Aus der Geschichte des Fellbacher Schulhauses


Schon 1534 gab es in Fellbach eine Teutsche Schule. Der Besuch war freiwillig, die Eltern mußten Schulgeld bezahlen. 1600 war Fellbach eines der 6 Dörfer Württembergs, die auch eine Sommerschule hatten. 1559 bestimmte Herzog Christoph in der großen Kirchenordnung, daß bei allen Mesnereien Teutsche Schulen zu errichten seien. Das Schulwesen Württembergs wurde eng mit der Landeskirche verknüpft: bis 1888 versah der Schulmeister den Mesnerdienst, traktierte die Orgel und sang den Choral.
Knaben und Mädchen wurden zur Schule geschickt und in 3 Häuflein geteilt: das erste Häuflein lernte Buchstaben, das zweite lernte sie zu Silben zusammenschlagen, das dritte Wörter und Sätze lesen und dann auch schreiben. 1649 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt (80 Knaben, 70 Mädchen). Die Schulmeister trieben ein Handwerk und bewirtschafteten Acker und Weinberg. Die Unterrichtung der Kinder erfolgte ursprünglich in einem Raum der Mesnerwohnung (innerhalb der Ringmauer). Später wurde die Schule in die Ringmauer eingebaut. Dort wurde sie 1693 von Melacs Truppen verbrannt: „Im August 1693 ist das barbarische Kriegsheer der leidigen Franzosen in das Herzogtum Württemberg

Nach der Zerstörung der Schule durch Melac im Jahre 1693 wurde diese kleine Schule 1695 in die Burgmauer eingebaut. Sie bestand bis 1800.

eingefallen. In Fellbach wurden 178 Häuser und Scheuern in Asche gelegt, vorher ausgeplündert trotz Vereinbarung einer Brandschatzung, und ohne alle Ursache auch das liebe Schulhaus hinweggebrannt."
Erst zwei Jahre nach der Zerstörung kaufte der „Heilige" (Kirchenpfleger) ein altes Schafhaus in Winterbach auf Abbruch gegen 105 Gulden und ließ es nach Fellbach führen und dort als Schulstube aufbauen. (Sie wußten sich in ihrer damaligen Not nicht anders zu helfen.) „Auf diese Weise wurde für die 176 Schulkinder und den Schulmeister einstweilen, wiewohl sehr kümmerlich gesorgt." 1731 heißt es: Pfarr- und Schulhaus seien in gutem Zustand. Aber allmählich wurde das Schulhaus baufällig. Es mußte mit Sprießen gehalten werden. 1774 mahnte die Synode „wegen der engen Schulstube, unter deren Last der Unterricht der Schulkinder in Fellbach notleidet, soll bis zur Erbauung eines neuen Schulhauses vom Magistrat eine geräumige Stube in einem Privathaus gemietet und zum Unterricht des Provisers bestimmt werden." Bis 1800 war die Zahl der Schulkinder auf 400 angewachsen, so daß der Schulmeister genötigt war, zwei Provisore zu halten. „Da saßen die Kinder so eng aneinander, daß eines die Schulter hinter dem andern hatte. Manchmal hatten die kleinen Kinder nicht mehr so viel Raum, daß sie nur in den Gängen stehen konnten. Manche verkrochen sich unter Schrannen und Tische." Wegen der fortdauernden kriegerischen Lasten und Unruhen (1796-1800) wurde die Ausführung behindert. Pfarrer Kohler schreibt 1799 „den traurigsten Anblick gewährte das über alle Beschreibung elende und engräumige Schulhaus. Sorgliche Ahnungen durchkreuzten sein Herz, wenn er mit diesem Zustand der Gebäude die Not der damaligen Kriegszeit zusammendachte. Dessen ungeachtet wagte er, das Äußerste bei den Behörden zu versuchen."
Nach Weihnachten 1799 kam Baumeister Götz, um das Haus in Augenschein zu nehmen. Danach versammelte sich der Magistrat. „Der Heiligenbaumeister hielt es für seine Pflicht, den Bau so anzulegen, daß er nicht nur den Bedürfnissen Genüge leistete, sondern auch durch seinen äußeren Anblick das Auge sich ergötzte. Die Drangsal der Zeit erforderte den Beutel der Bürger zu schonen. Da der Mangel an Steinen auf hiesiger Markung so schwere Kosten verursacht hätte, so entschloß man sich, nach einigem WIDERSPRUCH einstimmig, von der 28 Schuh hohen und 6 Fuß dicken Ringmauer (8,79x1,88 m) die Mittagsseite (Süden) abzubrechen und an der ungeheuren Ringmauer der Kirche ein neues Schulhaus zu erbauen. Riß und Überschlag solle von dem Heiligenbaumeister gefertigt werden" (s. Bild Seite 1). „Es kostete viel Mühe, bis endlich im Jahr 1800 Riß und Überschlag in die Hände des Kirchenkonvents und Magistrats kam, von demselben genehmigt und zur Radifikation eingeschickt wurde. Diese erfolgte schnell, weil befürchtet wurde, außer der Engräumigkeit habe das Schulhaus den Fehler, daß die Sprieße, mit denen seine Baufälligkeit gesichert wurde, faul wären und nach und nach umfielen. Allein die 1800
wieder angeblasene Kriegsflamme zerstörte jeden Gedanken zur Ausführung des Bauwesens: Die Gemeinde sei durch Weinfehljahre und Frucht-Teure gänzlich entkräftet."
„Mit Hilfe des Heiligenpflegers Seibold gelang es dem Pfarrer, beim Heiligen eingegangene Gelder aufzustauen und nach Erfordernis der Zeit in sichere Verwahrung zu bringen, so daß beim Angriff des Bauwesens eine Barschaft von 2000 Gulden vorhanden war.
Auch gab er sich alle Mühe, vom herzoglichen Kirchenrat, vom Kapitel zu Konstanz und den Städten und Ämtern Beiträge zu erbitten. Er erhielt: vom herzoglichen Kirchenrat 550 Gulden, von der hochlöblichen Landschaft 240 Gulden, vom Kapitel Konstanz 150 Gulden, und die Kollekte von 42 Städten vor den Kirchentüren verwilligt, welche zum Teil ganz ergiebig ausfielen."
„Mit der Morgenröte des Friedens an Lichtmeß 1801 - Lune ville - fing Köhler an, die Ausführung des Bauwerks beim Magistrat anzuzetteln. Nachdem man Riß und Überschlag 3 Tage lang auf dem Rathaus durchgegangen, ließ sich Feldmesser Bauerle einfallen, mit Zimmermeister Neef einen neuen Riß zu verfertigen. Kohler hatte mit Schulmeister und Baumeister Götz sorgfältig berechnet, wieviel Platz für ein buchstabierendes, lesendes oder schreibendes Kind erfordert würde. Die Zahl der gegenwärtigen Schulkinder wurde berechnet und eine Zahl des zunehmenden Nachwuchses dazugeschlagen.
Nach dieser Berechnung wurde für jede der 3 Klassen ein eigenes Zimmer mit dem erforderlichen Raum angelegt. Bauerle wollte die Wohnung des Schulmeisters verkleinert wissen. Die Wandung der unteren Schulstube sollte um 2,50 m nachgerückt werden. Er verließ sich auf den Vorwand der Erkenntnis und den Anhang in der Bürgerschaft. Letzterer versuchte auch einmal seine Kräfte. Als Pfarrer und Magistrat beisammen waren auf dem Rathaus, strömte ein Haufen unbelehrter Bürger dazu, protestierte gegen das kostbare Schulhausbauwesen, welches sich ihrer Meinung nach auf 12 000 bis 15 000 Gulden belaufen sollte. Man belehrte sie, aus dem vorgezeigten Überschlag, der sich auf 8000 Gulden belaufe und daß man eher auf Verminderung bedacht sei. Damit wurden sie ziemlich beruhigt."
Herr Bauerle wurde mit dem Schreiben ans gemeinsame Oberamt zu Baumeister Götz geschickt. „Nach wenigen Tagen ist Bescheid eingetroffen, daß der gnädigst ratifizierte Riß verletzt sei und diese Änderung nicht vorgenommen werden könne. Es blieb also bei dem Riß mit Ausnahme von kleinen Änderungen zur Ersparnis." Der Pfarrer war täglich bei dem Bauwesen gegenwärtig und schärfte den Handwerksleuten ein, keine Änderungen vorzunehmen.
Die Schule wurde in der Bauzeit in der Kirche gehalten.
„Nachdem das alte Schulhaus und die südliche Ringmauer abgebrochen war, zeigte es sich, daß die Rundell (runder Eckturm) unter welcher des Schulmeisters Kellerloch war, so baufällig geworden war, daß zur Wiederherstellung mehrere hundert Gulden nötig gewesen wären." Mit den Steinen der Ringmauer wurde nun das Schulhaus errichtet. Als man mit den Steinen hinaussah (daß sie reichen), beschloß man, einen

Die neue Schule mit 3 Klassenzimmern, der Lehrerwohnung und Provisorzimmern. Die damals noch vorhandenen Türme und Mauern wurden wenige Jahre nachher trotz heftigem Protest der Bürgerschaft abgebrochen.


gewölbten Keller unter dem Schulhaus einzubauen. („Dieser Keller sowie die Burgzufahrt sind heute noch vollständig vorhanden.")
„Nun fing Pfarrer Kohler an davon zu sprechen, wie schädlich die Ringmauer für Licht und Luft der Kirche sei, wie kostspielig Dach und Umgang (Wehrgang) zur Erhaltung seien, wieviel Platz für den Schulhof und die Gärten des Schulmeisters durch den Abbruch der Mauer gewonnen würde. Wie durch den Erlös aus den übrigen Steinen die Baukosten verringert werden könnten, und viele Bürger mit diesen Steinen Bauarbeiten in Häusern und Weinbergen ausführen könnten, da sie sonst für Steine aus
Feuerbach samt Fuhre 2 Gulden 45 Kreuzer bezahlen müßten. Der jüngste Senator erklärte:
„Wenn der Abbrach der Ringmauer geschehe, werden alle 500 Bürger aufstehen!"
Der Pfarrer begegnete dieser Drohung mit Hinweisen aufs Gericht, besonders für die Rädelsführer!
„Es blieb aber bei den Fäusten im Sack" und noch einigen schriftlichen Drohungen, welche dem Pfarrer ins Haus gelegt wurden, aber ihres Eindrucks verfehlten."
„Für die Kinderkloake (Abort) wurde ein Teil der Ringmauer im Westen durchbrochen. Nun fehlte ein Zugang zum Turm." Der Uhrrichter mußte etliche Wochen auf der Leiter hinaufsteigen. „Man mußte die Mauer soweit abbrechen, daß man eine steinerne Stiege am Turm einrichten konnte. Eine Menge Käufer drang herzu, welche die übrigen Steine oft teuer genug bezahlten." Der Wunsch der Bürger, die ganze Mauer abzuheben, wurde lauter.
Kurz vor Ende des Baues war die gefährlichste Stockung. Die Handwerksleute forderten Geld, aber die Barschaft des Heiligen war zu Ende. Am Ort war niemand, der mit barem Geld behilflich sein wollte.
„Zu gutem Glück verkaufte der Pfarrer seinen vorrätigen Besoldungswein und löste mit diesem Geld manche Kapitalien des Heiligen. Als es wieder stockte, ließ sich der Pfarrer vom Bürgermeister eine Vollmacht zur Anleihe geben und beschaffte damit bei guten auswärtigen Freunden Anleihen von 1000 Gulden. Damit langte man aus, bis das Bauwesen an Martini fertig war."
„Der gute Herbst machte die Leute zur Heimbezahlung ihrer Schulden beim Heiligen willfährig." Ein Teil der Heckenäcker, die wenig eintrugen, wurde noch verkauft. „Nachdem der Bau abgemessen, die Zettel gefertigt (Rapport) und der Bau 1802 von Baumeister Götz beaugenscheint wurde, hatte es mit der Bezahlung des Rests keinen Umstand." Gesamtkosten 8277 Gulden, 27 Kreuzer und Reisekosten des Baumeisters 50 Gulden, 7 Kreuzer. An dem Bauwesen hat das Bürgermeisteramt 2800 Gulden bezahlt. Viele Steine der Ringmauer wurden verkauft oder die Pflaster des Orts damit repariert. Nach dem leidigen Brand hinter dem Rathaus 1804 dienten Überreste der Ringmauer dazu, den Aufbau der Häuser zu erleichtern. Gute Witterung, anhaltender Friede, Gesundheit, eine reiche Ernte und ein über alle Hoffnungen gesegneter Herbst stärkten den Mut und förderten den Fortgang. Im November 1801 konnte das Schulhaus bezogen werden.
Pfarrer Kohler schrieb: „Gott bewahre das Erbaute in Gnaden vor Unglück, mich aber vor einem ähnlichen Bauwesen!"

Die Namen der Bauleute:
Kirchenratsbaumeister: W. Friedrich Götz
Zimmermeister: Michael Neef, Matthäus Neef, Sohn Daniel
Maurer und Steinhauer: Joh. Fr. Lipp, Joh. Gg. Lipp, Michael Lipp
Schreiner: Joh. Mich. Beurer, Joh. Phil. Stoll, Augustinus Neef
Schlosser: Joh. Friedr. Schmid
Glaser: Joh. Phil. Bloß, Gg. David Lipp, Friedr. Schnaitmann