Der französische Mond

Wo Pfeffer in der Nacht war, läßt sich wohl denken! In einem Marketenderwägelein ist Platz genug für zwei Leute, die sich herzen und küssen. Und wenn es auf die Blahe regnet und stürmt, fühlt man sich geborgen wie in Mutters Schoß, ißt und trinkt, was einem schmeckt, besonders, wenn's  nichts kostet und einem die Wurst gerade überm Maul hängt!
Ein Schwabe aus Stetten und eine Bayerin aus Zell haben sich immer was zu erzählen, denn das Leben ist ein anderes im Gebirg, wo der Schütz nach Gemsen jagt und die Milchkühe droben dem Himmel unter die Kutte schellen, drunten am Neckar ist's wie im Paradies, warm und freundlich, im Maien sitzen die Dörfer wies Kätzlein im weißen Daunenbett, und im Herbst rauscht ein goldenes Meer von den Halden herab und wird in den Keltern zu süßem Most.
Währen sie sprachen, jedes wie ihm der Schnabel gewachsen war, und auch in der Sprache, in welcher sich die Verliebten ohne Worte verstehen, hatte sich der Regen verkrochen und das helle Mondlicht brach durch die Wetterwolken.
Weil sich der himmlische Freund der verliebten Leute ein wenig schell einfand und mit seinem neugierigen Wesen durch alle Ritzen und Löcher der Blahe guckte, spähte und fingerte, erschrak die Mirzel, meinte, ihre Mutter käme mit der Laterne und rief alle himmlischen Heiligen um ihren Beistand an.
Aber Pfeffer hob die Blahe, schaute hinaus und sagte:
"Es ist und bleibt der Mond", und schob die Blahe wieder zurück, "wenn er heut auch halb auf französisch hereinschaut!"

-o-

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