Aus "75 Jahre Gewerbeverein Schmiden e.V"., Sonderbeilage der FZ vom Oktober 1988


Alte Familien in Schmiden: Bürkle, Kauffmann, Rommel und Pfisterer

Die Bedeutung der Hausnamen

Einst hießen von 16 Gemeinderäten des Ortes fünf Bürkle. Es gab in Schmiden schon Zeiten, da hießen im Gemeinderat der damals noch selbständigen Kommune von 16 Gemeinderäten fünf Bürkle. Dazu hatten noch drei der Bürkles den gleichen Vornamen. Da wurden sie zur Unterscheidung mit dem Beruf betitelt: Baumeister, Landwirt, Schuhmachermeister. Einfacher machte es sich ein Schulmeister im Jahr 1912. Die Abc-Schützen der Volksschule wurden einfach nummeriert: Otto Bürkle I, Otto Bürkle II.


Aber auch bei anderen Familien mußten zur Unterscheidung der Schmidener Bürger die Hausnamen herangezogen werden. Der Name Bürkle ist in Schmiden so häufig, daß es schon hieß, daß alle Bürkles aus Schmiden stammen. Dies stimmt aber nach Recherchen des früheren Gemeinderates Adolf Kofink nicht. Er schrieb in dem Büchlein "Freund, Ich bin von Schmiden": Um 1350 wird ein Claus Bürkelin in Renningen bei Leonberg und einer zu Öffingen genannt. Etwas später erscheint dieser Geschlechtsname in Esslingen, auch in der Gegend von Nürtingen und Weil im Schönbuch. 1495 wurde ein Wolfgang Bürkelin aus Waiblingen an der Universität Tübingen immatrikuliert. 
Dieser Sippenname Bürkle, Birklin, Bircklin, Bürcklin dürfte vermutlich aus altdeutschem Namensgut sein, entstanden wohl aus Burghart (burg, bergen, schützen).

Eine historische Ansicht von Schmiden


Am 14.8.1571 hat ein Jakob Bürcklin I in Fellbach seine 2. Ehe geschlossen. Ein Sohn aus 1. Ehe, Endriß (Andreas) Bürklin (1582-1636), ist als 20jähriger nach Schmiden gezogen und hat eine Wagnerwerkstatt dort aufgemacht. Er hat in Schmiden am 23. 8. 1608 die Anna geb. Weber (1582-1624) geheiratet. Endriß und Anna Bürklin sind die Stammeltern der etwa 130 Bürkle-Familien.

Andere Schmidener Familien: Jakob Pfisterer von Rommelshausen (?) 1612; Melchior Kauffmann von Cannstatt 1647; Hans Philipp Rayser von Neckarkatzenbach 1658; Hans Knittel von Schwaikhem 1662; Hans Rommel von Münster 1670; Johann Lausterer von (?) 1678; Philipp Seybold von Fellbach 1709;Jakob Bluthard von Scharnhausen 1714; Johann Friedrich Frick von Alpirsbach 1718; Johann Georg Link von Hohenacker 1731; Jeremias und Christof Sixt von Hegnach 1740; Johann Michael Rappold von Haubersbronn 1763; Lorenz Zaiser von Sielmingen 1783; Georg Friedrich Oettinger von Aldingen 1788.

Daß diese Bürkle-Familie allmählich unterschieden werden mußten, ist notwendig. Davon soll nun die Rede sein. Es können nicht alle und restlos aufgeführt werden, aber es wird klarwerden, wie einfach der Gebrauch der Hausnamen war (und ist). Gehen wir von der Gegenwart aus: dr Beton BürkIe, kurz auch; dr Beton; dr Wäsche Kauffmann; dr Gemeder Walter (Hemden Walter); dr Laden Paul; dr Schumacher Ottel; Zimmermanns Adolf.

Man benützt den Beruf: So auch früher: 

(Auch andere Geschlechter werden, wenn es notwendig ist, wie hier Kauffmann, so unterschieden!) Man benützt weiter, wohl zuerst, die Vornamen: 

Warum sollen auffallende Dinge nicht zur Unterscheidung benützt werden? Reiterles Helm; Dragoners Fritz, Gardisten Richard. Diese Männer, die die Grundlage zum Namen gaben, waren "bei den Soldaten" Oder Stäffeles Paul: dr Schlanko; dr Pariser Paul; dr Lubliner. Und wie geht es weiter? 's Jägers Karl 
sein Erwin; oder Davide Frieders Fritze Fritz; auch so kann man es machen! 
Oder: dr Paul im Schnitzbiegel; 's Großhäusers Otto; 's Lammwirts Karls Paul. Und noch einige andere: 's Zehnders Adel; 's Hessen Richard; 's Gartenbauerles; 's Butterseffen.
Es wurden nicht alle Hausnamen zusammengetragen. Dennoch ist ersichtlich, daß das System der Bildung verhältnismäßig einfach ist und kaum eine Änderung darin im Laufe der Zeit erfolgte. In überwiegender Mehrheit wurden die Bürkle-Familien unterschieden, weil es da einfach lebensnotwendig war. Aber auch andere Familien (Kauffmann, Pfisterer) werden so unterschieden. Man ging dabei aus von Vornamen: Seffles Otto; 's Deifle Gustel; vom Beruf: Schlossers Karl; Bierwirts Mina; vom Besitz: Großhäusers Otto; dr Emil im Kälbleshof; dr Paul im Schnitzbiegel; vom Volkswitz: Stäffeles Paul, Schlanko, Lubliner. Dann wurde aneinandergereiht: 's Davide Frieder; 's Davide Frieders Fritz.


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