Die Namen der Gewanne und Flure gehen teilweise auf ihre Verwendung und ihre Besonderheiten zurück.

Fellbacher Flurnamen mit Geschichte

Von Rektor a. D. Otto Mall

Die Markung Alt-Fellbach umfaßte im Jahr 1950 mit etwa 1355 ha in etwa 14 000 Parzellen einen großen Teil der Hochebene zwischen Neckar und Rems. Bis 1918 er folgte die Bewirtschaftung in drei Zelgen (Dreifelderwirtschaft). Unterschieden wurde zwischen Zelge Cannstatt, Zelge Gsäß und Zelge Waiblingen. Die einzelnen Gewanne wurden in Parzellen aufgeteilt, welche sich durch die Erbteilung weiter verkleinerten.

Die Flurnamen sind im Volksmund entstanden und wurden von Generation zu Generation überliefert. Sie entsprechen deshalb oft nicht den amtlichen Bezeichnungen im Grundbuch. Besiedlung und Anbau machten die Benennung nötig. Die Vermessung der Kataster erfolgte 1824 von Tübingen aus. Die Fellbacher Katasterblätter haben die Nummern 2815 und 1915 und wurden von Geometer J. Frech gefertigt.

Flurnamen mit geschichtlichem Hintergrund

Hofmauerweg An den Ostrand des Fellbacher Etters grenzende Flur (heute Siedlung). Etwa bis 1920 stand der nördliche Teil dieser etwa 1,50 Meter hohen Steinmauer zwischen Rommelshäuser und Bruckstraße. 1502 kaufte Dr. Bälz aus Stuttgart den späteren Almosenhof, aus dem er vier hausarmen Leuten jährlich 30 Scheffel Dinkel verabreichen ließ. Der Besitz hieß Hofgut.

Erbach (Erwoch) Ca. 800 Meter ostwärts der Bühlstraße stand am Er(l)bach der Erbachhof, dessen 350 Morgen Güter 1350 nicht zur Fellbacher Markung gehör ten. 

Eurach (Eirich) Bis etwa 260 n. Chr. stand hier (laut Waiblinger Urbar Steuerbuch) ein römischer Gutshof, der an der Hoch(Römer)straße Cannstatt-Lorch zum Limes lag und von den Alemannen zerstört wurde. Die Trümmerstätte des Steingebäudes wurde von Gestrüpp überwuchert und von den Menschen gemieden. 1927 kamen bei der Bestellung Mauerreste ans Licht, jetzt ist es ein Grabungsschutzgebiet.

Dietbach (Diawoch) Hier war in Mittelalter ein Weiler. Die dazugehörige, nach dem Abgang des Weilers stehen gebliebene Kelter wurde etwa um 1840 an die Untertürkheimer Straße versetzt, wo sie 1954 abgebrochen, wurde zum Bau des Freibads.

Brühl (Briel) Zum Brühl oder Frustingshof gehörten Wiesen und Weinberge am Nordhang des Kappelbergs. Die Güter waren gegen den Flecken steuerfrei als Grafengut. Später wurden sie von der Vogtei Cannstatt verwaltet.

Immenrot (Emarot) Der Weiler gehörte um 1150 schon zum Kloster Zwiefalten. 1287 wurde er mit den Cannstatter Vororten von Kaiser Rudolf von Habsburg zerstört. (Fundstelle eines Mammutbackenzahns.)

Wiflinger Hier wird auch ein abgegangener Weiler vermutet (alemannische Siedlung).

Kelterweinberg An der Markungsgrenze nach Rommelshausen stand die Haldenbachkelter.

Kappelesäcker Am Hegnacher Weg stand im Mittelalter ein Bildstöckle (das Kunzinger Bild), vielleicht auch ein Weiler. 

Kappelberg Am Nordhang des Kappelbergs stand im Mittelalter auf einer rebenbestandenen Kuppe eine Marienkapelle, die dem Berg seinen Namen gab: Die Legende einer Marienerscheinung machte sie zur Wallfahrtskapelle bis in die Zeit des Bauernkriegs.

Unter der Landstraße An der Heerstraße bei Waiblingen und an der Römerstraße Cannstatt-Lorch gelegen. 

Am Hegnacher Weg Am alten Mühlweg Unterdorf Fellbach - Hegnach. 

HoIzweg Von Schurwald über Rommelshausen führte der Holzweg übers Erbach nach Schmiden.

Spittelberg Das Spital der Reichsstadt Esslingen nahm sich der Bedürftigen, Gebrechlichen und Kranken an. Die Mittel für diese Fürsorge bezog es aus opferwilligen Schenkungen an Grund und Boden.

Gewanne mit Besonderheiten

Brönnlis (Brändles) Auf dieser feuchten Flur am südlichen Stadtrand (Kelterstr.) wurde das Wasser in Stuben gefaßt und in die Dorfbrunnen geleitet (Burgstraße) - heute Wasserleitung. 

Wasserstuben Ebenfalls Quellhorizont wie Brönnlis.

HaIdenbach An dem nach Rommelshausen fließenden Haldenbach gelegen. 

Hagelsbach An dem nach Untertürkheim fließenden Hagelsbach grenzend. 

Weiherhalde Gewann bei Rommelshausen. In größeren und kleineren Senken bilden sich bei feuchter Witterung Weiher. 

Bruckwiesen Der Hegnacher Weg führte über den heute eingedolten Schüttelgraben über eine Brücke aus Stein. 

Eichenacker Ein Zeichen, das in eine Eiche gehauen war, eine Lache, war Grenze zwischen Fellbacher und Cannstatter Markung.

Wanne, Grund, Sandgraben, Loch und Klinge benennen Geländevertiefungen und Einschnitte größeren Ausmaßes.

Auf der Höhe  Hochgelegene Feldflur zwischen Schmiden und Cannstatt. 

An der Staig An der damals steil abfallenden Steige nach Luginsland.

Gaffer Die vorgeschobene Lage eröffnete einen guten Ausblick, vergleiche Luginsland.

Vorderer und Hinterer Berg waren Rebfluren am westlichen Kappelberg

Viele Flurnamen machen Angaben über die Verwendung

Leimen (Loim) Dort wurde schon 1473 Lehm für die Ziegelei in der oberen Vordergaß (Kernenturm) geholt.

Ziegeläcker An der heutigen Ziegeleistraße gelegene Flur mit einer Ziegelei unter dem Scherbengäßle (1840: neuere Ziegel Lidle)

Häfner Gewann an der Waiblinger Markungsgrenze, teilweise "Lehmgrube". Hier fanden die Häfner fetten Lehm zum Ausstreichen des Ofenfeuerungsraumes. Häfner Lorenz war der Erfinder des Schüttelrosts, mit dessen Hilfe die Asche ohne Stochern in den Aschenkasten fiel.

Mönchweinberg und Frauenweinberg waren in Klosterbesitz beispielsweise Bebenhausen.

Mautenäcker Diese Grundstücke waren mit einer besonderen Abgabe belastet. 

Aucht (Achtl) Ehe um 1800 die Stallfütterung eingeführt wurde, dienten diese Baumstücke nach dem Abraum als Herbstweide.

Beund (Bonda) Die aus Ackerflur, Weide und Wald ausgesonderte Almendfläche, welche mit Gemüse, Hanf und Flachs bebaut wurde und allmählich in Privatbesitz überging.

Schafacker wurden zur Düngung von Schafen bepfercht.

Kühegarten Hier weidete der Kuhhirte das Rindvieh.

Sauwiesen Die Schweineweide war meist mit Eichelmast verbunden.

Krautgärten Ortsnahe Gemüsegärten an der Rommelshäuser Straße.

KleinfeId Das Feld zwischen Wehrkirche und ostwärtigem Etter hatte sehr kleine Parzellen und lag außerhalb der Zelge, beispielsweise Kleinfeld-Friedhof.

Tiergarten Eingezäunte und eingefriedete Weidewiesen (ortsnah).

Tiernamen bezeichnen die Flur

Falkenstange (bei der Bahnlinie Cannstatt-Fellbach) Im Mittelalter war der Vogelfang sehr beliebt. Auf einem Gerüst (Stoß) saß eine Taube als Lockvogel (Beize für Raubvögel). Der Falke wurde auch als Jäger abgerichtet.

Geifitzen Hier war der Kiebitz, ein sehr neugieriger Vogel, heimisch.

Hatzen Das nach den diebischen Elstern benannte Feld wurde 1950 verbaut (Am Stettener Weg).

Amsel Die Amsel ist in der Herbstzeit so ungern im Weinberg gesehen wie die Staren. Der Name ist wohl ironisch verwendet. 

Gansäcker Ein quellengespeister See am Freibad erlaubte in den Gärten am Ortsrand die Zucht zahmer Gänse.

Vogler Auch hier war der mittelalterliche Vogelfang mit Gerüst und Locktaube möglich.

Krottenwiesen In den feuchten Wiesen bei der Silcherschule quakten Frösche, und auch Kröten (schwäb. Krotten) lebten dort.

Krebsklingen Ein kleiner Bach (periodisch) soll Krebse beherbergt haben.

Hasentanz In diesen Baumwiesen fühlten sich die Hasen sehr wohl, wenn sie ungestört waren beispielsweise während der Weinlese.

Der Name sagt etwas aus über die Bewachsung

BirkwaId In diesem Wald an der Esslinger Grenze herrschte die Birke vor, sonst Buche.

Röhrach Feuchte, Schilfrohr bestandene Wiesen beim Auffüllplatz.

RohrIand Feuchte Äcker an der Esslinger Straße, überbaut.

Häring Früher Rebland. An den Wurzelstöcken entstand bei Frost faules Holz.

HoIder Wachholderbüsche gaben den Namen.

Lindenbemles Dort stand eine alte Linde (Grenzbaum), Lindenstraße abgeleitet.

Hecke Hecken und Zäune umfriedeten die Dorfmark gegen die weidenden Viehherden.

Alte Familiennamen als Flurnamen

Dentinger, Glock(häusle), Grund, Hummel(swald), Keiferle, Kusterer, Lämmler, Lipp(enberg), Rädle(s), Schmied(ägle) Semlis, Stierle, Warth, Vogler.

Abgegangene Flurnamen

FIachswiesen Hier wurde früher der gebrochene Flachs zum Bleichen ausgelegt (beim Schüttelgraben)

Gassenäcker (überbaut) Westlich der Hinteren Straße bis zum Etter.

Hofgarten Siehe Almosenhof, Hofmauerweg, Hofmauerwegsiedlung

Judenkirchhof Dieser Name erinnerte an den Friedhof des einstigen Weilers Immenrot.

Hinter der Kirche Ein Kirchlein bestand schon, als 1340 die Ortsmauer zerfiel. Der Turm wurde als Bergfried ausgebildet. 1423-1471 wurden die Ringmauer ausgebaut und vier Ecktürme eingefügt.

Lußäcker Der von den Alemannen 260 n. Chr. zerstörte römische Gutshof wurde zum überwucherten Schutthaufen. Später wurde das Areal in die Allmende einbezogen u. durchs Los verteilt

Mühlweg Im Mittelalter besaß Fellbach keine Mühle, da die Wasserkraft fehlte. Die Bauern mahlten in Hegnach, nach der Flurbereinigung endete der Mühlweg bei den Waiblinger Straße. Viele mahlten jetzt  in der geheimen Mühle Beinstein und fuhren über Rommelshausen. 1900-1925 betrieb Äckerle an der Landstraße (Fabrik Schwenk) eine Mühle mit Dampfmaschine, später Dieselmotor.

Oberdorfgarten Küchengarten im südlichen Oberdorf (Bereich Kappelbergstraße) (Unterdorf an der unteren Vordergaß - Hirsch, Rathaus, Traube)

Pfarrhäuslesländer Die früher vom Pfarren, später von einem Knecht bewirtschafteten Äcker, die als Deputat zu seiner Besoldung gehörten (bis 1850)

Seegärten nördlich an den Wassergräben der Wehrkirche angrenzend (Seestr.)

Segensenschmied Diese Weinberge gehörten dem Sensenschmied. Die Sense brauchte man zum Mähen von Gras, Klee und Getreide.

Siechenäcker Sie gehörten dem Siechenhaus Obereßlingen und waren um 1700 an Arnold Nelling verpachtet. (siech = krank, pflegebedürftig.)

In den Viehgassen Am Viehtrieb von Flecken zum Zeig Gsäß (Richtung Bahnhof)

Wolfsäcker In der Nähe der Gärtnerei Pfitzer "sei" eine Viehtränke aufgestellt gewesen, an der sich Wild aufhielt. Dort sollen Wölfe auf Beute gelauert haben. (1680 wurden in Oberschwaben junge Wölfe ausgenommen.)

Volkstümliche Namen

Unterdorfwiesen Wiesen bis 1950, nördlich des Kleinfeldfriedhofs, im Unterdorf.

Schaftrieb: Hier wurden die Schafe auf der Stettener Str. in Richtung Haldenbachkelter zur Salzlecke getrieben (Steigerung der Freßlust).

Schinderwasen: Hier wurden im Hasentanz verendete Tiere begraben.

Siedefier: Dicht mit Zwetschgenbäumen bepflanzte Gärten bei der Lindenstr.

Schlammäcker: Ablagestelle für den Schlamm aus Gassen und Dohlen (Fabrik Egelhof).

Eßlinger: Die steil ansteigende Straße zum Eßlinger Tor (Kappelberg)

Abrendlenda: An der Wegekreuzung, wo heute eine 100jährige Linde steht, wurde einst eine Linde vom Blitz getroffen und brannte ab.

Loch Spielplatz in einen Senke den "Ebene"

Lebrawaad Am Hang des Bergwegs wurden bunte Mergel in die umliegenden Weinberge getragen, Lebra.

Rammschaubäcker Die Binsen auf der Kernenebene wurden zum "Heften" in den Weinbergen verwendet. Mädchen schnitten sie bundweise. Vor dem Gebrauch wurden sie ins Wasser gelegt und getreten.


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