Ausschuß auf den Spuren der Fellbacher Kirchengeschichte im bayerischen Ries

16 Klöster hatten in Fellbach Grundbesitz

Am 27. September beginnt Ausstellung - Kloster Maihingen hatte eigene Gutsverwaltung für Fellbach

Von unserem Mitarbeiter Otto Mall


Ein Ausschuß, der die am 27. September [1985] im Paul-Gerhard-Haus beginnende Ausstellung über die Fellbacher Kirchengeschichte vorbereitet, versuchte die Verbindung Fellbachs zu drei Klöstern im bayerischen Ries aufzuklären. 18 Klöster besaßen auf Fellbacher Markung Acker und Weinberge; Kloster Maihingen unterhielt sogar eine eigene Gutsverwaltung für die beiden Städte Fellbach und Waiblingen.

Kloster Maihingen wurde 1472 als Marienkloster von dem Grafen Wallerstein in der Nähe Nördlingens errichtet. Es hatte Verbindungen zum Waiblinger und Fellbacher Grundbesitz. Der Klosterbau war sehr einfach. Auch die gotische Klosterkirche war schlicht und schmuckarm. Der einschiffige Langbau war sehr groß.

Die Bauarbeiten kamen wegen der ungünstigen Bodenverhältnisse nur schlecht voran. Als die Augustiner aufgaben, versuchten es erst die Benediktiner und dann Servittenbrüder, die Stiftung zu einem vollen Kloster auszubauen. 1483 zogen dann neun Brüder und 24 Schwestern des Brigittenordens ein. Um 1500 waren es 58 Nonnen und im Männerkonvent vier Priester, vier Diakone und drei Laienbrüder, die von einer Äbtissin geleitet wurden.

Kloster Maihingen



Durch die Reformation verlor das Kloster seinen Nachwuchs aus den evangelischen Reichsstädten Nürnberg, Augsburg, Ulm und Nördlingen. Von den Schäden des Bauernkriegs und des Schmalkaldischen Krieges konnte es sich nicht mehr erholen. 1580 zogen die letzten Nonnen aus, die Bauten zerfielen. Erst 1689 übernahmen die Minoriten die Anlage und feierten hier Gottesdienste mit zahlreichen Wallfahrern.

Pater Ulrich Beer ließ 1703 bis 1706 einen stattlichen zweistöckigen Vierecksbau erstehen, 1712 bis 1717 entstand auch der heutige Kirchbau aus den Steinen des nach und nach abgebrochenen Vorgängers. Der reiche Schmuck oberschwäbischer, Barockkirchen fehlt. Die beherrschende Mitte ist der Marienhochaltar, dessen Säulen mit Stuck verziert sind. Die meisten Altarbilder stammen von Jörg Mika. Die farbenprächtigen Deckenfresken in Chor und Schiff gestaltete Martin Speer. Die umlaufende Empore wird von Wandpfeilern getragen, in die unten Seitenkapellen eingefügt sind.

Die Fülle der Vorbilder gottgefälligen Lebens in den Seitenaltären der Kirche diente anschaulich der Volksseelsorge der Minoriten an den vorwiegend bäuerlichen Wallfahrern. Heute beherbergt Maihingen das katholische Evangelisationszentrum für den gesamten deutschsprachigen Raum. Das schon lange baufällige ehemalige Brüderhaus konnte 1984 zum vielbesuchten Rieser Bauernmuseum umgestaltet werden. Inzwischen wurde auch das Ökonomiegebäude mit einbezogen.

Das Kloster Heidenheim am Hahnenkamm entstand schon 762. Die Angelsachsen Wunibald und Bischof Willibald von Eichstätt, Verwandte des Bonifatius, waren die Gründer. Später wandelte ihre Schwester Walpurgis als Äbtissin Heidenheim zum Doppelkloster für Frauen und Männer um. Um 1183 entstand die dreischiffige romanische Basilika der Benediktiner. Weltliche Schutzherren waren die Grafen von Truhendingen.

Als 1551 die evangelische Pfarrkirche am alten Friedhof abbrannte, wurde die Klosterkirche dafür verwendet. Aus Suevit und Burgsteinquadern des Altmühltals entstand das Mauermosaik. Das Mittelschiff ist doppelt so hoch wie breit, die Seitenschiffe haben dessen halbe Höhe und Breite. Der gotische Chor wurde im 14. Jahrhundert angefügt und durch einen Lettner vom Langschiff geschieden. Obwohl sie die verschiedenen Bauelemente zweier Epochen verkörpern, harmonisieren Chor und Schiff ausgezeichnet.

Die vielen mittelalterlichen Altäre aus Holz und Stein sind nicht mehr vorhanden. Geblieben sind die Grabdenkmale: Wunibalds Hochgrab, das Grabmal der heiligen Walpurgis, viele weitere Grabdenkmale von Rittern und Edlen, vorwiegend aus der staufischen Linie. Die ehemaligen Klostergebäude liegen auf der Westseite der Kirche. Sie umschließen den Kreuzgang. Seit 1800 dienten sie als Finanzamt und Amtsgericht. Nach 1945 werden sie als Postamt und zu Wohnzwecken genutzt.

Das Kloster Kaisheim liegt bei Donauwörth, am Südhang des Jura zur Donau. 1134 wurde es von Graf Heinrich zu Lechsgmünd gestiftet. Zwölf graue Mönche aus dem Oberelsaß zogen ein und vergrößerten rasch den Klosterbesitz. 1183 konnte die einschiffige, romanische Steinkirche geweiht werden. 1387 war das dreischiffige gotische Münster mit Langhaus und Querschiff erstanden, mit einer Länge 
von 80 Metern und der Breite von 27,7 Metern die größte Klosterbasilika im bayerischen Schwaben. Der Chor schließt als Halbrund. Dort steht der kolossale Aufbau des reich vergoldeten Hochaltars: Marias Himmelfahrt. Ihm gegenüber im Westen des Mittelschiffs der siebenteilige Orgelprospekt. Kunstvolle Seitenschiffe erweitern die Kirche.

1500 wurde die Innenausstattung erneuert. Adam Kraft aus Nürnberg restaurierte das Sakramentshäuschen, Gregor Erhard aus Ulm und Hans Holbein der Ältere die 16 Tafeln des Flügelaltars, die heute in der alten Pinakothek in München zu sehen sind. 1631 besuchte König Gustav Adolf aus Schweden das Kloster. 1650 erhielt Kaisheim den Rang eines Reichstifts und wurde zum Mittelpunkt eines Kulturkreises. 1670 begann die Barockisierung mit dem Abbruch des Lettners zwischen Mönchschor - mit dem geschnitzten Chorgestühl von 1698 - und dem Laienchor, mit Kanzel, Bänken, Beichtstühlen.

Im nördlichen Querschiff entstand der Musikchor. Im Dezember 1778 war dort Mozart Gast des Abtes Cölestin. Bemerkenswert sind der überdimensionale Chorbogenchristus des Kaisheimer Meisters Tamasch; im Schiff die zwölf Apostelbilder in den Maßen fünf mal 3,5 Meter von Gerhard von Prüfening mit gewaltigen, prachtvoll geschnitzten Rahmen; viele plastische Werke, drei Deckplatten von Grabdenkmälern und viele Gedenksteine, die zur Zeit repariert werden, sowie die Reliefs mehrerer Abte, vier Grabkapellen und zahlreiche Skulpturen, Heiligenfiguren, Engelsdarstellungen und der Kaisersaal.

Kloster Kaisheim hatte einen Pflegehof in Esslingen am Aufgang zur Burg. 1803 war es für zehn Jahre Aussterbekloster der bayerischen Franziskaner, dann diente es ab 1816 als Arbeitshaus. Seit 1950 hat es 600 Insassen in der Strafanstalt. Daneben haben das Forstamt, die Gemeindeverwaltung und eine Turnhalle hier Platz gefunden.


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