100 Jahre Fellbach - geprägt von Schule und Kirche


In diesen 100 Jahren, in denen vom Fellbacher Schulhaus so viele Impulse in die Gemeinde und ins Land hinausgingen, gab es natürlich noch andere Erscheinungen, die den guten Ruf von Fellbach prägten. Parallel zu den beiden späteren Auberlen waren fähige Pfarrer in Fellbach tätig. Ihr Einfluß und die große Ausbreitung des Pietismus in der Gemeinde gaben dem Ort den Ruf, nach Korntal der zweite „heilige Ort" in Württemberg zu sein. So etwas läßt sich natürlich eher verspötteln als beweisen.
Immerhin aber wurde in Fellbach 1842 der erste Dorfkindergarten von Württemberg und 1864 schon ein Jünglingsverein gegründet. Nachweislich lag die Zahl der unehelichen und damals nur schlecht versorgten Kinder erheblich unter dem Landesdurchschnitt. Das religiöse Leben blühte und der Missionsgedanke war geweckt worden. Es gab zu Anfang des Jahrhunderts auch eine pietistisch-separatistische Welle und das Soldat sein wurde abgelehnt. Einige wanderten aus religiösen Gründen nach Palästina aus.
Trotz aller schulischen und gewerblichen Förderung konnte aber das Dorf in Notzeiten nicht alle die vielen jungen Menschen ernähren. So gab es Auswanderungswellen, besonders um 1860, als rund 600 Fellbacher - praktisch ein ganzes Dorf - von rund 3000 Einwohnern nach Amerika und Rußland auswanderten. Aber auch dieser Aderlaß wurde bald wieder ausgeglichen.
Zu Ende des Jahrhunderts kamen dann auch die weltlichen Kultur- und Sportvereine voll zur Blüte. Ein vitales und geprägtes Dorf konnte sich dem neuen Jahrhundert stellen. Für uns darf gefragt werden, ob wir das Erbe dieser Generation entsprechend ehren und das Gute davon schätzen.
Heine erinnert nur noch das Straßenschild an den früheren See, der einst Kirche, Schule und Mauern umgab.