Pantoffeln und ein Schelmenstreich

"Euer Sohn taugt nicht zum Gelehrten!" sagte der Schulmeister eines Tages zu Jakob Ulrich. Aber der Sargschreiner schimpfte: "Was ?! Wollt Ihr ihn los werden? Seid Ihr zu ungeschickt, ihm was Rechtes zu lehren?" Das hörte der Schulmeister nicht gerne, ließ die Katze aus dem Sack und sagte: "Hört! Eures Vetters braune Fiedel ist dem Buben lieber als die Schulbank, und das Do-re-mi-fa-sol, das sind die Noten, geht ihm über das A=B=C!"

So kam es an den Tag, daß David zuweilen ausriß und mit seinem Oheim, dem Fiedler, auf Kunstreisen ging; das war auf Kirchweihen, Taufen und Hochzeiten, wo der Oheim aufspielte. Wenn er von einer solchen Reise am Arm seines Entführers nach Hause kam, war der Knabe selig, obwohl er vom Wein das wenigste genossen hatte. 

Der Sargschreiner stellte seinen Sohn darüber zur Rede und fragte ihn, was denn nun aus ihm werden solle! Der Ausreißer machte die Gebärde des Fiedelns (der Oheim hatte ihm in der Stille schon die ersten Griffe beigebracht), und da war es, daß Jakob Ulrich zum erstenmal über seinen Sohn weinte und weinend immerzu sagte: "Dummer Hans, warum willst du gleich als Bettelmann anfangen!" 

Das ging dem Sohn sehr zu Herzen, und als die Mutter nun auch einzustimmen begann, dachte er, daß es doch besser sei, wenn sein künftiges Geigenspiel nicht von den Jammertönen seiner armen Eltern akkompagniert werde und willigte in den Vorschlag Jakob Ulrichs, sein Glück als Lehrbube bei einem Schuster in Waiblingen zu versuchen, mit dem der Vater schon gesprochen hatte.

*

In Waiblingen hatte es David gut. Der Lehrherr war ein gemütlicher, säumiger Mann, der lieber im Wirtshaus saß als in der Schusterstube und David unter der Obhut seines Gesellen gewähren ließ. Der Lehrbub erlaubte sich beim Austragen der fertigen Schuhe manchen Scherz mit den Stadtfrauen und Mägden und kam in den Ruf eines Spaßvogels, der überall gerne gesehen war. Es blieb nicht aus, daß sich Personen von Stand, die sich einen gewissen Witz zuschrieben, mit dem jungen Schelm ein Vergnügen machen wollten und in die Schusterstube kamen, um sich mit ihm zu messen. 

Unter ihnen war ein Offizier des großen Friedrich von Preußen, der in Waiblingen seinen Standort hatte und darauf ausging, schwäbische Bauernsöhne für die Armee seines Königs einzufangen. Er kam in die Schusterstube, um sich ein paar galante Schuhe anmessen zu lassen, und spürte Lust, sich mit Pfeffer einzulassen. Als ihm der tüchtige Geselle das Maß nehmen wollte, bat der Herr den Lehrbuben um einen bequemen Stuhl. Der wurde ihm von Pfeffer gebracht. Ober noch etwas wünsche! fragte der Lehrbube. "Ei", sagte der neugierige Herr, "wenn du magst, ein paar Pantoffeln und - einen Schelmenstreich!"

"Nichts leichter als das!" sagte Pfeffer und nahm ihm dienstfertig die langen Rohrstiefel weg, von denen der Hauptmann sich eben mit Mühe befreit hatte. 

Während dem Herrn nun das Maß genommen wurde, schnitt Pfeffer draußen vor der Tür die Röhren von den Stiefeln und trat leise wieder herein. "Hier habt Ihr die gewünschten Pantoffeln!" sagte er ehrerbietig zu dem Hauptmann und brachte ihm die Füßlinge. Der Preuße sah ihn verdutzt an. "Seid ihr nicht zufrieden!" sagte Pfeffer, "das ist nur der erste Teil eures gnädigen Auftrags! Den Schelmenstreich bringe ich hier", und übergab ihm die abgeschnittenen Röhren. Das war dem Herrn zuviel, er stürzte sich strümpfig, wie er war, auf den Schelm und wollte ihn verprügeln. Der Pfeffer schrie unentwegt: "Ich habe ja nur euren Befehl ausgeführt, Herr Hauptmann! Hättet Ihr doch besser befohlen!" 

Darauf hatte der Hauptmann nichts zu erwidern, fügte sich in den Schimpf und beschloß, sich bei guter Gelegenheit zu rächen.

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