Davonspringen

Einige Tage danach lag der Korporal in Eintracht mit seinem Hauptmann im Marketenderwagen, und die Hauptmannstochter schenkte ihm auf doppelte Weise reinen Wein ein, einen solchen, dem man trinkt, und einen andern, den man die Wahrheit nennt. -

Mittlerweile war der Krieg zu Ende gegangen. Nicht, weil die Württemberger gesiegt hätten, sondern, weil der Erbprinz, der die Armee befehligte, sein Herzogtum nicht verlieren wollte, ehe er es erbte - und mit den Franzosen einen sauren Frieden schloß.

Wer Krieg macht ohne zu kriegen
Und Frieden schließt im Frieden,
Dem ist kein Kriegesruhm im Krieg
Und Fried' im Frieden nicht beschieden!

So stand auf einem Zettel zu lesen, den die Soldaten ihrem Prinzen in das Zelt warfen, und der junge Herr, der mit Ungeduld auf seinen Herzogshut wartete, sollte die Wahrheit des Reimes bald erfahren!
In großer Eile wurden die Zelte abgebrochen und das Ungetüm des Krieges wälzte sich über die Buckel des Schwarzwaldes hinüber ins Herzogtum, wo es sich auf Jahre breit machte.

Denn die Franzosen hatten sich das Recht ausbedungen, das Land besetzen zu dürfen, um den Österreichern dem Heimweg zu sperren. Es war auf dem Kniebis, dem höchsten Berg jener Gegend, wo den Heimkehrern in paar Holzmacher begegneten, die sich baß verwunderten, daß der Krieg schon aus sein sollte!
Einer, der den Korporal von Stetten treuherzig fragte "Woher geht's denn heut schon, Landsmann?", erhielt von Pfeffer zur Antwort:
"Von Davonspringen!"
Der Biedere konnten den Sinn des Wortes nicht fassen und meinte:
"So! So! Das muß ein kleiner Ort im Badischen sein, den Namen kennt man bei uns nicht!"

-o-

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