Ein Hauptmann will betrogen sein

Das Regiment, dem Pfeffer angehörte, lag bei Marlen am Rhein und litt sehr unter den Schnaken. Da aber die Schwaben den Mund nicht so sehr auftun beim Reden wie die anderen Volksstämme, flog ihnen die Zuspeise nicht so reichlich in den Mund beim Essen; und um sich vollends vorzusehen, erfanden sie die Schnakensprache, das war wie eintöniges Gemurmel bei geschlossenen Lippen, die sich nach dem Feldzuge noch lange in jenen Gegenden des Herzogtums erhalten hat, wohin die Sprachkundigen heimgekehrt waren.

Der Hauptmann, der Pfeffer die Wurst aus der Hand geschlagen hatte, litt mehr unter dem Schnakenübel als seine Untergebenen, einmal, weil der beim Befehlen den Mund gehörig aufreißen mußte und zum andernmal, weil er einen Schimmel ritt, der durch seine gleißende Farbe das Ungeziefer in großer Menge an sich zog. Der Gaul zeigte sich dafür nicht empfänglich, bockte und ging alle Augenblicke mit seinem Reiter durch, lockte aber auf diese Weise das Augenmerk der Franzosen auf sich, was zur Folge hatte, daß er zur Zielscheibe ihrer gefährlichen Schüsse wurde. Nichts war dem Hauptmann unangenehmer als Flintenkugeln, und er verwünschte seinen Schimmel und hätte ihn gern gegen einen Rappen eingetauscht. 

Als er seinen Wunsch vor seine Soldaten brachte, war viel Kopfschütteln und Ratlosigkeit, die Schadenfrohen wünschten ihm sogar größeres Mißgeschick, nur Pfeffer, der immer Rat wußte in schwierigen Augenblicken, sagte, wenn es sich darum handle, statt eines weißen Pferdes ein schwarzes zu kriegen, sei er wohl imstande, den Tausch in die Hand zu nehmen. Der Hauptmann war froh, daß er den Kugelfänger los werden sollte und ließ Pfeffer mit dem Schimmel seiner Wege ziehen.
In Kittersburg, das eine halbe Stunde weit vom Biwak der Soldaten entfernt lag, ging Pfeffer zu einem Kienrußbrenner, ließ sich eine Schachtel Glanzruß geben, rührte einen schwarzen Brei und machte in kurzer Zeit aus dem Schimmel einen vollwertigen Rappen. Das Aufgeld, das er bei dem einfachen Tausch zu zahlen hatte, war gering, und er freute sich, seinem Hauptmann einen Gefallen tun zu dürfen. Als er sich mit seinem Rappen wieder dem Biwak näherte, lief ihm der Leibbursche des Hauptmanns entgegen, nahm ihm ohne Argwohn die Zügel aus der Hand und ritt das Pferd seinem Hauptmann vor, der sich sehr wunderte, daß Pfeffer im Pferdetausch eine so gute Hand bewies.

Er sprengte sogleich auf ihm vor den Feind, um seine tägliche Erkundigung zu machen, und war entzückt, daß sich der Gaul so schnell an ihn gewöhnte und auf alle Finessen seiner Reitkunst einging. Nur ein wunderlicher Schweißgeruch, den er noch bei keinem seiner Pferde so stark in die Nase bekommen hatte, machte ihn stutzig, aber erst, als er aus dem Sattel sprang und sah, daß seine weiße Lederhose von der Hautfarbe des Rappen einen schwarzen Fleck angenommen hatte, kamen ihm Gedanken. Er ließ den  Korporal rufen, es dauerte eine Weile, bis er kam - unterdessen hatten sich viele seiner Zeltgenossen, Hauptleute und Wachtmeister um ihn versammelt, bestaunten das Wundertier und beglückwünschten seinen Besitzer mit unverhohlenem Spott zu seiner Erwerbung.
Der Sünder kam.
"Wo hast du das Pferd her, Pfeffer?" fragte ihn der
Hauptmann, der glaubte, Pfeffer habe sich betrügen lassen.
"Von euch", antwortete Pfeffer.
"Das getauschte, meine ich!" schrie der Hauptmann.
"Es ist von euch!" wiederholte Pfeffer, "ehedem war es weiß, jetzt ist's schwarz!"
"Wo du's her hast, will ich wissen!" überschrie sich der Hauptmann.
"Ich hab's gemacht!" antwortete Pfeffer.
"Gemacht?"
"Beim Kienrußbrenner in Kitterburg!" gestand er und deutete mit dem Daumen auf das Dorf. Da fingen die Zeltgenossen des Hauptmanns zu lachen an, daß
der Hauptmann vor Wut schier barst, seine Peitsche schwang  und Pfeffer zu Schanden hauen wollte, aber der Pferdetäuscher entkam ihm auf seinen langen Beinen wie ein Gespenst.

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