Verdienste um den Schulgesang
Georg Daniel Auberlen gründete eine private ländliche Musikhochschule




Georg Daniel Auberlen, der 1728 im Endersbacher Schulhaus geboren wurde, war ein hochbegabter Mann, ein begnadeter Musiker. Er spielte Orgel, Klavier und Violine. Sein Leben war der Musik gewidmet, konnte er auch als Komponist Hervorragendes leisten. In der schlichten alltäglichen Musikpflege in Kirche, Schule und Haus und bei der Geselligkeit blühte inniges schwäbisches Musikleben. Bei einfachen, oft kärglichen Verhältnissen hat er die Jugend, die Gemeinde und viele Musiker entscheidend musisch beeinflußt.
Die erneuerte Kirchen- und Schulordnung von 1729 schrieb neben Lesen und Schreiben auch Rechnen und Gesang vor. Das war für Daniel wichtig. 1756-1784 hatte er das Amt des 1. Schulmeisters inne. Sein zweiter Wirkungskreis als Organist, Komponist und Musiklehrer war ihm Herzenssache. Von den vielen Kantaten, Liedern und Motetten, welche er komponierte, sind 33 Kantaten erhalten. Er führte sie in den mit Musik reich ausgestatteten Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen in der Fellbacher Kirche auf. An hohen Festtagen wurde sogar im Nachmittagsgottesdienst musiziert. Die Instrumente des Orchesters spielten die Zöglinge, die er auf das Schul- und Kantorenamt vorbereitete. Ihnen erteilte er eine gründliche praktische und theoretische Ausbildung. Bloß dilletantische Beschäftigung mit der Musik duldete er bei seinen Schülern nicht. Am Klavichord mit Pedal bereitete er sie auf das Orgelspiel vor. Er schrieb zahlreiche Übungsstücke für Klavier und Orgel, ein Klavierkonzert und ein Exerzitium für zwei Klaviere. Transskriptionen einiger Arien von Haase und ein Stück von Stamitz beweisen, daß dem Fellbacher Schulmeister die Großen der damaligen Zeit bekannt waren. In seinem Notenbuch steht eine Unterweisung im Generalbaß in 34 Regeln mit Beispielen.

Samuel Gottlob Auberlen

Seine private ländliche Musikhochschule war vielleicht die erste im Lande, in der er begabten jungen Menschen, besonders Lehrern, Musikunterricht erteilte. Zwei seiner Schüler ragen heraus: Sein Neffe, späterer Schwiegersohn und Amtsnachfolger Nik. Ferdinand Auberlen und sein Sohn Sam. Gottlob Auberlen.
Daß es Auberlen auch gelang, bei der Bevölkerung Sinn und Verständnis für gute Kirchenmusik zu erwecken erfahren wir aus einem Kirchenkonventsprotokoll in welchem der Ankauf der Kantaten für die Kirche genehmigt, eine Summe für Saiten und Instrumente ausgesetzt und der Wunsch ausgesprochen wird, "es möge auch unter dem Nachfolger die Kirchenmusik nicht ins Stocken geraten".
Sein Sohn Samuel Gottlob bekam vom 8. Lebensjahr ab von seinem Vater Klavier-, Violine und Cello-Unterricht. In der Glockenstube des Kirchturms übte er ungestört. Mit 10 Jahren wurde er Vorsänger in der Kirche. Er bekam auch Unterricht in Theorie. 1773 wurde er Schulgehilfe. An manchen Abenden wanderte er nach Stuttgart, um sich an Opern Jomellies und Baronis zu begeistern.
Er war sich der Vererbung der musikalischen Begabung bewußt. Bei dem herzoglichen Kammervirtuosen Enßlen bekam er als 20jähriger Violinunterricht. Er wollte das Schulamt abschütteln. Der strenge Vater hielt eine Versetzung als Provisor nach Murrhardt für nötig und heilsam. Nach vier Jahren gelang es Lavaters Sekretär, den Lehrer-Musiker nach Zürich zu holen als Bassist im Orchester der Züricher Musikgesellschaft. 1784 erschienen seine Lieder für Klavier und Gesang. Er machte eine Konzertreise, war ohne Gehalt Violonist in Carl Eugens Hofkapelle, wurde Musikdirektor in Winterthur und Schließlich am Ulmer Münster. 1829 beschließt er sein Leben musikalischen Schaffensdrangs und der Liebe zum schwäbischen Volkslied. Als Silcher in Fellbach war, erfreuten sich Samuels Lieder schon einer Beliebtheit in Schwaben. Auf dem Klavier lagen seine Lieder für Klavier und Gesang. So hatte der Komponist der älteren württ. Liederschule direkten EinfIuß auf Silcher.

Nikolaus Ferdinand Auberlen

Nikolaus Ferdinand AuberlenNikolaus Ferdinand Auberlen wurde 1755 als Sohn des Chirurgen Johannes Auberlen in Kirchheim geboren. 1770 wurde er Provisor bei seinem Onkel Daniel. Dieser sollte ihm beibringen, was zu einem tüchtigen Schulmeister und rechten Musiker gehörte. Von Samuel Auberlen wurde er 1784 nach Fellbach gerufen, bewarb sich und wurde zum Schulmeister gewählt. Bis 1828 nahm er seine Pflichten als Schulmeister und Organist sehr ernst. Die musikalische Begabung war ihm in die Wiege gelegt. Er spielte Klavier, Orgel und Violine. Als Nachfolger Daniels unterrichtete er junge Lehrer und Musikinteressenten in Theorie und Praxis der Tonkunst.
Sein Sohn Amandus war auch unter seinen Schülern. 1799 beteiligte er sich an der Herausgabe des Choralbuchs mit sechs Chorälen. In der Lutherkirche führte er Händels Messias auf. 1826 erhielt er einen der sechs vom König verliehenen Gesangspreise. Er genoß allgemein den Ruf eines ausgezeichneten Theoretikers. Die Ländliche Musikhochschule für klassische Kirchenmusik wurde von Jahr zu Jahr berühmter, Auberlens Lieblingsbeschäftigung war Musikgeschichte und Geschichte der Musikinstrumente. Er ließ seine SchüIer in die Schätze früherer Tonkunst blicken, bevorzugte Kantaten von Telemann und Choralsätze von Joh. Seb. Bach. 27 Jahre lang konnte er im neuen Schulhaus wohnen und seinen vierten Sohn Amandus ab 1812 als Inzipienten und Musiker heranbilden. 1821-1828 war Amandus schon Amtsverweser. Der älteste Sohn Daniel David (1785-1835) wurde auch Schulmeister und war in Altensteig angestellt. Als Improvisator auf der Orgel war er berühmt und erregte Bewunderung und Aufsehen.

Wilhelm Amandus Auberlen

Wilhelm Amandus Auberlen, der jüngste Sohn von Nikolaus Ferdinand (1798-1874), beschloß als dritter die Dynastie der Auberlen in Fellbach. Die Gemeinde hatte ihn vorgeschlagen, das Konsistorium bestätigte ihn 1828 nach elf Provisor- und sieben Amtsverweserjahren. Schon 1826 erhielt er einen Gesangspreis von 10 Gulden für Verbesserung des Gesangs in Schule und Kirche.
Er war ein fachmännisch und methodisch gründlich gebildeter Lehrer, der als Provisor, Seminarist in Esslingen und als Schulmeister stets an seiner Weiterbildung arbeitete. In reichem Maße ist das musikalische Erbe auf ihn übergegangen.
Neben dem Orgelspiel sind seine Leistungen auf dem Gebiet des Gesangs hervorzuheben. 1838 gründete er einen Männerchor, den heutigen MGV. Im sonntäglichen Gottesdienst führte er Werke bekannter Meister auf. Mit größtem Eifer pflegte er den Schulgesangs-Unterricht. Die Darstellung der Töne durch Zahlen schien ihm das beste Mittel zu sein, die Schüler gründlich musikalisch zu bilden und das Einüben eigener Kompositionen zu erleichtern (trotz des Widerspruchs Silchers). Jede freie Stunde widmete er der Musik.
1818 veröffentlichte er ein Quartetta. Viele Kantaten, Motetten, Chöre und Choräle geben Zeugnis von seinem Schaffen. Aus dem 1844 erschienenen Württ. Choralbuch wählte er hundert Choräle aus, die er dann zweistimmig gesetzt als Büchlein für Schule und Haus 1846 herausgab. Wie in der Schule, so pflegte er auch in seiner großen Familie (18 Kinder) den Gesang, darunter viele Lieder, welche er selber gedichtet und komponiert hatte.


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