"Wohlgebaute Kirchen, Schulen und Rathäuser sind diejenigen Gebäude, welche einem Ort zur größten Zierde gereichen"


Am Sonntag, 8. Nov. 1801, versammelte sich der Magistrat um 12.30 Uhr auf dem Rathaus. Sämtliche Schulkinder mit ihren Lehrern standen in zwei Reihen vom Rathaus bis zum Schulhaus und sangen Nun danket alle Gott... Pfarrer und Magistrat gehen in die Schule, die Glocken läuten, die Kirche wird geöffnet, die Kinder werden rings um den Altar gestellt, der Pfarrer führt den Magistrat in die Kirche. Das Tedeum Laudamus von Zonelli wird aufgeführt. Nach dem Kindergesang Liebster Jesu, wir sind hier, spricht der Pfarrer von der Wichtigkeit der Schule und des Schulhauses. Dann werden Stiftungen verlesen. Nach Gebet und Gesang zieht die Festgemeinde zur Schule. Dort wird nach feierlichem Gebet und Gesang von den Kindern die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel buchstabiert. Dann werden Verhaltensregeln (Schulgesetze) eingeschärft. I. Der Schullehrer hat alles zu verhüten, was dem Gebäude schädlich sein kann, besonders auf die Fensterscheiben achten, die Schulstube bis eine viertel Stunde vor Unterricht geschlossen halten, unter Aufsicht der Schulmagd die Kinder zweimal wöchentlich ausfegen lassen; beim Schulende die Klassen nacheinander entlassen.

Grundriß der Schule von 1801. Welche Belastungen für 400 Schüler und 3 Lehrer in diesen 3 Zimmern, trotz des Neubaus.

 

Keller des Schulhauses, heutiger Zustand. 

 

Ansicht der Schule nach dem Umbau 1876.

 

Grundriß der Schule nach dem Umbau im Jahre 1899 mit 5 Klassenzimmern (ohne Flur). Die Außenansicht wurde auf den heute vorhandenen Zustand gebracht.

 

II. Die Kinder sollen: am Eingang die Schuhe am Eisen abkratzen. Nur durch ihre Tür und in ihre Schulstube gehen. Wer Fensterscheiben zerbricht, muß diese bezahlen. Auf Tische steigen ist verboten. An Tafeln und Schrannen nicht schnitzen! Kostbare Zeit nicht unnötigerweise mit Essen vertändeln und Schelfen nicht auf den Boden werfen. Ruhe auf dem Gang, nicht springen und tändeln! Werfen mit Steinen, Bällen, im Winter Schneebällen, streng verboten. Beim Abort den Zugang seines Geschlechts benützen.
Da die Schule während Abbruch und Bauzeit auf der Flucht gewesen war und der Unterricht oft ganz ausfiel, war viel zu tun, um Versäumtes nachzuholen. „Der Schulmeister war Witwer geworden und selbst so unpäßlich, daß er kaum das Nötigste versehen konnte." Die 28 Gulden Festopfer wurden für Schulbücher verwendet.
Die Zugbrücken führten in die zwei Schulhöfe. Jede Klasse hatte ihr Zimmer, in der Mitte war der Schulmeister, rechts und links die Provisoren. Nun waren endlich auch die äußeren Voraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht gegeben. Sie trugen reiche Früchte: die Visitation 1804 verlief glänzend, viele Kinder erhielten Prämien. „Um das Schulwesen in Fellbach weiter zu fördern, entschloß sich der Magistrat, die Besoldung der Schulmeister zu verbessern:

A) Wegen des größeren Baues, der vermehrten Öfen jährlich zusätzlich 2 Klafter Holz und 100 Reißach.
B)  Zur Unterhaltung der zwei Provisoren von 40 Gulden werden 60 zugelegt, daß künftig desto tüchtigere Subjekte angestellt werden.
C) Die durch das Bauwesen ruinierten Plätze innerhalb des Sees werden gereinigt, geebnet und frisch umgebrochen.
D) Für die Sonntagsschule im Winter werden 15 Gulden verwilligt.
E) Beim Heiligen wird ein Fundus für Prämien errichtet." 200 Gulden von der verstorbenen Gattin des Chirurgus Wolf, dann 500 Gulden, von Phil. Jakob Ebensperger. „Der jährliche Zins soll zur Anschaffung benötigter Schulhefte, Schreibtäfelchen und Rechenblätter verwendet werden für Kinder, welche Schule und Kinderlehre fleißig besuchen."

 Auf der Ostseite des Hauses war die Schulmeisterswohnung und die Provisorenzimmer.
Nach Erweiterungsbauten 1825 und 1875 waren es 5 Schullokale im Erdgeschoß und darüber 4 Lehrer-Dienstwohnungen. Schon 1845/46 waren in der Neugasse für Kl. I und II 2 Schulzimmer und eine Lehrerwohnung gebaut worden. 1887 kam das 3. Lokal und die 2. Wohnung hinzu.

Die Schule (Rathaus II) im heutigen Zustand.

1906 entstand beim Friedhof die neue Schule: 4 große Lokale im Parterre und 1. Stock, 2 kleinere Schulzimmer im 2. Stock. Im Tiefgeschoß eine Hausmeisterwohnung und die Hauswirtschaftsschule.
Schon 1896 waren im Gemeindehaus Schmerstraße (frühere Zehntscheuer) 2 Säle für die Industrieschule (Handarbeit und Zeichnen) eingerichtet worden. 1913 erhielt die neue Schule 12 weitere Lokale.

Lage der Kirchenpflege auf Mauer, Turm und Wassergraben der alten Burganlage.