Teig in der Backmulde

In einem Weib stecken zehn Schelme, und Weiberwort ist zehnmal schlauer als Schelmenwort!
Aber eine Weiberträne ist mächtiger als hundert Schelme!

Am andern Tag tritt der Schultheiß in Pfeffers Haus und wünscht dem künftigen Eidam viel Glück zum Bräutigamstand. Pfeffer hat große Mühe, ihn zu belehren, daß die Hochzeit auf die lange Bank geschoben werden muß, weil es nicht erwiesen ist, daß das Fiedelspiel noch seinen Mann ernährt wie in früheren Zeiten !
Der Schultheiß braust auf: "Bin ich Herr in Stetten oder bin ich's nicht?! Wenn ich's bin, will ich dafür sorgen, daß in Stetten mehr getanzt - und also mehr gefiedelt wird !"
Pfeffer erwidert: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein einziger Tanzboden ernährt den Fiedler nicht!"
Sie werden einig, daß sie ein halbes Jahr warten und zusehen wollen, wie sich die Lustbarkeit anlässt, dann wollen sie wieder miteinander reden. -

Pfeffer hatte Zeit gewonnen. Wenn einer seiner Braut beweisen will, daß er der rechte Mann für sie ist, muß er's machen wie Pfeffer: Er geht zur Magdalene und sagt: "Ich will nach Cannstatt. Aufspielen!"

Da kommt sie auf den Gedanken, daß er ihr aus der Mühle, die am Neckar liegt, einen halben Zentner Mehl mitbringen kann und sie gibt ihm ein Säcklein auf den Weg. In Cannstatt spielt Pfeffer auf einer Hochzeit und bleibt über Nacht. Am nächsten Morgen trabt er in die Mühle und läßt sich das Säcklein füllen. Die  Geige tragen und einen Halbzentnersack- macht müde ! -

Auf der Neckarbrücke stellt er seinen Tragkorb auf die Brüstung, lehnt sich an und ruht aus. Da reiten herzogliche Husaren über die Brücke. Einer von den  Husaren, der Pfeffer kennt, ruft aus der Reihe: "Sieh den Pfeffer! Was er für ein saures Gesicht macht. Der wäre auch besser bei den Soldaten geblieben!"
Pfeffer erschrickt, stößt an den Tragkorb, der Korb neigt sich und fällt samt Mehl über die Brüstung  in den Neckar. Vorbei ist der Husar - und weg das Mehl!

Ohne Geld und Mehl kommt er zur Magdalene. "Hast du das Mehl?" fragt sie ihn.
"Hab' gleich Teig daraus gemacht!" erwiderte Pfeffer.
"Teig gemacht?" sagte sie und wird rot vor Zorn.
"Ja. Inder großen Backmulde!" sagt Pfeffer ruhig.
"In der großen Backmulde?"
" - die topfeben hinausgeht von Cannstatt bis Stuttgart! Es gibt keine breitere!" sagt Pfeffer -
und meint das Neckartal.
Da schweigt die Magdalene, und Pfeffer schweigt auch.

-o-

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