Stille Seen, dunkle Wälder

(Gräfe und Unzer Verlag, München)


 
Masurischer See

 


In meiner Heimat singt der See
so dunkel, tief und schwer,
und was er da dem Wald erzählt,
das gibt der Wald nicht her.

Der Wald ist selbst so still und stolz,
auch wenn ihm keiner lauscht,
als ob er mit dem dunklen See
geheime Zwiesprach tauscht. 

Und zieht der weiße Mond herauf,
dann schläft das Wasser ein -
nur leis verschlafen klingt das Lied
im hellen Mondenschein 
 


Helene Gleich


 
 
Vor meinem Häuschen

Vor meinem Häuschen, rebengrün,
da liegt ein kleines Hundche;
es gnurrt und gnurrt in einem fort
und hat kein' Zahn im Mundche. 

Das Hundche ist auch schom recht alt,
es lahmt auch auf zwei Beine;
wem schadt das was ? Dafür gehört
es mir auch ganz alleine. 

Fünf alte Hühner und ein Hahn
zerpliesern mir den Garten;
sie haben noch nicht ein Ei gelegt -
schadt nuscht - ich kann ja warten. 

Auch unter meinem Dache sind
zwei alte Schwalbennester;
da aber hucken Sperlings drin,
die futtert meine Schwester. 

Sie kommen bis ins Zimmer rein,
Nei, sind die unverfroren;
Einmal hat so ein freches Ding
'ne Kleinigkeit verloren. 

Wem schadt das was ? Das wird
von die Merjell bereinigt;
der Schrobber und die Kleiderbürst,
die wirken dann vereinigt. 

So leb ich denn in einem weg,
und bin vergniegt und munter;
mal steig' die Gartentrepp' ich rauf,
mal steig' ich wieder runter. 

Das Hausche und der Hienerstall
Geheern mir ganz alleine!
Mir wird vor Glück ganz weich ums Herz -
Warraft'gen Gott - ich weine! -

Robert Johannes

Bauer und Bauersfrau aus Nikolaiken


Bildnachweise:

See: M. Bednarski

Gehöft, Bauer, Bauersfrau: H. Wegener



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