Guter Rat ist teuer

Die Ratlosen sind ein zahlreiches Geschlecht und sitzen auf der ganzen Erde. In Friedenszeiten sieht man sie des Abends in den Schenken, wo fiel getrunken und beraten wird. Sie ducken sich über ihr Schöpplein Wein, horchen nach links und rechts, nach oben und unten, sagen ja und nicken, wenn die Gescheiten reden. Wenn eine Gefahr ist, kommen sie aus den Häusern, stehen zusammen, jammern und heben die Hände. Und da erst sieht man, wieviel Ratlose es gibt auf der Welt.
Als Pfeffer dem Gefängnis entronnen war, fragten ihn die Ratlosen im Städtchen, was es denn für ein Mittel gäbe gegen den greulichen Krieg. Pfeffer war nicht gesonnen, die Unfreundlichkeit zu vergessen, die sie ihm einige Tage zuvor erwiesen hatten, und gab ihnen zur Antwort:
"Gegen Läuse ist Pulver gut, gegen Russen Schwefel, und gegen die Franzosen - Pardon - hilft die Hitz! Was gut ist gegen den Krieg, vermag ich so schnell nicht zu sagen! Lasset mir Zeit, nachzudenken! Ei, fällt mir doch das Denken schwer! Es ist mir ganz und gar, als dächte ich nur mit dem Gurgelknopf, seit die Granate überm Arresthaus geplatzt ist und das Dach abgehoben hat!

Nehmt es mir also nicht übel, wenn ich euch einen Rat gebe, der nicht aus meinem Kopfe stammt, denn es ist mir jetzt gerade so, als hätt ich gar keinen!"
Die Ratlosen wollten aber durchaus einen Rat von ihm haben und sagten, es sei möglich, daß er mit der Gurgel besser dächte als andere mit dem Kopf!
Hätte er doch auch gewußt, daß die Franzosen kommen würden und darum den großen Ehefrieden im Städtchen gestiftet! - "Dafür habt ihr euch schlecht 
bedankt!" sagte Pfeffer.
Dies tat ihnen allen leid, und sie versprachen, ihr Unrecht wieder gutzumachen, wenn er ihnen nur einen Rat geben würde in ihrer Not. Da zuckte Pfeffer zusammen, als hätte ihn eine Ratte gebissen, und schrie:
"Jetzt eben ist mir ein guter Gedanke in die Gurgel gefahren! Dort drinnen, wo es am engsten ist, steckt er und will weder heraus noch hinein, weder hinauf noch
hinunter! Wenn ihr nicht schnell bei der Hand seid wie die Hebammen, ist er für alle Zeit verloren! Inzwischen will ich euch auf halbem Wege entgegenkommen
und die Zunge herausstrecken, daß Ihr ihn besser sehen und greifen könnt!" Und er stand mit heraushängender Zunge vor ihnen, sah, wie sie sich verzappelten, seinen guten Rat mit Händen zu greifen, und merkten nicht, daß er seinen Spott mit ihnen hatte.

-o-

< zurück
weiter >