigen Gesimsen und den Kartuschen; und endlich der schildhaltende Löwe im heraldischen Stil, dies alles ist in seiner Art mustergiltig. Dieser Brunnen soll nun, nachdem Fellbach eine Hauswasserleitung bekommen hat, abgebrochen werden. Die Abmahnungen der Sachverständigen sind ebenso erfolglos gewesen als das Anerbieten eines Bürgers, die Kosten einer Restauration auf sich zu nehmen; dies zur selben Zeit, wo im nahen Uhlbach durch die Freigiebigkeit eines Kunstfreunds ein Brunnen ähnlicher Art neugeschaffen wird! *)

Noch besitzt Fellbach etwas von dem Charakter eines altwürttembergischen Marktfleckens, Riegelbauten mit verzierten Unterstöcken aus der Renaissancezeit, und jene glückliche Anpassung des Menschenwerkes an die Natur, seine Uebereinstimmung mit der Landschaft, wie es den Alten ungesucht gelang. Reizend ist namentlich die Grede, die bedeckte äußere Treppe am Rathaus in orginellen Frührenaissanceformen. Eine Inschrift nennt die Namen der Fellbacher und Esslinger Maurer, die den Bau geschaffen. Möge ein günstigerer Stern über diesen Resten von der Kunst der Väter walten!

Interessant ist auch der Friedhof mit dem Glockenturm in einer Ecke der Mauer, die nach altem Brauch Nischen für Grabdenkmäler der Ehrbarkeit enthält und mit der in Sandstein ausgeführten Gruppe des Gekreuzigten, zu dessen Füßen Adam und Eva als Auferstandene knien, eine Stiftung des Pfarrers Maicler, der als lateinischer Dichter einen Ruf besaß (1611). Von der Kirche sind Turm und Chor alt, das Werk Meister Peters von Cannstatt (1519, 1524). Der Turm mit dem Satteldach und den filialenbesetzten Giebeln gehört zu den wertvollsten Mustern aus der Spätgotik des Landes. Einst, bis ins 19. Jahrhundert herein, umgab die Kirche eine Kirchhofmauer, die an Wehrhaftigkeit ihresgleichen suchte.

*) Der Uhlbacher Brunnen ist inzwischen schon von Bubenhand beschädigt, der Fellbacher im Juli [1904] beseitigt worden.


Gemeinderatsprotokoll vom 04.Juni 1903

Vermöge Beschlußes des bürgerlichen Kollegiums vom 4. Juni 1903 (Seite 411) ist bestimmt worden, daß der Platzbrunnen abgebrochen werden soll, dagegen wurde dem Notar Sayler gestattet den Brunnen in die Mauer bei der Apotheke auf seine Kosten zu versetzen.

Nach der vorliegenden Prüfung wird es sich schlecht ausnehmen, wenn die Wand neben dem Gebäude des Karl Seibold (in der Vordergasse) in ihrem dermaligen Zustand belassen wird, weshalb beantragt wird, dieselbe entsprechend der vorliegenden Zeichnung umzubauen bzw.  neu auszuführen und mit 1 steinernen Säule , an welche das Thor angeschlagen wird, zu versetzen und zwar auf Kosten der Gemeindekasse.

Der an die Mauer angehängte Holzstall wäre auch auf Kosten der Gemeindekasse abzubrechen und neu aufzubauen. Nach erfolgter Berathung wird beschloßen, die gestellten Anträge zu genehmigen und die Kosten auf die Gemeindekasse zu übernehmen.


Platzbrunnen um 1904

Der Bote vom Kappelberg, 11.August 1904

Nachdem die Kirche im Innern eine Renovation erhalten hat, erhält dieselbe auch außen einen Neuanstrich; dasselbe soll auch in Bälde geschehen mit dem daneben stehenden Schulhaus, das namentlich an den Wetterseiten einen wünschenswerten Verputz vonnöten hat. In schöneren Zustand ist nun der Schulabtritt versetzt, während dagegen die andere Umgebung der Kirche, nämlich der aufgefüllte See und der frühere Schulgarten immer noch ein wirres Bild dem Auge sich darbietet. 

Ein weit schöneres Aussehen zeigt jetzt der Platz des alten Platzbrunnens, wo in einer halbkreisförmigen Nische der altre Platzbrunnenstock, frisch, aber in der alten schönen Form mit dem steinernen Tierbild aufgestellt und dabei die alten Namen der früheren Amtspersonen wieder aufgefrischt wurden; dabei zeigt die Vorderseite die Inschrift: Renoviert von Amtmann Friz 1803; oben: Neu erstellt von Schultheiß Friz 1903. Außer dem Brunnen sind steinerne Säulen aufgestellt, ebenso ist an der linkes Seite eine eiserne Platte des alten Brunnens angebracht mit dem Wappen des Herzogtums Württemberg. Das Ganze macht einen recht hübschen Eindruck und bildet eine Zierde für den Ort, wofür dem Stifter, unserem Herrn Ortsvorstand, der die ganze Anlage auf sein eigenen, nicht unbedeutenden Kosten ausführen ließ und damit das alte mit dem neuen in pietätsvoller Weise zu verbinden wußte, öffentlicher Dank gesagt. Zu wünschen wäre nur. daß auch das angebrachte Brünnlein lustig sein Wasser spendete, den Durstigen zur Labung und Erfrischung.

Ein schöneres Bild zeigt jetzt auch die andere Seite des Platzes, wo Bäcker Mantel das frühere als Holzplatz dienende Eck beseitigt hat und einen schönen Eckbau zum Betrieb seiner Wirtschaft und Bäckerei erstellen ließ.


Platzbrunnen 2001

 

Steintafel am Haus Vordere Straße 2


 

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