Um 1824 war die Kappelbergstadt noch ein Dorf, das bäuerliche Leben stand im Mittelpunkt
Straßen - Gassen
- Wege in
Fellbach
Das Dorfgebiet war sehr klein und eng - Viele alte Straßennamen sind verschwunden
Als die Römer 155 nach Christus ihre Nordgrenze Nordgrenze mit dem Limes sicherten, gehörte auch Fellbach in ihren Herrschaftsbereich. Wichtige Heerstraßen führten von Straßburg und Mainz zu Castell und Siedlung Cannstatt (Altenburg) und von dort durchs Remstal nach Augsburg. Über diese Heerstraße mit festem und erhöhtem Untergrund nördlich Fellbachs (etwa B14) marschierten die Kohorten der Legionäre, schwer bewaffnete Reitertruppen passierten sie, aber auch die reisenden Kaufleute versorgten mit ihren vollgeladenen Planwagen Gutshöfe und Truppen mit Waren. In Schmiden fand man einen römischen Brunnen, in einer Weinbergmauer des Kappelbergs ein Mithrasbild aus dieser Epoche, und der römische Gutshof Mäurach wartet noch auf seine Ausgrabung.
Die Alemannen siedelten in Fellbach und im Remstal seit etwa 400 n. Chr. und gründeten wohl auch Fellbach. Bis 1121 wissen wir wenig über die Siedlung am Kappelberg; Äcker wurden bebaut, Weinberge angelegt, Wege gebaut, Häuser errichtet. 1257-1351 lebten die Einwohner unter den adligen Herren von Velbach, die Dienstleute der Grafen von Wirtemberg waren. Ihr Maierhof wurde "Burg" genannt. Nach dem Kauf (1351) erbauten die Wirtemberger dort ihre Zehntscheuer. In der Vorderen Straße 39 steht sie, ganz aus Stein, an den Ecken mit gehauenen Quadern, am nördlichen Giebel mit steinernem Ortganggesims und an den Längsseiten mit Ansätzen zur - nicht mehr vorhandenen - Hofummauerung. Unter der Wappentafel mit frei württembergischen Hirschgeweihstangen steht die Jahreszahl 1589.
Die weiteren alten Gebäude an Rommelshäuser, Kappelberg, Burg- und Vordergaß bildete ein Zentrum erweitert durch Wette, Back- und Brennhaus. 1470 - 1900 war südlich davon die Ziegelhütte, wo Lehmsteine geformt und luftgetrocknet wurden. Der Dorfetter reichte 1824 von der Burggaß im Süden bis zum Kirchhof im Norden. Im Osten wurde er von der oberen und unteren Vordergaß, im Westen von der Hintergaß begrenzt. Zwischen den einzelnen Herren- und Klosterhöfen, Zehnt scheuern und Hofstätten waren größere Flächen ausgespart. Küchengärten, Baumplätze und Futterwiesen umgaben das Dorf. Wasser strömte aus Schöpf- und Röhrenbrunnen, später auch Grundwasser aus den Pumpbrunnen der Brunnengemeinschaften.
Die Mitte des damaligen Dorfes bildete wohl der spätere Marktplatz beim Conradi haus als eigentliches Zentrum des Marktfleckens. Vom Almosenhof (Eglingerhof) führte die obere Vordergaß nach Süden, umsäumt von stattlichen Bauernhöfen (da her Herrengaß), bis zur Wette bei Krone, die als Feuersee das Quellwasser des Kappelbergs aufnahm ("Beim Sae"). Von der oberen Vordergaß führte die Schmeergaß - der Name kommt von dem Dreck und Schlamm der bei Gewittern herabgeschwemmt wurde - zur Hintergasse, vom Conradihaus die Bettelgasse (Weimerstr.) bis zum Armenhaus, dann als Entegaß nach Norden und als Sudelgaß nach Südwesten zur Hintergaß.Die Bebauung der unteren Vordergaß war sehr aufgelockert. Hier im Unterdorf stand hinter dem Rathaus, Cannstatter Straße 12, der Pfleghof des Domstifts Konstanz, das hier Rechte, Zehnten und Einkünfte besaß und auch das Besetzungsrecht für die Frühmeßpfründe. Renoviert trägt er das Baujahr 1597. Hinter dem Rat haus stand das 1684 von Schultheiß Phil. Seibold erbaute Haus mit fränkischem Giebelfachwerk und reich gefüllten Fensterbrüstungen. Das "Pfarr"haus (heute Café Wöhrle) stammt wohl im Kern aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, Das Obergeschoß wurde 1799 mit Stall und Scheune renoviert.
Um 1500 wurde im Unterdorf eine öffentliche Badestube von einem Bader betrieben. 1350 wurde im Norden, außerhalb des Dorfbereichs, die Wehrkirche geschaffen aber schon der Friedhof hatte ein "Bau werk" gehabt. Vom "Hirschen" zum "Ochsen" führte die Ochsengaß (heute Hirschstraße), vom Pfarrhaus zum Friedhof die Kirchhofsgasse. Schmeergasse und Burggasse wurden durch die "Neue Gass" und die "Enge Gaß" (heute Ochsenstraße) verbunden, die als "Neues Gäßle" bis zur Gemeindekelter führte (heute Grabenstr./Hadergäßle). Am Ostrand des Fleckens verlief die Schafgaß von der Burggaß bis zur Lindenbäumles- und Kirchhofgaß (heute Schwabstraße). Das Schafhaus war Ecke Hinter- und Burggaß, ein zweites für Wanderschäfer im Bodmerschen Hof. Inzwischen sind einige Straßen in Fellbach weg gefallen. Beispielsweise der Hegnacher Weg, auch Mühlweg benannt, weil er zu Hegnacher Mühle führte und eine Brücke über den Schrikkelbach (Schüttelgraben) hatte. Der südlichere Teil heißt jetzt Waiblinger Straße. Außerdem gibt es nicht mehr den Holzweg von Schmiden über Erbach nach Rommelshausen, das Krettenwegle von den Krottenäckerwiesen (Silcherschule) zur B 14, der Ochsenweg, ein steiler Holzabfuhrweg am Osthang des Kappelbergs.
Manche Wege wurden durch die Flurbereinigung verlegt. Dabei handelt es sich um den Ebitzweg von Cannstatt zum mittleren Weg und zur Kichhofgaß, den oberen Weg nach Cannstatt vom Lindenbömle ins Kebach (Kienbach, Cannstatter Weg), die Enge Gaß (Weinstube Mack) wurde zu Ochsenstraße umgeleitet. Umbenannt wurden die untere und obere Vordergaß. An Sae in Cannstatter, Vordere, Kappelbergstraße, die Ochsengaß in Hirschstraße, die Bettelgaß in Weimerstraße, die Hadergass in Grabenstraße und der Schafweg in Schafstraße. Viel "Fuß"wege zwischen Gassen wurden aufgehoben.
Eine Schillerstraße gab es noch nicht. Vor dem Seiboldhof, wohl ein ehemaliger Freihof, spendete der Klinglerbrunnen Wasser für Menschen, Vieh und Feuersee. Die Gassen waren nur lose mit Kalkstein beschottert und deshalb sehr holperig. Auf dem Vorplatz der Zehntscheuer in der Schmergaß saß der Armenhäusler Hannes und klopfte Steine mit unfreiwilligen Helfern, die der Büttel als Bettler oder Fechtbruder aufgegriffen hatte. Die Glättung der Gassen besorgten die Fuhrwerke und die genagelten Stiefel der Fußgänger. Im Sommer wirbelte viel Kalkstaub auf. Bei Regenwetter entstanden schmierige Pfützen, deren zähflüssigen Inhalt der Wegknecht an den Rand der Gasse kehrte. Daher der Name Sudelgaß. Auch Mauern im Weinberg wurden damit gebaut. Erst später setzte die Gemeinde eine riesige, mit Wasser gefüllte Walze ein. Sie wurde von sechs Pferden gezogen und ebnete den Schotter ein. Ein Wasser-Sprengwagen verminderte den sommerlichen Staub.
Wege und Gassen waren wenig belebt. Nur die Feste zur Sichelhenke, Ende der Weinlese, kirchliche Feiertage und Familienfeste brachten etwas Abwechslung. Der Tageslauf war lang, gleichförmig, die Handarbeit oft sehr mühsam wie beispielsweise das Erdentragen im Weinberg. Gelegentlich verkauften Slowenen und Kroaten in bunter Nationaltracht Fallen für Mause und Ratten im Straßenhandel oder auch Scheren und Messer. Kesselflicker in zigeunerhaftem Aufzug verzinnten Kupfergeschirr und versahen irdene Kochtopfe mit Blechböden. Hühnerweiber brachten im Handwägele in Holzgestellen junge Hühner aller Rassen mit dem Ruf: Häele feil, kauft Häele! zum Verkauf. Der Säutreiber hielt mit Hilfe seines Sauhundes die quiekende Schar seiner Läuferschweine zusammen. Mit "Glück auf!" beschloß er seinen Handel mit alten Stammkunden.
Auch der Metzger sprach in Haus und Stall um Schlachtvieh vor. Man handelte lange um den Preis. Den Viehhandel betrieb Levi noch in "Karlein"', einer württembergischen Goldmünze, richtig "Karolin", die 21 Goldmark wert war. Der Anblick einer durchs Dorf ziehenden Schafherde war nicht selten. Noch 1790 war de Weingärtner Kugler auch Schafhalter und ließ seine Schafe in Untertürkheim weiden. Wanderschäfer fanden in der alten Ziegelhütte am Scherbengäßle Platz.
Der Gänsehirte benutzte die Feuerseen bei der Krone, an der Untertürkheimer Straße und den Wassergräben bei der Kirche. Er brachte sein zahlreiches Schnattervolk mit seinem Hund in Bewegung. Der Frachtverkehr mit Planwagen war spärlich. Ein Bote fuhr täglich nach Stuttgart. Die Fuhrleute trugen blaue Kittel und hatten meist einen Spitzer bei sich. Im Herbst wurde der Wein mit glockenbehangenen Gespannen dem Käufer zugeführt. Im Spundloch der Weinfässer steckte ein bunter Asternstrauß. Auf den steilen Straßen wie nach Untertürkheim, gab es häufig Stürze und Achsenbrüche. Der Müller holte das Getreide beim Bauern, aber zum Mahlen mußte dieser in die Mühle kommen und helfen aufzuschütten. Ein Sechzehntel der Frucht war der Müllerlohn. Getreide, Stroh und Ochsen wurden auch ans Stuttgarter Kameralamt geliefert. Kartoffeln, Gemüse und Obst brachten Frauen den Stuttgartern im Handwägele ins Haus. Die Morgenmilch holten Milchfrauen von Wangen.
| 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert |
| Untere Vordergaß | Cannstatter Str. |
| Kirchhofgaß | Kirchhofstraße |
| Pfarrgaß | Pfarrstraße |
| Ochsengaß | Hirschstraße |
| Bettelgaß | Weimerstraße |
| Schmeergaß | Schmerstraße |
| Obere Vordergaß | Vordere Straße |
| Neue Gaß | Neue Straße |
| Burggaß | Burgstraße |
| Rommelshauser Weg | Rommelsh. Str. |
| Stettener Weg | Stett. Str. |
| Mittlerer Weg | beim Atrium |
| Entagaß | Entenweg |
| Sudelgaß | Weimerstraße |
| Lindenbäumlesgaß | Lindenstraße |
| Hintergaß | Hintere Straße |
| Enge Gaß | Ochsenstraße |
| Schafgaß | Schwabstraße |
| Neues Gäßle | Graben Straße |
| Untertürkheimer Weg | Untertürkh. Str. |
| Mühlweg nach Hegnach | Waiblinger Str. |