Ein Abriß der Geschichte Fellbachs


Die Beschreibung des Oberamts Cannstatt berichtet 1835 „Fellbach ist eines der größten, stattlichsten und wohlhabendsten Dörfer in Württemberg. Quellen seines Wohlstands sind Ackerbau, Weinbau und Gewerbe auf der fruchtbaren Hochebene zwischen Neckar und Rems." Ertragreiche Böden, gute Weinberge, großer Fleiß der Weingärtner und Bauern, tüchtige Handwerker, Gärtner und Kaufleute führten durch guten Absatz der Erzeugnisse zu Wohlstand, der sich in stattlichen Höfen vermöglicher Bürger zeigte.
Angebaut wurde in den drei Zelgen: Cannstatter, Gsäß und Waiblingen Dinkel, Haber, Gerste, Weizen (18 000 Ztr.), Einkorn und Roggen; Ackerbohnen, Welschkorn, Raps, Mohn, Hanf und Flachs. Im Brachfeld Kartoffeln (10 000 Ztr.), Runkelrüben und dreiblättriger Klee. Von der Viehweide war man schon zur Stallfütterung übergegangen.
Um 1100 waren die Grundherren die Herzöge von Calw, die Welfen und das Bistum Konstanz. Die Ortsadligen „Herren von Velbach" hatten ihr Schloß nahe der Kirche. 1350 verkaufte Heinrich von Velbach seinen Besitz an den Grafen von Württemberg und wurde grauer Mönch zu Bebenhausen. Die Nähe der Heerstraße nach Cannstatt brachte viele harte Kriegsnöte:

725  als in den Kämpfen zwischen Franken und Alamannen Cannstatt zerstört wurde,
1287  als Kaiser Rudolf sieben Burgen um Cannstatt eroberte,
1300  im fortgesetzten Streit der Grafen mit den Reichsstädten Esslingen und Reutlingen,
1547  als Herzog Alba mit Spaniern auf dem Schmidener Feld lagerte,
1643  als dort nacheinander Bayern, Franzosen und der Herzog von Weimar biwakierten,
1776  als Österreichs Herzog Karl hier gegen den französischen General Moreau kämpfte,
1805  als Napoleons Heer auf Fellbacher Fluren zeltete,
1813  als ein russisches Heer als Sieger durchzog,
1815  als Erzherzog Ferdinand hier seine Truppen sammelte.

Diese Truppendurchzüge brachten Kriegsnöte, Einquartierung, Abgaben, Plünderung, Brandschatzung, Mißhandlungen, Tote und hatten oftmals schwere Seuchen im Gefolge.
Aber auch in Friedensjahren waren die Lasten schwer. Der große Zehnten: von allem Wintergetreide gehörte die zehnte Garbe dem Bistum Konstanz und der Obst-, Wein- und Heuzehnten.

Der kleine Zehnten von Sommergerste, Bohnen, Rüben, Nüssen und Hanf gehörte der Kirche.
Die beiden Tore auf der Südseite waren besonders stark überbaut. Hier oder unmittelbar dahinter lag wahrscheinlich die Burg der Herren von Velbach. Die Herren ließen Ringmauern um die Wehrkirche bauen, um der Bevölkerung in Kriegszeiten mit ihrer Ernte, dem Saatgut und dem Vieh in den Gaden Schutz zu bieten. Schon 1305 führten die Grafen von Calw Mauern um die Kirche. Diese wurden 1519 teilweise zerstört. Nach seiner Rückkehr baute Herzog Ulrich die Ringmauer um den Wehrkirchhof wieder auf (40X55 m):
Eine geräumige quadratische Maueranlage mit 4 runden Türmen, ausgestattet mit Schießscharten und einem gedeckten Wehrgang ringsherum. Um das Ganze zieht sich ein breiter Wassergraben, der die 8,80 m hohen Mauern damals fast uneinnehmbar machte, da die beiden Eingänge durch Zugbrücken abgesperrt werden konnten (ab 1800 feste Steinbrücken). Die Grafen von Württemberg schufen sich schon um 1360 durch die Wehrkirchen gute Stützpunkte gegen die aufstrebenden Städte.

Modell der Fellbacher Burganlage etwa um 1650. 

Im 16. Jahrhundert konnten die Mauern wegen des modernen Pulvergeschützfeuers einer Belagerung nicht mehr standhalten. Trotzdem wurden sie bis 1800 mit großem Aufwand gepflegt und erhalten.

Lutherkirche, Schnitt durch Mauer, Wehrgang, Turm und Wassergraben.