Pfeffer macht große Politik

Mittlerweile hatten die Österreicher aus Langeweile wieder begonnen auf die Stadt zu schießen. Die Franzosen suchten ihre Leute zusammen und gaben Antwort.
Pfeffer machte sich eilig aus dem Staube, er hatte keine Lust, mit dem Franzosentum ernst zu machen. Er hätte etwas darum gegeben, seinen Elsässer wiederzufinden und seinen guten alten Rock einzutauschen, aber der Musjöh saß irgendwo versteckt und freute sich, daß er dem Krieg entkommen war. Als die Kanonade im schönsten Gange war, kam ein französischer Stafettenreiter in die Stadt und rief schon von weitem:
"Ou est le General?"
Weit und breit war kein Soldat zu sehen, außer Pfeffer. Das Kurier ritt sogleich auf ihn zu und fragte ihn höflich nach seinem General. Da blieb dem Schelmen
nichts anderes übrig als sich taub und stumm zu stellen, und je mehr der Franzose schrie und gestikulierte, um so mehr bedauerte Pfeffer mit Gebärde und Miene, daß er kein Wort verstünde! In der Hitze verriet der Franzose, was er für Nachricht brachte und rief: Der Friede sei gemacht, die Österreicher in der Lombardei geschlagen, der Krieg zu Ende! und "Parbleu!" - "Dieu sacre! und "Ou est le General?" Aber Pfeffer blieb stumm wie zuvor, lächelte blöde, lallte wie ein Taubstummer, bis der Franzose weiterritt und an anderer Stelle nach seinem General fragte.

So kam es, daß Pfeffer als erster wußte, was die Glocke geschlagen hatte - und keiner hatte es nun eiliger mit dem Friedenmachen als der Chevalier Jacques David Poivre de Stetten, der seines bunten Rockes schon überdrüssig geworden war!
Welch eine Botschaft! Das mußte er mit seiner Mirzl bereden! Er rannte auf den Kirchplatz und sah sie eben damit beschäftigt, ihrer Krämerin beim Einpacken ihrer Kramwaren zu helfen. Er ließ ihr keine Zeit dafür, nahm sie an der Hand und riss sie mit sich fort. Die Krämerin keifte hinter ihm drein, aber sogleich wurde ihr der Mund gestopft, denn eine Granate ging auf dem Kirchplatz nieder, fegte ihren Kram in alle Winde und ließ die Keiferin einen Wirbel tanzen.
"Der Fried' ist da!" jauchzte Pfeffer und schwang die Mirzl im Kreis - da zischte eine zweite Granate auf das Kirchendach, daß die Ziegel wie Nachtmäuse durch die Luft pfiffen, aber Pfeffer jauchzte: "Der Fried' ist da!" Die Mirzl heulte: "Der Teufel ist los!" "Zum Teufel! Der Fried' ist da!" rief Pfeffer. "Der Teufel ist Fried'!" heulte Mirzl. 

Da machte Pfeffer der Teufelei ein Ende, nahm die Mirzl auf den Arm, trug sie in den offenen Turm und sagte ihr, man müsse droben eine weiße Fahne aufstecken, damit der Österreicher noch zeitig vom Frieden erfahre, ehe er die ganze Stadt kaputtschieße! 
Das ging ihr ein, und die beiden stürmten die Turmstiege empor und kümmerten sich nicht darum, ob die Granaten links oder rechts in die Kirche schlugen, sahen die Glocken auf dem Stuhl vom Druck der Luft in Schwung geraten, stürmten weiter, bis sie oben waren, fanden die Turmstube leer, rissen ein Laken aus dem Turmwächterbett und hißten es an einer langen Stange! 
Es dauerte nicht lange, da stellten die Österreicher das Schießen ein und Pfeffer sah, wie die kaiserlichen Offiziere, die das Feuer leiteten, ihre Okulare auf den Turm richteten. Was konnten sie anders erspähen, als einen Franzosen, der die Fahne der Übergabe schwang und eine Jungfer, die ihn dabei unterstützte!

Nun traten sie zusammen, beratschlagten und schickten einen Parlamentär zu den Franzosen. Die waren überrascht, daß sie schon übergeben haben sollten, blickten in gleicher Wiese auf den Turm und die Fahne, da sie aber die Friedensbotschaft nicht verschweigen konnten, die sie mittlerweile erhalten hatten, wußten sie keinen anderen Rat und senkten die Waffen. 
Wie unten in der Stadt, ward es auch oben auf dem Turm bald stille. 
Pfeffer hatte dem Krieg ein Ende gemacht.

Lächelnd schloß er die Turmstubentür von innen, zog die schweren Stiefeln aus, und der Kuckuck legte sich in ein gemachtes Nest. Nur die Uhr störte ihn noch, die der Türmer in der Stube aufgehangen hatte. Da nahm er den tickenden Zeitweisel von der Wand und schob ihn unters Bett, wo er zur Ruhe kam. 

Der Zeiger stand verschmitzt auf Zwölfe!

-o-

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