Pfeffer verliert beinahe seinen Verstand

Pfeffer verließ die Stadt und wanderte nach Laufen am Neckar, wo sich die österreichischen Truppen noch einmal sammelten, ehe sie weiterzogen in ihre Heimat.
Dort hoffte er seine Liebste wiederzufinden. Der Schelm war sehr traurig und ließ den Kopf hängen. Unterwegs begegneten ihm Landleute, die sich des Kümmerlings erbarmten und ihn fragten, was er denn für ein Leid erlitten habe, daß er den Kopf so hängen lasse!
Da antwortete er ihnen: "Ich habe höher hinauf [gewollt] und war schon hoch oben - da mußte ich einen so tiefen Fall tun!"
Das verstanden sie nicht und meinten, der schreckliche Krieg habe den Armen um sein bißchen Verstand gebracht und hatten Mitleid mit ihm und gaben ihm viel fromme Trostsprüche und gute Bissen auf den Weg.

Am untern Lauf der Zaber, nahe bei Lauffen, ging er lange dem Bach entlang, aber in der Richtung gegen den Strom, und tat so, als suchte er etwas im Wasser. Auf den Wiesen in der Nähe waren viele Leute mit Heuen beschäftigt, die ließen ihre Gabeln liegen, kamen herbei und fragten ihn: "Was gibt's? Was suchst du in unserem Bach?" - "Ach", erwiderte Pfeffer, "was soll ich lange reden, ihr versteht mich ja doch nicht!", suchte weiter und sah drein, als wäre er nahe am Weinen.
Da erbarmten sich die Frauen unter ihnen und fragten sich gegenseitig:" Was mag ihm wohl fehlen? Was hat er denn verloren?" und folgten ihm den Bach entlang, immer gegen den Strom, fanden aber nichts. Nach einer Weile waren sie des Suchens überdrüssig, blieben vor ihm stehen und fragten ihn ernsthaft: Sag uns jetzt, was suchst du in unserem Bach?"
"Ach, ihr Frauen", antwortete Pfeffer und wischte sich eine Träne aus dem Auge, "ich suche meine Liebste."
"Ja, ist sie denn ins Wasser gegangen?" fragten die Frauen.
"Es ist schon möglich", antwortete der Schalk, "denn sie hatte keine Freude mehr am Leben!"
"Aber Mann!" sagte eine von den Weibern, "warum läufst du denn immer gegen den Strom, sie kann doch nur mit dem Strome getrieben sein!"
"Ei", erwiderte Pfeffer, "wie willst du das wissen ? Ich kenne doch meine Liebste besser als du, und weiß, daß sie immer gegen den Strom geschwommen ist! Deshalb kann sie auch jetzt nicht anders! Sie war eben eigener als ihr gewöhnlichen Röcke! - Aber helft mir nur weiter suchen, dort oben jenseits der Stellfalle muß sie zu finden sein!" Das war den guten Weibern zuviel und sie schmähten: "Du bist ein Zigeuner und deine Liebste muß eine rechte Zuchtel gewesen sein! Sieh, daß du fortkommst oder wir machen dir Beine!" erhoben ihre Gabeln gen ihn und Pfeffer lief, was er konnte, nach Lauffen. 

Die Stadt glich einer Festung und steckte voll von Soldaten. Auf den Straßen lagen die Truppen aller Nationen, die unter dem Doppeladler ins Feld gezogen waren: die Ungarn und die Kroaten, die Böhmen und die Slowakier, dazwischen standen die Ochsenwagen, die zu ihrem Troß gehörten. Pfeffer suchte die Marketenderin, kroch in alle Wagen, kauderwelschte in allen Sprachen, aber niemand konnte ihm Auskunft geben.
Ein Soldat aus Linz wußte endlich, daß die Marketenderin gleich mit den ersten Regimentern, die umkehrten, den Heimweg angetreten hatte, und riet ihm, sich zu eilen, dann könne er sie vielleicht in Besigheim einholen.
Pfeffer lief, was er konnte, und das Glück lief mit ihm um die Wette. Unweit von Walheim überholte er die schnellfüßige Dame um Nasenlänge, sah ein Wägelchen auf der Straße rollen, das ihm wohlbekannt war, und einen Schimmel davorgehen, den er schon oft gezügelt hatte. 

Als er das Gefährt erreicht hatte, spionierte er, ob die Alte auf dem Bocke saß; als er sah, daß es die Junge war, die das Leitseil führte, lief er schneller und fing zu pfeifen an. Aber die Mirzl merkte nichts in ihrem Kummer und weinte verdrossen vor sich hin. Nun ging er voraus, tätschelte dem Schimmel am Hals und gab ihm liebe Worte. Da bewegte das  kluge Tier die Ohren, weil es Pfeffer kannte, blieb stehen und schaute sich nach seiner Herrin um. Pfeffer aber zog die Kappe tief ins Gesicht und sagte mit dumpfer Stimme: "Das Vieh denkt nicht und weiß doch, was für ein Wetter ist, aber eine Jungfer sucht ihren Strumpf und merkt nicht, daß sie ihn am Fuß hat!"

"Pfeffer!" rief die Mirzl hellauf und fiel fast vor Freude von ihrem Sitz. Pfeffer drehte sich um und stieg auf den Wagen. Sie mußten aber sehr behutsam und leise reden, denn die Mutter lag zuhinterst unter der Blahe und hatte Schlafzeit wie damals, als Pfeffer zum erstenmal auf den Wagen gestiegen war.

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