Eine Fellbacher

 "Haozich"
 
 


anno 1843


Es war an einem der letzten Apriltage des Jahres 1843. Über das Kopfsteinpflaster der alten, reichsunmittelbaren Stadt Markgröningen rollte eine schmucke, zweirädrige Kutsche. Das Geschirr des schweren, rostbraunen Hengsts blitzte in der aufgehenden Sonne. Das Lederzeug war frisch gewachst. Seine Nuten und Schnallen glänzten, daß man seine Freude daran haben konnte. Und zu beiden Seiten des Sonnendachs stak ein Strauß leuchtender Tulpen. Johann Gottlieb Kögel, der junge Glasermeister aus Derdingen, fuhr einer neuen Zukunft entgegen. Er hatte in Markgröningen Halt gemacht und war für eine Nacht bei seinem Bruder Johannes abgestiegen. Da hatte es manches zu bereden und zu erzählen gegeben, von Regine und Christiane, den beiden Schwestern, die noch beim Vater in Derdingen waren ,vom Vater selbst, der immer noch seine Glaserei betrieb und jetzt einen Gesellen suchen mußte, weil Gottlieb wegging, und nicht zuletzt von Mutter Dorothee, der Nuberin, die der Vater als zweite Frau heimgeführt hatte und die ihnen allen eine gute Mutter geworden war.

Gottlieb Kögel ging auch jetzt mancherlei durch den Kopf, da er in langsamen Trab an dem schönen Balkenwerk des Markgröninger Rathauses vorbei zur Stadt hinausfuhr. Schon einmal hatte ein Kögel den Weg genommen, den er heute vor sich hatte. Freilich, Vater Johann war damals nicht mit der Kutsche gen Fellbach gefahren. Er war auf Schusters Rappen gekommen und hatte beim alten Bloß um Arbeit gefragt. Aber schicksalhaft war dieser Weg doch gewesen. Er hatte dort seine Friederike gefunden, war mit ihr nach Derdingen gezogen und hatte sie dann nun allzu früh wieder hergeben müssen. An einem kalten Januartag des Jahres 1826 hatte man sie zur letzten Ruhe gebettet. Johannes war damals gerade drei Monate alt. Christiane zählte drei und Regine fünf Jährlein.
Was konnten sie schon von den Mutter, selig, wissen? Er allein hatte noch die Erinnerung an sie. Er hatte mit ihr schon als Kind zum Döte nach Fellbach gedurft. Das war ihm das erste große Erlebnis geblieben. Da hatte er noch die Ähne kennen gelernt, die er später nicht mehr sehen sollte. Schon ein Jahr darauf, Ende November 1820, war sie ihrem langen Leiden erlegen. Die Mutter hatte damals arg um sie geweint. Nacher war es mit dem Ähne schlechter geworden. Man hatte geglaubt, daß er’s nicht mehr lang schaffen würde. Und dann war er doch noch achtundsiebzig Jahre alt geworden. Im August 1825 hatte er sich zum Sterben niedergelegt und war leise und sanft entschlafen. Mutter Friederike hatte ihn damals zu Ähnes Beerdigung mit nach Fellbach genommen. Es war ein großer Trauerzug mit viel Blumen und Kränzen gewesen. Und dann war sie mit ihm wieder nach Derdingen zurückgekehrt. Sie hatte ihm unterwegs noch gesagt, daß wir alle einmal sterben müßten, jung oder alt, und daß sie sich freue, daß der Ähne so ruhig habe einschlafen dürfen. - Wer hätte damals gedacht, daß sie selbst schon wenige Monate darnach nicht mehr leben und vier unmündige Kinder zurücklassen würde?
Gottlieb gab dem Braunen die Zügel, daß er bald eine schnellere Gangart anschlug. Die frische Morgenluft blies ihm um die Stirn und spielte in dem vollen Backenbart, der ihm über die Ohren herabreichte und dem runden, fröhlichen Gesicht etwas Würdiges und Schelmisches zugleich gab. Eigentlich standen ihm heute solch ernste Gedanken nicht zu. Er konnte froh sein, daß Vater Johann die Fellbacher Verwandtschaft auch nach der Mutter Tod gepflegt und daß ihn dabei seine zweite Frau nur unterstützt hatte. So war es gekommen, daß Gottlieb den Döte immer wieder besucht hatte und bei ihm all die Jahre wie daheim gewesen war. Und nun wollte er ein neues Band zwischen den beiden Familien knüpfen. War es da nicht richtig, daß er sich diese Kutsche genommen hatte? Die Fellbacher sollten sehen, was ihm dieser Schritt wert war. Und seine Base Christel sollte stolz auf ihn sein, wenn er in der Burgstraße vorfuhr, sich mit ihr kopulieren zu lassen.
Der Braune hatte einen scharfen Trab angeschlagen. Möglingen hatten sie schon hinter sich gelassen. Nun gings auf Pflugfelden und Ludwigsburg zu. Zur Linken grüßte der Asperg im Glanz der frühen Aprilsonne. Zur Rechten zog sich das Lange Feld hin. Seine weiten, fruchtbaren Äcker waren wohl bestellt. Die hohen Birnbäume, die die Straße säumten, hatten reich angesetzt, und die späten Luiken und Goldparmänen standen im schönsten Blust. Gottlieb Kögel schlug das Herz höher. War es nicht, als ob die Natur selbst einfestlich Gewand angelegt hätte, da er seiner Christel entgegenfuhr?
Wahrhaftig, er war in die Base verliebt. Er hatte sie wohl schon immer gerne gemocht. Aber seit sie zu einer hübschen, fröhlichen Dirn herangewachsen war, hatte er mehr und mehr Gefallen an ihr gefunden. Was war geschehen, daß sein Blick plötzlich an ihren großen, dunklen Augen haften blieb, daß er ihre schönen Hüften bewunderte und die festen, wohlgeformten Beine, die so sicher ausschreiten konnten? Wie kam es, daß er in ihrer Nähe plötzlich so heiter und frohgemut wurde, daß ihm die lustigsten Spässe einfielen und eine ganze Gesellschaft Freude an seiner Unterhaltung fand? Christel hatte ihn verwandelt, ohne es zu wissen. Lange schon war er nur ihretwegen nach Fellbach gegangen und keiner hatte etwas davon gemerkt. Nur Vetter Gottlieb, Christels schlauköpfiger Bruder, hatte ihn einmal gehänselt. Aber das war ein rechter Filou, den man nicht so ernst nehmen durfte. Außerdem hatte er längst seine eigene Familie und eigene Glaserei. So war es gekommen, daß sogar Christel Gottliebs Absicht lange nicht entdeckt hatte.
Da war sie eines Tags in Derdingen zu Besuch gewesen, und Gottlieb hatte sie auf dem Heimweg ein langes Stück begleitet. Das war ihr merkwürdig vorgekommen. Dann hatte er sie leicht um die Hüften gefaßt und ganz fürsorglich über Stock und Stein geleitet -hatte sie zaghaft an sich gedrückt - und als sie endgültig schieden, hatte er ihr in die Augen geschaut und einen Kuß auf den Mund gegeben, daß ihr war, als ob sie in einen schönen, tiefen Traum sinke, aus dem es kein Erwachen mehr gab. Seitdem war sie von Gottlieb nicht mehr losgekommen. Er hatte ihr Herz und Blut in Wallung gebracht -und das seine auch. Dann hatten sie sich bald danach versprochen. Eltern und Geschwister waren damit einig. Und nun stand der große Tag bevor.
In Ludwigsburg machte Gottlieb Halt. Das Pferd sollte ausschnaufen, daß es nicht gar zu ramponiert nach Fellbach kam. Außerdem hatte er noch einige kleine Besorgungen vor. Beim arkadengeschmückten Marktplatz stellte er ein. Der Braune wurde ausgeschirrt und bekam seine Krippe mit Hafer gefüllt. Dann begab sich Gottlieb zum Barbier. Sein Haar mußte zurecht geschnitten und der Backenbart gestriegelt und gebügelt werden. Darauf verstand man sich nur in der Stadt, wo man gepflegter ging und auch bei der Haartracht wählerischer war. Gottlieb war das wichtig. Als Hochzeiter wollte er sauber daherkommen.
Nachher ging es in fröhlicher Fahrt am Schloß vorbei Neckargröningen zu. Bald war der Neckar erreicht, und die schmucke Kutsche fuhr holterdiepolter durch die breit überdachte Holzbrücke gen Neckarrems. Drüben ging der Weg steil bergan. Und als sie den Tennhof erreicht hatten, lag der Kappelberg schon greifbar vor ihnen. Da gabs kein Halt mehr. Durch Oeffingen und Schmiden ging die Fahrt nach Fellbach hinein und hinaus zu dem Haus in der Burgstraße.
Als er dort in den kleinen Hof einfuhr und vor der Werkstatt mit einem schneidigen Brrrr... von der Kutsche sprang, hatte ihn Christel schon gehört. Sie kam aus der Küche gelaufen und nahm ihren Gottlieb am Arm. Drinnen waren sie schon bei den Hochzeitsvorbereitungen. Da wurden Kuchen gebacken und Hefenkränze und Gugelhupfe. Da wurde Nudelteig zu großen Fladen ausgewellt, die so dünn waren, daß man durch sie hindurchlesen konnte. Nachher wurden daraus goldgelbe Nudeln geschnitten, wie sie von je zu einer rechten Hochzeit gehörten. Und dann kam die Näherin, die Christels Brautkleid fertig machte. Es war aus bestem, schwarzem Tuch. Die eng anliegende Bluse war hoch geschlossen. Über den langen, in Falten gelegten Rock wurde die schwarzseidene Schürze gebunden. Dann kam das seidene "Halstuch" daran. Mit geübter Hand legte es die Näherin über Christels Schultern, kreuzte es vorne, daß es schön und gefällig wirkte, und steckte es über dem Rücken zusammen. Es war ein großes, dreieckiges Tuch in zartem Hellbraun mit farbigen Streifen darin und paße gar hübsch zu der kleinen "Pickelhaube", die Christel so schön zu Gesicht stand. Von ihrem bunten, seidenen "Blätzle" hingen zwei lange, schwarze Seidenbänder über den Rücken, und zwei andere wurden unter dem Kinn zu einer zierlichen Schleife geknüpft. Auch der Myrtenkranz wurde probiert. Er gab Christel soviel Anmut, daß die Näherin meinte, Gottlieb würde sich nocheinmal in seine Christel verlieben, wenn er sie so sehe.

Dann schrieb man den ersten Mai. Schon am Vorabend war die Derdinger Verwandtschaft eingetroffen. Das Haus in der Burgstraße war zu klein, all den Gästen Obdach zu geben. Da mußte die Nachbarschaft herhalten. Das war schon immer so gewesen, daß man an solchen Tagen zusammenhielt. Man war dafür auch zur Hochzeit geladen, und außerdem erfuhr man bei solchem Anlaß allerhand Neuigkeiten aus dem Ländle, was sich da und dort zutrug und wie es jenem Vetter und dieser Base ging.

Gottlieb Kögel hatte eine Kammer in der Krone genommen. Da brauchte er nur über die Straße, und außerdem war der Kronenwirt sein alter Freund und Spezel, mit dem er schon manche frohe Stunde zusammengesessen hatte. Heute war er schon früh aus den Federn gegangen. Er brauchte Zeit, bis er den dunklen Hochzeiteranzug mit dem langen Bratenrock angelegt hatte. Nun war er so weit. Der Rock machte eine gute Figur. Die engen Hosen waren vorzüglich gearbeitet, und die neuen Schuhe glänzten und quietschten, daß es eine Art hatte. Gottlieb tat noch einen Blick in den kleinen Spiegel, dann griff er nach dem hohen, steifen Hut und öffnete das Fenster. Es war ein sonniger erster Mai, der da heraufzog. Just, ein rechter Hochzeitertag, dünkte ihm. Sollte er noch ein wenig warten oder gleich ins Hochzeiterhaus hinüber gehen?
Drüben erwartete ihn schon der Vater mit dem alten Döte. Während die Frauen in der Kammer Christel einkleideten, saßen die drei bei einem kleinen Vesper in der Stube. Das könne nichts schaden, meinte der Döte, und legte jedem ein Stück Schweinernes vor, das Regina in der Küche aufgestellt hatte. Dazu gabs Brot und Salz und ein Glas alten Fellbacher Bergweins. „Uf Dei’ Wohl, Gottliab” stieß der Döte an "...ond daß-r glücklich wearnd mit-a-nand.” Vater Johann trank mit. Aber die Unterhaltung kam nicht recht in Fluß. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, und Gottlieb, der sonst immer ein heiter Wort bereit hatte, war ungeduldig. Da ging die Kammertür auf, und mit den Frauen kam Christel als festlich geschmückte Braut. Gottlieb war überrascht. So schön, so anmutig hatte er seine Christel noch nie gesehen. „Potz Blitz, Christel!” stürzte er auf sie zu, "sooo schö bist du..!” Und dann wandte er sich an die umherstehenden Frauen: "Graoß­artig hen-r dees gmacht... ei’fach graoßartig... do wearnd d Fellbächer Auga na’macha, wenn se dia Prenzesse seah..." Am liebsten hätte er Christel gleich in die Arme genommen, wenn es sich geschickt und wenn das kostbare Kleid nicht Abstand geboten hätte.

Um elf Uhr war Kirchgang. Es war ein großer Hochzeitszug, der sich da vor dem Haus in der Burgstraße aufstellte. Vorneweg gingen die ledigen Weibsleut. Es war eine ganze Schar, die dabei sein wollte, wenn Christel kopuliert wurde. Da gab es so viel zu gucken und zu „losna”. Schließlich wollte man auch bald unter die Haube kommen, und außerdem konnte man heute Staat machen, konnte sein schönstes Kirchgewand zeigen, die dunkle Bluse und den langen, dunklen Rock. Sie waren ernst bei der Sache. Da wurde nicht viel „gebabbelt” und gekichert, da ging höchstens ein Blick zu einem jungen Burschen hinüber, der in seinen gelben Hosen und der weißen Schürze gerade vorbeikam. Dafür waren die "Boßler" kaum zu halten. Das waren die kleinen Mädchen und Buben, die heute mit zur Kirche gehen durften. Schon seit Tagen hatten sie damit wichtig getan und hatten überall erzahlt, daß sie bei Christels Hochzeit "boßla" dürften.

Jetzt war es soweit. Die Mädchen hatten den Vortritt. Auch sie hatten heute ihre langen, dunkelfarbigen Kleider an und dazu Blütenkränze im Haar. Dahinter kamen die "Boßlerbuben". Es waren frische, gesunde Bengel, die sich in ihren Röhrleshosen, dem kurzen Wams und der Schildkappe mit dem Blumensträußchen daran gar wichtig vorkamen. Sie konnten kaum warten, bis sich der Zug in Bewegung setzte. Inzwischen trieben sie allerlei Allotria und neckten die Brautführer und Brautführerinnen, die hinter ihnen Aufstellung genommen hatten. -Unter ihnen sah man Regine und Christiane, denen die beiden Kraft’schen Vettern, Karl und Heinrich, zwei forsche Brautführer waren, sowie Johannes aus Markgröningen, der eine Brautjungfer aus der Aldingerschen Verwandtschaft in die Kirche führte. -Dann kam das Brautpaar selbst -würdig und ernst - und dahinter die Frauen, wie es der Brauch war: zuerst die aus der näheren Bekanntschaft, dann die Basen und Doten und zum Schluß die beiden Brautmütter, Regina und Dorothee.
Es war ein seltsamer Kontrast, diese Franen in ihren dunklen, langen Gewändern mit den kleinen „Pickelhauben” und den dunklen Schultertüchern - und dahinter jene Gruppe Fellbacher Wengerter, die in die nächste Bekanntschaft gehörten. Sie hatten heute alle ihr großes Kirchgewand an, die weißen Strümpfe, die gelben Hosen und den langen, blauen Kirchrock, zu dem man immer den schwarzen Dreispitz trug. - Dann kamen noch die übrigen Mannsbilder, die Vettern und Döten und ganz zum Schluß die beiden Brautväter, die auch im schlichten. schwarzen Kirchrock würdig aussahen.
Von der Kirche herüber klang das Läuten der Glocken. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Da und dort standen Neugierige vor dem Haus oder lugten durchs Fenster, bis der Zug vorüber kam.
Als er die Kirche erreicht hatte und das Brautpaar durch das große Hauptportal schritt, setzten die Glocken aus. Aus dem Innern der Kirche kam ein mächtig, frohlockend Orgelspiel. Es war Oberlehrer Wilhelm Amandus Auberlen, der in beide Manuale griff und die Register zog, daß die Töne wie leuchtende Farben in den Raum fluteten. Der floß fast über vor Rauschen und Brausen, vor Singen und Jubilieren, und als die Akkorde in hohen Wogen gingen, daß man meinen konnte, Himmel und Hölle brächen darin los, als die Erde zu beben und das kleine Kirchenschiff im Meer der Töne zu versinken schien, da brach der gewaltige Sturm ab und verebbte in einem zarten Piano. Das war wie ein andächtig Gebet, ein inniges Flehen und ein Glanz überirdischer Ruhe und himmlischer Schönheit.
Wilhelm Amandus Auberlen, der verdiente Lehrer und Organist, hatte heute einen seiner besten Tage. Hatte er nicht Grund genug, stolz und dankbar zu sein? Vor wenigen Tagen war die reiche Stiftung des Onkels gekommen, des Augsburger Großkaufmanns Immanuel Wilhelm Auberlen. Er hatte der Fellbacher Kirche sieben große Oelbilder von der Leidensgeschichte des Herrn zum Geschenk gemacht. Heute waren sie erstmals in der Kirche aufgehängt. Ihre Farbenpracht gab dem Raum einen neuen Glanz. Das war ein Leuchten und Brillieren, wie es die Fellbacher noch nicht gesehen hatten, und jetzt, da die Sonne darauf lag, schienen sie wie in ein heiliges Feuer getaucht, so tief und so edel war ihr Klang. Wilhelm Amandus Auberlen hatte das alles gesehen. Sein Herz hatte höher geschlagen, und sein Orgelspiel war größer, bewegter und immer farbiger geworden wie diese Bilder, bis es sich verklärte und in zarten, innigen Tönen eine letzte Vollendung fand.

Nun war es verklungen. Wilhelm Amandus Auberlen hatte Zeit, einen Blick in die Kirche zu werfen. Dicht gedrängt hatten seine Fellbacher dem Kirchspiel gelauscht. Nun lag stille Andacht über ihnen. Es war ein prächtiges Bild, das sich ihm da von der Orgelempore aus bot. Links saßen die Frauen, alle in frommes Gebet vertieft, den Kopf leicht geneigt, so daß die "Blätzla" ihrer Pickelhauben wie Streusel wirkten, die bunt und farbig über die dunklen Gewänder ausgeschüttet schienen.

Rechts, beim "Täufestühle”, war der Platz der Männer. Dort brillierte das Blau, das Weiß und das leuchtende Gelb der Wengertertrachten wie ein festliches Feuerwerk zwischen den dunkel gekleideten Handwerkern, Gewerbetreibenden und Amtspersonen. Wilhelm Amandus Auberlen stellte fest, daß fast das ganze Dorf gekommen war. Sogar der alte Johannes Schnaitmann, den sein treuer Helfer Friedrich Daubenschmid wie immer in diesen Tagen begleitete. Er war jetzt sechsundsiebzig Jahre alt und galt immer noch landauf, landab als einer der bibelfesten, geistesstarken Männer, denen das Gemeinschaftsleben Michael Hahns viel zu danken hatte. Wilhelm Amandus Auberlen sah, daß der Blick des beinahe blinden Mannes lang auf den Bildern des Onkels ruhte. Er vermeinte, darin ein freundliches, gütiges Leuchten zu erkennen.
Dann gab er sich ganz den Trauungsfeierlichkeiten bin. -Ruhig und getragen klangen die Worte des Pfarrherrn. Sie galten dem heiligen Stand der Ehe und mahnten an die Pflichten eines ernsten Christenmenschen... Die Predigt ging zu Ende. Während Pfarrer Stockmaier die Kanzel verließ und zum Altar schritt, trat Gottlieb aus dem Kreis der Männer heraus, ging gemessenen Schritts nach links zu den Frauen hinüber und holte seine Christel ab, um mit ihr vor den Altar zu treten, sich dort ewige Treue zu geloben und den Segen der Kirche zu empfangen. Wilhelm Amandus Auberlen griff noch einmal in die Manuale, und noch einmal rauschte die Orgel durch den Raum, brausend und jauchzend, singend und jubilierend. Dann war die Feier verklungen.
In der Krone saß schon alles beim festlichen Schmaus. Christel lächelte glücklich. Gottlieb war ein heiterer Hochzeiter. Und alles rühmte das saubere Paar, dem man Glück wünschte und reiche Geschenke brachte. An die hundert Gäste mochten sich zum Essen eingefunden haben. Sie saßen an langen, blank gescheuerten Tischen. Beim Brautpaar die Eltern und Geschwister, die Doten und Döten. Am nächsten Tisch die weitere Verwandtschaft, die Vettern und Basen. Alles hatte seine Ordnung, die man hielt, wie’s die Sitte wollte. Zuletzt kamen die Jungen, die gern unter sich sein wollten und ihre eigene Unterhaltung hatten.
Da wurde die Suppe aufgetragen, eine fettäugige Fleischbrühe mit goldgelben Grießknöpfle drin. Dann kamen Nudeln in großen Schüsseln auf den Tisch und Berge und wieder Berge Salat. Von breiten Platten dampfte der sämige Kalbsbraten und das knusprige Schweinefleisch, das die Kronenwirtin eigenhändig in der Kachel gedreht und immer wieder mit Fett übergossen hatte. Das schmeckte herzhaft. Da konnte man zugreifen, denn Sach war genug da. Und als gar der Wein floß und jung und alt redselig wurde, da gingen die Worte hinüber und herüber, da war’s ein fröhliches Festen und Feiern, an dem das halbe Dorf teilnahm.
Gottlieb Bloß, der Brautvater, hatte sich lange besonnen. War’s der Wein oder war’s die Freude über diesen Tag, die ihn plötzlich redselig werden ließ? Er hatte im Leben immer das rechte Wort gefunden. Aber eine Rede gehalten...? das hatte er noch nie. Das war Sache der studierten Herren, die sich darauf verstanden - von ihm, dem alten Glaser, konnte man präzis geschnittene Scheiben, aber keine geschliffene Rede erwarten.
Dennoch! Gottlieb Bloß stand auf. Noch ahnte niemand, was er vor hatte. Da griff er nach einem Messer und schlug damit an sein Glas. "Pst! Pst!” zischte es durch den Raum. "Send ruhig, dr Glaser-Gottliab hält a Red...!”

 
Und der fünfundsechzigjährige Gottlieb Bloß nahm das Wagnis auf sich und hielt eine Rede, von der man noch lange nachher im Dorf sprach. Sie ging etwa so:
"Verschrecket et... dr alt Glaser will koa Red halta... Dees wär zua vermessa... Dees sollet andere to, mo-s besser könnet als i... Bloß a paar Wort will-e sa... a paar kuurze... Vielleicht hoißts bei mir au wia beim Mattäus ,Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über’. „Erschreckt nicht, der alte Glaser will keine Rede halten. Das wäre zu vermessen, Das sollen andere tun, die es besser können als ich. Nur ein paar Worte will ich sagen, ein paar kurze. Vielleicht heißt es bei mir wie bei Matthäus ,Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über’.
Ond währle mei’ Herz ist heut vool Freud ond Dankbarkeit... I freu me, daß ihr älle zor Haozich komma send... ond daß onser Haozeiter ond onser Haozeitere so viel Sach gkriagt hen... s ist fast gar zviel was do älles zsema komma ist ond-a graoßa Ehr für-d Christel ond da Gottliab ... Do ka’ i bloß saga - Vergelts Gott!" Und wahrlich, mein Herz ist heute voll Freude und Dankbarkeit. Ich freue mich, daß ihr alle zur Hochzeit gekommen seid, und dass unser Bräutigam und unsere Braut so viele Sachen bekommen haben, es ist fast zuviel was da alles zusammengekommen ist und eine große Ehre für die Christel und den Gottlieb… da kann ich nur sagen – Vergelts Gott. 
Gottlieb Bloß sagte das so bescheiden und so gradraus, daß man wohl merkte, es kam von Herzen, und es ging zu Herzen, als er fortfuhr:
"Ond no ebbes möcht-e sa... I freu me, daß mei' Christel da Gottliab gnomma hot…s-send Gschwistrig-Kender... se send mitnander graoß worda... ond wissa boide, mo se dr Schuah druckt... Und noch etwas will ich sagen… ich freue mich, dass meine Christel den Gottlieb genommen hat…. Sie sind Kousin und Kusine , sie sind miteinander groß geworden und wissen beide, wo sie der Schuh drückt.
I selber be haet an-alter Ma’... Dees ist vor dreißig Johr no anderst gwea... domols, mo dr Johann onser Friedrike gheiratet hot... Do hett i no d-Welt mit-m ei’grissa ... Nochhe hot-r noch Derdenga zruck müassa ond viarzeah Jährla druff ist d-Friedrike gstorba... Ich selber bin heute ein alter Mann. Das ist vor dreißig Jahren noch anders gewesen, damals, als der Johann unsere Friederike geheiratet hat. Da hätte ich mit ihm zusammen noch die Welt eingerissen. Nachher hat er nach Derdingen zurück müssen und vierzehn Jahre darauf ist die Friederike gestorben.
"Etz moan i halt, Johann" und damit wandte er sich an den Schwager und Gegenschwieger "was mir zwoi et na’brocht hen - daß-mr zsema blieba send ond mit-nander gwerkt hen... onsre Jonge, dei’ Gottliab ond mei’ Christel, sottets schaffa... dia send no jong... dene stoht d-Welt no offa... „Jetzt meine ich halt, Johann" und damit wandte er sich an den Schwager und Gegenschwieger, „Ewas wir zwei nicht hingebracht haben, dass wir zusammengeblieben sind und miteinander gearbeitet haben, unsere Jungen, dein Gottlieb und meine Christel sollten dass schaffen. Die sind noch jung, denen steht die Welt noch offen.
Vielleicht sag-e ebbes Oafältigs... aber manchmol, wenn-e so drüber nochdenk, do ist-mr-s, wia wenn ganz nuje Zeita nufkomma täta... Zeita, mo mir Alte nemme mitkomma... weil se an-anders Räderwerk hen... ond schao mit Dampf durch d-Gegad schnauba Vielleicht sage ich etwas Einfältiges, aber manchmal, wenn ich so darüber nachdenke, da ist es mir, als ob ganz neue Zeiten aufkommen würden. Zeiten, bei denen wir Alte nicht mehr mitkommen, weil sie ein anderes Räderwerk haben und schon mit Dampf durch die Gegend schnauben
"Graoßartig hot-r dees gsaet!" rief da einer der alten Vettern dazwischen, und alles gab Gottlieb Bloß Beifall. Doch der ließ sich nicht drausbringen: "Großartig hat er das gesagt!" rief da einer der alten Vettern dazwischen, und alles gab Gottlieb Bloß Beifall. Doch der ließ sich nicht drausbringen:
"I will domit gar nex gega-d Eisebah gsaet hao" machte er weiter - "ka’-mr wissa, ob dees später et a graoßartiga Sach ist, vo dera mir ons jetzt no koa Vorstelleng macha könnat.. I will bloß sa, daß ganz nuje Zeita komma... ond daß dia jonge Menscha braucha ... et alte, wia mir send. "Ich will damit gar nichts gegen die Eisenbahn gesagt haben" machte er weiter - "kann man denn wissen, ob das später nicht eine großartige Sache ist, von der wir uns jetzt noch keine Vorstellung machen können.. Ich will bloß sagen, dass ganz neue Zeiten kommen... und dass diese junge Menschen brauchen ... nicht alte, wie wir es sind.
I moa halt: seit onser Landsma’, dr Friedrich List, uufgstanda ist goht a nuier We’d durchs Land... etzt sends grad zeah Johr, dass-se da Deutscha Zollverei’ grendet hen... Der hot en dera kuurza Zeit schao viel Guats brocht Ich meine halt: seit unser Landsmann Friedrich List aufgestanden ist geht ein neuer Wind durchs Land…Jetzt sind es gerade zehn Jahre, dass sie den Deutschen Zollverein gegründet haben…Der hat in dieser kurzen Zeit schon viel Gutes gebracht.
Ond vor a Johrs achta hen-se de aerst Eisebah’ vo Nürnberg noch Fürth glegt... jetzt baua-se schao oane vo Cannstett noch Ontertürkna... Ond i wett, seis no om a paar Jährla, no’ hot Fellbach au sein oigna Bah hof. Und vor acht Jahren haben sie die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gelegt, jetzt bauen sie schon eine von Cannstatt nach Untertürkheim… und ich wette, seien es noch ein paar Jahre, dann hat auch Fellbach seinen eigenen Bahnhof.
Mo-mr na’guckt, wachst a nuia Endustrie aus-m Boda... oa Fabrik entstaht neba dr andra... Jeda braucht ihre Arbeiter. Ond wer koa Ärbet fend, wandert liaber aus... noch Rußland oder nach Amerika... mo-s Geld leichter verdeant wurd als bei ons. Wo man hinschaut, wächst eine neue Industrie aus dem Boden.... eine Fabrik entsteht neben der anderen... Jede braucht ihre Arbeiter. Und wer keine Arbeit findet, wandert lieber aus... nach Russland oder nach Amerika... wo das Geld leichter verdient wird als bei uns.
Do muaß sich-s Handwerk rega, weens et an-d Wa’d druckt wearda will ... Do braucht-mr jonge Kräfta, mo zuapacka könnet, mo sich durchsetzet ond mit dr Entwickleng Schritt haltet... Da muss sich das Handwerk regen, wenn es nicht an die Wand gedruckt werden will ... Da braucht man junge Kräfte, die zupacken können, die sich durchsetzen und mit der Entwicklung Schritt halten...
Ärbet gäbs gmuag.... grad gmuag... I hao dees schao anno oasa-viarzg denka müassa, mo-n-e mit-m Fellbächer Gsangverei’ zom Regierongsjubiläom noch Stuegert eine be... Dui Stadt hot-mr fast nemme kennt... So viel ist do en de letzte Johr baut worda. Arbeit gäbe es genug.... gerade genug... Ich habe das schon anno einundvierzig denken müssen, wo ich mit dem Fellbacher Gesangverein zum Regierungsjubiläum nach Stuttgart hinein bin... Diese Stadt hat man fast nicht mehr gekannt... So viel ist da in den letzten Jahren gebaut worden.
Ond en Cannstett ists et anderst... Do ists Schloß Rosestoa seit 1829 feertich... An dr Wilhelma baua se jetzt schao-s zwoit Johr... Dees soll-a saubera Sach na’gea... ond-s Bellevue reißet se aa, weil älles schöner und graoßzügiger wearda soll, seit-mr a Königreich send ond seits mit Handel ond Wandel ällerorts uufwärts goht. Und in Cannstatt ist es nicht anders... Da ist das Schloss Rosenstein seit 1829 fertig... An der Wilhelma bauen sie jetzt schon das zweite Jahr... Das soll eine schönes Ergebnis werden... und das Bellevue reißen sie ab, weil alles schöner und großzügiger werden soll, seit wir ein Königreich sind und seit es mit Handel und Wandel allerorts aufwärts geht.
Au bei ons en Fellbach merka-mr dees ... I schätz, mr wearnd jetzt rond drei Taused Ei’wohner hao... Do wurd überaal baut... Do geits nuie Häuser ond nuie Werkstätta... Seit-m Johr sechsadreißg hen-mr a oigena Zoichaschual für onsere Lehrleng... Seit-m Johr siebnadreißg a oiges Gmeindebachhaus ... ond en-dr Bettelgaß dronta hot-dr Herr Weimer a Klei’kenderschual gschaffa, mo-se seah lao ka’... Auch bei uns in Fellbach merken wir das ... Ich schätze, wir werden jetzt rund drei Tausend Einwohner haben... Da wird überall gebaut... Da gibt es neue Häuser und neue Werkstätten... Seit dem Jahr sechsunddreißig haben wir eine eigene Zeichenschule für unsere Lehrlinge... Seit dem Jahr siebenunddreißig ein eigenes Gemeindebackhaus ... und in der Bettelgasse drunten hat der Herr Weimer eine Kleinkinderschule geschaffen, die sich sehen lassen kann…
Ond wenn-e dussa ufm Kirchhof des Grabmol vom Vetter Kraft sieh, mo-am sei’ August ond sei’ Hermann vo Philadelphia gsetzt hen —no muaß-e schao sa: au en Fellbach blast-dr nui We’d durch älle Gassa... Und wenn ich draußen auf dem Kirchhof das Grabmahl vom Vetter Kraft sehe, das ihm sein August und sein Hermann von Philadelphia gesetzt haben – dann muss ich schon sagen: auch in Fellbach bläst der neue Wind durch alle Gassen...
Soll sich do-s Handwerk et halta könna, wenn de reachte Leut dra’ send?... I hao koa Sorg... Seis no viar Jährla, no’ sends hondert .Johr, daß mei’ Ahne, dr alt Johannes Bloß, sei’ Glaserei a’gfanga hot... Dees send oft schwere Johr gwea... Do hot-mr oft et gwißt, mo-mr-d Arbet herhola soll... Ond doch hot-mr durchghalta... ond hot ällaweil wieder z-essa ond z-trenka gheet. Soll sich da das Handwerk nicht halten können, wenn die richtigen Leute daran sind?... Ich habe keine Sorge... Noch vier Jahre, dann sind es hundert Jahre, dass mein Ahne, der alte Johannes Bloß, seine Glaserei angefangen hat... Das sind oft schwere Jahre gewesen... Da hat man oft nicht gewusst, wo man die Arbeit herholen soll... Und doch hat man durchgehalten... und hat immer wieder zu essen und zu trinken gehabt.
Aber nei’standa hot-mr müassa en-d Werkstatt, schaffa ond wuahla ond gucka wia-mr fürsche kommt... Ond jeda Zeit hot ihre Gwohnata gheet, ihre Nochteil ond ihre Voortel... Mr hots bloß richtig a’packa müassa - et bloß mit dr Ha’d, au mit-m Kopf! - no hots ällamol wieder en Ausweg gea ond nuie Ärbet... Aber hineinstehen hat man müssen in die Werkstatt, schaffen und wühlen und schauen wie man voran kommt… Und jede Zeit hat ihre Gewohnheiten gehabt, ihre Nachteile und ihre Vorteile... Man hat es nur richtig anpacken müssen – nicht nur mit der Hand, auch mit dem Kopf! – dann hat es immer wieder einen Ausweg gegeben und neue Arbeit...
Gottlieb Bloß hielt kurz inne und fuhr dann langsam, in besinnlichem Ton fort:
"Drom hao-n-i denkt, daß au dr alt Glaserei Bloß wieder a-mol a Schuß nuier Goist guat tät... Do kommt-mr mei’ nuier Tochterma’ grad reacht." "Darum habe ich gedacht, dass auch der alten Glaserei Bloß wieder einmal ein Schuss neuer Geist gut täte... Da kommt mir mein neuer Schwiegersohn gerade recht."
Gottlieb Bloß wandte sich an den Hochzeiter: "Gottliab", sagte er, "du bist jong... du bist a guater Glaser ond bist bei dei’m Vatter en-re guata Leahr gwea... jetzt zeig, was-d ka’st... Du sollst wissa, daß-d Christel mei’ Glaserei kriagt... s leit an dir, daß-r ällaweil uier Auskomma druf hent... I selber hilf de nächste Johr no mit... Ond wenns Gotts Will ist, daß-e s-Johr siebnaviarzg no verleab, no’ wöllet-mr zseme s Hondertjährig feira. Gottlieb Bloß wandte sich an den Bräutigam: "Gottlieb", sagte er, "du bist jung... du bist ein guter Glaser und bist bei deinem Vater in einer guten Lehre gewesen... jetzt zeige, was du kannst... Du sollst wissen, dass die Christel meine Glaserei bekommt... es liegt an dir, dass ihr immer euer Auskommen daraus habt... Ich selbst helfe die nächsten Jahre noch mit... Und wenn es Gottes Wille ist, dass ich das Jahr siebenundvierzig noch erlebe, dann wollen wir zusammen das Hundertjährige feiern.
Mit-m Gottliab, dei’m Schwoger, haon-e schao gschwätzt... Der hot sei’ oigena Glaserei ... Der ist drmit zfrieda... Bloß ebbes möchte-e hao: daß-r ällaweil guate Vetter ond Schwäger bleibet... nia gega-anander schaffet, sondern mit-anander... No’ ka’s nia lätz gaoh. Mit dem Gottlieb, deinem Schwager, habe ich ich schon geredet... Der hat seine eigene Glaserei ... Der ist damit zufrieden... Nur etwas möchte ich haben: dass ihr immer gute Vettern und Schwäger bleibt... nie gegeneinander arbeitet, sondern miteinander... Dann kann es nie Streit geben.
Ond no ebbes laß me sa: I be seit-dr-her dei’ Döte gwea... ond hao-de ällaweil guat leida möga... Jetzt ben-e dei’ Schwäher, and du bist mei’ Tochterma’... Do wölla-mr no enger zsemahalta... Do solls nex gea, was ons ausanander brenga ka’... Und noch etwas lass mich sagen: Ich bin seither dein Onkel gewesen... und habe dich immer gut leiden mögen... Jetzt bin ich dein Schwiegervater, und du bist mein Schwiegersohn... Da wollen wir noch enger zusammenhalten... Da soll es nichts geben, was uns auseinander bringen kann...
Ond jetzt wensch-e uich viel Glück ond Seaga... Bauet uich a guat, schö Zuakonft uuf... and vergesset-mr-et", der AltGlaser lächelte schelmisch: "Aerste Moses oas, Versch achtazwanzg... do stohts: ,Seid fruchtbar and mehret euch!’" Und jetzt wünsch ich euch viel Glück und Segen... Baut euch eine gute, schöne Zukunft auf... und vergesst mir nicht", der AltGlaser lächelte schelmisch: "Erster Moses eins, Vers achtundzwanzig... da steht es: ,Seid fruchtbar and mehret euch!’"
Gottlieb Bloß war fertig. Von allen Tischen kam herzlicher Beifall und lautes Hallo!

Da erhob sich der Hochzeiter und dankte dem Vater, daß es alle hören konnten: "Döte! Noa -Vatter! ... I dank-dr halt schö... Ond wa-d vom Moses gsaet host... i versprech-dr, mir wölla to, was-mr nönna!" Alle lachten herzhaft zusammen. Nur Christel errötete. Und Gottlieb ahnte nicht, wie sehr sich dieses Wort einst an ihm erfüllen sollte.



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