Wilh. Amandus Auberlen betreibt die Errichtung der Gewerbeschule in Fellbach.


Schon 1826 hat Auberlen 82 Kinder und 13 Erwachsene mit Falzen und Heften für Stuttgarter Buchhändler beschäftigt. Ein Schulkind erhielt dafür täglich 5 Kreutzer. Am 5. Oktober 1835 legt er einen Entwurf zur Errichtung einer Gewerbeschule dem wohllöblichen Stiftungsrat vor und macht darin Vorschläge über gewerblichen Unterricht für Lehrlinge (Original jetzt im Auberlenzimmer).
„An Sonn- und Feiertagen (ohne Festtage) sollte das ganze Jahr hindurch sommers von 6.30 bis 8.30 Uhr, winters von 8 bis 9 Uhr und an Werktagen vom 1. 9. bis 15. 10. dreimal abends 1 Stunde, vom 1. 11. bis 31. 1. dreimal abends 2 Stunden, im Februar wöchentlich 1 Stunde, in Zeichnen, Geometrie, Arithmetik, deutsche Sprache (Briefeschreiben, Aufsätze),
unterrichtet und das Wissenswürdigste aus Naturlehre, Geschichte, Erdbeschreibung, Naturgeschichte, mitgeteilt werden".
(Berufskundliche und allgemein bildende Stoffgebiete.)

Aber er konnte den Stiftungsrat nicht so überzeugen, daß er zugestimmt und seine Gedanken voll verwirklicht hätte. „Der Stiftungsrat möge bestimmen, daß sich die Jünglinge verpflichten, mindestens 1 Jahr lang unausgesetzt die Schule zu besuchen. Das Königliche Oberamt hat zugesagt, in den Lehrbrief aufnehmen zu lassen, ob und mit welchem Erfolg die Gewerbeschule besucht wurde."
Zeichnen hat naturgemäß die führende Rolle eingenommen. Zunächst entstanden die Sonntagsgewerbeschule und die Zeichnungschule. 1856 nahmen an der Zeichnungschule 22 Lehrlinge teil, darunter 3 Schreiner, 3 Schlosser, 3 Schmiede und 3 Wagner. Um Verständnis der Darstellung körperlicher Formen einzuführen, wurde nach Modellen und Vorlagen gezeichnet. 1856 entstand an 3 Abenden die Abendschule während der Wintermonate, wo neben Zeichnen, Geschäftsrechnen, Geschäftsbriefe und Rechnungsführung unterrichtet wurde. In Anpassung an die gewerbliche Entwicklung entstand aus der allgemeinen die gewerbliche Fortbildungsschule.