Ein Taufname macht Schwierigkeiten

Pfeffers Rike hat einen Goliath geboren! erzählte sich das Weibervolk in Stetten. Und einige sagten: !"Da hat der Teufel die Hand im Spiel gehabt! Unsere Kinder kommen nicht so stark auf die Welt, und stehn wir nicht besser im Saft als die arme Ricke?"

Als Jakob Ulrich von den Redensarten hörte, zeigte er sich großmütig und lud die Weiber in sein Haus ein, das Kind zu besehen. Sie fanden sich ale ein und bewunderten es. Da aber keine mit leeren Händen zu kommen wagte, regnete es tagelang Würste, Eier, Butter Schmalz, Honig und Hutzelbirnen in seinen Keller. So machte sich der Großmut bezahlt.

Wegen des Taufnamens kam Jakob Ulrich schier in den Streit mit seiner Frau, denn er wollte den Knaben wahrhaft Goliath taufen lassen. Da geriet Ricke in Zorn, schlug ihm die Bibel auf und verlas ihm einen Text, wobei sie den Heiligen Geist mit Worten eigener Erfindung nachhalf: "Siehe, da trat er hervor aus dem Lager der Philister, der Riese Goliath, der Prahlhans, das Freßmaul, dessen Gosche reichte von einem Ohr zum andern, und er hatte den Wanst von einem Gaul und das Gehirn von einer Gans..." "Halt ein, Ricke, halt ein!" unterbrach sie Jakob Ulrich und versprach, sich auf einen besseren Namen zu besinnen.

Doch Ricke las weiter, und als vom kühnen Knaben David dir Rede war, der den Prahlhans mit seiner Spatzenschleuder in Gras schoß, neigte sich Jakob Ulrichs Herz auf die andere Seite und er beschloß, seinen Knaben David zu nennen, wegen der Klugheit, die sein Sohn schon in der Stunde der Geburt gezeigt hatte - und er schmeichelte sich, daß er nun die Vorzüge beider in sich vereinte.

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