Wie der Fellbacher Kappelberg zu seinem Namen kam
(Fellbacher Stadtanzeiger 25.08.2005)

Was der "Bote vom Kappelberg" dazu im Jahre 1890 zu berichten wusste - Eine Sage stand am Anfang - Wallfahrtskapelle stand bis 1819

Vor 115 Jahren erschien in Fellbach erstmals eine lokale Zeitung, der Bote vom Kappelberg. Das "Intelligenz- & Anzeigenblatt für Fellbach und Umgebung", ein Vorläufer der heutigen Fellbacher Zeitung, kam drei Mal in der Woche heraus und wollte nach eigenem bekunden "ein Friedensbote und darum ein Feind alles Kritisierens" sein. In seiner ersten Nummer, die am 16. März 1890 erschien, brachte der Bote vom Kappelberg auch eine kleine Geschichte darüber, wie der Kappelberg zu seinem Namen gekommen ist. Diese nette Geschichte ist auch heute noch lesenswert:

Wenn wir unserer Zeitung den Namen "der Bote vom Kappelberg" beigelegt haben, so ziemt es sich, unseren lieben Lesern auch etwas über diesen Namen mitzuteilen. Der Kappelberg, der westliche Ausläufer des Schurwaldes, erhebt sich zwischen Fellbach und Rothenberg in einer Höhe von 468 Meter über dem Meer (60 Meter höher als der Rothenberg). Er ist also nicht zu verwechseln mit dem Kappelberg bei Beutelsbach, auf welchem im Jahr 1514 die aufrührerischen Remsthäler sich sammelten und von dem diejenigen Bauern, welche den Aufruhr beseitigt haben wollten, sagten: "Laßt uns den armen Konzen (Konrad) auf den Kappelberg tragen und ihn da vergraben, wo er aufgestanden ist."

Der Fellbacher Kappelberg erhielt seinen Namen von der Kapelle, die in früherer Zeit auf ihm stund: der Name wäre daher richtiger Kapellenberg geschrieben, allein der Volksmund spricht die abgekürzte Form "Kappelberg".

An die Entstehung dieser Kapelle, etwa vor 400 Jahren, knüpft sich folgende Sage: Ein armer Knabe, dessen Mutter krank zu Hause lag, hütete zur Zeit der Kirschenreife Ziegen auf dem Berge. Die Krankheit und Armut seiner Mutter ging ihm so zu Herzen, daß er bitterlich weinte. Plötzlich erschien ihm die Jungfrau Maria und bedeutete ihm, er solle seiner Mutter von dem von ihr näher bezeichneten Kirschbaum einige Kirschen zu essen geben, dann werde sie genesen. An Stelle dieses Wunderbaumes sei dann eine Kapelle errichtet worden, zu der von überall her gewallfahrtet wurde.

Allem Anscheine nach dauerte diese Wallfahrt nicht lange, denn im Jahr 1476 wird von ihr geschrieben, daß sie "bald zerging". Die Kapelle selbst blieb zwar bis in unser jahrhundert hinein stehen und diente längere Zeit dem Waldschützen zu seiner Wohnung. Erst im Jahr 1819 wurde sie abgebrochen.

Der Scheitel des Kappelbergs ist nunmehr kahl; doch sind auf ihm noch Spuren eines römischen Ringwalls zu erkennen (was aber der liebe Leser nicht verwechseln wolle mit den ebenfalls auf der Hochfläche eingehauenen kreisrunden Erdbänken, die bei den Bergpredigten des seligen Pfarrers W. benützt wurden).

Bekannt ist auch die Kappel- oder Cassinilinde, welche ihren Namen erhielt von dem Franzosen Cassini, dem diese Linde bei der im Jahr 1755 ausgeführten Landesvermessung als Hauptdreieckspunkt gedient hatte.

Während nun die Hochfläche des Berges nur mit Gras und Heide bewachsen ist, tragen die Abhänge die edelsten Gewächse. Es ist nemlich der West- und Südabhang dicht mit Reben bepflanzt und es ist für dieselben die Lage und Bodenart so günstig, daß hier die vorzüglichsten Weine Württembergs erzeugt werden. Auch der Nordabhang ist nutzbar angelegt worden mit Hopfen und in neuerer Zeit mit Kirschen, was nach obiger Sage früher schon der Fall war.

Der Kappelberg wird sehr viel von Fremden besucht und in der That, ein Gang auf ihn ist wirklich sehr lohnend, denn er gewährt eine herrliche Aussicht. Zu den Füßen liegen die Städte Cannstatt und Stuttgart: links öffnet sich das liebliche Neckar-, rechts das herrliche Remsthal. Im fernen Süden erblicken wir den Alpenzug, etwas näher gerückt die Filderebene und die Stuttgarter Berge.

In nördlicher Richtung breitet sich das "Schmidener- und Ludwigsburger Feld" aus, aus welch letzterem der Asperg sein Haupt erhebt: in weiterer Ferne endlich nehmen wir noch den Strom- und Heuchelberg und den Wunnenstein wahr. Nach diesem darf es uns nicht wundern, wenn der Gedanke, auf diesem Berge ein Kurhaus oder einen Aussichtsthurm zu errichten, in alter und neuer Zeit immer wieder auftauchte. Ja gewiss, es ist einer der schönsten Punkte in unsrem Schwabenlande.

Ein Gedenkstein am Waldschlössle, gestiftet im Oktober 1999 von der Glaserei Kögel anlässlich ihres 250-jährigen Firmenjubiläums, erinnert an die ehemalige Wallfahrtskapelle, die dem Fellbacher Hausberg den Namen gab. Foto: Marhoffer

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