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Instruction,

 




Weßen Sich Ein Feldmeßer und wer Sich darzue gebrauchen läßet, und zwar Ein jeder insonderheith in jedem Vorst pflichtmäßig zu verhalten hat.

1. Ist, wenn man an die frembde herrschaftliche Waldungen gelanget, denen Vorstmaistern befohlen, daß wenn es vornehme frembde Herrschaften seindt, Sie bei selbigen gebührende requisition weegen deß Meßens thuen sollen, wenn es aber geringe Orth sein, haben Sie die Feldmeßer daßjenige hochfürstl. Patent, welches Ihnen mitgetheilet würdt, durch die Vorst Knecht zuvor gebührend vorzaigen und sich des Meßens halber anmelden zu laßen.

2. Zu iedem Waldt den rechten Nahmen deßselben im grundriß beisezen, und iedes mahl anfragen, ob er nit mehr andere Nahmen habe? oder vor diesem andere gehabt, wem er gehörig, obs flecken, oder Baurenwäld seien? alßdann wans fleckenwäId mit dem Buchstaben F. wans aber Baurenwäld mit dem litera B. zaichnen, also auch mit A. wans Aichen, mit D. wans ein Dannenwald ist, notiren, umb sich hernach im einreißen und in der Beschreibung darnach richten zu können.

3. Die Weg, wan solche durch die WäId gehen, dergestalten einzuzaichnen, daß wo er in den Wald eingehet, mit // und dan wo er wider auf der anderen seiten außgehet, // zu zaichnen, und darzuschreiben, wo er herkommet, oder wo er hingehet?

4. Alle Bäch, wo sie entspringen, und wider in einen anderen Fluß einfließen, auch alle Mühlenen daran, auf welcher seiten sie ligen, anmercken.

5. Wan Bäch und Weg, oder Schaidtgräben sich finden, welche Wäld, oder Huethen von einander schaiden, so mueßen selbige mit deren Krümmen gemeßen und nett gezaichnet werden, und sonderlich in Waldungen, damit man deren Inhalt accurate haben, und nachgehends außrechnen könne.

6. Alle Schleüf, wann deren sich auf den Steinen befinden, richtig, wie sie seind, aufzaichnen, auch alle signa und Wappen auf und neben seiten der Stein wohl observiren, und dan dieselbige, welcher Statt, Dorf oder flecken sie angehören, auf ein absonderliches Pappier oder in ein Büechlein groß aufreißen und deren Nahmen darzu zu schreiben.

7. Die Vorstzäun an denen Waldungen mueß man absonderlich, wann sie etwas von dem Wald abgelegen, meßen und den Blaz zwischen dem Zaun und dem Wald weegen deß Inhalts nit zu vil, oder zu wenig geschehe, auch wer dieselbe im Bau erhält, darzuschreiben.

8. Wann große See, oder Teüch, sonderlich in Waldungen vorkommen, wie auch Wisen und Platten, mueßen dieselbige absonderlich und fleißig gemeßen werden, damit mann sowohl derselbigen aignen Inhalt haben, und von des Walds Inhalt abziehen möge, ligen sie aber im flachen feld, so mueß von einem gewisen Orth, damit er an seiner rechten Stelle im abriß zu ligen komme, dahin genießen werden.

9. Die große Felder, wo es nöthig in, müeßen unter weihlen zwerg über von einem Wald und Dorf zum anderen gemeßen werden, waß mann unterwegs antrift, darzu zaichnen, damit mann die gebaute Ackerfelder, wüeste Güether, Weinberg, und Wisen destogenauer und nit alles nur dem Augenmaaß nach einzaichnen könne.

10. Dieweilen auch in diesen Vörsten sehr vil hohe Berg und Thäler sich befinden werden, so sollen dieselbige alß zur Planten gehörig, unten am Fueß fleißig, wo derselbe anfangt, und wider aufhöret, aufgezaichnet und observiret, auch rings herumb bemercket werden, wo aber an denselbigen Bergen oben darauf Wäld ligen, sollen seibige ganz fleißig stafel weiß durch die Ruethen und rechte Winckel auf und abgemeßen und alles pünctlich aufgezaichnet, audi die Horizont Linea anstatt der schreg genommen werden.

11. Wann mann zu denen Dörfern kommet, so mueß im meßen derselbigen, wo das Dorf anfangt, ein Zaichen, wie auch wo die kirch ligt, eines, und dann zu End, wann mann durchs Dorf ausgehet, noch ein Zaichen gemachet werden, damit man wißen könne, wie lang das Dorf seye, und dieselbige in gebührender größe auf die Planten einreißen könne.

12. Wann Wäld im freien feld ohne Anstößer liegen, so müeßen die Felder, wem selbige angehören, rings berumb beschrieben werden, damit mann in der beschreibung den Vorstbüecher die Anstößer gewiß habe, und einschreiben könne.

13. Es findet sich nit bald, daß ein groß stück Feld vorhanden, daß nit ein und ander Buschwerckh oder anders sich praesentiret, so kan auf solchen fall iedcrzeit dengleichen etwas angemercket werden, damit das feld nit so leer in den Landt Carten bleibe, sonderlich wann etwan Pfosten, Säulen, Creüz, Bäum, oder anders wo etwas zu bedeüthen, und sondenliche Nahmen haben, sich ereignen möchten, notiren.

14. Alle Brücken, Steeg und Weg, Mühlenen, Weinberg, Stätt und Dörfer, Schlößer, Weihler und Höf, und in Summa alles waß merckhwürdig, nit vergeßen, sondern fleißig anmercken, damit nichts an dem Werckh zu tadlen seye, und in allem fleiß ankehren.

15. Vor solche Arbeit nun, welche die Feldmeßer den Sommer über also verrichten, sollen dieselbe und zwar ein ieder Feldmeßer deß tags Ein Gulden, ein ieder Vorst Knecht dreißig Creüzer, ein Taglöhner aber Zwanzig Creüzer vor dem Taglohn geraichet werden, und dieweilen die Feüer- Sonn- und einfallende Regentag nichts gearbeitet werden kan, so würdt denselben auch in solchen Zeiten nichts geraichet, sondern sohlen bißheriger observanz nach mit ihrem geschöpften Taglohn sowohl Feldmeßer, alß Taglöhner sich vergnüegen laßen.

16. Und damit die taglöhner und andere hierzu gebrauchende Personen desto fleißiger sein, so sollen die Feldmeßer selbsten alle tag bei guetem wetter in aller früehe, sich aufmachen, den tag über im feld verbleiben, die Ruehestund und Mittagszährung in den Wäldern und Feldern verrichiten, und solcher gestalt die arbeit fortsezen, dieselbe samentlichen sowohl in langen alß kurzen tagen eher nit alß eine halbe stundt von nacht ins Nachtquartier anlangen können.

17. Es sollen auch alle VorstKnedite bei grundlegung und abmeßung der Vörst nit allein ietzt, sondern auch ins Künftig in behörige pflicht ehe und denn solches Feldmeßen vorgenommen würdt, genommen und gezogem werden.

18. Und dieweilen die Communen jedes Vorsts die spesen und uncosten zu dem werckh und renovation mehistens herschießen, so sollen die Feldmeßer einige Uncosten in den Dörfern nit machen, oder auf borg zähren, sondern von ihrem gesezten taglohn leben und damit vergnüeget sein, auch weiters keinen taglöhner, a1ß demselben zue geordnet annemmen, sondern WO es nöthig und etwan teils Vorst Knechten in einem und anderm anstehen möchten, alßdann einigen Wald- und Dorfsschüzen, so der Waldungen Wißenschaft haben, so lang mann derselben benötiget, zu sich erforderen, nach verrichten sachen alßdann wider von sich erlaßen.

19. Und damit die Vorst Rechnungen desto ordenlicher und richtiger gefüehret werden mögen, so soll kein Feld Meßer, oder wem dises geschäft anvertrauer würdt, von keinem Vorstmaister, Vogt, oder AmbtLeüthen einiges Gelt vor dem verfallenen Termin aufnemmen, sondern iedes mahls benötigte vom Obrist Lieutenant Andrea Kiesern gegen Urkundt abzuforderen haben, damit nach völlig verrichteter arbeith mit demselben alßdann ordentlich abgerechnet und außbezahlet werden möge.

20. Letstlichen, dieweilen nit alles vorfallende beschriben werden kan, so ergibt sich übriges selbsten an die hand, und würdt ein ieder selbst wißen, waß zu vollkommener außfertigung dises wercks nöthig sein würdt, umb alles mit bestem Verstandt zu verrichten, und wo einiges sonderbahres vorfallen solte, kan ied zeit durch schreiben angebracht werden, wie man sich in einen und anderen Vorfallenheiten verhalten solle? Zu dem Ende dann wenigstens inner 14 tag an den KriegsRath und Obristlieutenant Kiesern, oder nach gestalt der sachen an die Vorstmaistern mit gelegenheit geschriben auch zugleich vermeldet werden, wo sie Sambst- und Sonnttags im Vorst über Nacht bleiben, damit mann zu ihnen raißen, das benötigte mit ihnen abreden und fernere anstalt machen könne; Nach allen hievor beschribenen puncten wurdt mehr besagter Obristlieutenant Kieser sich nit allein zu reguliren, sondern auch die Feldmeßer und VorstKnechte alle in behörige pflichten zu nemmen wißen.
 


Geben zu Stuetgardt unterm Fürstl. Secret Insigel

den 11. Juny. Anno 1685.

(Loc. sig.)


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